Schlagabtausch um Logistikhallen: Vier klare Meinungen beim MT-Gespräch zur Bürgermeisterwahl in Porta Stefan Lyrath Porta Westfalica-Eisbergen. Drei sind für den Bau des Grohe-Logistikzentrums, einer ist dagegen. Im MT-Wahlgespräch in Eisbergen haben die vier Bürgermeisterkandidaten Stellung bezogen – auch zu anderen Themen. In Lerbeck geht es um fünf bis zu 15 Meter hohe Hallen, eine Fläche von rund 45.000 Quadratmetern – und etwa 900 Unterschriften dagegen. Anke Grotjohann, parteilose Kandidatin der Grünen, ist überzeugt: „Wer sich gegen den Bau entscheidet, entscheidet sich für die Schließung von Grohe." Das Unternehmen habe 600 Beschäftigte, zwei Drittel davon aus Porta. „Die sind davon abhängig, dass sie ihr Einkommen haben". Für Anwohner bedeute der Bau allerdings eine extreme Einschränkung ihrer Lebensqualität. Dr. Sonja Gerlach (CDU), die für CDU und FDP in den Ring steigt, will ebenfalls „keine Arbeitsplätze unnötig aufs Spiel setzen". Sie spricht sich für einen starken Wirtschaftsstandort aus und findet es gut, dass Grohe bereits auf Wünsche eingegangen sei. Es werde nicht mehr so hoch gebaut, die Fassaden würden nach hinten gesetzt. Mit Grohe werde es Gespräche geben. Jörg Achilles (SPD) ist für den Bau, „obwohl ich Nachbar bin". Für ihn „gibt es nur eins": Arbeitsplätze und Gewerbesteuer sichern. Der Sozialdemokrat zeigt sich „ein wenig verwundert", dass Gerlach dafür ist, „weil die CDU in der letzten Sitzung ja dagegen gestimmt hat". Die SPD, so Achilles weiter, habe eine Verkleinerung der Hallen um fast 11.000 Quadratmeter und einen zusätzlichen Lärmschutz durchgesetzt. Weil die CDU gegen den Bau sei, sieht auch MT-Redakteur Carsten Korfesmeyer, der die Veranstaltung mit Chefredakteur Benjamin Piel moderierte, die Kandidatin Gerlach „in einer Zwickmühle". Deren Erklärung: Die Linie der CDU sei eindeutig. Voraussetzung sei ein vernünftiges Verkehrskonzept. Dietrich Edler (Republikaner) fragt sich, wie man mitten in den Ort ein Objekt dieser Größe setzen könne. Er ist dagegen. „Warum wird das nicht als Wohnbaugebiet ausgewiesen?" Anstatt des Neubaus schlägt er vor, „Riesenhallen" zu nutzen, die leer stünden. Ein Reizthema bleiben die Schulen – auch nach dem Bürgerentscheid, durch den Schließungen vom Tisch sind. Stattdessen wird saniert. Obwohl Grotjohann für die Grünen antritt, nennt sie den vorausgegangenen Ratsbeschluss, Grundschulen zu schließen, „eine der schlechtesten Entscheidungen, die die Koalition getroffen hat". Sich selbst bezeichnet sie als „Schulschließungsgegnerin der ersten Stunde". Achilles betont: „Wir wollten effektiv nur eine Schule schließen. Für uns ist wichtig, dass wir überhaupt begonnen haben mit dem Schulprogramm und es hingekriegt haben, 26 Millionen in den Raum zu stellen und auch an die weiterführenden Schulen zu denken". Schulsanierungen würde er als Bürgermeister zur Chefsache machen. Das reizt Gerlach zum Widerspruch. „Die SPD wollte die Schulstandorte schließen, CDU und FDP haben sich dagegen ausgesprochen", erinnert sie. Den „Schlenker", dass die Sanierung