Sein Platz war immer auf der Bühne: Walter Rommelmann mit 97 Jahren gestorben Porta Westfalica-Barkhausen. Im Alter von neun Jahren hat Walter Rommelmann seine große Leidenschaft entdeckt: Das Theater spielen. Jetzt ist der Darsteller mit der längsten Bühnenkarriere im Alter von 97 Jahren gestorben. Rommelmann hat nicht nur viele Jahre auf der Bühne gestanden, sondern engagierte sich von 1964 bis 1978 auch im Vorstand des Vereins, führte Regie und schulte die Mitspieler in Atem- und Sprechtechnik. Neben Walter Rommelmann waren auch sein Bruder Günther, seine Ehefrau Brigitte und seine Kinder Uwe und Kirsten viele Jahre aktiv im Verein tätig. „Mein Platz war immer auf der Bühne“, hatte er selber zu seinem 90. Geburtstag gesagt, zu dem er zugleich für sein 80. Bühnenjubiläum geehrt wurde. Der Verein machte ihn damals zum „Ehrenmitglied“. Auf eine derart lange Karriere blicken sogar nur ganz wenige Profi-Schauspieler zurück – da dürfte Walter Rommelmann mit Jopi Heesters gleichgezogen haben. Rommelmann wurde 1923 in Barkhausen geboren. 1932 inszenierte Volksschulrektor Dr. Heinrich Hollo „Wilhelm Tell“ für die Freilichtbühne. Dafür suchte er einen „Pferdeburschen“, der ein Gespann von Barkhausen sicher auf den Berg bringen sollte. Das wurde Walter Rommelmanns erste Rolle. Von da an spielte er immer wieder kleine Rollen im Volk, bevor er 1939 in „Robinson darf nicht sterben“ seine erste Titelrolle spielen durfte. In dem Jahr hatte Rommelmann gerade seine Lehre zum Einzelhandelskaufmann begonnen. Nach nur einem Jahr Lehrzeit wurde er zum Reichsarbeitsdienst eingezogen und im Mai 1942 zum Kriegsdienst. Im Nachkriegswinter 1946/47 nahm er zusammen mit Günter Beyer in Minden privaten Schauspielunterricht. Otto Lübbert und Wilhelm Kröner bauten die Spielgemeinschaft in Porta wieder auf. Zunächst trat die Truppe mit plattdeutschen Heimatstücken in Gasthöfen und Sälen wieder auf, weil die Felsenbühne noch nicht wieder freigegeben war. Die Goethe-Freilichtbühne wurde 1954 wieder eröffnet, dem Namen angemessen mit Johann Wolfgang von Goethes „Egmont“ mit Walter Rommelmann in der Titelrolle. Mit Herbert vom Hau aus Detmold inszenierte erstmals ein professioneller Regisseur für die Freilichtbühne. Später war Rommelmann als Dr. Faust (1959)zu sehen. Er spielte den „Franz Moor“ in Schillers „Räubern“ (1964), Oberon in Shakespeares „Sommernachtstraum“, Artos in „Die drei Musketiere“, Mr. Pachum in der „Dreigroschenoper“, die von Alexander Schlischewski in Szene gesetzt wurde, und den Mephisto im „Faust“. Mit seiner Darstellung des Milchmanns Tevje in dem Musical „Anatevka“ hat er sich vielen Zuschauern ins Gedächtnis gebrannt. Rommelmann führte auch selber Regie. Er setzte für Kinder „Schneewittchen“ (1962) in Szene, „Der tolle Tag“ (1970), „Max und Moritz“ (1983) und den „Aufstand im Gemüsebeet“ (1992). Die Märchenstücke für Kinder hatte die Freilichtbühne zu einer Zeit ins Programm genommen, als das Fernsehen zur Konkurrenz wurde. „Für Walter Rommelmann gab es keine Generationenkonflikte, er war bei allen Mitspielern sehr beliebt“, schreibt der Vereinsvorsitzende Andreas Müller. Er habe nie seine eigenen Leistungen in den Vordergrund gestellt, sondern immer die Teamleistung betont. Darin sei Rommelmann ein großartiges Vorbild gewesen. Bis ins hohe Alter hatte Rommelmann Theater gespielt. Er verkörperte 2001 sehr majestätisch in Jürgen Morches Musicalproduktion „Im weißen Rößl“ den österreichischen Kaiser, spielte 2004 in „Warten auf Godot“ im Kleinen Theater am Weingarten mit, war 2012 der Gefangene Abbé Faria im „Graf von Monte Christo“ und war 2013 als Doktor eines Sanatoriums in „Rainman“ im E-Werk zu sehen. Danach hatte er sich von der Bühne zurückgezogen, weil in seinem Alter die Rollenangebote knapper wurden. Die Nebenrollen hätten ihm zwar viel Applaus, aber wenig persönliche Befriedigung gebracht, hatte er seinen Schritt begründet. (och)

Sein Platz war immer auf der Bühne: Walter Rommelmann mit 97 Jahren gestorben

Porta Westfalica-Barkhausen. Im Alter von neun Jahren hat Walter Rommelmann seine große Leidenschaft entdeckt: Das Theater spielen. Jetzt ist der Darsteller mit der längsten Bühnenkarriere im Alter von 97 Jahren gestorben. Rommelmann hat nicht nur viele Jahre auf der Bühne gestanden, sondern engagierte sich von 1964 bis 1978 auch im Vorstand des Vereins, führte Regie und schulte die Mitspieler in Atem- und Sprechtechnik. Neben Walter Rommelmann waren auch sein Bruder Günther, seine Ehefrau Brigitte und seine Kinder Uwe und Kirsten viele Jahre aktiv im Verein tätig.

