Spätfolgen von Alkohol in der Schwangerschaft: Familie aus Porta will Betroffene vernetzen Thomas Lieske Porta Westfalica. Marc ist chaotisch und „liebenswert anders“. So beschreibt Familie S. aus Porta Westfalica, die ihren vollen Namen anonym halten möchte, ihren Pflegesohn. Marcs liebenswert andere Art hat allerdings einen traurigen Hintergrund. Denn er gehört zu den vom Robert-Koch-Institut errechneten rund zwei Prozent der Kinder in Deutschland, die an den Spätfolgen von Alkohol in der Schwangerschaft leiden. Jedes Jahr werden demnach rund 10.000 Kinder unter diesen Umständen geboren. FAS nennen Experten das Syndrom – fetales Alkoholsyndrom, das sich zum Beispiel an einem stark verkleinerten Schädel, hängenden Augenlidern und anderen Fehlbildungen zeigt. Und in einem veränderten Verhalten – Aggressionen, Wutanfälle, Hyperaktivität sind dabei keine Seltenheit. Auch Familie S. aus Porta hat mit diesen Folgen zu kämpfen – bei ihrem Pflegesohn wurde ziemlich spät die Diagnose pFAS gestellt: Er leidet an einem partiellen fetalen Alkoholsyndrom. Seine Pflegeeltern möchten ihre Erfahrungen, Fragen, Sorgen und Ängste gern mit anderen Betroffenen teilen. Unter dem Schirm der PariSozial Minden-Lübbecke-Herford haben sie eine Selbsthilfegruppe ins Leben gerufen, die am Freitag an den Start geht (siehe Infobox). Bisher gab es in Porta ein solches Hilfsangebot noch nicht. Familie S. hätte sich auch früher Hilfe gewünscht: Zunächst bekamen Außenstehende nicht mit, was bei ihr los war. In der Öffentlichkeit verhielt sich Marc angepasst und freundlich. Und so wurden erste Hilferufe beim Pflegekinderdienst nicht erhört. Im Kindergarten zeigte sich nach und nach das auffällige Verhalten des Pflegesohns. Da stand die Diagnose FAS aber noch nicht fest. Zunächst sollte eine Integrationskraft helfen, Marc mit den vielen neuen Reizen vertraut zu machen, die ihn offensichtlich überforderten. Eine riesige Herausforderung: Kinder mit der Diagnose FAS haben große Schwierigkeiten, einen normalen Alltag zu bestreiten. Sie kommen meist nur mit wenigen Menschen in ihrer Umgebung klar. Trotz dieser Schwierigkeiten und gegen den Willen der Eltern wurde Marc in einer Regelschule eingeschult. Die Folge: Schon in der Grundschule mussten seine Eltern ihn ständig früher abholen, weil er mit den Reizen des Schulalltags völlig überfordert war. Sein damaliger Lehrer engagierte sich sehr für ihn, doch die Belastung für Familie S. wuchs immer weiter. Heute besucht Marc eine Sonderschule. Das erleichtert zumindest den Schulalltag. Im Familienleben bleiben die Belastungen. Trotz der Diagnose und des Behinderungsgrades muss die Familie immer wieder um Hilfeleistungen kämpfen. Gern würde sie ihre Erfahrungen mit anderen betroffenen Pflege- und Adoptivfamilien teilen. Der neue Treffpunkt in Hausberge soll auch Mut machen. „Wir als Pflege- oder Adoptivfamilien werden in besonderem Maße in unserem Alltag gefordert. Oft hat die Außenwelt wenig Verständnis oder Erfahrung im Umgang mit diesen besonderen Kindern“, erzählt Familie S. Der Treffpunkt soll Betroffene stärken, dem Austausch dienen, jeder soll frei sprechen dürfen, ohne von anderen dafür bewertet zu werden. „Es gibt kein richtig oder falsch, sondern es ist die eigene Wahrnehmung.“ Ein weiteres wichtiges Ziel des Treffpunktes: Die erkrankten Kinder sollen miteinander vernetzt werden.