nun „fast SPD-Idee" gewesen sein soll, findet sie „beachtlich". Als „utopisch" bezeichnet sie, dass alle Standorte bis 2020 fertig sein sollten. „Gebäudemanagement hat offenbar nie richtig stattgefunden", meint Dietrich Edler. „Turnhallen und Schulgebäude sind marode. In Nammen hat man die Schule billig verkauft, weil sie nicht mehr zu sanieren ging. In einem sind sich alle vier einig: Schulschließungen kommen für sie in ihrer möglichen Amtszeit nicht in Frage. Kein klarer Favorit Ein Kommentar von Dirk Haunhorst Die Bürgermeisterwahl wird spannend, denn die Kandidatenrunde in Eisbergen hat deutlich gemacht: Einen klaren Favoriten gibt es nicht. SPD-Kandidat Jörg Achilles hat einen ordentlichen Auftritt hingelegt. Ein Rednertalent ist er nicht, hat sich aber rhetorisch gesteigert. Sein Vorteil gegenüber den Konkurrenten wurde deutlich, als es um Details etwa zum Grohe-Logistikzentrum oder zum Schulbau ging. Da profitiert der Bauausschuss-Vorsitzende von seinem Informationsvorsprung. Durchschaubar allerdings sein Versuch, die rot-grüne Niederlage beim Bürgerentscheid zur Schulsanierung als politischen Teilerfolg verkaufen zu wollen. Dr. Sonja Gerlach ist über viele Portaner Themen gut informiert, obwohl sie erst Mitte Mai die neue Kandidatin von CDU und FDP wurde, nachdem Uwe Siemonsmeier zurückgezogen hatte. Gerlach absolviert seither ein beachtliches Pensum mit vielen Besuchen von Firmen, Organisationen und Vereinen, um Porta besser kennenzulernen und selbst bekannter zu werden. Die Ministerialdirigentin setzt vor allem auf die Karte Verwaltungskompetenz. Gerlach war in der Gesprächsrunde redegewandt, sie wirkte klug und konzentriert, bisweilen etwas kühl. Anke Grotjohann spielte häufig mit ihrem Mundschutz, ein Zeichen für hohe Anspannung, die ihren Antworten aber kaum anzumerken war. Diese schienen weniger zurechtgelegt als bei den Konkurrenten, Grotjohann wirkte nahbarer. Sie ist mit dem politischen Alltagsgeschäft nicht so eng verbunden wie Achilles und mit Verwaltungsapparaten weniger vertraut als Gerlach. Die parteilose Kandidatin der Grünen unterstrich am Dienstag ihre Unabhängigkeit, als sie die Schulsanierungspolitik der rot-grünen Koalition kritisierte. Dietrich Edler hat eine klare Meinung zum Grohe-Logistikzentrum, das er im Gegensatz zu den anderen drei Kandidaten ablehnt. Er gab zu, dass er über manche Themen noch nicht genügend wisse. Wer befürchtet hatte, der Neu-Republikaner und Ex-AfD-Politiker würde die Runde mit plumpen rechten Parolen aufmischen, konnte aufatmen. Davon war nichts zu hören. Das Kandidaten-Quartett bietet unterschiedliche Charaktere und politische Überzeugungen und damit eine echte Auswahl. Im Idealfall steigert dies das Interesse der Portaner an der Kommunalwahl am 13. September inklusive Stadtrats- sowie Kreistags- und Landratswahl. Dass einer der vier Bürgermeisterkandidaten an diesem Tag die absolute Mehrheit holt, ist unwahrscheinlich. Die beiden erfolgreichsten Bewerber werden sich am 27. September in einer Stichwahl duellieren, so viel scheint sicher.

