Trotz 20 Vorstrafen: Einbrecher ändert sein Leben und bekommt Bewährung Stefan Lyrath Porta Westfalica/Bückeburg (mt/ly). Letzte Chance: Obwohl sein Vorstrafenregister 20 Einträge umfasst, bekommt ein Einbrecher aus Porta Westfalica noch einmal Bewährung. So hat das Schöffengericht in Bückeburg entschieden. Der Grund ist eine günstige Sozialprognose. Umzug nach Porta und damit Distanz zu seinen früheren Freunden, Beginn einer Lehre: 2018 hatte der heute 34-Jährige die Weichen für ein besseres Leben ohne Straftaten gestellt. Und dann das: Im Juli 2020 trat er die Tür zur Bückeburger Wohnung eines entfernten Bekannten ein, weil er darin PEP vermutete, ein anderer Name für die Droge Amphetamin. „Das war ein Rückfall in alte Gewohnheiten“, glaubt Richter Dr. Dirk von Behren. Denn: „Der jetzige Lebenswandel des Angeklagten ist in keiner Weise zu beanstanden. Er ist auf einem guten Weg.“ Das Schöffengericht hat deshalb zwar eine Freiheitsstrafe von einem Jahr wegen versuchten Wohnungseinbruchsdiebstahls verhängt, deren Vollstreckung aber ausgesetzt. Damit das Urteil nicht bloß auf dem Papier steht, muss der Angeklagte eine Geldauflage von 1000 Euro zahlen. Zur Tatzeit stand der Portaner unter Bewährung - jedoch nicht einschlägig, sondern wegen Körperverletzung. Von einer günstigen Sozialprognose, der Voraussetzung für Bewährung, geht auch Staatsanwalt Lars-Dietmar Kühn aus. „Der Angeklagte hat jetzt die Möglichkeit, sich mit seiner eigenen Hände Arbeit einen gewissen Lebensstandard zu erwirtschaften“, erklärte Kühn. Soll heißen: Der 34-Jährige ist im dritten Lehrjahr, die Zwischenprüfung hat er nach eigenen Angaben mit „gut“ bestanden. Seine Bewährungshelferin beschreibt den Azubi als „zuverlässig und kooperativ“. Zugunsten des Angeklagten wirkte sich auch dessen Geständnis vor Gericht aus, nachdem er die Tat im Ermittlungsverfahren bestritten hatte. Zur Tatzeit hatte der Portaner 1,76 Promille Alkohol im Blut. Staatsanwalt Kühn hält ihm daher eine „alkoholbedingte Enthemmung“ zugute. Bei der Tat war der Einbrecher von einer Nachbarin gestört worden und geflüchtet. Angesichts seines ellenlangen Vorstrafenregisters, in dem Diebstähle und Drogendelikte wiederholt vorkommen, dürfte dies allerdings die letzte Chance sein. „Dass Sie noch einmal Bewährung kriegen, wage ich zu bezweifeln“, sagte Richter von Behren. „Sie sollten sich also nichts mehr erlauben.“ Ein zweites Verfahren hat das Gericht vorläufig eingestellt, weil eine zusätzliche Verurteilung in diesem Punkt der Anklage kaum weiter ins Gewicht fallen würde. Hinzu kommt, dass sich die Tat nur schwer nachweisen ließe: Nach einem Zechgelage zu viert soll der Portaner aus der Wohnung des Bekannten, in die er eingebrochen ist, etwa eine Woche zuvor 150 Euro gestohlen haben. Theoretisch kommen noch zwei weitere Männer als Täter infrage. Der Umtrunk muss es übrigens in sich gehabt haben. „Einer trank zwei Longdrink-Gläser mit Kräuterlikör pur auf ex“, erinnert sich der Portaner. Die Folge war eine Alkoholvergiftung. „Ich wollte damit nichts zu tun haben und bin nach Hause gefahren“, so der 34-Jährige.

