Wachstumsschub am Rande des Ackers Umweltschützer werben bei ihrer Wildkräuter-Exkursion für ungedüngte Randbereiche / Geld von der EU Von Gisela Schwarze Porta Westfalica / Bad Oeynhausen (GS). Welcher Portaner Landwirt lässt einen Ackerrandstreifen ohne Düngung wild wachsen und gibt seltenen Pflanzen eine Chance? Der Verein Naturschutz und Heimatpflege Porta (NHP) sucht solch einen Naturfreund. Während einer Wildkräuter-Exkursion in Eidinghausen nahmen NHP-Mitglieder gemeinsam mit Bad Oeynhausener Gleichgesinnten aus der Arbeitsgemeinschaft Naturschutz botanisch interessante Ackerrandstreifen im Bereich Reiterweg/Lange Wand unter die Lupe. Josef Brinker vom Umweltamt der Badestadt informierte inmitten blühender Randstreifen über Vegetation und Schutzkonzept, das von der Europäischen Union (EU) und dem Land Nordrhein-Westfalen gefördert wird.An zwei Schutzäckern zeigte Josef Brinker Wildpflanzen, die fast ausgestorben sind, unter anderem Saatmohn, Sandmohn und den Zahntrost; ein Gewächs, das auf der Roten Liste gefährdeter Arten steht. "Diese ehemalige Heilpflanze ist ein Halbschmarotzer, der benachbarten Gräsern Wasser aussaugt", erfuhren die Zuhörer.Ackerwildkräuter benötigen viel Licht zum Keimen, erläuterte Josef Brinker. Etwa 30 Prozent der Arten sind nur auf stickstoffarmen Böden zu finden, also auf ungedüngten Böden. Heute werden diese Böden aufgrund der Düngermengen immer seltener. Deshalb sind viele Ackerpflanzen vom Aussterben bedroht.Die Eidinghauser Ackerfläche mit den blühenden Randstreifen ist vom bearbeitenden Landwirt schwach mit Roggen bestellt. Dort gilt: Doppelter Reihenabstand und halbe Saatstärke. Zwischen dem spärlichen Getreide wachsen die vier unterschiedlichen Kamillearten Echte, Strahlenlose, Geruchslose Kamille und Hundskamille.Seit 1994 ist die landwirtschaftliche Fläche von der Stadt Bad Oeynhausen gepachtet, um aktiven Naturschutz zu betreiben. Zunächst erfolgte eine Aushagerung: "Das bedeutet ernten, aber nicht düngen", so Brinker. Damit werde das Übermaß an Stickstoff dem Boden entzogen.Die angepachtete Fläche wird jährlich mit einem Schälpflug flach gepflügt und im Herbst neu bestellt. Eine Getreideernte erfolgt nicht, weil sich dieser Aufwand mit einem Mähdrescher nicht lohnt, erläuterte der Experte vom Umweltamt. "Einige Wildkräuter können für viele Jahrzehnte keimfähig im Boden ruhen und bei günstigen Bedingungen wieder in Erscheinung treten."Bundesweite Aktion "100 Äcker für Vielfalt"Parallel zum Schutz seltener Pflanzen werden auch "Lerchenfenster" im Roggenfeld gelassen, nämlich Brutgelegenheit für diesen seltenen Feldvogel. Andere Feldvögel, die ebenfalls profitieren, sind Goldammer, Rebhuhn, Schafstelze und Schleiereule. "Genügend Mäuse, die eine Schleiereule als Nahrung benötigt, sind in diesen ungedüngten Böden vorhanden." Außerdem nähmen die Insektenvielfalt und der Variantenreichtum an Samen und Käfern stark zu, berichtete Brinker.Das Eidinghauser Ackerwildkrautfeld steht auf der Auswahlliste für die bundesweite Aktion "100 Äcker für die Vielfalt!" zum Aufbau eines bundesweiten Schutznetzes für Ackerwildkräuter. Geld stammt von der EU und dem Land. Noch sei nicht endgültig entschieden, ob das besichtigte Eidinghauser Feld einmal zu den 100 ausgewiesenen offiziellen Schutzäckern gehören wird (mehr Informationen unter www.schutzaecker.de)."Das ist auch eine Chance für Porta Westfalica", meint Holger Hansing vom Portaner NHP, "denn auch bei uns könnten noch seltene Pflanzen auf Randstreifen als Samen im Boden schlummern und ohne Düngung irgendwann sprießen." Es müsste sich nur ein Landwirt finden, der es in Porta wage, einen Randstreifen ohne Düngung und Herbizid wachsen zu lassen.Vor dem Hintergrund, dass die laufende NHP-Aktion "Sagt uns, wo die Kornblumen sind" bisher starken Zuspruch fand und zahlreiche Meldungen aufweist, hoffen die Portaner Naturschutz- und Heimatfreunde auch diesmal auf die Beteiligung heimischer Landwirte. Bei Interesse können sich Landwirte unter der Telefonnummer (0571) 3986448 oder unter der Internet-Adresse kornblumen2011@web.de melden.

