Siege schmecken süß: Der neue SPD-Vorsitzende möchte vor allem Wahlen gewinnen Dirk Haunhorst Porta Westfalica-Veltheim. Am Tag der Bundestagswahl hat sich Killian Stanau um 18 Uhr die Prognose angeschaut. Da war bereits klar, dass es für die SPD ein schöner Abend wird. „Ich habe dann erstmal ein Bier aufgemacht und mich gefreut.“ Es macht Spaß, zu den Siegern zu gehören, da kann man schnell auf den Geschmack kommen. Killian Stanau möchte jedenfalls als neuer Vorsitzender des Portaner SPD-Stadtverbandes dazu beitragen, Wahlen zu gewinnen – sowohl recht kurzfristig 2022 auf Landesebene als auch 2025, wenn wieder Kommunalwahlen sind. An die jüngste Stadtratswahl haben die Portaner Sozialdemokraten schlechte Erinnerungen. Im vorigen Herbst schnitt die SPD schwach ab, büßte im Vergleich zu 2014 fast 18 Prozentpunkte ein, auch ihr Bürgermeisterkandidat Jörg Achilles war nahezu chancenlos. Und Killian Stanau verlor den Kampf ums Direktmandat gegen seinen CDU-Kontrahenten Hano Engels. Stanau blickt nicht gerne auf diese Zeit zurück. Er schaue lieber nach vorn, sagt er. Die schwierige Situation der SPD auf Bundesebene habe sich damals vor Ort ausgewirkt. Und auch lokale Themen, etwa die Debatte um die Schulsanierungen, hätten Stimmen gekostet. Trotz dieser aus Genossensicht wenig ermutigenden Situation – die Bundes-SPD dümpelte bei gerade einmal 13 Prozent herum – erklärte sich Killian Stanau Anfang dieses Jahres gegenüber dem damaligen Amtsinhaber Karten Donnecker bereit, für den Stadtverbandsvorstand zu kandidieren. Allerdings passierte dann erstmal nichts, weil die Versammlung coronabedingt nicht zustande kam. Das geschah erst im Oktober. Die Wahl des einzigen Kandidaten war Formsache. Mit großer Mehrheit (eine Gegenstimme, eine Enthaltung) läutete die Versammlung den Generationswechsel ein – und der 28-jährige Stanau löste den 70-jährigen Donnecker ab. Da zum weiteren Vorstand mehrere jüngere Leute gehören, ist ein weiteres Projekt ähnlich naheliegend wie das erklärte Ziel, Wahlen gewinnen zu wollen: Killian Stanau möchte weitere junge Leute in die Politik holen. Themen und Projekte für Jüngere gebe es schließlich reichlich: Etwa das weite Feld Klimaschutz, das mit der angestrebten Verbesserung des Öffentlichen Personennahverkehrs ebenso beackert werden soll wie im Projekt Fahrradstraßen, um die Dörfer besser miteinander zu verbinden. „Ich wünsche mir, eines Tages auf einem vernünftigen Radweg nach Eisbergen zu fahren“, sagt Stanau und spielt auf den in diesem Abschnitt mangelhaften Weserradweg an. Der neue SPD-Chef will auch darauf achten, dass der Skatepark, für den die Verwaltung weiter nach Fördergeldern sucht, nicht in Vergessenheit gerät, sondern möglichst im kommenden Jahr zur Verfügung steht. Um junge Menschen für Politik zu interessieren, benötige die SPD zudem einen modernen Internetauftritt und möglichst viele Plattformen. „Das fehlt bislang.“ Ansonsten will Stanau das politische Themenrad nicht neu erfinden, sondern weiterdrehen. Es gibt ja bereits entsprechende Leitlinien. Sozialer Wohnungsbau zählt dazu. „Auch Normalverdiener müssen sich eine Wohnung leisten können“, sagt er. Diese Diskussion dürfte auch auf lokaler Ebene angesichts zuletzt drastisch steigender Energiepreise deutlich an Fahrt aufnehmen. Der neue Stadtverbandsvorsitzende trat bereits als Teenager in die SPD ein. Das war 2010. „Wir hatten eine Diskussion in der Schule“, erinnert er sich. Einige Mitschüler meinten, man könne politisch sowieso nichts tun, Er habe widersprochen. Zu der Zeit beschäftigten ihn ganz persönlich die Themen Ausbildungsförderung und Studiengebühren. Die Position der Landes-SPD sei ihm da am nächsten gewesen, und anfängliches Interesse führte schließlich zum Parteieintritt. Killian Stanau studierte zunächst medizinische Physik, brach das Studium aber ab und ließ sich bei der Bahn zum Fahrdienstleiter ausbilden. Zurzeit macht er seinen Fachwirt im Bahnbetrieb. Langeweile dürfte für ihn ein Fremdwort sein, denn neben der Politik hat er weitere Hobbys: Er ist in der Löschgruppe Hausberge und im Schützenverein Eisbergen aktiv. Und dann arbeitet er gemeinsam mit seiner Verlobten an einem Großprojekt: am Umbau eines alten Bauernhauses, das sie sich in Veltheim gekauft haben. Rote Kreuze, mit denen viele Bürger deutlich machen, dass sie gegen eine ICE-Neubautrasse durch Porta sind, möchte Stanau trotz Verständnisses für die Sorgen der Menschen nicht auf sein Grundstück stellen. Ein Grund sei seine Beschäftigung bei der Bahn. Ein anderer, dass man erst einmal abwarten solle, welche Trassenverläufe die Bahn in die Diskussion bringe und welche Folgen das habe. Auch ein von vielen favorisierter trassennaher Ausbau hätte Auswirkungen wie etwa die mögliche Verlagerung von Güterverkehr auf die Südschiene, die auch durch Veltheim führt, sagt Stanau. Wichtig sei, dass im Verfahren die Beteiligung der Öffentlichkeit ernst genommen werde. Außerdem müsse man schauen, wie sich die neue Bundesregierung beim Thema Bahnausbau aufstelle. Killian Stanau hofft, dass die Ampel-Koalition bald unter Dach und Fach ist. Eine große Koalition wie zuletzt sei jedenfalls keine Alternative. „Das ist uns Sozialdemokraten nicht gut bekommen.“

