Viel natürlicher Widerstand: Warum Porta Westfalica bei der Suche nach einer ICE-Trasse eine Sonderrolle einnehmen könnte Thomas Lieske Porta Westfalica. Die Planungsphase für die ICE-Strecke Hannover-Bielefeld schreitet zügig voran. Für das nächste Plenum, in dem verschiedene Vertreter der einzelnen betroffenen Regionen sitzen, sollen bereits erste Grobkorridore für den Trassenverlauf gezeigt werden. Deshalb haben die Beteiligten vor Kurzem in einem Vertiefungsworkshop bereits intensiv über die Raumwiderstände in der Region diskutiert. Oberste Prämisse: Geschlossene Ortschaften dürfen schon per Gesetz nicht von einer solchen Bahntrasse durchschnitten werden. Sie gehören zur sogenannten Raumwiderstandsklasse 5. Heißt: Diese Gebiete sind in aller Regel Tabuzone für neue Bahntrassen. Spannend wird es für Porta Westfalica beim Blick auf landwirtschaftliche Hofstellen. Die liegen hier oft im Außenbereich geschlossener Ortschaften. Und deren landwirtschaftliche Fläche verteilt sich oft ringsherum und über teils mehrere Bezirke. Im Workshop blieb noch offen, ob diese Hofstellen auch in die Kategorie 5, also die höchste Schutzstufe zählen. Landwirte aus Porta Westfalica hatten bereits vor einiger Zeit darauf aufmerksam gemacht, dass es immer schwerer werde, nicht versiegelte Fläche zu finden, um Nahrungsmittel anzubauen. Auch wenn eine neue ICE-Trasse scheinbar nur die Breite der neuen Strecke versiegele, sei durch einen solchen Neubau deutlich mehr Fläche betroffen. Baustraßen würden weitere Fläche in Anspruch nehmen. Und zerschnittene Ackerflächen würden sich oft aufgrund der zu geringen Größe nicht mehr rentieren und seien schwerer zu erreichen. Auch die Industrie- und Handelskammer meldet große Bedenken an. Gerade im Bereich OWL, oft sogar in Porta Westfalica, seien viele Familien- und Mittelstandsbetriebe im Außenbereich angesiedelt. Schon heute fehlten oft Gewerbeflächen – Portas Gewerbegebiete sind nahezu voll. Sollten erste mögliche Trassenverläufe konkret werden, sollte die Bahn aus Sicht der IHK ganz genau hinschauen, welche Flächen als künftige Gewerbeflächen dienen könnten und diese nicht für einen potenziellen Neubau nutzen. Porta Westfalica wird bei der Planung der ICE-Trasse auch beim Themenkomplex Wasser eine besondere Rolle einnehmen. Vor allem im westlichen südlichen Teil der Stadt liegen wichtige Trinkwasserbrunnen, aus denen nicht nur die Stadt selbst, sondern auch Teile Mindens und Bad Oeynhausens gespeist werden. Für das Beispiel Wasser hat die Bahn mittlerweile sogar schon eine Raumwiderstandskarte veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass die gesamte Stadt mindestens die Raumwiderstandsklasse 3 einnimmt, teils sogar die vierte Stufe und vereinzelt die fünfte Stufe. Bedeutet: Bei einem Neubau wäre an dieser Stelle mit erheblichen Umweltauswirkungen zu rechnen. Während in Stufe 3 Auswirkungen auf die Umwelt für das Planverfahren der Bahn zumindest im Einzelfall entscheidungsrelevant sind, müssen sie in Stufe 4 schon „im besonderen Maße“ betrachtet werden. Wer sich die Raumwiderstandskarte für das Beispiel Wasser im Detail anschaut, entdeckt damit nur wenige Lücken in Porta, die wenig Raumwiderstände bieten. Ins Auge sticht dabei nicht nur die bestehende Bahntrasse durch die Porta Westfalica. Diese will die Bahn nach eigenen Angaben gleichwertig zu einem möglichen Neubau betrachten. Zum anderen scheint es, zumindest beim Thema Wasser, wenige Reibungspunkte entlang der Autobahn 2 zu geben. Dort allerdings gibt es mehrere Naturschutzgebiete. Mehr Klarheit soll das kommende Plenum am 9. November bringen. Die Sitzung ist öffentlich, alle Ergebnisse werden im Anschluss auf der Homepage des Bahnprojekts unter www.hannover-bielefeld.de veröffentlicht. Dort können Interessierte auch Fragen stellen, die die Bahn online beantwortet.

