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Störung der Nachbarschafts-Frequenz 20 Meter hoher Mobilfunkmast im Eisberger Werder bringt einige Anwohner auf die Palme / "Eine Sauerei ist das" Von Dirk Haunhorst Porta Westfalica-Eisbergen (mt). Die meisten Menschen nutzen Handys, doch die wenigsten wollen einen Funkmast in ihrer Nähe. Der Bau einer solchen Anlage hat in Eisbergen zum Nachbarschaftsstreit geführt. "Eine Sauerei ist das, den Nachbarn so ein Ding vor die Nase zu setzen", schimpft Gerd Vauth. Adressat der deutlichen Worte ist Christoph Freiherr von Schellersheim, der sich an diesem Dienstagvormittag beim Ortstermin der Kritik einiger Nachbarn stellt. Zu spät, finden Lothar Reich und Helga Piel, im Sinne guter Nachbarschaft wären frühzeitige Informationen gewesen. "An der Sache hätte das aber nichts geändert. Auch nicht an der Kritik", meint von Schellersheim. Er beklagt das Sankt-Florians-Prinzip bei solchen Diskussionen. Die Leute wollten zwar vom Mobilfunk profitieren, die Folgen sollten aber immer andere tragen.Ursprünglich sollte Mast 35 Meter hoch seinVon Schellersheim gibt zu, dass der neue 20 Meter hohe Mast auf seinem Grundstück im Eisberger Werder zwischen Ravensberger Straße und Weser "kein schöner Anblick" ist. Gleichwohl hätte der Mast mit 35 Metern an anderer Stelle noch deutlich höher ausfallen können. Die nun gefundene Lösung sei ein Kompromiss.Bereits vor Jahren sei das Unternehmen O2 an ihn herangetreten, um die Möglichkeiten für einen Funkmast auf seinem Grundstück zu erkunden, berichtet von Schellersheim. "O2 hatte hier einen schlechten Empfang." Mehrere Varianten wurden diskutiert, unter anderem der Standort Reithalle, den von Schellersheim aber ablehnte, auch um mögliche Erweiterungen nicht zu verbauen. Zudem wären dort Mindestabstände zu Nachbarn nicht eingehalten worden.Bevor der jetzige Standort genehmigt wurde, hatten bereits 2006 und 2008 zwei Anträge die zuständigen Behörden erreicht. Die darin avisierten Standorte, die weiter südlich in Richtung Weser und damit weiter entfernt von der Wohnbebauung gelegen hätten, wurden jedoch abgelehnt. Grund: Beide Bereiche befinden sich im Landschaftsschutzgebiet Südliche Weser-aue. Die untere Landschaftsbehörde (Kreis Minden-Lübbecke) versagte die Befreiung vom Landschaftsschutz."Keine Gefahr durch Strahlung"Wie die Stadt mitteilt, erfolgte die Genehmigung für den Anfang voriger Woche errichteten Mast von Telefonica-O2 bereits im Februar dieses Jahres. Zuständig für das baurechtliche Verfahren ist neben der Stadt und dem Kreis noch die Bundesnetzagentur. Wichtiges Kriterium ist der Abstand zur Wohnbebauung, der in diesem Fall mindestens 13,5 Meter betragen muss. Tatsächlich beläuft sich die Distanz zum nächsten bewohnten Gebäude auf das Siebenfache des Mindestabstands, teilt die Stadt auf MT-Anfrage mit. "Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen besteht bei Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Abstände keine Gefahr durch elektromagnetische Strahlung."Wirklich beruhigend wirken solche Aussagen auf die Nachbarn nicht. Sie wundern sich vor allem über die vermeintliche Untätigkeit der örtlichen Politiker. "Die haben immer gesagt, dass hier kein Mast hinkommt", sagt Lothar Reich.Beteiligt werden die Politiker an solchen Verfahren über die Bezirks- und Fachausschüsse des Rates. Außerdem gibt es einen Arbeitskreis Mobilfunk, besetzt mit Vertretern aller Fraktionen.Politiker offenbar machtlosIn diesem Fall aber hat die Portaner Politik offenbar wenig ausrichten können, wie SPD-Ratsherr und Bezirksausschuss-Vorsitzender Fritz-Günter Vogt an Helga Piel schreibt, nachdem sie sich bei ihm über den "Schandfleck" beschwert hat: "Wir Politiker aus Eisbergen waren auch entsetzt, als wir vor drei Wochen erfahren haben, dass der Sendemast im Werder einfach gebaut wird. Wir haben in allen Gremien, in denen wir vertreten sind, den Mast an diesem Standort abgelehnt." Allerdings hätten Gespräche mit der Verwaltung ergeben, dass der Bau rechtmäßig sei "und wir leider keinen rechtlichen Einfluss mehr haben", schreibt Vogt, der sich vor vollendete Tatsachen gestellt sieht.Helga Piel will sich jedoch nicht geschlagen geben. Im Hinblick auf die Strahlenimmission hat sie die Stadtverwaltung aufgefordert, die Unbedenklichkeit zu bescheinigen.Möglicherweise wird demnächst im Werder gemessen. Solch eine (öffentliche) Aktion gab es zuletzt vor fünfeinhalb Jahren in Lerbeck. Dort war die Mobilfunkanlage auf dem Dach des Lerbecker Kinderhortes besorgten Eltern, Anwohnern und Politikern ein Dorn im Auge. Die Messungen ergaben, dass sowohl auf dem Spielgelände des Hortes als auch im Hort selbst die Grenzwerte deutlich unterschritten wurden.

Störung der Nachbarschafts-Frequenz

Porta Westfalica-Eisbergen (mt). Die meisten Menschen nutzen Handys, doch die wenigsten wollen einen Funkmast in ihrer Nähe. Der Bau einer solchen Anlage hat in Eisbergen zum Nachbarschaftsstreit geführt.