Siege schmecken süß: Der neue SPD-Vorsitzende möchte vor allem Wahlen gewinnen

In mehreren Orten aktiv: Killian Stanau wohnt in Veltheim, wo er ein Bauernhaus umbaut. Er gehört aber auch der Löschgruppe Hausberge an sowie dem Schützenverein Eisbergen. MT-Foto: Dirk Haunhorst

Porta Westfalica-Veltheim. Am Tag der Bundestagswahl hat sich Killian Stanau um 18 Uhr die Prognose angeschaut. Da war bereits klar, dass es für die SPD ein schöner Abend wird. „Ich habe dann erstmal ein Bier aufgemacht und mich gefreut.“ Es macht Spaß, zu den Siegern zu gehören, da kann man schnell auf den Geschmack kommen. Killian Stanau möchte jedenfalls als neuer Vorsitzender des Portaner SPD-Stadtverbandes dazu beitragen, Wahlen zu gewinnen – sowohl recht kurzfristig 2022 auf Landesebene als auch 2025, wenn wieder Kommunalwahlen sind.

An die jüngste Stadtratswahl haben die Portaner Sozialdemokraten schlechte Erinnerungen. Im vorigen Herbst schnitt die SPD schwach ab, büßte im Vergleich zu 2014 fast 18 Prozentpunkte ein, auch ihr Bürgermeisterkandidat Jörg Achilles war nahezu chancenlos. Und Killian Stanau verlor den Kampf ums Direktmandat gegen seinen CDU-Kontrahenten Hano Engels. Stanau blickt nicht gerne auf diese Zeit zurück. Er schaue lieber nach vorn, sagt er. Die schwierige Situation der SPD auf Bundesebene habe sich damals vor Ort ausgewirkt. Und auch lokale Themen, etwa die Debatte um die Schulsanierungen, hätten Stimmen gekostet.

Trotz dieser aus Genossensicht wenig ermutigenden Situation – die Bundes-SPD dümpelte bei gerade einmal 13 Prozent herum – erklärte sich Killian Stanau Anfang dieses Jahres gegenüber dem damaligen Amtsinhaber Karten Donnecker bereit, für den Stadtverbandsvorstand zu kandidieren. Allerdings passierte dann erstmal nichts, weil die Versammlung coronabedingt nicht zustande kam. Das geschah erst im Oktober. Die Wahl des einzigen Kandidaten war Formsache. Mit großer Mehrheit (eine Gegenstimme, eine Enthaltung) läutete die Versammlung den Generationswechsel ein – und der 28-jährige Stanau löste den 70-jährigen Donnecker ab.