Schlagabtausch um Logistikhallen: Vier klare Meinungen beim MT-Gespräch zur Bürgermeisterwahl in Porta

Großes Streitthema und große politische Zustimmung: Grohe plant ein neues Logistikzentrum in Lerbeck von der Firma Fiege bauen zu lassen. Foto: pr © ILB Planungsbüro Rinteln

Porta Westfalica-Eisbergen. Drei sind für den Bau des Grohe-Logistikzentrums, einer ist dagegen. Im MT-Wahlgespräch in Eisbergen haben die vier Bürgermeisterkandidaten Stellung bezogen – auch zu anderen Themen.

In Lerbeck geht es um fünf bis zu 15 Meter hohe Hallen, eine Fläche von rund 45.000 Quadratmetern – und etwa 900 Unterschriften dagegen.

Anke Grotjohann kandidiert parteilos für die Grünen.
Anke Grotjohann kandidiert parteilos für die Grünen.

Anke Grotjohann, parteilose Kandidatin der Grünen, ist überzeugt: „Wer sich gegen den Bau entscheidet, entscheidet sich für die Schließung von Grohe." Das Unternehmen habe 600 Beschäftigte, zwei Drittel davon aus Porta. „Die sind davon abhängig, dass sie ihr Einkommen haben". Für Anwohner bedeute der Bau allerdings eine extreme Einschränkung ihrer Lebensqualität.

Dr. Sonja Gerlach ist selbst Christdemokratin und Kandidatin von CDU und FDP.
Dr. Sonja Gerlach ist selbst Christdemokratin und Kandidatin von CDU und FDP.

Dr. Sonja Gerlach (CDU), die für CDU und FDP in den Ring steigt, will ebenfalls „keine Arbeitsplätze unnötig aufs Spiel setzen". Sie spricht sich für einen starken Wirtschaftsstandort aus und findet es gut, dass Grohe bereits auf Wünsche eingegangen sei. Es werde nicht mehr so hoch gebaut, die Fassaden würden nach hinten gesetzt. Mit Grohe werde es Gespräche geben.

Geht für die SPD in Porta ins Rennen: Jörg Achilles.
Geht für die SPD in Porta ins Rennen: Jörg Achilles.

Jörg Achilles (SPD) ist für den Bau, „obwohl ich Nachbar bin". Für ihn „gibt es nur eins": Arbeitsplätze und Gewerbesteuer sichern. Der Sozialdemokrat zeigt sich „ein wenig verwundert", dass Gerlach dafür ist, „weil die CDU in der letzten Sitzung ja dagegen gestimmt hat". Die SPD, so Achilles weiter, habe eine Verkleinerung der Hallen um fast 11.000 Quadratmeter und einen zusätzlichen Lärmschutz durchgesetzt.

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Weil die CDU gegen den Bau sei, sieht auch MT-Redakteur Carsten Korfesmeyer, der die Veranstaltung mit Chefredakteur Benjamin Piel moderierte, die Kandidatin Gerlach „in einer Zwickmühle". Deren Erklärung: Die Linie der CDU sei eindeutig. Voraussetzung sei ein vernünftiges Verkehrskonzept.

Vertritt die Republikaner: Dietrich Edler. Fotos (4): Stefan Lyrath
Vertritt die Republikaner: Dietrich Edler. Fotos (4): Stefan Lyrath

Dietrich Edler (Republikaner) fragt sich, wie man mitten in den Ort ein Objekt dieser Größe setzen könne. Er ist dagegen. „Warum wird das nicht als Wohnbaugebiet ausgewiesen?" Anstatt des Neubaus schlägt er vor, „Riesenhallen" zu nutzen, die leer stünden.

Ein Reizthema bleiben die Schulen – auch nach dem Bürgerentscheid, durch den Schließungen vom Tisch sind. Stattdessen wird saniert. Obwohl Grotjohann für die Grünen antritt, nennt sie den vorausgegangenen Ratsbeschluss, Grundschulen zu schließen, „eine der schlechtesten Entscheidungen, die die Koalition getroffen hat". Sich selbst bezeichnet sie als „Schulschließungsgegnerin der ersten Stunde".

Wer schafft im September den Sprung in die Chefetage des Portaner Rathauses? - © MT-Foto: Thomas Lieske
Wer schafft im September den Sprung in die Chefetage des Portaner Rathauses? - © MT-Foto: Thomas Lieske

Achilles betont: „Wir wollten effektiv nur eine Schule schließen. Für uns ist wichtig, dass wir überhaupt begonnen haben mit dem Schulprogramm und es hingekriegt haben, 26 Millionen in den Raum zu stellen und auch an die weiterführenden Schulen zu denken". Schulsanierungen würde er als Bürgermeister zur Chefsache machen.

