Streit um Sperrung dauert an: Hausberger fordern Freigabe der Straße Faulensiek Dirk Haunhorst Porta Westfalica-Hausberge. Die Straßen im Ortskern Hausberges sind eng und zum Teil beschädigt. Die Straße Unter dem Friedhof zum Beispiel ist an den Rändern stark abgesenkt und für Begegnungsverkehr zu schmal. Auch an der nahe gelegenen Kempstraße wünschen sich Anwohner eine andere Verteilung des Verkehrsaufkommens. Sie nehmen erneut Anlauf, um eine alte Verbindung zu reaktivieren. Ziel ist die Freigabe der Straße Faulensiek in Richtung Hoppenstraße. Anfang des Jahres war der Versuch gescheitert, weil die Politiker gegen eine Aufhebung der Sperrung stimmten. Erika Wiese zählt zu den Akteuren, die in den vergangenen Wochen in der Nachbarschaft unterwegs waren, um Unterschriften zu sammeln. „180 haben wir zusammen“, erzählt die Anwohnerin der Kempstraße. Anfangs sei sie sich nicht sicher gewesen, wie die Leute wohl auf ihr Anliegen reagieren würden. Die große Zustimmung und Bereitschaft vieler, gleich zu unterschreiben, habe sie überrascht. Kommende Woche wird Erika Wiese die Unterschriften an Bürgermeisterin Dr. Sonja Gerlach (CDU) übergeben. Die Unterzeichner beantragen „die Öffnung des Faulensieks in beiden Richtungen mit dem Ziel einer verursachergerechten und ökologisch sinnvollen Verkehrsführung ohne Umwege“. Die Initiatoren argumentieren, dass Anwohner aus dem Faulensiek und Lessingweg, die in Richtung Veltheim zur A2 wollten, gezwungen seien, Umwege zu fahren. Betroffen davon seien vor allem die Straße Unter dem Friedhof, die überdies in Richtung Grundschule führt, und die Kempstraße, die bereits durch den Verkehr zu den Wohngebieten unter anderem im Bereich Albersburg, Waterloostraße und Schlesische Straße belastet sei. Erika Wiese und ihre Mitstreiter argumentieren, dass die alternative Route bei Öffnung des Faulensieks deutlich kürzer wäre und durch unbebauten Bereich führte. Diese alte Verbindung sei vor vielen Jahren gesperrt worden, um Kurgästen, die von der Klinik zum Ortskern wollten, einen autofreien Fußweg anzubieten. Nach Schließung der Kurklinik vor gut zwei Jahrzehnten und der folgenden Übernahme des Gebäudes durch die Firma Bernstein sei der Grund für diese Durchfahrtsbeschränkung entfallen. Wie umstritten der „Fall Faulensiek“ ist, zeigte sich zuletzt vor gut einem halben Jahr, als der Bezirksausschuss Hausberge über das Thema diskutierte. Damals wehrten sich insbesondere Faulensiek-Anwohner mit einem Bürgerantrag gegen das Ende der Sackgassen-Regelung und wiesen auf ein Verkehrsaufkommen hin, das die Gefährdung von Radfahrern, Wanderern, Joggern und Schülern erhöhe. Auch müssten vor einer Verkehrsfreigabe zunächst Bäume gefällt werden, um die Straße für Autos befahrbar zu machen. Der Haupt- und Finanzausschuss lehnte im März den Antrag auf Öffnung des Faulensieks ab – einstimmig. Die Befürworter einer Öffnung argumentieren nun, dass straßenbehördliche Anordnungen keine politischen Entscheidungen seien. Stattdessen seien sie von der Verwaltung nach den Kriterien der Straßenverkehrsordnung zu treffen. Eine Rolle spiele dabei insbesondere die Gewährleistung der Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs. Auch Umweltentlastung und Klimaschutz seien zu berücksichtigen. Genau aus diesem Grund, so Erika Wiese, habe die Stadt die Straße im Holzhauser Neubaugebiet Ellernkamp gegen den Wunsch der Anwohner für den Durchgangsverkehr geöffnet. Die Kommune sollte im Fall Faulensiek nicht mit zweierlei Maß messen. Ob die Verantwortlichen im Rathaus der Argumentation folgen? „Wir warten erst einmal die Übergabe des Antrags und der Unterschriften ab“, sagte Stadtsprecherin Babette Lissner am Dienstag auf Anfrage. Frühere Stellungnahmen der Verwaltung betrachteten eine Öffnung des Faulensieks kritisch. So gab der Umweltschutzbeauftragte zu Protokoll, dass der gesperrte Abschnitt durch einen „stark frequentierten Erholungswald führe“. Außerdem müsste der Abschnitt, „wenn nicht gar der gesamte Faulensiek ausgebaut werden“, was mit erheblichen Kosten verbunden wäre. Auch wies er auf den Erhalt eines „gesunden und ruhigen Wohnumfelds Faulensiek“ hin. Solch ein Umfeld hätten andere Hausberger wie Erika Wiese auch gerne. Sie fordern „eine gerechte und gleiche Behandlung aller Bürger, anstatt einer Privilegierung einzelner Anwohner, die von der momentanen Sperrung profitieren“.

