Späte Reue eines Raubgräbers: Film über den kuriosen Urnenraub von Costedt im Internet Stefan Lyrath Porta Westfalica-Costedt. Spannend wie ein Krimi: Den Urnenraub von Costedt gibt’s jetzt auch als Film. Dieser sollte am Sonntag auf der Video-Plattform YouTube im Internet hochgeladen werden, wo er kostenfrei zu sehen ist. Einfach „Der Urnenraub von Costedt“ eingeben. Nur Eingeweihte wussten bis zur Premiere der etwa 40-minütigen Dokumentation am Samstag, dass die Urne zum Grab einer Frau gehörte. „Darauf deuten Knochensplitter im Grab sowie eine Scheibenfibel hin, eine Gewandschließe“, erklärt Regisseur und Projektleiter Daniel Bake von der Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege im Kreis Minden-Lübbecke, kurz GeFBdML. „Anhand dieser Reste kann man sagen, dass es eine Frau um die 50 war.“ Die Urne selbst ist dagegen nach der Raubgrabung gereinigt worden, vermutlich vom Dieb, der das Gefäß nach mehr als 30 Jahren zurückgegeben hatte. Ein Profi war das nicht, sondern wohl eher „ein Gelegenheitstäter, der ein persönliches Interesse an Geschichte hat“. Davon geht Eckhard Laufer vom Landeskriminalamt Hessen aus, den GeFBdML-Pressesprecherin Karin Höhle für den Film interviewt hat. Strafrechtlich hätte der Täter heute nichts mehr zu befürchten. „Die Tat ist verjährt“, weiß Rechtsanwältin Nicole Mutschke. Ein Kavaliersdelikt sei dies jedoch nicht, „das sollte jedem klar sein“. Auf Diebstahl stünden bis zu fünf Jahre Haft. Ein Blick zurück: Im Juli 1989 war bei 13-wöchigen Grabungen des Westfälischen Museums für Archäologie in Costedt eine etwa 2.000 Jahre alte Urne aus der römischen Kaiserzeit gestohlen worden. Bis heute ist der Täter unbekannt. Eine Spur gibt es allerdings, denn im Januar 2021 lag plötzlich ein Paket mit dem Tongefäß und einem Brief vor der Haustür des GeFBdML-Vorsitzenden Friedhelm Raute. Offenbar plagte den Täter sein schlechtes Gewissen, weil er die Urne auf dem Gelände des Gutes Rothenhoff ausgegraben hatte. „Dies war nicht richtig, und ich entschuldige mich hiermit aufrichtig“, schrieb er. „Bitte kümmern Sie sich um das gute Stück. Vielen Dank und Grüße, ein Anonymer.“ Im Film spielt Bernd Höhle den Raubgräber. „Das ist natürlich die denkbar undankbarste Rolle“, schmunzelt Daniel Bake. Das Loch für die Urne gräbt Thomas Ahrens aus Minden. Er und Ilona Wiese (Quetzen), die ebenfalls in einer Spielszene zu sehen ist, kamen zur Filmpremiere als Germanen verkleidet. Seine Rüstung hatte Michael Kadler angelegt, ein Römer-Darsteller aus Vreden. Allein das Kettenhemd wiegt zwölf Kilo. Kadler kam schwer bewaffnet – mit Kurzschwert und Dolch. Der Film erzählt eine ebenso kuriose wie wahre Geschichte. Fachleute schildern ihre Sicht auf einen einzigartigen Fall, der in der Welt der Archäologie für Aufsehen gesorgt hat. Beleuchtet werden nicht nur die zeitlichen Abläufe der Raubgrabung, sondern auch die mutmaßlichen Motive des Täters. Wie Menschen in der jüngeren römischen Kaiserzeit beigesetzt wurden, wird ebenfalls anschaulich gemacht. „Wir wollten die Geschichte komplett erzählen“, fasst Daniel Bake zusammen. Ihm zufolge gibt es für solche Urnen übrigens einen großen Mark. Den Wert schätzt Bake auf 500 bis 600 Euro. Die Urne und andere Exponate wurden am Samstag in einer Ausstellung gezeigt, die nur für die Premiere aufgebaut war. Zunächst wird das Gefäß jetzt der LWL-Archäologie für Westfalen zur Verfügung gestellt und wissenschaftlich dokumentiert. Danach sollen es die ehrenamtlichen Archäologen als Leihgabe zurückbekommen. Bake denkt an eine Ausstellung mit Vorträgen und Geschichte zum Anfassen, geplant für das Jahr 2022 in Costedt. Bürgermeisterin Dr. Sonja Gerlach, die unter den Premierengästen war, hat ihre Unterstützung zugesichert. Entstanden ist der Film (Produktionskosten 1.200 Euro, finanziert über Sponsoren) nach einer Idee von Daniel Bake, Vasco Stemmer und Ilona Wiese. Produziert hat ihn die Arbeitsgruppe Film & Medien der GeFBdML. Die Dreharbeiten hatten im März begonnen (wir berichteten). Der Film ist Teil eines Projektes der Gesellschaft zur Erforschung der ur- und frühgeschichtlichen Besiedlung Costedts. Daniel Bake könnte sich vorstellen, dass es ihn auf Wunsch auch als DVD geben wird.

Späte Reue eines Raubgräbers: Film über den kuriosen Urnenraub von Costedt im Internet

Projektleiter und Regisseur: Daniel Bake zeigt die 1989 in Costedt gestohlene Urne. © Lyrath

Porta Westfalica-Costedt. Spannend wie ein Krimi: Den Urnenraub von Costedt gibt’s jetzt auch als Film. Dieser sollte am Sonntag auf der Video-Plattform YouTube im Internet hochgeladen werden, wo er kostenfrei zu sehen ist. Einfach „Der Urnenraub von Costedt“ eingeben.

