Strafermittlungen am Wittekindshof: Kreis setzt Portas Ex-Bürgermeister Bernd Hedtmann als Vermittler ein Sebastian Radermacher Porta Westfalica. Nach seinem letzten Tag als Bürgermeister war sie da, die lang ersehnte Ruhe. Und Bernd Hedtmann konnte sie genießen. Er nutzte die freie Zeit, um das in seiner Amtszeit angesammelte Schlafdefizit auszugleichen. Um zu Hause ein Zimmer zu renovieren. Um morgens in Ruhe am Frühstückstisch die Zeitung zu lesen. Nicht mehr jeden Tag bis ins Detail durchzuplanen, nicht mehr ständig auf die Uhr schauen zu müssen – das gefällt ihm. „Der Job als Bürgermeister war für mich keine Last, ich habe ihn immer gerne und mit voller Überzeugung gemacht“, sagt der 60-Jährige im MT-Gespräch. Die Regeneration sei ihm aber zunehmend schwerer gefallen, die innere Anspannung stieg. „Es war am Ende schon eine Befreiung, nicht mehr in der Verantwortung zu stehen“, gibt Hedtmann zu. Die Ruhe im Ruhestand hat allerdings nicht allzu lange gehalten: Etwas mehr als zwei Monate nach seinem Abschied als Bürgermeister der Stadt Porta nimmt Bernd Hedtmann eine neue Herausforderung an: Für den Kreis Minden-Lübbecke engagiert er sich künftig als Ombudsmann. Für seine ehrenamtliche Tätigkeit erhält er eine Aufwandsentschädigung. Konkret wird er als unparteiische Schiedsperson Ansprechpartner für Bewohner und Angehörige in den kreisweit rund 40 Einrichtungen der Diakonischen Stiftung Wittekindshof sein. Etwa 900 Menschen mit Eingliederungshilfebedarf leben in diesen Einrichtungen. Das Wohn- und Teilhabegesetz (WTG) eröffnet die Möglichkeit, ehrenamtlich engagierte Menschen zu Ombudspersonen zu bestellen – das hat der Kreisausschuss gemacht und Bernd Hedtmann einstimmig für dieses Ehrenamt ausgewählt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt zurzeit gegen 145 Mitarbeiter des Wittekindshofs. Bei mindestens 32 Bewohnern soll es zu illegalen Fixierungen und Reizgaseinsatz gekommen sein (das MT berichtete). Das zuständige NRW-Ministerium will dafür sorgen, dass sich so etwas nicht wiederholt. Hans-Joerg Deichholz, Sozialdezernent des Kreises, bestätigt auf MT-Nachfrage, dass die Bestellung einer Ombudsperson für den Wittekindshof auch mit den laufenden Ermittlungen zusammenhänge. Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales habe dies empfohlen. In der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses, in dem sich Hedtmann persönlich der Politik vorstellte, erklärte die Verwaltung, dass die WTG-Behörde des Kreises (Heimaufsicht) in den Einrichtungen der Diakonischen Stiftung Wittekindshof in der Vergangenheit mehrere Mängel festgestellt habe. Diesen standen allerdings nur sehr wenig Beschwerden gegenüber. Es sei ein „Missverhältnis“ im Vergleich zu anderen Trägern deutlich geworden. Wie das NRW-Ministerium sieht es auch die Kreisverwaltung als wichtig an, einen Ansprechpartner vor Ort zu haben, der bei Problemen niederschwellig vermitteln kann, betont Deichholz. Vielleicht sinkt dadurch die Hemmschwelle bei Bewohnern und Angehörigen, Probleme anzusprechen und um Unterstützung zu bitten – ohne gleich offiziell die WTG-Behörde einzuschalten. Als Ombudsmann vermittelt Bernd Hedtmann auf Anfrage bei Meinungsverschiedenheiten oder Konflikten zwischen Vertretern der Einrichtungen und den Bewohnern beziehungsweise deren Angehörigen. Das Spektrum ist vielfältig, es geht um alle Fragen, die im Zusammenhang mit der Nutzung der Angebote nach dem Wohn- und Teilhabegesetz stehen. Hedtmann freut sich auf die neue Aufgabe. Er sei im vergangenen Oktober erstmals von Vertretern des Kreises angesprochen worden, ob er sich diese ehrenamtliche Tätigkeit überhaupt vorstellen könne. Er habe sich eingelesen und informiert und durchaus Respekt vor dem Engagement, macht er deutlich. „Aber es ist genau die Richtung, die ich mir vorgestellt habe.“ Er hatte sich fest vorgenommen, im Ruhestand nicht nur zu Hause zu sitzen, sondern sich – zusätzlich zu seinem bereits bestehenden freiwilligen Engagement zum Beispiel in Vereinen – ehrenamtlich einzusetzen, bestenfalls im Bereich Mediation/Moderation. Und das treffe auf die Aufgabe als Ombudsmann genau zu. „Es ist ein ganz anderer Bereich als das, was ich bisher gemacht habe“, sagt Hedtmann: „Das reizt mich sehr.“ Für die nächsten Wochen plant er zunächst einmal ein Auftaktgespräch beim Vorstand der Diakonischen Stiftung. Zeitnah sollen dann weitere Unterhaltungen folgen, zum Beispiel mit den Einrichtungsleitungen und den Beiräten. Und dann geht es darum, Kontakte zu den Bewohnerinnen und Bewohnern zu knüpfen. Hedtmann will eine Art „Sprechstunde“ vor Ort anbieten und auch per E-Mail erreichbar sein. Angedacht sei zunächst einmal ein Arbeitsaufwand von zehn Stunden pro Woche. Ist das zu wenig? Zu viel? Und was erwartet ihn in den Einrichtungen? Bernd Hedtmann schüttelt den Kopf. „Ich habe keine Ahnung. Ich lasse alles auf mich zukommen.“