Walter Rommelmann 2013 bei seinem Bühnenjubiläum. Foto: U. Koch - © U. Koch
Walter Rommelmann 2013 bei seinem Bühnenjubiläum. Foto: U. Koch - © U. Koch

„Mein Platz war immer auf der Bühne“, hatte er selber zu seinem 90. Geburtstag gesagt, zu dem er zugleich für sein 80. Bühnenjubiläum geehrt wurde. Der Verein machte ihn damals zum „Ehrenmitglied“. Auf eine derart lange Karriere blicken sogar nur ganz wenige Profi-Schauspieler zurück – da dürfte Walter Rommelmann mit Jopi Heesters gleichgezogen haben.

Rommelmann wurde 1923 in Barkhausen geboren. 1932 inszenierte Volksschulrektor Dr. Heinrich Hollo „Wilhelm Tell“ für die Freilichtbühne. Dafür suchte er einen „Pferdeburschen“, der ein Gespann von Barkhausen sicher auf den Berg bringen sollte. Das wurde Walter Rommelmanns erste Rolle. Von da an spielte er immer wieder kleine Rollen im Volk, bevor er 1939 in „Robinson darf nicht sterben“ seine erste Titelrolle spielen durfte.

In dem Jahr hatte Rommelmann gerade seine Lehre zum Einzelhandelskaufmann begonnen. Nach nur einem Jahr Lehrzeit wurde er zum Reichsarbeitsdienst eingezogen und im Mai 1942 zum Kriegsdienst. Im Nachkriegswinter 1946/47 nahm er zusammen mit Günter Beyer in Minden privaten Schauspielunterricht.

Otto Lübbert und Wilhelm Kröner bauten die Spielgemeinschaft in Porta wieder auf. Zunächst trat die Truppe mit plattdeutschen Heimatstücken in Gasthöfen und Sälen wieder auf, weil die Felsenbühne noch nicht wieder freigegeben war. Die Goethe-Freilichtbühne wurde 1954 wieder eröffnet, dem Namen angemessen mit Johann Wolfgang von Goethes „Egmont“ mit Walter Rommelmann in der Titelrolle. Mit Herbert vom Hau aus Detmold inszenierte erstmals ein professioneller Regisseur für die Freilichtbühne. Später war Rommelmann als Dr. Faust (1959)zu sehen. Er spielte den „Franz Moor“ in Schillers „Räubern“ (1964), Oberon in Shakespeares „Sommernachtstraum“, Artos in „Die drei Musketiere“, Mr. Pachum in der „Dreigroschenoper“, die von Alexander Schlischewski in Szene gesetzt wurde, und den Mephisto im „Faust“. Mit seiner Darstellung des Milchmanns Tevje in dem Musical „Anatevka“ hat er sich vielen Zuschauern ins Gedächtnis gebrannt.

Rommelmann führte auch selber Regie. Er setzte für Kinder „Schneewittchen“ (1962) in Szene, „Der tolle Tag“ (1970), „Max und Moritz“ (1983) und den „Aufstand im Gemüsebeet“ (1992). Die Märchenstücke für Kinder hatte die Freilichtbühne zu einer Zeit ins Programm genommen, als das Fernsehen zur Konkurrenz wurde. „Für Walter Rommelmann gab es keine Generationenkonflikte, er war bei allen Mitspielern sehr beliebt“, schreibt der Vereinsvorsitzende Andreas Müller. Er habe nie seine eigenen Leistungen in den Vordergrund gestellt, sondern immer die Teamleistung betont. Darin sei Rommelmann ein großartiges Vorbild gewesen.

Bis ins hohe Alter hatte Rommelmann Theater gespielt. Er verkörperte 2001 sehr majestätisch in Jürgen Morches Musicalproduktion „Im weißen Rößl“ den österreichischen Kaiser, spielte 2004 in „Warten auf Godot“ im Kleinen Theater am Weingarten mit, war 2012 der Gefangene Abbé Faria im „Graf von Monte Christo“ und war 2013 als Doktor eines Sanatoriums in „Rainman“ im E-Werk zu sehen. Danach hatte er sich von der Bühne zurückgezogen, weil in seinem Alter die Rollenangebote knapper wurden. Die Nebenrollen hätten ihm zwar viel Applaus, aber wenig persönliche Befriedigung gebracht, hatte er seinen Schritt begründet. (och)

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Porta Westfalica