Spielplatz am Kaiser: Bald können Kinder hier nach dem "Monster von Minden" buddeln Dirk Haunhorst Porta Westfalica. Die Ausstellung im Besucherzentrum des Kaiser-Denkmals ist zwar inhaltsreich, aber in weiten Teilen nicht für Kinder konzipiert. Während der Erkenntnisgewinn bei Erwachsenen manches Aha hervorruft, dürften sich Kinder – je nach Alter – früher oder später langweilen. Richtig spannend war der Denkmal-Ausflug für Mädchen und Jungen vermutlich ohnehin noch nie. Einer schöner Ausblick – aber sonst? Das wird sich bald ändern. Die Meldung, dass in diesem Spätsommer endlich der Spielplatzbau im rückwärtigen Denkmalareal begonnen hat, machte auch in den sozialen Medien rasch die Runde. An den Reaktionen war abzulesen, dass manche Eltern wegen der neuen Attraktion für Kinder den Denkmalbesuch wohl in ihr Freizeitprogramm mit aufnehmen werden. Auf jeden Fall macht das Projekt neugierig. Seine Realisierung hat auch lange genug gedauert – annähernd drei Jahre. Wahrscheinlich macht die Einweihung eines Spielplatzes im Frühling oder Sommer mehr Sinn als mitten im Herbst. Aber vielleicht hat dieser einige milde, sonnige Tage, sodass Kinder dort von Ende Oktober an Spaß am Buddeln haben – und dann das „Monster von Minden“ ausgraben. Der Baufortschritt macht jedenfalls Hoffnung, dass nicht weit vom 125. Geburtstag des Monuments entfernt auch die Kinder ein Geschenk erhalten. Seit einigen Tagen richten die Arbeiter das Spielgerät für die „kaiserzeitliche Baustelle“ auf. Kinder sollen das Denkmal und seine (Bau-)Geschichte spielerisch begreifen. So lautet der Anspruch, der hinter der Kinderaktionsfläche steckt. Die Verantwortlichen vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) legen Wert auf diese Bezeichnung, da es sich um ein pädagogisch anspruchsvolleres Konzept handele als bei einem herkömmlichen Spielplatz. So soll die Aktionsfläche, die auch Infotafeln erhält, mit der Ausstellung des Besucherzentrums korrespondieren. Eine Jury hatte sich im vorigen Jahr für den Entwurf des Büros „Birnberg Landschaftsarchitekten“ aus Iserlohn entschieden. „Die Klarheit des Entwurfs sowie die durchdachte Konzeption waren ausschlaggebend für unsere Wahl“, lobte Direktor Matthias Löb, „das Kaiser-Wilhelm-Denkmal bleibt dabei aber klar im Vordergrund.“ Auch zwei Grabungsfelder gehören zu der 600 Quadratmeter großen Spielfläche. Dort können Kinder dann Überreste eines Römerlagers ausbuddeln oder nach dem „Monster von Minden“ graben. Dabei handelt es sich um die kleine Nachbildung des größten Raubsauriers Mitteleuropas, der vor 165 Millionen Jahren lebte. 1998 fanden Fachleute des LWL in einem Steinbruch im Wiehengebirge Überreste eines Dinosauriers. Sie ahnten nicht, dass dies der größte Raubsaurier war, der bisher in Deutschland gefunden wurde. Die versteinerten Knochen des Schädels, Zähne, Wirbel, Rippen sowie Teile des Unterschenkels bildeten die Grundlage der Rekonstruktion des „Wiehenvenator albati“ (übersetzt: Albats Wiehengebirgsjäger, benannt nach dem Finder Friedrich Albat). Das „Monster von Minden“ ist im LWL-Museum für Naturkunde in Münster zu sehen. Das Geld fürs Spielgelände hatte die NRW-Stiftung bereits im Oktober 2018 zugesagt, als sie den Förderbescheid am Denkmal überreichte. Insgesamt fließen 380.000 Euro. Mit dem Geld sollen neben der – barrierefreien – Spielfläche auch Hinweistafeln in Blindenschrift und eine Kaiserstatue als Tastmodell bezahlt werden. „Integration und Inklusion sind in unserer Satzung verankert“, sagte Stiftungspräsident Eckhard Uhlenberg anlässlich seines Denkmal-Besuchs vor drei Jahren. Der Beginn der Bauarbeiten, ursprünglich für 2019 in Aussicht gestellt, verzögerte sich deutlich. Die Teilnehmer eines Arbeitskreis, der sich konzeptionelle Gedanken machen und bereits Ende 2018 treffen sollte, kam erst Monate später zusammen. Terminprobleme und Krankheit wurden als Gründe genannt. Auch tauchten aus dem Denkmal-Förderverein Bedenken auf, weil das Spielgelände auf der oberen Terrasse hinter der Kaiserstatue zu weit vom Besucherzentrum entfernt sei. Wenn Eltern sich die Ausstellung im Infozentrum ansähen, müssten sie etliche Meter und Treppenstufen hoch zum Denkmal hinter sich lassen, um zu ihren Schützlingen zu gelangen, hieß es. Eine Alternative wurde aber nicht ernsthaft diskutiert – zumindest nicht öffentlich. Eine Expertin des Landschaftsverbandes wies frühzeitig darauf hin, dass eine Unterbringung des Spielplatzes im vorderen Terrassenbereich auf Höhe des Besucherzentrums aus statischen Gründen nicht möglich sei. Auch Bedenken des Naturschutzbeirates, der sich um Flora und Fauna am Spielplatzareal sorgte, mussten ausgeräumt werden. Zuletzt verzögerte dann noch die hohe Auslastung im Baugewerbe die Realisierung der Kinderaktionsfläche. Bald aber ist es so weit und die Spiele können beginnen.

