Stadt Porta Westfalica will Gedenkbäume für Corona-Tote pflanzen - AfD-Politiker stimmt dagegen Thomas Lieske Porta Westfalica. Der Kalender zeigte noch das Jahr 2020, als der erste Patient aus Porta Westfalica in Zusammenhang mit einer nachgewiesenen Corona-Infektion verstorben ist. Seitdem sind 15 weitere Erkrankte aus dem Stadtgebiet gefolgt. Rainer Traue, der für die CDU als Ältester im Stadtrat sitzt, hat sich dazu seine Gedanken gemacht. Die Toten, die die Stadt im Zusammenhang mit der Pandemie zu beklagen hat, sollen nicht einfach irgendwann in einer Statistik verschwinden. Rainer Traue möchte ihnen einen Gedenkort schaffen. Und die gesamte Stadtpolitik steht hinter seiner Idee – mit einer Ausnahme. „Ich habe zunächst an einen Baum für das gesamte Stadtgebiet gedacht – wo auch immer er stehen sollte", erzählt der aktive Lokalpolitiker. Bei einer ersten Diskussion der Idee in der konservativen Fraktion aber reifte schnell der Vorschlag, doch möglichst für jeden einzelnen der 15 Stadtteile einen eigenen Gedenkbaum zu schaffen. „Es soll am liebsten eine Buche sein, oder eine Eiche", sagt Traue. „Die werden groß und wachsen langsam. So bleibt die Gedenkstätte lange für die Nachwelt erhalten." Im Haupt- und Finanzausschuss der Stadt, der derzeit per Beschluss als personell reduzierter Ersatz für den Stadtrat tagt und entscheidet, hat die CDU für die Idee eine überwältigenden Mehrheit gefunden und nur Zuspruch bekommen – mit einer Ausnahme. Als der kurz vor der letzten Kommunalwahl zur rechtsnationalen Partei Alternative für Deutschland (AfD) gewechselte Humanmediziner Volker Marsch als einziger gegen den Vorschlag stimmt, herrscht im Saal ein stilles, aber spürbares Entsetzen. Für Rainer Traue ist das Votum trotz des kurzen Tiefpunktes ein tolles Zeichen. Seine Idee, die die CDU innerhalb der Fraktion weiter ausgefeilt hat, soll nun in den einzelnen Bezirksausschüssen vor Ort besprochen werden. Denn deren Mitglieder könnten am besten entscheiden, welcher Ort für einen solchen Baum am besten geeignet ist. „Wichtig ist, dass der Baum Platz braucht. Eine große Krone soll später auch unten am eigentlichen Gedenkort viel Platz schaffen", erklärt Rainer Traue. Finanziert werden könnte das Vorhaben womöglich aus dem Topf des Projektes „1.000 Bäume für Porta". So ließe sich der Klimaschutzgedanke der Aktion mit dem Gedenken vereinen, sagt Traue. Einige Kommunen in Nordrhein-Westfalen haben die Idee eines Gedenkbaumes bereits umgesetzt. Dazu zählen große Städte wie Essen, aber auch Kommunen wie Velbert. Dort sind die Städte bereits zum nationalen Gedenktag für Corona-Opfer im April tätig geworden. Der Baum soll dort wie auch in Porta Westfalica als Symbol der Hoffnung gelten und einen würdigen Gedenkrahmen für die im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie Verstorbenen bieten. Zur genauen Ausgestaltung dieser angedachten Gedenkstätten im Portaner Stadtgebiet wird die Politik, vermutlich in den Bezirksausschüssen, noch genauer sprechen. Die 15 Bäume sollen noch in diesem Jahr in den Stadtteilen gepflanzt werden. Die Erinnerung nicht wert? Ein Kommentar von Thomas Lieske Wären die 15 geplanten Gedenkbäume für Corona-Tote aus der Stadt Porta irgendwann unter der Prämisse Naturschutz gepflanzt worden, hätte es keine Gegenstimme der rechtsnationalen Partei Alternative für Deutschland (AfD) gegeben. Nun aber sollen 15 Bäume an Menschen erinnern, die im Zusammenhang mit der Pandemie verstorben sind. Für Volker Marsch von der AfD Grund genug, dagegen zu stimmen. Als praktizierender Allgemeinmediziner mit einer eigenen Hausarztpraxis sollte er es besser wissen. Beinahe täglich müsste er im Praxisalltag mit den direkten oder indirekten Folgen der Pandemie mittel- oder unmittelbar zu tun haben und konfrontiert werden. Seinen Äußerungen rund um Corona ist das aber nicht anzumerken. Mit seinem Votum gegen die Idee der Gedenkbäume setzt er vor allem ein verachtendes Zeichen: Die Toten, die die Stadt Porta Westfalica im Zusammenhang mit Coronainfektionen zu beklagen hat, scheinen ihm und der Portaner AfD-Fraktion der öffentlichen Erinnerung nicht wert.