Spätfolgen von Alkohol in der Schwangerschaft: Familie aus Porta will Betroffene vernetzen

Alkohol in der Schwangerschaft kann schwere Folgeschäden bei Kindern anrichten. Selbst kleine Mengen reichen bereits, um körperliche oder seelische Behinderungen zu verursachen, sagen Experten. Foto: Ute Grabowsky/imago © imago/photothek

Porta Westfalica. Marc ist chaotisch und „liebenswert anders“. So beschreibt Familie S. aus Porta Westfalica, die ihren vollen Namen anonym halten möchte, ihren Pflegesohn. Marcs liebenswert andere Art hat allerdings einen traurigen Hintergrund. Denn er gehört zu den vom Robert-Koch-Institut errechneten rund zwei Prozent der Kinder in Deutschland, die an den Spätfolgen von Alkohol in der Schwangerschaft leiden. Jedes Jahr werden demnach rund 10.000 Kinder unter diesen Umständen geboren. FAS nennen Experten das Syndrom – fetales Alkoholsyndrom, das sich zum Beispiel an einem stark verkleinerten Schädel, hängenden Augenlidern und anderen Fehlbildungen zeigt. Und in einem veränderten Verhalten – Aggressionen, Wutanfälle, Hyperaktivität sind dabei keine Seltenheit.

Auch Familie S. aus Porta hat mit diesen Folgen zu kämpfen – bei ihrem Pflegesohn wurde ziemlich spät die Diagnose pFAS gestellt: Er leidet an einem partiellen fetalen Alkoholsyndrom. Seine Pflegeeltern möchten ihre Erfahrungen, Fragen, Sorgen und Ängste gern mit anderen Betroffenen teilen. Unter dem Schirm der PariSozial Minden-Lübbecke-Herford haben sie eine Selbsthilfegruppe ins Leben gerufen, die am Freitag an den Start geht (siehe Infobox). Bisher gab es in Porta ein solches Hilfsangebot noch nicht.

Familie S. hätte sich auch früher Hilfe gewünscht: Zunächst bekamen Außenstehende nicht mit, was bei ihr los war. In der Öffentlichkeit verhielt sich Marc angepasst und freundlich. Und so wurden erste Hilferufe beim Pflegekinderdienst nicht erhört. Im Kindergarten zeigte sich nach und nach das auffällige Verhalten des Pflegesohns. Da stand die Diagnose FAS aber noch nicht fest. Zunächst sollte eine Integrationskraft helfen, Marc mit den vielen neuen Reizen vertraut zu machen, die ihn offensichtlich überforderten. Eine riesige Herausforderung: Kinder mit der Diagnose FAS haben große Schwierigkeiten, einen normalen Alltag zu bestreiten. Sie kommen meist nur mit wenigen Menschen in ihrer Umgebung klar.

Trotz dieser Schwierigkeiten und gegen den Willen der Eltern wurde Marc in einer Regelschule eingeschult. Die Folge: Schon in der Grundschule mussten seine Eltern ihn ständig früher abholen, weil er mit den Reizen des Schulalltags völlig überfordert war. Sein damaliger Lehrer engagierte sich sehr für ihn, doch die Belastung für Familie S. wuchs immer weiter.

Heute besucht Marc eine Sonderschule. Das erleichtert zumindest den Schulalltag. Im Familienleben bleiben die Belastungen. Trotz der Diagnose und des Behinderungsgrades muss die Familie immer wieder um Hilfeleistungen kämpfen.

Gern würde sie ihre Erfahrungen mit anderen betroffenen Pflege- und Adoptivfamilien teilen. Der neue Treffpunkt in Hausberge soll auch Mut machen. „Wir als Pflege- oder Adoptivfamilien werden in besonderem Maße in unserem Alltag gefordert. Oft hat die Außenwelt wenig Verständnis oder Erfahrung im Umgang mit diesen besonderen Kindern“, erzählt Familie S. Der Treffpunkt soll Betroffene stärken, dem Austausch dienen, jeder soll frei sprechen dürfen, ohne von anderen dafür bewertet zu werden. „Es gibt kein richtig oder falsch, sondern es ist die eigene Wahrnehmung.“ Ein weiteres wichtiges Ziel des Treffpunktes: Die erkrankten Kinder sollen miteinander vernetzt werden.

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