Strafermittlungen am Wittekindshof: Kreis setzt Portas Ex-Bürgermeister Bernd Hedtmann als Vermittler ein

Bernd Hedtmann ist Ende Oktober aus dem Amt des Bürgermeisters ausgeschieden. Jetzt nimmt er als Ombudsmann eine neue Herausforderung an: im Wittekindshof. MT-Foto (Archiv): Dirk Haunhorst © Dirk Haunhorst

Porta Westfalica. Nach seinem letzten Tag als Bürgermeister war sie da, die lang ersehnte Ruhe. Und Bernd Hedtmann konnte sie genießen. Er nutzte die freie Zeit, um das in seiner Amtszeit angesammelte Schlafdefizit auszugleichen. Um zu Hause ein Zimmer zu renovieren. Um morgens in Ruhe am Frühstückstisch die Zeitung zu lesen. Nicht mehr jeden Tag bis ins Detail durchzuplanen, nicht mehr ständig auf die Uhr schauen zu müssen – das gefällt ihm. „Der Job als Bürgermeister war für mich keine Last, ich habe ihn immer gerne und mit voller Überzeugung gemacht“, sagt der 60-Jährige im MT-Gespräch. Die Regeneration sei ihm aber zunehmend schwerer gefallen, die innere Anspannung stieg. „Es war am Ende schon eine Befreiung, nicht mehr in der Verantwortung zu stehen“, gibt Hedtmann zu.

