Vertrag mit Tourismusverband: Stadt Porta nimmt nach Panne einen zweiten Anlauf Dirk Haunhorst Porta Westfalica. Porta soll für Touristen attraktiver werden. Dazu sollen Wanderwege zertifiziert und besser beschildert und die Anlaufstellen für Besucher angemessen ausgestattet werden. Um diese Ziele zur erreichen, hat die Kommune einen Dienstleistungsvertrag mit dem Zweckverband Touristikzentrum Westliches Weserbergland (TWW) geschlossen. Bürgermeisterin Dr. Sonja Gerlach (CDU) und TWW-Geschäftsführer Matthias Gräbner unterzeichneten am Freitag den Vertrag, der eine Laufzeit von einem Jahr hat. Danach soll eine Auswertung des Erreichten erfolgen. Eine solche Evaluation war im vorigen Jahr versäumt worden. Damals war eine andere Zusammenarbeit mit dem TWW entgegen der ursprünglichen Absicht einfach weitergelaufen. Gerlach und der neue Fachausschuss-Vorsitzende Karl-Erich Schmeding (CDU) bestätigten entsprechende MT-Informationen. Schmeding leitet den nach der Kommunalwahl neu formierten Ausschuss für Stadtentwicklung, Wirtschaftsförderung, Tourismus und Stadtmarketing. Eine solche Panne wie 2020 soll sich nicht wiederholen, sagte der Politiker anlässlich der Vertragsunterzeichnung im Rathaus: „Im nächsten Jahr gibt es eine Evaluation, sonst lege ich mein Amt nieder." Rückblick: Seit dem 1. Januar 2015 ist die Stadt Porta Westfalica Mitglied im Zweckverband TWW. Zusätzlich zu den Leistungen, die sich aus der Mitgliedschaft ergeben, machte die Stadt 2018 Geld locker, um eine Fachkraft für Tourismus zu bezahlen. Die auf zwei Jahre befristete halbe Stelle sollte insgesamt 60.000 Euro kosten. Eine Mitarbeiterin des Zweckverbandes widmete vom Frühjahr 2018 an die Hälfte ihrer Arbeitszeit den Portaner Projekten. Die Expertin sollte sich um die bessere Vermarktung der Portaner Markenzeichen kümmern. Wesentlicher Anlass war die Eröffnung des neuen Besucherzentrums am Kaiser–Denkmal Mitte 2018. Vereinbart wurde auch, die Ergebnisse nach zwei Jahren kritisch zu betrachten, bevor das Engagement der Mitarbeiterin eventuell verlängert wird. Doch die Evaluation geschah nicht, die Mitarbeiterin wurde dennoch ungefähr ein Dreivierteljahr weiterbezahlt. Ex-Bürgermeister Bernd Hedtmann (parteilos), der bis Anfang November 2020 im Amt war, nimmt das Versäumnis auf seine Kappe. Im Frühjahr 2020 sei Corona das alles dominierende Ereignis gewesen, teilt er dem MT mit. Das Thema Tourismus sei mehr oder weniger unter den Tisch gefallen. „Das Augenmerk richtete sich auf tausend andere Sachen", sagt Hedtmann. Dass die Beschäftigung der TWW-Mitarbeiterin über den vereinbarten Zeitpunkt hinaus weitergelaufen sei, habe er seinerzeit nicht auf dem Schirm gehabt. Hedtmann sagt aber auch, dass im Fall einer Evaluation die Zusammenarbeit womöglich ohnehin fortgesetzt worden wäre. Er sei jedenfalls überzeugt von der Qualität des TWW und seinem Nutzen für Porta Westfalica. Zweckverbands-Geschäftsführer Matthias Gräbner sagte am Freitag, dass der unbeabsichtigten Verlängerung des Engagements im vorigen Jahr entsprechende Leistungen gegenüber gestanden hätten. So habe der TWW für Porta unter anderem an dem Projekt „Zukunftsfit Wandern" gearbeitet. Themen rund ums (Rad-)Wandern bilden auch