Nur Eingeweihte wussten bis zur Premiere der etwa 40-minütigen Dokumentation am Samstag, dass die Urne zum Grab einer Frau gehörte. „Darauf deuten Knochensplitter im Grab sowie eine Scheibenfibel hin, eine Gewandschließe“, erklärt Regisseur und Projektleiter Daniel Bake von der Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege im Kreis Minden-Lübbecke, kurz GeFBdML. „Anhand dieser Reste kann man sagen, dass es eine Frau um die 50 war.“

Die Urne selbst ist dagegen nach der Raubgrabung gereinigt worden, vermutlich vom Dieb, der das Gefäß nach mehr als 30 Jahren zurückgegeben hatte. Ein Profi war das nicht, sondern wohl eher „ein Gelegenheitstäter, der ein persönliches Interesse an Geschichte hat“. Davon geht Eckhard Laufer vom Landeskriminalamt Hessen aus, den GeFBdML-Pressesprecherin Karin Höhle für den Film interviewt hat.


Strafrechtlich hätte der Täter heute nichts mehr zu befürchten. „Die Tat ist verjährt“, weiß Rechtsanwältin Nicole Mutschke. Ein Kavaliersdelikt sei dies jedoch nicht, „das sollte jedem klar sein“. Auf Diebstahl stünden bis zu fünf Jahre Haft.

Ein Blick zurück: Im Juli 1989 war bei 13-wöchigen Grabungen des Westfälischen Museums für Archäologie in Costedt eine etwa 2.000 Jahre alte Urne aus der römischen Kaiserzeit gestohlen worden. Bis heute ist der Täter unbekannt. Eine Spur gibt es allerdings, denn im Januar 2021 lag plötzlich ein Paket mit dem Tongefäß und einem Brief vor der Haustür des GeFBdML-Vorsitzenden Friedhelm Raute.

Stilecht: Bernd Höhle (links) spielt im Film den Raubgräber, Ilona Wiese und Thomas Ahrens haben ebenfalls Rollen übernommen. Nur zur Premiere ist Römer-Darsteller Michael Kadler (rechts) gekommen. Fotos: Lyrath - © Lyrath
Stilecht: Bernd Höhle (links) spielt im Film den Raubgräber, Ilona Wiese und Thomas Ahrens haben ebenfalls Rollen übernommen. Nur zur Premiere ist Römer-Darsteller Michael Kadler (rechts) gekommen. Fotos: Lyrath - © Lyrath

Offenbar plagte den Täter sein schlechtes Gewissen, weil er die Urne auf dem Gelände des Gutes Rothenhoff ausgegraben hatte. „Dies war nicht richtig, und ich entschuldige mich hiermit aufrichtig“, schrieb er. „Bitte kümmern Sie sich um das gute Stück. Vielen Dank und Grüße, ein Anonymer.“

Im Film spielt Bernd Höhle den Raubgräber. „Das ist natürlich die denkbar undankbarste Rolle“, schmunzelt Daniel Bake. Das Loch für die Urne gräbt Thomas Ahrens aus Minden. Er und Ilona Wiese (Quetzen), die ebenfalls in einer Spielszene zu sehen ist, kamen zur Filmpremiere als Germanen verkleidet.

Seine Rüstung hatte Michael Kadler angelegt, ein Römer-Darsteller aus Vreden. Allein das Kettenhemd wiegt zwölf Kilo. Kadler kam schwer bewaffnet – mit Kurzschwert und Dolch.

Der Film erzählt eine ebenso kuriose wie wahre Geschichte. Fachleute schildern ihre Sicht auf einen einzigartigen Fall, der in der Welt der Archäologie für Aufsehen gesorgt hat. Beleuchtet werden nicht nur die zeitlichen Abläufe der Raubgrabung, sondern auch die mutmaßlichen Motive des Täters. Wie Menschen in der jüngeren römischen Kaiserzeit beigesetzt wurden, wird ebenfalls anschaulich gemacht.

„Wir wollten die Geschichte komplett erzählen“, fasst Daniel Bake zusammen. Ihm zufolge gibt es für solche Urnen übrigens einen großen Mark. Den Wert schätzt Bake auf 500 bis 600 Euro.

Die Urne und andere Exponate wurden am Samstag in einer Ausstellung gezeigt, die nur für die Premiere aufgebaut war. Zunächst wird das Gefäß jetzt der LWL-Archäologie für Westfalen zur Verfügung gestellt und wissenschaftlich dokumentiert.

Danach sollen es die ehrenamtlichen Archäologen als Leihgabe zurückbekommen. Bake denkt an eine Ausstellung mit Vorträgen und Geschichte zum Anfassen, geplant für das Jahr 2022 in Costedt. Bürgermeisterin Dr. Sonja Gerlach, die unter den Premierengästen war, hat ihre Unterstützung zugesichert.

Entstanden ist der Film (Produktionskosten 1.200 Euro, finanziert über Sponsoren) nach einer Idee von Daniel Bake, Vasco Stemmer und Ilona Wiese. Produziert hat ihn die Arbeitsgruppe Film & Medien der GeFBdML. Die Dreharbeiten hatten im März begonnen (wir berichteten). Der Film ist Teil eines Projektes der Gesellschaft zur Erforschung der ur- und frühgeschichtlichen Besiedlung Costedts. Daniel Bake könnte sich vorstellen, dass es ihn auf Wunsch auch als DVD geben wird.

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