Viel natürlicher Widerstand: Warum Porta Westfalica bei der Suche nach einer ICE-Trasse eine Sonderrolle einnehmen könnte

Wie könnte eine ICE-Hochgeschwindigkeitstrasse aussehen? Und wo könnte sie entlang führen? Das werden maßgeblich auch sogenannte Raumwiderstände bestimmen, wie etwa Trinkwasserbrunnen oder Naturschutzgebiete. Symbolfoto: holzijue/pixabay © holzijue/pixabay

Porta Westfalica. Die Planungsphase für die ICE-Strecke Hannover-Bielefeld schreitet zügig voran. Für das nächste Plenum, in dem verschiedene Vertreter der einzelnen betroffenen Regionen sitzen, sollen bereits erste Grobkorridore für den Trassenverlauf gezeigt werden. Deshalb haben die Beteiligten vor Kurzem in einem Vertiefungsworkshop bereits intensiv über die Raumwiderstände in der Region diskutiert.

Oberste Prämisse: Geschlossene Ortschaften dürfen schon per Gesetz nicht von einer solchen Bahntrasse durchschnitten werden. Sie gehören zur sogenannten Raumwiderstandsklasse 5. Heißt: Diese Gebiete sind in aller Regel Tabuzone für neue Bahntrassen. Spannend wird es für Porta Westfalica beim Blick auf landwirtschaftliche Hofstellen. Die liegen hier oft im Außenbereich geschlossener Ortschaften. Und deren landwirtschaftliche Fläche verteilt sich oft ringsherum und über teils mehrere Bezirke. Im Workshop blieb noch offen, ob diese Hofstellen auch in die Kategorie 5, also die höchste Schutzstufe zählen. Landwirte aus Porta Westfalica hatten bereits vor einiger Zeit darauf aufmerksam gemacht, dass es immer schwerer werde, nicht versiegelte Fläche zu finden, um Nahrungsmittel anzubauen. Auch wenn eine neue ICE-Trasse scheinbar nur die Breite der neuen Strecke versiegele, sei durch einen solchen Neubau deutlich mehr Fläche betroffen. Baustraßen würden weitere Fläche in Anspruch nehmen. Und zerschnittene Ackerflächen würden sich oft aufgrund der zu geringen Größe nicht mehr rentieren und seien schwerer zu erreichen.

Auch die Industrie- und Handelskammer meldet große Bedenken an. Gerade im Bereich OWL, oft sogar in Porta Westfalica, seien viele Familien- und Mittelstandsbetriebe im Außenbereich angesiedelt. Schon heute fehlten oft Gewerbeflächen – Portas Gewerbegebiete sind nahezu voll. Sollten erste mögliche Trassenverläufe konkret werden, sollte die Bahn aus Sicht der IHK ganz genau hinschauen, welche Flächen als künftige Gewerbeflächen dienen könnten und diese nicht für einen potenziellen Neubau nutzen.


Porta Westfalica wird bei der Planung der ICE-Trasse auch beim Themenkomplex Wasser eine besondere Rolle einnehmen. Vor allem im westlichen südlichen Teil der Stadt liegen wichtige Trinkwasserbrunnen, aus denen nicht nur die Stadt selbst, sondern auch Teile Mindens und Bad Oeynhausens gespeist werden. Für das Beispiel Wasser hat die Bahn mittlerweile sogar schon eine Raumwiderstandskarte veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass die gesamte Stadt mindestens die Raumwiderstandsklasse 3 einnimmt, teils sogar die vierte Stufe und vereinzelt die fünfte Stufe. Bedeutet: Bei einem Neubau wäre an dieser Stelle mit erheblichen Umweltauswirkungen zu rechnen. Während in Stufe 3 Auswirkungen auf die Umwelt für das Planverfahren der Bahn zumindest im Einzelfall entscheidungsrelevant sind, müssen sie in Stufe 4 schon „im besonderen Maße“ betrachtet werden.

Wer sich die Raumwiderstandskarte für das Beispiel Wasser im Detail anschaut, entdeckt damit nur wenige Lücken in Porta, die wenig Raumwiderstände bieten. Ins Auge sticht dabei nicht nur die bestehende Bahntrasse durch die Porta Westfalica. Diese will die Bahn nach eigenen Angaben gleichwertig zu einem möglichen Neubau betrachten. Zum anderen scheint es, zumindest beim Thema Wasser, wenige Reibungspunkte entlang der Autobahn 2 zu geben. Dort allerdings gibt es mehrere Naturschutzgebiete.

Mehr Klarheit soll das kommende Plenum am 9. November bringen. Die Sitzung ist öffentlich, alle Ergebnisse werden im Anschluss auf der Homepage des Bahnprojekts unter www.hannover-bielefeld.de veröffentlicht. Dort können Interessierte auch Fragen stellen, die die Bahn online beantwortet.

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