Trotz 20 Vorstrafen: Einbrecher ändert sein Leben und bekommt Bewährung

Das Gericht hat die Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt. © Pixabay

Porta Westfalica/Bückeburg (mt/ly). Letzte Chance: Obwohl sein Vorstrafenregister 20 Einträge umfasst, bekommt ein Einbrecher aus Porta Westfalica noch einmal Bewährung. So hat das Schöffengericht in Bückeburg entschieden. Der Grund ist eine günstige Sozialprognose.

Umzug nach Porta und damit Distanz zu seinen früheren Freunden, Beginn einer Lehre: 2018 hatte der heute 34-Jährige die Weichen für ein besseres Leben ohne Straftaten gestellt. Und dann das: Im Juli 2020 trat er die Tür zur Bückeburger Wohnung eines entfernten Bekannten ein, weil er darin PEP vermutete, ein anderer Name für die Droge Amphetamin. „Das war ein Rückfall in alte Gewohnheiten“, glaubt Richter Dr. Dirk von Behren. Denn: „Der jetzige Lebenswandel des Angeklagten ist in keiner Weise zu beanstanden. Er ist auf einem guten Weg.“

Das Schöffengericht hat deshalb zwar eine Freiheitsstrafe von einem Jahr wegen versuchten Wohnungseinbruchsdiebstahls verhängt, deren Vollstreckung aber ausgesetzt. Damit das Urteil nicht bloß auf dem Papier steht, muss der Angeklagte eine Geldauflage von 1000 Euro zahlen. Zur Tatzeit stand der Portaner unter Bewährung - jedoch nicht einschlägig, sondern wegen Körperverletzung.

Von einer günstigen Sozialprognose, der Voraussetzung für Bewährung, geht auch Staatsanwalt Lars-Dietmar Kühn aus. „Der Angeklagte hat jetzt die Möglichkeit, sich mit seiner eigenen Hände Arbeit einen gewissen Lebensstandard zu erwirtschaften“, erklärte Kühn. Soll heißen: Der 34-Jährige ist im dritten Lehrjahr, die Zwischenprüfung hat er nach eigenen Angaben mit „gut“ bestanden. Seine Bewährungshelferin beschreibt den Azubi als „zuverlässig und kooperativ“.

Zugunsten des Angeklagten wirkte sich auch dessen Geständnis vor Gericht aus, nachdem er die Tat im Ermittlungsverfahren bestritten hatte. Zur Tatzeit hatte der Portaner 1,76 Promille Alkohol im Blut. Staatsanwalt Kühn hält ihm daher eine „alkoholbedingte Enthemmung“ zugute. Bei der Tat war der Einbrecher von einer Nachbarin gestört worden und geflüchtet.

Angesichts seines ellenlangen Vorstrafenregisters, in dem Diebstähle und Drogendelikte wiederholt vorkommen, dürfte dies allerdings die letzte Chance sein. „Dass Sie noch einmal Bewährung kriegen, wage ich zu bezweifeln“, sagte Richter von Behren. „Sie sollten sich also nichts mehr erlauben.“

Ein zweites Verfahren hat das Gericht vorläufig eingestellt, weil eine zusätzliche Verurteilung in diesem Punkt der Anklage kaum weiter ins Gewicht fallen würde. Hinzu kommt, dass sich die Tat nur schwer nachweisen ließe: Nach einem Zechgelage zu viert soll der Portaner aus der Wohnung des Bekannten, in die er eingebrochen ist, etwa eine Woche zuvor 150 Euro gestohlen haben. Theoretisch kommen noch zwei weitere Männer als Täter infrage.

Der Umtrunk muss es übrigens in sich gehabt haben. „Einer trank zwei Longdrink-Gläser mit Kräuterlikör pur auf ex“, erinnert sich der Portaner. Die Folge war eine Alkoholvergiftung. „Ich wollte damit nichts zu tun haben und bin nach Hause gefahren“, so der 34-Jährige.

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