Wachstumsschub am Rande des Ackers

Porta Westfalica / Bad Oeynhausen (GS). Welcher Portaner Landwirt lässt einen Ackerrandstreifen ohne Düngung wild wachsen und gibt seltenen Pflanzen eine Chance? Der Verein Naturschutz und Heimatpflege Porta (NHP) sucht solch einen Naturfreund.

Vier Sorten Kamille wachsen in dem Schutzacker, den Umweltschützer aus Porta und Bad Oeynhausen unter die Lupe nahmen. Josef Brinker (Mitte) referierte. - © Foto: Gisela Schwarze
Vier Sorten Kamille wachsen in dem Schutzacker, den Umweltschützer aus Porta und Bad Oeynhausen unter die Lupe nahmen. Josef Brinker (Mitte) referierte. - © Foto: Gisela Schwarze

Während einer Wildkräuter-Exkursion in Eidinghausen nahmen NHP-Mitglieder gemeinsam mit Bad Oeynhausener Gleichgesinnten aus der Arbeitsgemeinschaft Naturschutz botanisch interessante Ackerrandstreifen im Bereich Reiterweg/Lange Wand unter die Lupe. Josef Brinker vom Umweltamt der Badestadt informierte inmitten blühender Randstreifen über Vegetation und Schutzkonzept, das von der Europäischen Union (EU) und dem Land Nordrhein-Westfalen gefördert wird.

An zwei Schutzäckern zeigte Josef Brinker Wildpflanzen, die fast ausgestorben sind, unter anderem Saatmohn, Sandmohn und den Zahntrost; ein Gewächs, das auf der Roten Liste gefährdeter Arten steht. "Diese ehemalige Heilpflanze ist ein Halbschmarotzer, der benachbarten Gräsern Wasser aussaugt", erfuhren die Zuhörer.

Ackerwildkräuter benötigen viel Licht zum Keimen, erläuterte Josef Brinker. Etwa 30 Prozent der Arten sind nur auf stickstoffarmen Böden zu finden, also auf ungedüngten Böden. Heute werden diese Böden aufgrund der Düngermengen immer seltener. Deshalb sind viele Ackerpflanzen vom Aussterben bedroht.

Die Eidinghauser Ackerfläche mit den blühenden Randstreifen ist vom bearbeitenden Landwirt schwach mit Roggen bestellt. Dort gilt: Doppelter Reihenabstand und halbe Saatstärke. Zwischen dem spärlichen Getreide wachsen die vier unterschiedlichen Kamillearten Echte, Strahlenlose, Geruchslose Kamille und Hundskamille.

Seit 1994 ist die landwirtschaftliche Fläche von der Stadt Bad Oeynhausen gepachtet, um aktiven Naturschutz zu betreiben. Zunächst erfolgte eine Aushagerung: "Das bedeutet ernten, aber nicht düngen", so Brinker. Damit werde das Übermaß an Stickstoff dem Boden entzogen.

Die angepachtete Fläche wird jährlich mit einem Schälpflug flach gepflügt und im Herbst neu bestellt. Eine Getreideernte erfolgt nicht, weil sich dieser Aufwand mit einem Mähdrescher nicht lohnt, erläuterte der Experte vom Umweltamt. "Einige Wildkräuter können für viele Jahrzehnte keimfähig im Boden ruhen und bei günstigen Bedingungen wieder in Erscheinung treten."

Bundesweite Aktion "100 Äcker für Vielfalt"

Parallel zum Schutz seltener Pflanzen werden auch "Lerchenfenster" im Roggenfeld gelassen, nämlich Brutgelegenheit für diesen seltenen Feldvogel. Andere Feldvögel, die ebenfalls profitieren, sind Goldammer, Rebhuhn, Schafstelze und Schleiereule. "Genügend Mäuse, die eine Schleiereule als Nahrung benötigt, sind in diesen ungedüngten Böden vorhanden." Außerdem nähmen die Insektenvielfalt und der Variantenreichtum an Samen und Käfern stark zu, berichtete Brinker.

Das Eidinghauser Ackerwildkrautfeld steht auf der Auswahlliste für die bundesweite Aktion "100 Äcker für die Vielfalt!" zum Aufbau eines bundesweiten Schutznetzes für Ackerwildkräuter. Geld stammt von der EU und dem Land. Noch sei nicht endgültig entschieden, ob das besichtigte Eidinghauser Feld einmal zu den 100 ausgewiesenen offiziellen Schutzäckern gehören wird (mehr Informationen unter www.schutzaecker.de).

"Das ist auch eine Chance für Porta Westfalica", meint Holger Hansing vom Portaner NHP, "denn auch bei uns könnten noch seltene Pflanzen auf Randstreifen als Samen im Boden schlummern und ohne Düngung irgendwann sprießen." Es müsste sich nur ein Landwirt finden, der es in Porta wage, einen Randstreifen ohne Düngung und Herbizid wachsen zu lassen.

Vor dem Hintergrund, dass die laufende NHP-Aktion "Sagt uns, wo die Kornblumen sind" bisher starken Zuspruch fand und zahlreiche Meldungen aufweist, hoffen die Portaner Naturschutz- und Heimatfreunde auch diesmal auf die Beteiligung heimischer Landwirte. Bei Interesse können sich Landwirte unter der Telefonnummer (0571) 3986448 oder unter der Internet-Adresse kornblumen2011@web.de melden.

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