Die Ruhe im Ruhestand hat allerdings nicht allzu lange gehalten: Etwas mehr als zwei Monate nach seinem Abschied als Bürgermeister der Stadt Porta nimmt Bernd Hedtmann eine neue Herausforderung an: Für den Kreis Minden-Lübbecke engagiert er sich künftig als Ombudsmann. Für seine ehrenamtliche Tätigkeit erhält er eine Aufwandsentschädigung. Konkret wird er als unparteiische Schiedsperson Ansprechpartner für Bewohner und Angehörige in den kreisweit rund 40 Einrichtungen der Diakonischen Stiftung Wittekindshof sein. Etwa 900 Menschen mit Eingliederungshilfebedarf leben in diesen Einrichtungen. Das Wohn- und Teilhabegesetz (WTG) eröffnet die Möglichkeit, ehrenamtlich engagierte Menschen zu Ombudspersonen zu bestellen – das hat der Kreisausschuss gemacht und Bernd Hedtmann einstimmig für dieses Ehrenamt ausgewählt.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt zurzeit gegen 145 Mitarbeiter des Wittekindshofs. Bei mindestens 32 Bewohnern soll es zu illegalen Fixierungen und Reizgaseinsatz gekommen sein (das MT berichtete). Das zuständige NRW-Ministerium will dafür sorgen, dass sich so etwas nicht wiederholt. Hans-Joerg Deichholz, Sozialdezernent des Kreises, bestätigt auf MT-Nachfrage, dass die Bestellung einer Ombudsperson für den Wittekindshof auch mit den laufenden Ermittlungen zusammenhänge. Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales habe dies empfohlen.

In der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses, in dem sich Hedtmann persönlich der Politik vorstellte, erklärte die Verwaltung, dass die WTG-Behörde des Kreises (Heimaufsicht) in den Einrichtungen der Diakonischen Stiftung Wittekindshof in der Vergangenheit mehrere Mängel festgestellt habe. Diesen standen allerdings nur sehr wenig Beschwerden gegenüber. Es sei ein „Missverhältnis“ im Vergleich zu anderen Trägern deutlich geworden. Wie das NRW-Ministerium sieht es auch die Kreisverwaltung als wichtig an, einen Ansprechpartner vor Ort zu haben, der bei Problemen niederschwellig vermitteln kann, betont Deichholz. Vielleicht sinkt dadurch die Hemmschwelle bei Bewohnern und Angehörigen, Probleme anzusprechen und um Unterstützung zu bitten – ohne gleich offiziell die WTG-Behörde einzuschalten.

Als Ombudsmann vermittelt Bernd Hedtmann auf Anfrage bei Meinungsverschiedenheiten oder Konflikten zwischen Vertretern der Einrichtungen und den Bewohnern beziehungsweise deren Angehörigen. Das Spektrum ist vielfältig, es geht um alle Fragen, die im Zusammenhang mit der Nutzung der Angebote nach dem Wohn- und Teilhabegesetz stehen.

Hedtmann freut sich auf die neue Aufgabe. Er sei im vergangenen Oktober erstmals von Vertretern des Kreises angesprochen worden, ob er sich diese ehrenamtliche Tätigkeit überhaupt vorstellen könne. Er habe sich eingelesen und informiert und durchaus Respekt vor dem Engagement, macht er deutlich. „Aber es ist genau die Richtung, die ich mir vorgestellt habe.“ Er hatte sich fest vorgenommen, im Ruhestand nicht nur zu Hause zu sitzen, sondern sich – zusätzlich zu seinem bereits bestehenden freiwilligen Engagement zum Beispiel in Vereinen – ehrenamtlich einzusetzen, bestenfalls im Bereich Mediation/Moderation. Und das treffe auf die Aufgabe als Ombudsmann genau zu. „Es ist ein ganz anderer Bereich als das, was ich bisher gemacht habe“, sagt Hedtmann: „Das reizt mich sehr.“

Für die nächsten Wochen plant er zunächst einmal ein Auftaktgespräch beim Vorstand der Diakonischen Stiftung. Zeitnah sollen dann weitere Unterhaltungen folgen, zum Beispiel mit den Einrichtungsleitungen und den Beiräten. Und dann geht es darum, Kontakte zu den Bewohnerinnen und Bewohnern zu knüpfen. Hedtmann will eine Art „Sprechstunde“ vor Ort anbieten und auch per E-Mail erreichbar sein. Angedacht sei zunächst einmal ein Arbeitsaufwand von zehn Stunden pro Woche. Ist das zu wenig? Zu viel? Und was erwartet ihn in den Einrichtungen? Bernd Hedtmann schüttelt den Kopf. „Ich habe keine Ahnung. Ich lasse alles auf mich zukommen.“

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