Vom Maisfeld in den Garten: Wildschweine pflügen Grundstück um Dirk Haunhorst Porta Westfalica-Holzhausen. Jürgen Kühme hörte vorletzte Nacht ein verdächtiges Grunzen. Er stand auf, um zu schauen, ob wieder Wildschweine auf seinem Grundstück sind. Als alles ruhig blieb, legte er sich wieder hin. Länger draußen herumlaufen will er im Dunkeln nicht. „Ich muss hier nicht den Helden spielen“, sagt der Holzhauser. Wenn eine Bache mit Frischlingen im Maisfeld sei, könne es gefährlich werden. Angesichts der Schäden glaubt Kühme, dass dort eine ganze Rotte steckt. 1.800 Quadratmeter Wiese und Rasen wurden in den vergangenen acht Wochen am Forellenweg umgepflügt. „Da ist man hilflos“, sagt Kühme. Der zuständige Jagdpächter Joachim Möbius weiß um die Probleme, die Schwarzwild vor allem in Holzhausen verursacht. Im April berichtete das MT bereits über einen verwüsteten Garten. Aktuell haben die Schweine am Findel ein ganzes Maisfeld plattgemacht. Auch Veltheim sei stark betroffen, sagt Möbius. Die Wildschweine profitieren vom reichen landwirtschaftlichen Nahrungsangebot, das derzeit noch die Maisfelder vorhalten. Und dann wühlen sich die Tiere nebenan durch Gärten, wie bei Familie Kühme, um an eiweißreiche Würmer zu kommen. Je größer die Schäden, desto lauter der Ruf nach intensiver Bejagung. Das geschehe bereits, sagt Möbius, die Jäger seien derzeit häufig unterwegs. In Holzhausen würden im Jahr ungefähr 60 Wildschweine zur Strecke gebracht. Doch es gibt Grenzen: In der Nähe von Wohnbebauung wäre es viel zu gefährlich, Wild zu jagen. „So eine Kugel fliegt schließlich vier bis fünf Kilometer weit“, sagt Möbius. Im Fall der Familie Kühme empfiehlt er, das Grundstück einzuzäunen. Er habe es bereits mit einem Elektrozaun versucht, berichtet Jürgen Kühme. Der sei aber flachgelegt worden. „Da lachen die Wildschweine vermutlich drüber.“ Und ein Zaun mit richtigen Fundamenten in unmittelbarer Nähe des Maisfelds erschwere dem Landwirt die Bewirtschaftung. Mit dem Bauern verstehe er sich recht gut, sagt Kühme. Er habe sich beim MT gemeldet, um auf die Probleme aufmerksam zu machen, und nicht, um Schadensersatz zu erhalten, auf den er als Privatmann sowieso nicht hoffen dürfe. Er wäre schon froh, wenn ein Landwirt mit entsprechenden Geräten helfe, das Gelände wieder einigermaßen herzurichten, damit dort später wieder gemäht werden könne. Aber zunächst einmal müsse mit der Maisernte das Schwarzwild verschwinden. Der Leiter der Portaner Ordnungsbehörde, Detlef Brand, berichtet, dass Landwirte bei Wildschäden Geld bekommen könnten. Die Betroffenen müssten die Schäden aber innerhalb von einer Woche melden. Diese Frist werde oft versäumt, so Brand. Dem Ordnungsamt falle die Aufgabe zu, einen Gütetermin mit Jagdpächter, Landwirt und Wildschadensschätzer zu organisieren. Die Fälle häuften sich in letzter Zeit. Auch Hausberges Jagdpächter Volker Reek hat derzeit alle Hände voll zu tun, um mit weiteren Jägern den Schwarzwild-Bestand in den Griff zu bekommen. „Wir sind fast jede zweite Nacht auf den Beinen.“ Weitaus größere Sorgen bereiteten ihm aber Anfang September vier ominöse Totfunde innerhalb von einer Woche. Die Wildschweine wurden zwischen Hoppenstraße und Heerweg entdeckt. Reek befürchtete schon, dass es sich um (Afrikanische) Schweinepest handeln könnte, aber das Veterinäramt gab in allen Fällen Entwarnung, wie der Kreis gestern auf MT-Anfrage bestätigte. Nicht ausgeschlossen, so Reek, dass in diesem Bereich jemand sein Unwesen treibe und Gift ausgelegt habe. Aber das sei bislang nur ein vager Verdacht. Eine weitaus schonendere Methode, um das Wild auf Abstand zu halten, probiert Jürgen Kühme aus. Er hat ein Vergrämungsmittel in Tüten gefüllt, das einen unangenehmen Geruch verbreitet. Tipps, um Wildschweine fernzuhalten, gibt es ja zuhauf. So soll Schwarzwild beispielsweise Menschenhaare meiden. Kühme überlegt, sich bei Friseuren damit einzudecken. Jagdpächter Volker Reek macht aber wenig Hoffnung, dass damit langfristige Erfolge verbunden sind. Dafür sei Schwarzwild zu clever, sagt er.