Das reizt Gerlach zum Widerspruch. „Die SPD wollte die Schulstandorte schließen, CDU und FDP haben sich dagegen ausgesprochen", erinnert sie. Den „Schlenker", dass die Sanierung nun „fast SPD-Idee" gewesen sein soll, findet sie „beachtlich". Als „utopisch" bezeichnet sie, dass alle Standorte bis 2020 fertig sein sollten.

„Gebäudemanagement hat offenbar nie richtig stattgefunden", meint Dietrich Edler. „Turnhallen und Schulgebäude sind marode. In Nammen hat man die Schule billig verkauft, weil sie nicht mehr zu sanieren ging. In einem sind sich alle vier einig: Schulschließungen kommen für sie in ihrer möglichen Amtszeit nicht in Frage.

Kein klarer Favorit

Ein Kommentar von Dirk Haunhorst

Die Bürgermeisterwahl wird spannend, denn die Kandidatenrunde in Eisbergen hat deutlich gemacht: Einen klaren Favoriten gibt es nicht.

SPD-Kandidat Jörg Achilles hat einen ordentlichen Auftritt hingelegt. Ein Rednertalent ist er nicht, hat sich aber rhetorisch gesteigert. Sein Vorteil gegenüber den Konkurrenten wurde deutlich, als es um Details etwa zum Grohe-Logistikzentrum oder zum Schulbau ging. Da profitiert der Bauausschuss-Vorsitzende von seinem Informationsvorsprung. Durchschaubar allerdings sein Versuch, die rot-grüne Niederlage beim Bürgerentscheid zur Schulsanierung als politischen Teilerfolg verkaufen zu wollen.

Dr. Sonja Gerlach ist über viele Portaner Themen gut informiert, obwohl sie erst Mitte Mai die neue Kandidatin von CDU und FDP wurde, nachdem Uwe Siemonsmeier zurückgezogen hatte. Gerlach absolviert seither ein beachtliches Pensum mit vielen Besuchen von Firmen, Organisationen und Vereinen, um Porta besser kennenzulernen und selbst bekannter zu werden. Die Ministerialdirigentin setzt vor allem auf die Karte Verwaltungskompetenz. Gerlach war in der Gesprächsrunde redegewandt, sie wirkte klug und konzentriert, bisweilen etwas kühl.

Anke Grotjohann spielte häufig mit ihrem Mundschutz, ein Zeichen für hohe Anspannung, die ihren Antworten aber kaum anzumerken war. Diese schienen weniger zurechtgelegt als bei den Konkurrenten, Grotjohann wirkte nahbarer. Sie ist mit dem politischen Alltagsgeschäft nicht so eng verbunden wie Achilles und mit Verwaltungsapparaten weniger vertraut als Gerlach. Die parteilose Kandidatin der Grünen unterstrich am Dienstag ihre Unabhängigkeit, als sie die Schulsanierungspolitik der rot-grünen Koalition kritisierte.

Dietrich Edler hat eine klare Meinung zum Grohe-Logistikzentrum, das er im Gegensatz zu den anderen drei Kandidaten ablehnt. Er gab zu, dass er über manche Themen noch nicht genügend wisse. Wer befürchtet hatte, der Neu-Republikaner und Ex-AfD-Politiker würde die Runde mit plumpen rechten Parolen aufmischen, konnte aufatmen. Davon war nichts zu hören.

Das Kandidaten-Quartett bietet unterschiedliche Charaktere und politische Überzeugungen und damit eine echte Auswahl. Im Idealfall steigert dies das Interesse der Portaner an der Kommunalwahl am 13. September inklusive Stadtrats- sowie Kreistags- und Landratswahl. Dass einer der vier Bürgermeisterkandidaten an diesem Tag die absolute Mehrheit holt, ist unwahrscheinlich. Die beiden erfolgreichsten Bewerber werden sich am 27. September in einer Stichwahl duellieren, so viel scheint sicher.

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