Spielplatz am Kaiser: Bald können Kinder hier nach dem "Monster von Minden" buddeln

Die Fortschritte auf der „kaiserlichen Baustelle“ sind gut sichtbar. Der Spielplatz im Rücken der Kaiserstatue soll im Oktober fertig werden – gewissermaßen als leicht verspätetes Präsent zum Denkmal-Jubiläum. MT-Foto: Thomas Lieske

Porta Westfalica. Die Ausstellung im Besucherzentrum des Kaiser-Denkmals ist zwar inhaltsreich, aber in weiten Teilen nicht für Kinder konzipiert. Während der Erkenntnisgewinn bei Erwachsenen manches Aha hervorruft, dürften sich Kinder – je nach Alter – früher oder später langweilen. Richtig spannend war der Denkmal-Ausflug für Mädchen und Jungen vermutlich ohnehin noch nie. Einer schöner Ausblick – aber sonst?

Das wird sich bald ändern. Die Meldung, dass in diesem Spätsommer endlich der Spielplatzbau im rückwärtigen Denkmalareal begonnen hat, machte auch in den sozialen Medien rasch die Runde. An den Reaktionen war abzulesen, dass manche Eltern wegen der neuen Attraktion für Kinder den Denkmalbesuch wohl in ihr Freizeitprogramm mit aufnehmen werden. Auf jeden Fall macht das Projekt neugierig. Seine Realisierung hat auch lange genug gedauert – annähernd drei Jahre.

Wahrscheinlich macht die Einweihung eines Spielplatzes im Frühling oder Sommer mehr Sinn als mitten im Herbst. Aber vielleicht hat dieser einige milde, sonnige Tage, sodass Kinder dort von Ende Oktober an Spaß am Buddeln haben – und dann das „Monster von Minden“ ausgraben. Der Baufortschritt macht jedenfalls Hoffnung, dass nicht weit vom 125. Geburtstag des Monuments entfernt auch die Kinder ein Geschenk erhalten.