Malina Reckordt

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Da zum weiteren Vorstand mehrere jüngere Leute gehören, ist ein weiteres Projekt ähnlich naheliegend wie das erklärte Ziel, Wahlen gewinnen zu wollen: Killian Stanau möchte weitere junge Leute in die Politik holen. Themen und Projekte für Jüngere gebe es schließlich reichlich: Etwa das weite Feld Klimaschutz, das mit der angestrebten Verbesserung des Öffentlichen Personennahverkehrs ebenso beackert werden soll wie im Projekt Fahrradstraßen, um die Dörfer besser miteinander zu verbinden. „Ich wünsche mir, eines Tages auf einem vernünftigen Radweg nach Eisbergen zu fahren“, sagt Stanau und spielt auf den in diesem Abschnitt mangelhaften Weserradweg an. Der neue SPD-Chef will auch darauf achten, dass der Skatepark, für den die Verwaltung weiter nach Fördergeldern sucht, nicht in Vergessenheit gerät, sondern möglichst im kommenden Jahr zur Verfügung steht. Um junge Menschen für Politik zu interessieren, benötige die SPD zudem einen modernen Internetauftritt und möglichst viele Plattformen. „Das fehlt bislang.“

Ansonsten will Stanau das politische Themenrad nicht neu erfinden, sondern weiterdrehen. Es gibt ja bereits entsprechende Leitlinien. Sozialer Wohnungsbau zählt dazu. „Auch Normalverdiener müssen sich eine Wohnung leisten können“, sagt er. Diese Diskussion dürfte auch auf lokaler Ebene angesichts zuletzt drastisch steigender Energiepreise deutlich an Fahrt aufnehmen.

Der neue Stadtverbandsvorsitzende trat bereits als Teenager in die SPD ein. Das war 2010. „Wir hatten eine Diskussion in der Schule“, erinnert er sich. Einige Mitschüler meinten, man könne politisch sowieso nichts tun, Er habe widersprochen. Zu der Zeit beschäftigten ihn ganz persönlich die Themen Ausbildungsförderung und Studiengebühren. Die Position der Landes-SPD sei ihm da am nächsten gewesen, und anfängliches Interesse führte schließlich zum Parteieintritt.

Killian Stanau studierte zunächst medizinische Physik, brach das Studium aber ab und ließ sich bei der Bahn zum Fahrdienstleiter ausbilden. Zurzeit macht er seinen Fachwirt im Bahnbetrieb. Langeweile dürfte für ihn ein Fremdwort sein, denn neben der Politik hat er weitere Hobbys: Er ist in der Löschgruppe Hausberge und im Schützenverein Eisbergen aktiv. Und dann arbeitet er gemeinsam mit seiner Verlobten an einem Großprojekt: am Umbau eines alten Bauernhauses, das sie sich in Veltheim gekauft haben.

Rote Kreuze, mit denen viele Bürger deutlich machen, dass sie gegen eine ICE-Neubautrasse durch Porta sind, möchte Stanau trotz Verständnisses für die Sorgen der Menschen nicht auf sein Grundstück stellen. Ein Grund sei seine Beschäftigung bei der Bahn. Ein anderer, dass man erst einmal abwarten solle, welche Trassenverläufe die Bahn in die Diskussion bringe und welche Folgen das habe. Auch ein von vielen favorisierter trassennaher Ausbau hätte Auswirkungen wie etwa die mögliche Verlagerung von Güterverkehr auf die Südschiene, die auch durch Veltheim führt, sagt Stanau. Wichtig sei, dass im Verfahren die Beteiligung der Öffentlichkeit ernst genommen werde. Außerdem müsse man schauen, wie sich die neue Bundesregierung beim Thema Bahnausbau aufstelle.

Killian Stanau hofft, dass die Ampel-Koalition bald unter Dach und Fach ist. Eine große Koalition wie zuletzt sei jedenfalls keine Alternative. „Das ist uns Sozialdemokraten nicht gut bekommen.“

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