Vom Maisfeld in den Garten: Wildschweine pflügen Grundstück um

„Da ist man hilflos.“ Wildschweine haben auf einer Länge von 180 Metern an einem Maisfeld entlang gebuddelt. Die Wiese am Forellenweg gehört Jürgen Kühme. Er hofft, dass das Schwarzwild eine große angrenzende Rasenfläche verschont. MT-Fotos: Dirk Haunhorst © HAunhorst

Porta Westfalica-Holzhausen. Jürgen Kühme hörte vorletzte Nacht ein verdächtiges Grunzen. Er stand auf, um zu schauen, ob wieder Wildschweine auf seinem Grundstück sind. Als alles ruhig blieb, legte er sich wieder hin. Länger draußen herumlaufen will er im Dunkeln nicht. „Ich muss hier nicht den Helden spielen“, sagt der Holzhauser. Wenn eine Bache mit Frischlingen im Maisfeld sei, könne es gefährlich werden. Angesichts der Schäden glaubt Kühme, dass dort eine ganze Rotte steckt. 1.800 Quadratmeter Wiese und Rasen wurden in den vergangenen acht Wochen am Forellenweg umgepflügt. „Da ist man hilflos“, sagt Kühme.

Der zuständige Jagdpächter Joachim Möbius weiß um die Probleme, die Schwarzwild vor allem in Holzhausen verursacht. Im April berichtete das MT bereits über einen verwüsteten Garten. Aktuell haben die Schweine am Findel ein ganzes Maisfeld plattgemacht. Auch Veltheim sei stark betroffen, sagt Möbius. Die Wildschweine profitieren vom reichen landwirtschaftlichen Nahrungsangebot, das derzeit noch die Maisfelder vorhalten. Und dann wühlen sich die Tiere nebenan durch Gärten, wie bei Familie Kühme, um an eiweißreiche Würmer zu kommen.

Je größer die Schäden, desto lauter der Ruf nach intensiver Bejagung. Das geschehe bereits, sagt Möbius, die Jäger seien derzeit häufig unterwegs. In Holzhausen würden im Jahr ungefähr 60 Wildschweine zur Strecke gebracht. Doch es gibt Grenzen: In der Nähe von Wohnbebauung wäre es viel zu gefährlich, Wild zu jagen. „So eine Kugel fliegt schließlich vier bis fünf Kilometer weit“, sagt Möbius. Im Fall der Familie Kühme empfiehlt er, das Grundstück einzuzäunen.


Er habe es bereits mit einem Elektrozaun versucht, berichtet Jürgen Kühme. Der sei aber flachgelegt worden. „Da lachen die Wildschweine vermutlich drüber.“ Und ein Zaun mit richtigen Fundamenten in unmittelbarer Nähe des Maisfelds erschwere dem Landwirt die Bewirtschaftung. Mit dem Bauern verstehe er sich recht gut, sagt Kühme. Er habe sich beim MT gemeldet, um auf die Probleme aufmerksam zu machen, und nicht, um Schadensersatz zu erhalten, auf den er als Privatmann sowieso nicht hoffen dürfe. Er wäre schon froh, wenn ein Landwirt mit entsprechenden Geräten helfe, das Gelände wieder einigermaßen herzurichten, damit dort später wieder gemäht werden könne. Aber zunächst einmal müsse mit der Maisernte das Schwarzwild verschwinden.

Landwirte müssen Wildschäden, hier eine zerstörtes Maisfeld an der Findelstraße, innerhalb einer Woche melden, um Schadensersatz zu erhalten. - © Haunhorst
Landwirte müssen Wildschäden, hier eine zerstörtes Maisfeld an der Findelstraße, innerhalb einer Woche melden, um Schadensersatz zu erhalten. - © Haunhorst

Der Leiter der Portaner Ordnungsbehörde, Detlef Brand, berichtet, dass Landwirte bei Wildschäden Geld bekommen könnten. Die Betroffenen müssten die Schäden aber innerhalb von einer Woche melden. Diese Frist werde oft versäumt, so Brand. Dem Ordnungsamt falle die Aufgabe zu, einen Gütetermin mit Jagdpächter, Landwirt und Wildschadensschätzer zu organisieren. Die Fälle häuften sich in letzter Zeit.

Auch Hausberges Jagdpächter Volker Reek hat derzeit alle Hände voll zu tun, um mit weiteren Jägern den Schwarzwild-Bestand in den Griff zu bekommen. „Wir sind fast jede zweite Nacht auf den Beinen.“ Weitaus größere Sorgen bereiteten ihm aber Anfang September vier ominöse Totfunde innerhalb von einer Woche. Die Wildschweine wurden zwischen Hoppenstraße und Heerweg entdeckt. Reek befürchtete schon, dass es sich um (Afrikanische) Schweinepest handeln könnte, aber das Veterinäramt gab in allen Fällen Entwarnung, wie der Kreis gestern auf MT-Anfrage bestätigte. Nicht ausgeschlossen, so Reek, dass in diesem Bereich jemand sein Unwesen treibe und Gift ausgelegt habe. Aber das sei bislang nur ein vager Verdacht.

Eine weitaus schonendere Methode, um das Wild auf Abstand zu halten, probiert Jürgen Kühme aus. Er hat ein Vergrämungsmittel in Tüten gefüllt, das einen unangenehmen Geruch verbreitet. Tipps, um Wildschweine fernzuhalten, gibt es ja zuhauf. So soll Schwarzwild beispielsweise Menschenhaare meiden. Kühme überlegt, sich bei Friseuren damit einzudecken. Jagdpächter Volker Reek macht aber wenig Hoffnung, dass damit langfristige Erfolge verbunden sind. Dafür sei Schwarzwild zu clever, sagt er.

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