Vater holt zugedröhnt sein Kind aus dem Kindergarten ab Stefan Lyrath Porta Westfalica/Bückeburg (Ly). Unter Drogen und zudem mit einem gefälschten russischen Führerschein war ein Portaner unterwegs, der sein Kind von der Tagesstätte abholen wollte. Damit hat sich der 39-Jährige, der von seiner Frau getrennt lebt, nicht nur strafbar gemacht. Ihm droht nun auch der Verlust des Umgangsrechtes. Dr. Dirk von Behren, Richter am Amtsgericht Bückeburg, hat jedenfalls angeregt, dass die Staatsanwaltschaft das Jugendamt über diesen Fall in Kenntnis setzt. „Sie wollten Ihr Kind also unter Drogen abholen – das ist ja toll“, stellte von Behren mit unverhohlener Ironie fest. Wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr sowie vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Urkundenfälschung in jeweils zwei Fällen hat das Amtsgericht gegen den Angeklagten eine Freiheitsstrafe von elf Monaten verhängt, ausgesetzt zur Bewährung. Dazu muss man wissen: Unter den Straftatbestand der Trunkenheit im Verkehr fallen auch Fahrten unter Drogeneinfluss – wie hier. „Der Angeklagte hat im zugedröhnten Zustand am Straßenverkehr teilgenommen“, sagte Staatsanwalt Lars-Dietmar Kühn. Durch eine Blutuntersuchung waren gleich mehrere teils harte Drogen nachgewiesen worden, darunter Heroin und Kokain. Damit das Urteil nicht bloß auf dem Papier steht, soll der Delinquent 100 Stunden gemeinnützig arbeiten. Hinzu kommt eine Führerscheinsperre von 20 Monaten. „Sie sind vollkommen uneinsichtig. Mit einer Geldstrafe kommt man bei Ihnen nicht mehr weiter“, spielte Richter von Behren darauf an, dass der 39-Jährige ein einschlägig vorbestrafter Wiederholungstäter ist, gegen den bereits zwei neue Verfahren anhängig sind. Im Prozess ging es um Taten in Bückeburg. Zweimal war der Portaner dort von der Polizei erwischt worden. „Ich habe mich fahrtüchtig gefühlt und musste mein Kind abholen“, hatte der Angeklagte zum ersten Fall erklärt. „Der Führerschein ist nicht gefälscht“, versicherte er. Staatsanwalt Kühn hält das für eine glatte Schutzbehauptung. Ein Experte des Landeskriminalamtes, der den ganzen Tag lang Führerscheine untersucht, war eindeutig zu dem Schluss gekommen, dass es sich um eine Totalfälschung handelt. „Das ist für mich offensichtlich“, sagte er. Fachleute erkennen gefälschte Führerscheine an mehreren Merkmalen. Ein Beispiel: „Die Mikroschrift ist so gut wie nicht fälschbar“, so der Dokumentenprüfer des LAndeskriminalamts vor Gericht. Sichere Hinweise liefert auch das verwendete Material. Experten hören das bereits am Geräusch, mit dem der Schein auf den Tisch fällt. Der Angeklagte will seinen Schein übrigens offiziell aus Moskau zugeschickt bekommen haben. Richter von Behren glaubt das nicht. Er geht vielmehr davon aus, dass der Portaner ihn illegal erworben hat, vielleicht „irgendwo am Bahnhof oder so“. Selbst wenn das Dokument echt wäre, hätte das Amtsgericht den Portaner wohl verurteilt. „Ausländische Führerscheine müssen in Deutschland nach spätestens sechs Monaten umgeschrieben werden“, erklärte Richter von Behren.

Vater holt zugedröhnt sein Kind aus dem Kindergarten ab

Eine Blutuntersuchung ergab, dass der Fahrer mehrere Drogen konsumiert hatte. Symbolfoto: Oliver Berg/dpa © (c) Copyright 2012, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Porta Westfalica/Bückeburg (Ly). Unter Drogen und zudem mit einem gefälschten russischen Führerschein war ein Portaner unterwegs, der sein Kind von der Tagesstätte abholen wollte. Damit hat sich der 39-Jährige, der von seiner Frau getrennt lebt, nicht nur strafbar gemacht. Ihm droht nun auch der Verlust des Umgangsrechtes.

Dr. Dirk von Behren, Richter am Amtsgericht Bückeburg, hat jedenfalls angeregt, dass die Staatsanwaltschaft das Jugendamt über diesen Fall in Kenntnis setzt. „Sie wollten Ihr Kind also unter Drogen abholen – das ist ja toll“, stellte von Behren mit unverhohlener Ironie fest.

Wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr sowie vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Urkundenfälschung in jeweils zwei Fällen hat das Amtsgericht gegen den Angeklagten eine Freiheitsstrafe von elf Monaten verhängt, ausgesetzt zur Bewährung. Dazu muss man wissen: Unter den Straftatbestand der Trunkenheit im Verkehr fallen auch Fahrten unter Drogeneinfluss – wie hier.

„Der Angeklagte hat im zugedröhnten Zustand am Straßenverkehr teilgenommen“, sagte Staatsanwalt Lars-Dietmar Kühn. Durch eine Blutuntersuchung waren gleich mehrere teils harte Drogen nachgewiesen worden, darunter Heroin und Kokain. Damit das Urteil nicht bloß auf dem Papier steht, soll der Delinquent 100 Stunden gemeinnützig arbeiten. Hinzu kommt eine Führerscheinsperre von 20 Monaten.

„Sie sind vollkommen uneinsichtig. Mit einer Geldstrafe kommt man bei Ihnen nicht mehr weiter“, spielte Richter von Behren darauf an, dass der 39-Jährige ein einschlägig vorbestrafter Wiederholungstäter ist, gegen den bereits zwei neue Verfahren anhängig sind. Im Prozess ging es um Taten in Bückeburg. Zweimal war der Portaner dort von der Polizei erwischt worden.

„Ich habe mich fahrtüchtig gefühlt und musste mein Kind abholen“, hatte der Angeklagte zum ersten Fall erklärt. „Der Führerschein ist nicht gefälscht“, versicherte er. Staatsanwalt Kühn hält das für eine glatte Schutzbehauptung. Ein Experte des Landeskriminalamtes, der den ganzen Tag lang Führerscheine untersucht, war eindeutig zu dem Schluss gekommen, dass es sich um eine Totalfälschung handelt. „Das ist für mich offensichtlich“, sagte er.

Fachleute erkennen gefälschte Führerscheine an mehreren Merkmalen. Ein Beispiel: „Die Mikroschrift ist so gut wie nicht fälschbar“, so der Dokumentenprüfer des LAndeskriminalamts vor Gericht. Sichere Hinweise liefert auch das verwendete Material. Experten hören das bereits am Geräusch, mit dem der Schein auf den Tisch fällt.

Der Angeklagte will seinen Schein übrigens offiziell aus Moskau zugeschickt bekommen haben. Richter von Behren glaubt das nicht. Er geht vielmehr davon aus, dass der Portaner ihn illegal erworben hat, vielleicht „irgendwo am Bahnhof oder so“.

Selbst wenn das Dokument echt wäre, hätte das Amtsgericht den Portaner wohl verurteilt. „Ausländische Führerscheine müssen in Deutschland nach spätestens sechs Monaten umgeschrieben werden“, erklärte Richter von Behren.

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