Ortstermin am Mobilfunkmast: Christoph Freiherr von Schellersheim (Mitte) stellt sich der Kritik seiner Nachbarn Lothar Reich und Helga Piel. - © MT-Foto: Dirk Haunhorst
Ortstermin am Mobilfunkmast: Christoph Freiherr von Schellersheim (Mitte) stellt sich der Kritik seiner Nachbarn Lothar Reich und Helga Piel. - © MT-Foto: Dirk Haunhorst

"Eine Sauerei ist das, den Nachbarn so ein Ding vor die Nase zu setzen", schimpft Gerd Vauth. Adressat der deutlichen Worte ist Christoph Freiherr von Schellersheim, der sich an diesem Dienstagvormittag beim Ortstermin der Kritik einiger Nachbarn stellt. Zu spät, finden Lothar Reich und Helga Piel, im Sinne guter Nachbarschaft wären frühzeitige Informationen gewesen. "An der Sache hätte das aber nichts geändert. Auch nicht an der Kritik", meint von Schellersheim. Er beklagt das Sankt-Florians-Prinzip bei solchen Diskussionen. Die Leute wollten zwar vom Mobilfunk profitieren, die Folgen sollten aber immer andere tragen.

Ursprünglich sollte Mast 35 Meter hoch sein

Von Schellersheim gibt zu, dass der neue 20 Meter hohe Mast auf seinem Grundstück im Eisberger Werder zwischen Ravensberger Straße und Weser "kein schöner Anblick" ist. Gleichwohl hätte der Mast mit 35 Metern an anderer Stelle noch deutlich höher ausfallen können. Die nun gefundene Lösung sei ein Kompromiss.

Bereits vor Jahren sei das Unternehmen O2 an ihn herangetreten, um die Möglichkeiten für einen Funkmast auf seinem Grundstück zu erkunden, berichtet von Schellersheim. "O2 hatte hier einen schlechten Empfang." Mehrere Varianten wurden diskutiert, unter anderem der Standort Reithalle, den von Schellersheim aber ablehnte, auch um mögliche Erweiterungen nicht zu verbauen. Zudem wären dort Mindestabstände zu Nachbarn nicht eingehalten worden.

Bevor der jetzige Standort genehmigt wurde, hatten bereits 2006 und 2008 zwei Anträge die zuständigen Behörden erreicht. Die darin avisierten Standorte, die weiter südlich in Richtung Weser und damit weiter entfernt von der Wohnbebauung gelegen hätten, wurden jedoch abgelehnt. Grund: Beide Bereiche befinden sich im Landschaftsschutzgebiet Südliche Weser-aue. Die untere Landschaftsbehörde (Kreis Minden-Lübbecke) versagte die Befreiung vom Landschaftsschutz.

"Keine Gefahr durch Strahlung"

Wie die Stadt mitteilt, erfolgte die Genehmigung für den Anfang voriger Woche errichteten Mast von Telefonica-O2 bereits im Februar dieses Jahres. Zuständig für das baurechtliche Verfahren ist neben der Stadt und dem Kreis noch die Bundesnetzagentur. Wichtiges Kriterium ist der Abstand zur Wohnbebauung, der in diesem Fall mindestens 13,5 Meter betragen muss. Tatsächlich beläuft sich die Distanz zum nächsten bewohnten Gebäude auf das Siebenfache des Mindestabstands, teilt die Stadt auf MT-Anfrage mit. "Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen besteht bei Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Abstände keine Gefahr durch elektromagnetische Strahlung."

Wirklich beruhigend wirken solche Aussagen auf die Nachbarn nicht. Sie wundern sich vor allem über die vermeintliche Untätigkeit der örtlichen Politiker. "Die haben immer gesagt, dass hier kein Mast hinkommt", sagt Lothar Reich.

Beteiligt werden die Politiker an solchen Verfahren über die Bezirks- und Fachausschüsse des Rates. Außerdem gibt es einen Arbeitskreis Mobilfunk, besetzt mit Vertretern aller Fraktionen.

Politiker offenbar machtlos

In diesem Fall aber hat die Portaner Politik offenbar wenig ausrichten können, wie SPD-Ratsherr und Bezirksausschuss-Vorsitzender Fritz-Günter Vogt an Helga Piel schreibt, nachdem sie sich bei ihm über den "Schandfleck" beschwert hat: "Wir Politiker aus Eisbergen waren auch entsetzt, als wir vor drei Wochen erfahren haben, dass der Sendemast im Werder einfach gebaut wird. Wir haben in allen Gremien, in denen wir vertreten sind, den Mast an diesem Standort abgelehnt." Allerdings hätten Gespräche mit der Verwaltung ergeben, dass der Bau rechtmäßig sei "und wir leider keinen rechtlichen Einfluss mehr haben", schreibt Vogt, der sich vor vollendete Tatsachen gestellt sieht.

Helga Piel will sich jedoch nicht geschlagen geben. Im Hinblick auf die Strahlenimmission hat sie die Stadtverwaltung aufgefordert, die Unbedenklichkeit zu bescheinigen.

Möglicherweise wird demnächst im Werder gemessen. Solch eine (öffentliche) Aktion gab es zuletzt vor fünfeinhalb Jahren in Lerbeck. Dort war die Mobilfunkanlage auf dem Dach des Lerbecker Kinderhortes besorgten Eltern, Anwohnern und Politikern ein Dorn im Auge. Die Messungen ergaben, dass sowohl auf dem Spielgelände des Hortes als auch im Hort selbst die Grenzwerte deutlich unterschritten wurden.

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