einen Schwerpunkt im neuen Dienstleistungsvertrag, der erneut eine halbe Stelle veranschlagt. Bürgermeisterin Gerlach sind dabei konkrete Leistungen wichtig – etwa der Rückbau der Altbeschilderung unter anderem am Weserradweg, um die Voraussetzungen für neue Schilder und bessere Orientierung zu schaffen. Ausgewählte Rundwanderwege sollen nach den Standards des Deutschen Wanderverbandes für eine Zertifizierung hergerichtet werden. Ziel sind zwei bis drei kurze Qualitätsrundwanderwege, um das Wegenetz weiter zu profilieren. „Unser Waldabenteuerpfad steht ganz oben auf der Liste", sagt Gerlach. Eine weitere Baustelle: Der Service für Touristen und Gäste soll durch eine „bedarfsgerechte Anlaufstelle" für Besucher in der Porta verbessert werden. Der TWW richtet im i-Punkt Hausberge ein Projektbüro ein, das Mitarbeiter des Zweckverbandes nutzen. Personal der Stadtverwaltung und Vertreter des Stadtmarketingvereins Idee pro Porta werden weiterhin die Präsenz im i-Punkt abdecken. Auf die zunehmenden Anfragen und die Gästezahl will die Stadt mit der Aufstockung der Ressourcen für den Besucherservice sowie den Ausbau des digitalen Gästeservices reagieren. Bislang gibt es zwei Info-Terminals in Barkhausen und Hausberge. Für die Gästeführungen am Kaiser-Wilhelm-Denkmal wird ein Konzept erarbeitet und eine Kooperationsvereinbarung mit anderen touristischen Angeboten vorbereitet – in Zusammenarbeit mit dem Preußen-Museum und der Minden Marketing GmbH.Karl Erich Schmeding ist wichtig, dass das Tourismuskonzept aus dem Jahr 2014 unter Rückgriff auf Ideen eines aktuellen Workshop fortgeschrieben wird. Ziel sei, die Schwerpunkte bis 2030 festzulegen, gleichsam als politisches Handlungsprogramm mit einer entsprechenden Priorisierung der Projekte. Neben dieser eher strategischen (Papier-)Arbeit legt Bürgermeisterin Gerlach viel Wert auf sichtbare Resultate, die innerhalb des nächsten Jahres umgesetzt werden. So soll die neue Beschilderung der Wege zeigen, dass sich auch konkret etwas tut. Ärgerlich und entlarvend Ein Kommentar von Dirk Haunhorst Die Panne des vergangenen Jahres taugt nicht zum Skandal. Das Versäumnis, die Vereinbarung mit dem Tourismusverband zu überprüfen und die Beschäftigung einer Mitarbeiterin gegebenenfalls zu beenden, fällt in die frühe Coronaphase. Ex-Bürgermeister Bernd Hedtmann erklärt, dass angesichts der Bewältigung der Pandemiefolgen die Vertragsangelegenheit übersehen worden sei. Nun, das kann aber passieren. Und doch ist die Panne ärgerlich und entlarvend. Gerade weil Corona den Tourismus seit März 2020 stark beeinträchtigte, hätten Politik und Verwaltung über diese Sache und die fehlende Evaluation eigentlich stolpern müssen. Doch niemand scheint das Thema auf dem Schirm gehabt zu haben. Ein Zeichen für Desinteresse? Bürgermeister Hedtmann bemühte in seiner Amtszeit gerne die griffige Formel, dass Portas Perlen poliert werden müssten. Es hat den Anschein, dass die städtische Schmuckschatulle in Vergessenheit gerät, sobald offizielle Termine vorbei und Mikrofone abgebaut sind. Ein bisschen mehr nachhaltige und krisensichere Aufmerksamkeit braucht der Tourismus schon. Porta hat hier Potenzial. Leider wird es seit Jahrzehnten nicht ausgeschöpft.

