Sozialplan im Gemeinschaftskraftwerk unterzeichnet - 58 Arbeitsplätze weniger "Betroffenheit riesengroß" Von Dirk Haunhorst Porta Westfalica-Veltheim (mt). Die Verhandlungen sind beendet, Sozialplan und Interessenausgleich unterzeichnet. 58 Mitarbeiter des Gemeinschaftskraftwerks in Veltheim (GKV) müssen das Unternehmen verlassen. In den meisten Fällen greift die Vorruhestandsregelung. "Von einem Erfolg kann man sicher nicht sprechen, wir standen vor einer immens schwierigen Aufgabe", sagte gestern Geschäftsführer Jörg Röthemeier, der gemeinsam mit dem Betriebsratsvorsitzenden Rolf Winkler über das Verhandlungsergebnis informierte. "Die Betroffenheit in der gesamten Belegschaft ist riesengroß", sagte Winkler.Wie berichtet, wird das Kraftwerk künftig nur noch als Ein-Block-Betrieb mit deutlich reduzierter Personalzahl gefahren. Hauptgrund: Der Zuwachs an erneuerbaren Energien drängt konventionelle Erzeuger wie das Steinkohlekraftwerk aus dem Markt.Seit April wissen die GKV-Mitarbeiter, dass von ehemals 144 Stellen 65 gestrichen werden. In der Zwischenzeit haben einige Beschäftigte neue Arbeitsplätze gefunden, sodass es zuletzt um den Wegfall von 58 Stellen ging.43 wechseln in den Vorruhestand, 15 wurden Auflösungsverträge gegen Zahlung einer Abfindung vorgelegt. Sollten diese Mitarbeiter das Angebot nicht annehmen, gibt es die Möglichkeit, in eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft zu wechseln sowie im Anschluss in eine Transfergesellschaft. Im Wesentlichen gelten für die 58 betroffenen Mitarbeiter die entsprechenden Konzernregelungen von Eon, dem GKV-Mehrheitsgesellschafter.Die Geschäftsleitung in Veltheim will dabei helfen, dass die 15 gekündigten Mitarbeiter rasch neue Stellen finden. Dabei sollen Kontakte helfen, zum Beispiel zu anderen Unternehmen aus der Branche. "Daran arbeiten wir mit Druck", sagt Röthemeier.Das Durchschnittsalter im GKV ist mit 50 Jahren relativ hoch, die Betriebszugehörigkeit liegt bei mehr als 20 Jahren im Schnitt. Folgerichtig hat es im Kraftwerk auch langjährige Kräfte "erwischt". Winkler: "Manche unter den 15, die jetzt gehen müssen, sind 25 Jahre und länger dabei."Verglichen mit ihnen sind die Vorruheständler besser dran, sie scheinen weich zu fallen. Die Betroffenen indes sehen das anders. "Die Lebensplanung war doch eine völlig andere", sagt Winkler. "Auch Vorruhestand bedeutet den Verlust des Arbeitsplatzes und finanzielle Einbußen."Winkler weiß, wovon er spricht. Er ist Jahrgang 1958 und selbst betroffen. Ungefähr die Hälfte der Vorruheständler (die Eon-Regelung reicht in Ausnahmefällen bis zum Jahrgang 1959) bleibt noch eine gewisse Zeit im Kraftwerk und scheidet dann sukzessive aus. Der letzte dieser Gruppe geht Ende 2014. Auch fürs Kraftwerk seien das schmerzliche Verluste, sagt der Betriebsratsvorsitzende. "Mit den Mitarbeitern geht auch Erfahrung."Revision dauerte sechs WochenRöthemeier blickt nach vorn: Nach Schockstarre und Trauerphase müssten Geschäftsleitung und Mitarbeiter alles daransetzen, mit neuer Organisation von 2013 an einen hochwertigen Ein-Block-Betrieb zu fahren.Auf die übrig bleibenden 79 Männer und Frauen kommen wesentliche Veränderungen zu. Es gebe Verschiebungen in der Besetzung von Tages- und Schichtdienst, sagt Winker. In einigen Bereichen mit bislang zwei Mitarbeitern sei künftig nur noch einer tätig.Unterdessen wurde Block 3 einer umfangreichen Revision unterzogen. Dampferzeuger und Rauchgasentschwefelungsanlage standen im Fokus. Am Generator seien überraschend umfangreiche Arbeiten angefallen, die die Revision um 14 Tage auf insgesamt sechs Wochen verlängert habe, berichtet Röthemeier. Zeitweise waren am Kraftwerk 300 Menschen beschäftigt. Die Revisionskosten belaufen sich nach Angaben des Geschäftsführers auf einen mittleren einstelligen Millionenbetrag.

Sozialplan im Gemeinschaftskraftwerk unterzeichnet - 58 Arbeitsplätze weniger

Porta Westfalica-Veltheim (mt). Die Verhandlungen sind beendet, Sozialplan und Interessenausgleich unterzeichnet. 58 Mitarbeiter des Gemeinschaftskraftwerks in Veltheim (GKV) müssen das Unternehmen verlassen. In den meisten Fällen greift die Vorruhestandsregelung.

