Umbettung des KZ-Häftlings Albertus de Raaf Ergreifende Augenblicke auf dem Friedhof / DNA-Untersuchung soll endgültige Klarheit bringen Von Robert Kauffeld Porta Westfalica-Lerbeck (rkm). Der Anblick war erschütternd: Bei der Öffnung des Grabes auf dem Lerbecker Friedhof kam gestern ein grauer Plastiksack zum Vorschein kam, der wahrscheinlich die Gebeine des früheren KZ-Häftlings Albertus de Raaf enthält. Seit 1990 hat sich die in den Niederlanden lebende Familie bemüht, Näheres über die Todesumstände und den zunächst unbekannten Ort der Beisetzung zu erfahren. Im vergangenen August kam ein Neffe von Albertus de Raaf an die Porta und leitete damit konkrete Schritte für die gewünschte Umbettung ein (das MT berichtete).Albertus de Raaf war nach seiner Verhaftung zunächst in das Durchgangslager Amersfoort, dann nach Neuengamme und schließlich nach Lerbeck verschleppt worden, wo er Flugzeugmotoren reparieren und warten musste. An der Porta mussten 1944 und 1945 fast 3000 Häftlinge in den Außenlagern des KZ Neuengamme schuften.Bert de Raaf, der Neffe des Verstorbenen, hat in den vergangenen Jahren intensive Nachforschungen angestellt. Bei einem Besuch in der Gedenkstätte Neuengamme, an der auch die Schwester von Albertus und deren Ehemann teilnahmen, konnte im "Häftlings-Toten-Nachweis" ermittelt werden, dass Albertus de Raaf am 10. 12. 1944 in Lerbeck gestorben ist. Er wurde zunächst an anderer Stelle beigesetzt, doch in den 50er-Jahren auf den Friedhof in Lerbeck überführt. Nach den Unterlagen der Stadt Porta Westfalica konnte die Stelle der Beisetzung ziemlich genau angegeben werden.Es war ein bedrückendes Erlebnis für alle Anwesenden, als gestern bei der ersten Grabung nichts gefunden wurde. Doch in unmittelbarer Nähe konnte dann bei einem zweiten Versuch ein Plastiksack mit Gebeinen geborgen werden, der nicht allzu tief in der Erde lag. Das deutet darauf hin, dass es sich hier um einen später umgebetteten Toten handelt, und das könnte durchaus Albertus de Raaf sein.Dr. Stephan Köhnemann von der Rechtsmedizin bei den Universitätskliniken Münster nahm die Gebeine nach Zustimmung der Angehörigen zur Feststellung der DNA mit in sein Institut. Dort soll in einem Vergleich mit DNA-Werten der Schwester des Verstorbenen zweifelsfrei geklärt werden, ob es sich um Albertus de Raaf handelt.Zum Friedhof in Lerbeck waren die jüngere Schwester des Verstorbenen mit ihrem Ehemann und ihrer Tochter und der Neffe Bert de Raaf gekommen. Von dem Grab nahmen sie Erde mit, die auf der neuen Ruhestätte in Heilo bei Alkmaar, wo auch der Bruder des Verstorbenen beigesetzt ist, ausgestreut werden soll. Ein Teil davon wird in den Garten der Schwester gebracht, um darauf einen Baum zu pflanzen.Pastor Christian Havemann gedachte in einer Andacht und einem gemeinsamen Gebet des Toten. Auch Bürgermeister Stephan Böhme war zu Ehren des Verstorbenen zum Lerbecker Friedhof gekommen. Das Portaner Stadtoberhaupt ist Vorsitzender des Vereins "KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica". Der Verein möchte die Geschichte des Nationalsozialismus in Porta Westfalica und besonders der KZ-Außenlager aufarbeiten.