Stadt Porta Westfalica will Gedenkbäume für Corona-Tote pflanzen - AfD-Politiker stimmt dagegen

Porta Westfalica. Der Kalender zeigte noch das Jahr 2020, als der erste Patient aus Porta Westfalica in Zusammenhang mit einer nachgewiesenen Corona-Infektion verstorben ist. Seitdem sind 15 weitere Erkrankte aus dem Stadtgebiet gefolgt. Rainer Traue, der für die CDU als Ältester im Stadtrat sitzt, hat sich dazu seine Gedanken gemacht. Die Toten, die die Stadt im Zusammenhang mit der Pandemie zu beklagen hat, sollen nicht einfach irgendwann in einer Statistik verschwinden. Rainer Traue möchte ihnen einen Gedenkort schaffen. Und die gesamte Stadtpolitik steht hinter seiner Idee – mit einer Ausnahme.

Gedenkbäume für Menschen aus Porta Westfalica, die im Zusammenhang mit einer Corona-Erkrankung verstorben sind: Das wünscht sich die Mehrheit der Politik – mit einer Ausnahme. Symbolfoto: Ole Spata - © Ole Spata
Gedenkbäume für Menschen aus Porta Westfalica, die im Zusammenhang mit einer Corona-Erkrankung verstorben sind: Das wünscht sich die Mehrheit der Politik – mit einer Ausnahme. Symbolfoto: Ole Spata - © Ole Spata

„Ich habe zunächst an einen Baum für das gesamte Stadtgebiet gedacht – wo auch immer er stehen sollte", erzählt der aktive Lokalpolitiker. Bei einer ersten Diskussion der Idee in der konservativen Fraktion aber reifte schnell der Vorschlag, doch möglichst für jeden einzelnen der 15 Stadtteile einen eigenen Gedenkbaum zu schaffen. „Es soll am liebsten eine Buche sein, oder eine Eiche", sagt Traue. „Die werden groß und wachsen langsam. So bleibt die Gedenkstätte lange für die Nachwelt erhalten."

Im Haupt- und Finanzausschuss der Stadt, der derzeit per Beschluss als personell reduzierter Ersatz für den Stadtrat tagt und entscheidet, hat die CDU für die Idee eine überwältigenden Mehrheit gefunden und nur Zuspruch bekommen – mit einer Ausnahme. Als der kurz vor der letzten Kommunalwahl zur rechtsnationalen Partei Alternative für Deutschland (AfD) gewechselte Humanmediziner Volker Marsch als einziger gegen den Vorschlag stimmt, herrscht im Saal ein stilles, aber spürbares Entsetzen.

Für Rainer Traue ist das Votum trotz des kurzen Tiefpunktes ein tolles Zeichen. Seine Idee, die die CDU innerhalb der Fraktion weiter ausgefeilt hat, soll nun in den einzelnen Bezirksausschüssen vor Ort besprochen werden. Denn deren Mitglieder könnten am besten entscheiden, welcher Ort für einen solchen Baum am besten geeignet ist. „Wichtig ist, dass der Baum Platz braucht. Eine große Krone soll später auch unten am eigentlichen Gedenkort viel Platz schaffen", erklärt Rainer Traue. Finanziert werden könnte das Vorhaben womöglich aus dem Topf des Projektes „1.000 Bäume für Porta". So ließe sich der Klimaschutzgedanke der Aktion mit dem Gedenken vereinen, sagt Traue.

Einige Kommunen in Nordrhein-Westfalen haben die Idee eines Gedenkbaumes bereits umgesetzt. Dazu zählen große Städte wie Essen, aber auch Kommunen wie Velbert. Dort sind die Städte bereits zum nationalen Gedenktag für Corona-Opfer im April tätig geworden. Der Baum soll dort wie auch in Porta Westfalica als Symbol der Hoffnung gelten und einen würdigen Gedenkrahmen für die im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie Verstorbenen bieten.

Zur genauen Ausgestaltung dieser angedachten Gedenkstätten im Portaner Stadtgebiet wird die Politik, vermutlich in den Bezirksausschüssen, noch genauer sprechen. Die 15 Bäume sollen noch in diesem Jahr in den Stadtteilen gepflanzt werden.

Die Erinnerung nicht wert?

Ein Kommentar von Thomas Lieske

Wären die 15 geplanten Gedenkbäume für Corona-Tote aus der Stadt Porta irgendwann unter der Prämisse Naturschutz gepflanzt worden, hätte es keine Gegenstimme der rechtsnationalen Partei Alternative für Deutschland (AfD) gegeben. Nun aber sollen 15 Bäume an Menschen erinnern, die im Zusammenhang mit der Pandemie verstorben sind.

Für Volker Marsch von der AfD Grund genug, dagegen zu stimmen. Als praktizierender Allgemeinmediziner mit einer eigenen Hausarztpraxis sollte er es besser wissen. Beinahe täglich müsste er im Praxisalltag mit den direkten oder indirekten Folgen der Pandemie mittel- oder unmittelbar zu tun haben und konfrontiert werden. Seinen Äußerungen rund um Corona ist das aber nicht anzumerken.

Mit seinem Votum gegen die Idee der Gedenkbäume setzt er vor allem ein verachtendes Zeichen: Die Toten, die die Stadt Porta Westfalica im Zusammenhang mit Coronainfektionen zu beklagen hat, scheinen ihm und der Portaner AfD-Fraktion der öffentlichen Erinnerung nicht wert.

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