58 Mitarbeiter müssen Kraftwerk verlassen - © PORTA
58 Mitarbeiter müssen Kraftwerk verlassen - © PORTA

"Von einem Erfolg kann man sicher nicht sprechen, wir standen vor einer immens schwierigen Aufgabe", sagte gestern Geschäftsführer Jörg Röthemeier, der gemeinsam mit dem Betriebsratsvorsitzenden Rolf Winkler über das Verhandlungsergebnis informierte. "Die Betroffenheit in der gesamten Belegschaft ist riesengroß", sagte Winkler.

Wie berichtet, wird das Kraftwerk künftig nur noch als Ein-Block-Betrieb mit deutlich reduzierter Personalzahl gefahren. Hauptgrund: Der Zuwachs an erneuerbaren Energien drängt konventionelle Erzeuger wie das Steinkohlekraftwerk aus dem Markt.

Seit April wissen die GKV-Mitarbeiter, dass von ehemals 144 Stellen 65 gestrichen werden. In der Zwischenzeit haben einige Beschäftigte neue Arbeitsplätze gefunden, sodass es zuletzt um den Wegfall von 58 Stellen ging.

Auch er verliert seinen Arbeitsplatz: Betriebsratsvorsitzender Rolf Winkler wechselt in den Vorruhestand. - © Foto: VA-Archiv/Diek Haunhorst
Auch er verliert seinen Arbeitsplatz: Betriebsratsvorsitzender Rolf Winkler wechselt in den Vorruhestand. - © Foto: VA-Archiv/Diek Haunhorst

43 wechseln in den Vorruhestand, 15 wurden Auflösungsverträge gegen Zahlung einer Abfindung vorgelegt. Sollten diese Mitarbeiter das Angebot nicht annehmen, gibt es die Möglichkeit, in eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft zu wechseln sowie im Anschluss in eine Transfergesellschaft. Im Wesentlichen gelten für die 58 betroffenen Mitarbeiter die entsprechenden Konzernregelungen von Eon, dem GKV-Mehrheitsgesellschafter.

Die Geschäftsleitung in Veltheim will dabei helfen, dass die 15 gekündigten Mitarbeiter rasch neue Stellen finden. Dabei sollen Kontakte helfen, zum Beispiel zu anderen Unternehmen aus der Branche. "Daran arbeiten wir mit Druck", sagt Röthemeier.

Das Durchschnittsalter im GKV ist mit 50 Jahren relativ hoch, die Betriebszugehörigkeit liegt bei mehr als 20 Jahren im Schnitt. Folgerichtig hat es im Kraftwerk auch langjährige Kräfte "erwischt". Winkler: "Manche unter den 15, die jetzt gehen müssen, sind 25 Jahre und länger dabei."

Verglichen mit ihnen sind die Vorruheständler besser dran, sie scheinen weich zu fallen. Die Betroffenen indes sehen das anders. "Die Lebensplanung war doch eine völlig andere", sagt Winkler. "Auch Vorruhestand bedeutet den Verlust des Arbeitsplatzes und finanzielle Einbußen."

Winkler weiß, wovon er spricht. Er ist Jahrgang 1958 und selbst betroffen. Ungefähr die Hälfte der Vorruheständler (die Eon-Regelung reicht in Ausnahmefällen bis zum Jahrgang 1959) bleibt noch eine gewisse Zeit im Kraftwerk und scheidet dann sukzessive aus. Der letzte dieser Gruppe geht Ende 2014. Auch fürs Kraftwerk seien das schmerzliche Verluste, sagt der Betriebsratsvorsitzende. "Mit den Mitarbeitern geht auch Erfahrung."

Revision dauerte sechs Wochen

Röthemeier blickt nach vorn: Nach Schockstarre und Trauerphase müssten Geschäftsleitung und Mitarbeiter alles daransetzen, mit neuer Organisation von 2013 an einen hochwertigen Ein-Block-Betrieb zu fahren.

Auf die übrig bleibenden 79 Männer und Frauen kommen wesentliche Veränderungen zu. Es gebe Verschiebungen in der Besetzung von Tages- und Schichtdienst, sagt Winker. In einigen Bereichen mit bislang zwei Mitarbeitern sei künftig nur noch einer tätig.

Unterdessen wurde Block 3 einer umfangreichen Revision unterzogen. Dampferzeuger und Rauchgasentschwefelungsanlage standen im Fokus. Am Generator seien überraschend umfangreiche Arbeiten angefallen, die die Revision um 14 Tage auf insgesamt sechs Wochen verlängert habe, berichtet Röthemeier. Zeitweise waren am Kraftwerk 300 Menschen beschäftigt. Die Revisionskosten belaufen sich nach Angaben des Geschäftsführers auf einen mittleren einstelligen Millionenbetrag.

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