Umbettung des KZ-Häftlings Albertus de Raaf

Porta Westfalica-Lerbeck (rkm). Der Anblick war erschütternd: Bei der Öffnung des Grabes auf dem Lerbecker Friedhof kam gestern ein grauer Plastiksack zum Vorschein kam, der wahrscheinlich die Gebeine des früheren KZ-Häftlings Albertus de Raaf enthält.

Die Familie des KZ-Häftlings Albertus de Raaf ist aus den Niederlanden nach Lerbeck gekommen, um die Umbettung ihres Angehörigen vorzunehmen. - © Foto: Robert Kauffeld
Die Familie des KZ-Häftlings Albertus de Raaf ist aus den Niederlanden nach Lerbeck gekommen, um die Umbettung ihres Angehörigen vorzunehmen. - © Foto: Robert Kauffeld

Seit 1990 hat sich die in den Niederlanden lebende Familie bemüht, Näheres über die Todesumstände und den zunächst unbekannten Ort der Beisetzung zu erfahren. Im vergangenen August kam ein Neffe von Albertus de Raaf an die Porta und leitete damit konkrete Schritte für die gewünschte Umbettung ein (das MT berichtete).

Albertus de Raaf war nach seiner Verhaftung zunächst in das Durchgangslager Amersfoort, dann nach Neuengamme und schließlich nach Lerbeck verschleppt worden, wo er Flugzeugmotoren reparieren und warten musste. An der Porta mussten 1944 und 1945 fast 3000 Häftlinge in den Außenlagern des KZ Neuengamme schuften.

Bert de Raaf, der Neffe des Verstorbenen, hat in den vergangenen Jahren intensive Nachforschungen angestellt. Bei einem Besuch in der Gedenkstätte Neuengamme, an der auch die Schwester von Albertus und deren Ehemann teilnahmen, konnte im "Häftlings-Toten-Nachweis" ermittelt werden, dass Albertus de Raaf am 10. 12. 1944 in Lerbeck gestorben ist. Er wurde zunächst an anderer Stelle beigesetzt, doch in den 50er-Jahren auf den Friedhof in Lerbeck überführt. Nach den Unterlagen der Stadt Porta Westfalica konnte die Stelle der Beisetzung ziemlich genau angegeben werden.

Es war ein bedrückendes Erlebnis für alle Anwesenden, als gestern bei der ersten Grabung nichts gefunden wurde. Doch in unmittelbarer Nähe konnte dann bei einem zweiten Versuch ein Plastiksack mit Gebeinen geborgen werden, der nicht allzu tief in der Erde lag. Das deutet darauf hin, dass es sich hier um einen später umgebetteten Toten handelt, und das könnte durchaus Albertus de Raaf sein.

Dr. Stephan Köhnemann von der Rechtsmedizin bei den Universitätskliniken Münster nahm die Gebeine nach Zustimmung der Angehörigen zur Feststellung der DNA mit in sein Institut. Dort soll in einem Vergleich mit DNA-Werten der Schwester des Verstorbenen zweifelsfrei geklärt werden, ob es sich um Albertus de Raaf handelt.

Zum Friedhof in Lerbeck waren die jüngere Schwester des Verstorbenen mit ihrem Ehemann und ihrer Tochter und der Neffe Bert de Raaf gekommen. Von dem Grab nahmen sie Erde mit, die auf der neuen Ruhestätte in Heilo bei Alkmaar, wo auch der Bruder des Verstorbenen beigesetzt ist, ausgestreut werden soll. Ein Teil davon wird in den Garten der Schwester gebracht, um darauf einen Baum zu pflanzen.

Pastor Christian Havemann gedachte in einer Andacht und einem gemeinsamen Gebet des Toten. Auch Bürgermeister Stephan Böhme war zu Ehren des Verstorbenen zum Lerbecker Friedhof gekommen. Das Portaner Stadtoberhaupt ist Vorsitzender des Vereins "KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica". Der Verein möchte die Geschichte des Nationalsozialismus in Porta Westfalica und besonders der KZ-Außenlager aufarbeiten.

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