Wie zwei Männer das mutmaßliche Lebensmittellager einer vermeintlichen Terrorzelle in Kleinenbremen entdeckten Thomas Lieske Porta Westfalica-Kleinenbremen. Auf seinem Smartphone hat der Kleinenbremer einige Bilder. Sie zeigen Fischkonserven, Fleischdosen, Wasserkanister. Auch Schokolade, Kekse und Fertiggerichte sind dabei. Die Fotos sind vier Wochen alt. Seit dem Großeinsatz von Landeskriminalamt und Staatsschutz am Mittwoch weiß der Mann, dass die Lebensmittel vermutlich von Angehörigen der mutmaßlichen rechten Terrorzelle „Gruppe S.“ dort gelagert wurden. Er hat Angst, von weiteren Unterstützern der Gruppe, die auch Verbindungen nach Kleinenbremen hatte, identifiziert zu werden. Er will unerkannt bleiben. „Ein Bekannter von mir hat beim Laufen im Wald immer wieder Plastikreste an der gleichen Stelle gefunden“, erinnert sich der Mann. „Er hat sie aufgesammelt. Doch weil am nächsten Tag immer wieder Müll dort lag, wurde er stutzig.“ Der Jogger sagt dem Mann Bescheid. Beide wollen schauen, wo der Müll herkommt. Und trauen ihren Augen nicht, als sie unter einem Wurzelteller einen Berg an Konserven entdecken. „Wir waren sehr verwundert“, sagt der Mann. Dass das Depot mal einen Polizeieinsatz auslösen würde, ahnen die beiden da noch nicht. Wie die Polizei den Zusammenhang zur mutmaßlichen Terrorzelle herstellt, können sie sich nicht zusammenreimen. Mit einer schwarzen Plane sind die Lebensmittel notdürftig bedeckt. Laub und Äste bieten weiteren Sichtschutz. „An den Keksen waren schon Tiere dran“, sagt der Mann. Zuerst überlegen die beiden, ob sie ihren Fund einfach abtransportieren sollen. „Aber der Aufwand bei dieser riesigen Menge wäre zu groß gewesen.“ Sie decken alles wieder feinsäuberlich ab: mit Erde, Laub, Ästen und der Plane. Auf die Idee, das der Ordnungsbehörde oder der Polizei zu melden, kommen sie nicht. „Erst kurz vorher habe ich eine Reportage gesehen, die von Überlebenskünstlern berichtete. Einer von ihnen hatte auch Vorräte im Wald.“ Die beiden Männer nehmen das so hin und gehen wieder zurück ins Dorf. Dort wird der Fund in den kommenden Tagen zum lockeren Dorfgespräch. „Immer mal wieder haben wir darüber erzählt. Aber nicht viel“, erzählt der Kleinenbremer. Er glaubt, dass die Polizei dadurch irgendwann auf das Lager im Wald aufmerksam geworden ist. „Wir haben das jedenfalls nicht gemeldet, weil wir es niemals mit den Vorkommnissen im Februar in Verbindung gebracht hätten.“ Am Mittwochmorgen trifft der Jogger auf einen Teil der Einsatzkräfte direkt an der Fundstelle. Er unterhält sich locker mit einigen Beamten. Dabei erfährt er, dass die Polizisten nach mehr suchen als nur Lebensmitteln. Sie wollen sichergehen, berichtet der Mann, dass dort nicht womöglich auch Waffen gelagert worden sind. Ob sie etwas finden? Schulterzucken. Gegenüber dem MT halten sich die Verantwortlichen weiter bedeckt. Die Fotos auf seinem Smartphone hat der Mann jedenfalls gut abgespeichert. Eine verrückte Geschichte, sagt er. „Und das hier in Kleinenbremen.“ Der Autor ist erreichbar unter Thomas.Lieske@MT.de

Wie zwei Männer das mutmaßliche Lebensmittellager einer vermeintlichen Terrorzelle in Kleinenbremen entdeckten