Vertrag mit Tourismusverband: Stadt Porta nimmt nach Panne einen zweiten Anlauf

Porta Westfalica. Porta soll für Touristen attraktiver werden. Dazu sollen Wanderwege zertifiziert und besser beschildert und die Anlaufstellen für Besucher angemessen ausgestattet werden. Um diese Ziele zur erreichen, hat die Kommune einen Dienstleistungsvertrag mit dem Zweckverband Touristikzentrum Westliches Weserbergland (TWW) geschlossen. Bürgermeisterin Dr. Sonja Gerlach (CDU) und TWW-Geschäftsführer Matthias Gräbner unterzeichneten am Freitag den Vertrag, der eine Laufzeit von einem Jahr hat. Danach soll eine Auswertung des Erreichten erfolgen. Eine solche Evaluation war im vorigen Jahr versäumt worden. Damals war eine andere Zusammenarbeit mit dem TWW entgegen der ursprünglichen Absicht einfach weitergelaufen. Gerlach und der neue Fachausschuss-Vorsitzende Karl-Erich Schmeding (CDU) bestätigten entsprechende MT-Informationen.

Richtungweisend: Die bessere Beschilderung von Rad- und Wanderwegen zählt zu den vertraglich vereinbarten Aufgaben. MT-Foto (Archiv): C. Korfesmeyer - © Korfeesmeyer
Richtungweisend: Die bessere Beschilderung von Rad- und Wanderwegen zählt zu den vertraglich vereinbarten Aufgaben. MT-Foto (Archiv): C. Korfesmeyer - © Korfeesmeyer

Schmeding leitet den nach der Kommunalwahl neu formierten Ausschuss für Stadtentwicklung, Wirtschaftsförderung, Tourismus und Stadtmarketing. Eine solche Panne wie 2020 soll sich nicht wiederholen, sagte der Politiker anlässlich der Vertragsunterzeichnung im Rathaus: „Im nächsten Jahr gibt es eine Evaluation, sonst lege ich mein Amt nieder."

Rückblick: Seit dem 1. Januar 2015 ist die Stadt Porta Westfalica Mitglied im Zweckverband TWW. Zusätzlich zu den Leistungen, die sich aus der Mitgliedschaft ergeben, machte die Stadt 2018 Geld locker, um eine Fachkraft für Tourismus zu bezahlen. Die auf zwei Jahre befristete halbe Stelle sollte insgesamt 60.000 Euro kosten. Eine Mitarbeiterin des Zweckverbandes widmete vom Frühjahr 2018 an die Hälfte ihrer Arbeitszeit den Portaner Projekten. Die Expertin sollte sich um die bessere Vermarktung der Portaner Markenzeichen kümmern. Wesentlicher Anlass war die Eröffnung des neuen Besucherzentrums am Kaiser–Denkmal Mitte 2018. Vereinbart wurde auch, die Ergebnisse nach zwei Jahren kritisch zu betrachten, bevor das Engagement der Mitarbeiterin eventuell verlängert wird. Doch die Evaluation geschah nicht, die Mitarbeiterin wurde dennoch ungefähr ein Dreivierteljahr weiterbezahlt.


Ex-Bürgermeister Bernd Hedtmann (parteilos), der bis Anfang November 2020 im Amt war, nimmt das Versäumnis auf seine Kappe. Im Frühjahr 2020 sei Corona das alles dominierende Ereignis gewesen, teilt er dem MT mit. Das Thema Tourismus sei mehr oder weniger unter den Tisch gefallen. „Das Augenmerk richtete sich auf tausend andere Sachen", sagt Hedtmann. Dass die Beschäftigung der TWW-Mitarbeiterin über den vereinbarten Zeitpunkt hinaus weitergelaufen sei, habe er seinerzeit nicht auf dem Schirm gehabt. Hedtmann sagt aber auch, dass im Fall einer Evaluation die Zusammenarbeit womöglich ohnehin fortgesetzt worden wäre. Er sei jedenfalls überzeugt von der Qualität des TWW und seinem Nutzen für Porta Westfalica.

Zweckverbands-Geschäftsführer Matthias Gräbner sagte am Freitag, dass der unbeabsichtigten Verlängerung des Engagements im vorigen Jahr entsprechende Leistungen gegenüber gestanden hätten. So habe der TWW für Porta unter anderem an dem Projekt „Zukunftsfit Wandern" gearbeitet.

