Zeuge hat heute noch Angst Peter Johnsen Porta Westfalica/Bielefeld (joh). Im Prozess um den Brandanschlag vom 14. September 2015 auf die Flüchtlingsunterkunft im Stadtteil Eisbergen hat das Bielefelder Schwurgericht am zweiten Verhandlungstag Zeugen vernommen, darunter auch einen der betroffenen Heimbewohner.Der 25-jährige Asylbewerber Sudbaran A. aus Mazedonien lebte seit März 2013 mit seiner Frau, zwei Kindern und weiteren Angehörigen der Großfamilie in der Unterkunft an der Ravensberger Straße. Es war gegen 23 Uhr, als er mit der jüngsten Tochter auf dem Arm in der Gemeinschaftsküche Milch für das Baby aufwärmte.„Auf einmal gab es eine Explosion und einen Lichtschein“, so die von einer Dolmetscherin übersetzte Erinnerung des Zeugen, der sich dem Verfahren als Nebenkläger angeschlossen hat. Er habe die anderen Bewohner alarmiert, alle seien ins Freie gestürzt. Die Flammen seien nur 20 bis 30 Zentimeter hoch gewesen und mit einem Eimer Wasser gelöscht worden.„Haben Sie sich bedroht gefühlt?“, wollte Vorsitzender Christoph Meiring wissen. Die Antwort lautete: „Ja“. Die Kinder hätten geweint und er habe heute noch Angst, dass sich ein solcher Vorfall wiederholen könnte, so A., dessen Asylantrag abgelehnt wurde.Bei einem weiteren Zeugen handelte es sich um einen der Kripobeamten, die nach Identifizierung der mutmaßlichen Täter das nur etwa 500 Meter vom Heim entfernte Haus des Angeklagten Heiko W. (34, Name geändert) durchsucht hatten. Dort hatten die vier Angeklagten und weitere Personen am Abend vor dem Anschlag ein Trinkgelage abgehalten.Im Verlauf der Zecherei war das Gespräch auf das Thema „Flüchtlinge“ gekommen und der verhängnisvolle Plan, mit Molotowcocktails „ein Zeichen zu setzen“, entstanden.Auf der Fahrt zum Mindener Polizeirevier habe Heiko W. erklärt, er wolle nun „reinen Tisch machen“ und ein Geständnis abgelegt, berichtete der Beamte vom Staatsschutz.Viel Zeit nahm die Aussage einer weiteren, an der damaligen Feier beteiligten Frau in Anspruch. Zur Frage, welcher der Angeklagten die Aktion initiiert habe, machte die Zeugin zunächst widersprüchliche Angaben. Schließlich legte sie sich auf den Angeklagten Bernd S. (30, Name geändert) fest.Dessen Verteidiger Ulrich Kraft sah darin den Versuch, seinen Mandanten zum Sündenbock zu stempeln. Die Ehefrau des Angeklagten Heiko W. machte von ihrem Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

Zeuge hat heute noch Angst

Der Prozess um den Brandanschlag wird fortgesetzt. © Foto: who

Porta Westfalica/Bielefeld (joh). Im Prozess um den Brandanschlag vom 14. September 2015 auf die Flüchtlingsunterkunft im Stadtteil Eisbergen hat das Bielefelder Schwurgericht am zweiten Verhandlungstag Zeugen vernommen, darunter auch einen der betroffenen Heimbewohner.

Der 25-jährige Asylbewerber Sudbaran A. aus Mazedonien lebte seit März 2013 mit seiner Frau, zwei Kindern und weiteren Angehörigen der Großfamilie in der Unterkunft an der Ravensberger Straße. Es war gegen 23 Uhr, als er mit der jüngsten Tochter auf dem Arm in der Gemeinschaftsküche Milch für das Baby aufwärmte.

„Auf einmal gab es eine Explosion und einen Lichtschein“, so die von einer Dolmetscherin übersetzte Erinnerung des Zeugen, der sich dem Verfahren als Nebenkläger angeschlossen hat. Er habe die anderen Bewohner alarmiert, alle seien ins Freie gestürzt. Die Flammen seien nur 20 bis 30 Zentimeter hoch gewesen und mit einem Eimer Wasser gelöscht worden.

„Haben Sie sich bedroht gefühlt?“, wollte Vorsitzender Christoph Meiring wissen. Die Antwort lautete: „Ja“. Die Kinder hätten geweint und er habe heute noch Angst, dass sich ein solcher Vorfall wiederholen könnte, so A., dessen Asylantrag abgelehnt wurde.

Bei einem weiteren Zeugen handelte es sich um einen der Kripobeamten, die nach Identifizierung der mutmaßlichen Täter das nur etwa 500 Meter vom Heim entfernte Haus des Angeklagten Heiko W. (34, Name geändert) durchsucht hatten. Dort hatten die vier Angeklagten und weitere Personen am Abend vor dem Anschlag ein Trinkgelage abgehalten.

Im Verlauf der Zecherei war das Gespräch auf das Thema „Flüchtlinge“ gekommen und der verhängnisvolle Plan, mit Molotowcocktails „ein Zeichen zu setzen“, entstanden.

Auf der Fahrt zum Mindener Polizeirevier habe Heiko W. erklärt, er wolle nun „reinen Tisch machen“ und ein Geständnis abgelegt, berichtete der Beamte vom Staatsschutz.

Viel Zeit nahm die Aussage einer weiteren, an der damaligen Feier beteiligten Frau in Anspruch. Zur Frage, welcher der Angeklagten die Aktion initiiert habe, machte die Zeugin zunächst widersprüchliche Angaben. Schließlich legte sie sich auf den Angeklagten Bernd S. (30, Name geändert) fest.

Dessen Verteidiger Ulrich Kraft sah darin den Versuch, seinen Mandanten zum Sündenbock zu stempeln. Die Ehefrau des Angeklagten Heiko W. machte von ihrem Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

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