Streit um Sperrung dauert an: Hausberger fordern Freigabe der Straße Faulensiek

Im oberen Bereich des gesperrten Faulensieks müssten Poller verschwinden (Foto) und im unteren eine Schranke, damit Autos direkt zur Hoppenstraße kämen. Im Hintergrund ist das Gebäude der Firma Bernstein zu sehen. MT-Foto: dh © dh

Porta Westfalica-Hausberge. Die Straßen im Ortskern Hausberges sind eng und zum Teil beschädigt. Die Straße Unter dem Friedhof zum Beispiel ist an den Rändern stark abgesenkt und für Begegnungsverkehr zu schmal. Auch an der nahe gelegenen Kempstraße wünschen sich Anwohner eine andere Verteilung des Verkehrsaufkommens. Sie nehmen erneut Anlauf, um eine alte Verbindung zu reaktivieren. Ziel ist die Freigabe der Straße Faulensiek in Richtung Hoppenstraße. Anfang des Jahres war der Versuch gescheitert, weil die Politiker gegen eine Aufhebung der Sperrung stimmten.

Erika Wiese zählt zu den Akteuren, die in den vergangenen Wochen in der Nachbarschaft unterwegs waren, um Unterschriften zu sammeln. „180 haben wir zusammen“, erzählt die Anwohnerin der Kempstraße. Anfangs sei sie sich nicht sicher gewesen, wie die Leute wohl auf ihr Anliegen reagieren würden. Die große Zustimmung und Bereitschaft vieler, gleich zu unterschreiben, habe sie überrascht. Kommende Woche wird Erika Wiese die Unterschriften an Bürgermeisterin Dr. Sonja Gerlach (CDU) übergeben.

Die Unterzeichner beantragen „die Öffnung des Faulensieks in beiden Richtungen mit dem Ziel einer verursachergerechten und ökologisch sinnvollen Verkehrsführung ohne Umwege“. Die Initiatoren argumentieren, dass Anwohner aus dem Faulensiek und Lessingweg, die in Richtung Veltheim zur A2 wollten, gezwungen seien, Umwege zu fahren. Betroffen davon seien vor allem die Straße Unter dem Friedhof, die überdies in Richtung Grundschule führt, und die Kempstraße, die bereits durch den Verkehr zu den Wohngebieten unter anderem im Bereich Albersburg, Waterloostraße und Schlesische Straße belastet sei.


Erika Wiese und ihre Mitstreiter argumentieren, dass die alternative Route bei Öffnung des Faulensieks deutlich kürzer wäre und durch unbebauten Bereich führte. Diese alte Verbindung sei vor vielen Jahren gesperrt worden, um Kurgästen, die von der Klinik zum Ortskern wollten, einen autofreien Fußweg anzubieten. Nach Schließung der Kurklinik vor gut zwei Jahrzehnten und der folgenden Übernahme des Gebäudes durch die Firma Bernstein sei der Grund für diese Durchfahrtsbeschränkung entfallen.

Karte: MT - © MT
Karte: MT - © MT

Wie umstritten der „Fall Faulensiek“ ist, zeigte sich zuletzt vor gut einem halben Jahr, als der Bezirksausschuss Hausberge über das Thema diskutierte. Damals wehrten sich insbesondere Faulensiek-Anwohner mit einem Bürgerantrag gegen das Ende der Sackgassen-Regelung und wiesen auf ein Verkehrsaufkommen hin, das die Gefährdung von Radfahrern, Wanderern, Joggern und Schülern erhöhe. Auch müssten vor einer Verkehrsfreigabe zunächst Bäume gefällt werden, um die Straße für Autos befahrbar zu machen. Der Haupt- und Finanzausschuss lehnte im März den Antrag auf Öffnung des Faulensieks ab – einstimmig.

Die Befürworter einer Öffnung argumentieren nun, dass straßenbehördliche Anordnungen keine politischen Entscheidungen seien. Stattdessen seien sie von der Verwaltung nach den Kriterien der Straßenverkehrsordnung zu treffen. Eine Rolle spiele dabei insbesondere die Gewährleistung der Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs. Auch Umweltentlastung und Klimaschutz seien zu berücksichtigen. Genau aus diesem Grund, so Erika Wiese, habe die Stadt die Straße im Holzhauser Neubaugebiet Ellernkamp gegen den Wunsch der Anwohner für den Durchgangsverkehr geöffnet. Die Kommune sollte im Fall Faulensiek nicht mit zweierlei Maß messen. Ob die Verantwortlichen im Rathaus der Argumentation folgen? „Wir warten erst einmal die Übergabe des Antrags und der Unterschriften ab“, sagte Stadtsprecherin Babette Lissner am Dienstag auf Anfrage.

Frühere Stellungnahmen der Verwaltung betrachteten eine Öffnung des Faulensieks kritisch. So gab der Umweltschutzbeauftragte zu Protokoll, dass der gesperrte Abschnitt durch einen „stark frequentierten Erholungswald führe“. Außerdem müsste der Abschnitt, „wenn nicht gar der gesamte Faulensiek ausgebaut werden“, was mit erheblichen Kosten verbunden wäre. Auch wies er auf den Erhalt eines „gesunden und ruhigen Wohnumfelds Faulensiek“ hin.

Solch ein Umfeld hätten andere Hausberger wie Erika Wiese auch gerne. Sie fordern „eine gerechte und gleiche Behandlung aller Bürger, anstatt einer Privilegierung einzelner Anwohner, die von der momentanen Sperrung profitieren“.

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