Themen rund ums (Rad-)Wandern bilden auch einen Schwerpunkt im neuen Dienstleistungsvertrag, der erneut eine halbe Stelle veranschlagt. Bürgermeisterin Gerlach sind dabei konkrete Leistungen wichtig – etwa der Rückbau der Altbeschilderung unter anderem am Weserradweg, um die Voraussetzungen für neue Schilder und bessere Orientierung zu schaffen. Ausgewählte Rundwanderwege sollen nach den Standards des Deutschen Wanderverbandes für eine Zertifizierung hergerichtet werden. Ziel sind zwei bis drei kurze Qualitätsrundwanderwege, um das Wegenetz weiter zu profilieren. „Unser Waldabenteuerpfad steht ganz oben auf der Liste", sagt Gerlach.

Eine weitere Baustelle: Der Service für Touristen und Gäste soll durch eine „bedarfsgerechte Anlaufstelle" für Besucher in der Porta verbessert werden. Der TWW richtet im i-Punkt Hausberge ein Projektbüro ein, das Mitarbeiter des Zweckverbandes nutzen. Personal der Stadtverwaltung und Vertreter des Stadtmarketingvereins Idee pro Porta werden weiterhin die Präsenz im i-Punkt abdecken. Auf die zunehmenden Anfragen und die Gästezahl will die Stadt mit der Aufstockung der Ressourcen für den Besucherservice sowie den Ausbau des digitalen Gästeservices reagieren. Bislang gibt es zwei Info-Terminals in Barkhausen und Hausberge. Für die Gästeführungen am Kaiser-Wilhelm-Denkmal wird ein Konzept erarbeitet und eine Kooperationsvereinbarung mit anderen touristischen Angeboten vorbereitet – in Zusammenarbeit mit dem Preußen-Museum und der Minden Marketing GmbH.Karl

Erich Schmeding ist wichtig, dass das Tourismuskonzept aus dem Jahr 2014 unter Rückgriff auf Ideen eines aktuellen Workshop fortgeschrieben wird. Ziel sei, die Schwerpunkte bis 2030 festzulegen, gleichsam als politisches Handlungsprogramm mit einer entsprechenden Priorisierung der Projekte. Neben dieser eher strategischen (Papier-)Arbeit legt Bürgermeisterin Gerlach viel Wert auf sichtbare Resultate, die innerhalb des nächsten Jahres umgesetzt werden. So soll die neue Beschilderung der Wege zeigen, dass sich auch konkret etwas tut.

Ärgerlich und entlarvend

Ein Kommentar von Dirk Haunhorst

Die Panne des vergangenen Jahres taugt nicht zum Skandal. Das Versäumnis, die Vereinbarung mit dem Tourismusverband zu überprüfen und die Beschäftigung einer Mitarbeiterin gegebenenfalls zu beenden, fällt in die frühe Coronaphase. Ex-Bürgermeister Bernd Hedtmann erklärt, dass angesichts der Bewältigung der Pandemiefolgen die Vertragsangelegenheit übersehen worden sei. Nun, das kann aber passieren.

Und doch ist die Panne ärgerlich und entlarvend. Gerade weil Corona den Tourismus seit März 2020 stark beeinträchtigte, hätten Politik und Verwaltung über diese Sache und die fehlende Evaluation eigentlich stolpern müssen. Doch niemand scheint das Thema auf dem Schirm gehabt zu haben. Ein Zeichen für Desinteresse?

Bürgermeister Hedtmann bemühte in seiner Amtszeit gerne die griffige Formel, dass Portas Perlen poliert werden müssten. Es hat den Anschein, dass die städtische Schmuckschatulle in Vergessenheit gerät, sobald offizielle Termine vorbei und Mikrofone abgebaut sind. Ein bisschen mehr nachhaltige und krisensichere Aufmerksamkeit braucht der Tourismus schon. Porta hat hier Potenzial. Leider wird es seit Jahrzehnten nicht ausgeschöpft.

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