In einem Waldstück oberhalb des Kleinenbremer Sportplatzes sind zwei Bekannte aus dem Ort vor gut vier Wochen auf ein Lebensmittellager gestoßen. Da ahnten sie noch nicht, was das für Folgen nach sich zieht. MT- © Foto: Alex Lehn

Porta Westfalica-Kleinenbremen. Auf seinem Smartphone hat der Kleinenbremer einige Bilder. Sie zeigen Fischkonserven, Fleischdosen, Wasserkanister. Auch Schokolade, Kekse und Fertiggerichte sind dabei. Die Fotos sind vier Wochen alt. Seit dem Großeinsatz von Landeskriminalamt und Staatsschutz am Mittwoch weiß der Mann, dass die Lebensmittel vermutlich von Angehörigen der mutmaßlichen rechten Terrorzelle „Gruppe S.“ dort gelagert wurden. Er hat Angst, von weiteren Unterstützern der Gruppe, die auch Verbindungen nach Kleinenbremen hatte, identifiziert zu werden. Er will unerkannt bleiben.

„Ein Bekannter von mir hat beim Laufen im Wald immer wieder Plastikreste an der gleichen Stelle gefunden“, erinnert sich der Mann. „Er hat sie aufgesammelt. Doch weil am nächsten Tag immer wieder Müll dort lag, wurde er stutzig.“ Der Jogger sagt dem Mann Bescheid. Beide wollen schauen, wo der Müll herkommt. Und trauen ihren Augen nicht, als sie unter einem Wurzelteller einen Berg an Konserven entdecken. „Wir waren sehr verwundert“, sagt der Mann. Dass das Depot mal einen Polizeieinsatz auslösen würde, ahnen die beiden da noch nicht. Wie die Polizei den Zusammenhang zur mutmaßlichen Terrorzelle herstellt, können sie sich nicht zusammenreimen.

Das Foto auf dem Handy zeigt Teile des Depots. - © Foto: privat
Das Foto auf dem Handy zeigt Teile des Depots. - © Foto: privat

Mit einer schwarzen Plane sind die Lebensmittel notdürftig bedeckt. Laub und Äste bieten weiteren Sichtschutz. „An den Keksen waren schon Tiere dran“, sagt der Mann. Zuerst überlegen die beiden, ob sie ihren Fund einfach abtransportieren sollen. „Aber der Aufwand bei dieser riesigen Menge wäre zu groß gewesen.“ Sie decken alles wieder feinsäuberlich ab: mit Erde, Laub, Ästen und der Plane. Auf die Idee, das der Ordnungsbehörde oder der Polizei zu melden, kommen sie nicht. „Erst kurz vorher habe ich eine Reportage gesehen, die von Überlebenskünstlern berichtete. Einer von ihnen hatte auch Vorräte im Wald.“ Die beiden Männer nehmen das so hin und gehen wieder zurück ins Dorf.

Dort wird der Fund in den kommenden Tagen zum lockeren Dorfgespräch. „Immer mal wieder haben wir darüber erzählt. Aber nicht viel“, erzählt der Kleinenbremer. Er glaubt, dass die Polizei dadurch irgendwann auf das Lager im Wald aufmerksam geworden ist. „Wir haben das jedenfalls nicht gemeldet, weil wir es niemals mit den Vorkommnissen im Februar in Verbindung gebracht hätten.“ Am Mittwochmorgen trifft der Jogger auf einen Teil der Einsatzkräfte direkt an der Fundstelle. Er unterhält sich locker mit einigen Beamten. Dabei erfährt er, dass die Polizisten nach mehr suchen als nur Lebensmitteln. Sie wollen sichergehen, berichtet der Mann, dass dort nicht womöglich auch Waffen gelagert worden sind. Ob sie etwas finden? Schulterzucken. Gegenüber dem MT halten sich die Verantwortlichen weiter bedeckt.

Die Fotos auf seinem Smartphone hat der Mann jedenfalls gut abgespeichert. Eine verrückte Geschichte, sagt er. „Und das hier in Kleinenbremen.“

Der Autor ist erreichbar unter Thomas.Lieske@MT.de

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