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Patrick Schwemmling

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Seit einigen Tagen richten die Arbeiter das Spielgerät für die „kaiserzeitliche Baustelle“ auf. Kinder sollen das Denkmal und seine (Bau-)Geschichte spielerisch begreifen. So lautet der Anspruch, der hinter der Kinderaktionsfläche steckt. Die Verantwortlichen vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) legen Wert auf diese Bezeichnung, da es sich um ein pädagogisch anspruchsvolleres Konzept handele als bei einem herkömmlichen Spielplatz. So soll die Aktionsfläche, die auch Infotafeln erhält, mit der Ausstellung des Besucherzentrums korrespondieren.

Eine Jury hatte sich im vorigen Jahr für den Entwurf des Büros „Birnberg Landschaftsarchitekten“ aus Iserlohn entschieden. „Die Klarheit des Entwurfs sowie die durchdachte Konzeption waren ausschlaggebend für unsere Wahl“, lobte Direktor Matthias Löb, „das Kaiser-Wilhelm-Denkmal bleibt dabei aber klar im Vordergrund.“

Auch zwei Grabungsfelder gehören zu der 600 Quadratmeter großen Spielfläche. Dort können Kinder dann Überreste eines Römerlagers ausbuddeln oder nach dem „Monster von Minden“ graben. Dabei handelt es sich um die kleine Nachbildung des größten Raubsauriers Mitteleuropas, der vor 165 Millionen Jahren lebte.

1998 fanden Fachleute des LWL in einem Steinbruch im Wiehengebirge Überreste eines Dinosauriers. Sie ahnten nicht, dass dies der größte Raubsaurier war, der bisher in Deutschland gefunden wurde. Die versteinerten Knochen des Schädels, Zähne, Wirbel, Rippen sowie Teile des Unterschenkels bildeten die Grundlage der Rekonstruktion des „Wiehenvenator albati“ (übersetzt: Albats Wiehengebirgsjäger, benannt nach dem Finder Friedrich Albat). Das „Monster von Minden“ ist im LWL-Museum für Naturkunde in Münster zu sehen.

Das Geld fürs Spielgelände hatte die NRW-Stiftung bereits im Oktober 2018 zugesagt, als sie den Förderbescheid am Denkmal überreichte. Insgesamt fließen 380.000 Euro. Mit dem Geld sollen neben der – barrierefreien – Spielfläche auch Hinweistafeln in Blindenschrift und eine Kaiserstatue als Tastmodell bezahlt werden. „Integration und Inklusion sind in unserer Satzung verankert“, sagte Stiftungspräsident Eckhard Uhlenberg anlässlich seines Denkmal-Besuchs vor drei Jahren.

Der Beginn der Bauarbeiten, ursprünglich für 2019 in Aussicht gestellt, verzögerte sich deutlich. Die Teilnehmer eines Arbeitskreis, der sich konzeptionelle Gedanken machen und bereits Ende 2018 treffen sollte, kam erst Monate später zusammen. Terminprobleme und Krankheit wurden als Gründe genannt. Auch tauchten aus dem Denkmal-Förderverein Bedenken auf, weil das Spielgelände auf der oberen Terrasse hinter der Kaiserstatue zu weit vom Besucherzentrum entfernt sei. Wenn Eltern sich die Ausstellung im Infozentrum ansähen, müssten sie etliche Meter und Treppenstufen hoch zum Denkmal hinter sich lassen, um zu ihren Schützlingen zu gelangen, hieß es.

Eine Alternative wurde aber nicht ernsthaft diskutiert – zumindest nicht öffentlich. Eine Expertin des Landschaftsverbandes wies frühzeitig darauf hin, dass eine Unterbringung des Spielplatzes im vorderen Terrassenbereich auf Höhe des Besucherzentrums aus statischen Gründen nicht möglich sei.

Auch Bedenken des Naturschutzbeirates, der sich um Flora und Fauna am Spielplatzareal sorgte, mussten ausgeräumt werden. Zuletzt verzögerte dann noch die hohe Auslastung im Baugewerbe die Realisierung der Kinderaktionsfläche.

Bald aber ist es so weit und die Spiele können beginnen.

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