Reichen 41 Minuten? Bezirksausschuss redet über ICE-Trasse Porta Westfalica-Eisbergen (GS/dh). Die geplante ICE-Bahntrasse Bielefeld-Hannover beschäftigte den Bezirksausschuss Veltheim-Lohfeld. Als Delegierter des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Kreisverband Minden-Lübbecke, informierte Holger Hansing über den jüngsten, nicht-öffentlichen Onlineworkshop. Hansing berichtete, dass das Augenmerk der verantwortlichen Planer offenkundig auf das Tempo zwischen Bielefeld und Hannover ausgerichtet sei: „Die wollen einfach 31 Minuten Fahrtzeit erreichen.“ Dass die Präsentation des Mathematik-Professors und Bahnexperten Prof. Wolfgang Hesse vom Bundesverkehrsministerium nicht ernsthaft als gute Alternativlösung in Betracht gezogen worden sei, wundere ihn, so Hansing. Dieser Trassenvorschlag erreiche zwar nicht die anvisierten 31 Minuten, sondern lediglich 41 Minuten, verursache aber viel weniger ökologische Probleme und koste nur die Hälfte, berichtete der BUND-Delegierte. Die jetzige Fahrzeit beträgt 48 Minuten. Gerade weil zukünftig mit einer Steigerung des Güterverkehrs zu rechnen sei, müsse die Bahn fit gemacht werden, um einen Ausbau der Autobahn als Transportweg zu vermeiden, so Hansing weiter. „Professor . Hesses Trasse ist so weit wie möglich landschaftschonend und zerschneidet sie nur an ganz wenigen Stellen für einige Kilometer, etwa bei der Wunstorf-Umfahrung.“ Es gehe Hesse um ein robustes Netz für den Fern- und Nahverkehr, aber auch für den Güterverkehr, und das vor allem mithilfe der vorhandenen Bahnstrecken. Die vielen Neubaukilometer mit mehreren Brücken und Tunneln fielen laut Hesse weg, wenn man auf vorhandene Trassen verteile, so Hansing. Der Professor begrüße grundsätzlich die geplante Deutschlandtakt-Initiative des Bundes und halte die Beschleunigung Hannover-Bielefeld für sinnvoll, warne aber zugleich vor Hochgeschwindigkeitsprojekten mit 300 km/h mit extrem hohen Kosten sowie Umwelt- und Klimaschäden. Der Bezirksausschuss ist der Auffassung, dass zwar ein Ausbau der vorhandenen Bahntrasse notwendig ist, aber auf gar keinen Fall ein Neubau durchs Weserbergland. Der ehemalige Lokführer Heinz Prasuhn (Wählergemeinschaft Porta), schüttelte in der Sitzung den Kopf: „Die Neubaupläne der Bahn sind Unsinn. Dieses Projekt umzusetzen, wäre ein Milliardengrab.“ Skepsis schlug den Bahnplanern bereits in der Februar-Sitzung des Portaner Bauausschusses entgegen (MT vom 26. Februar). Damals hatte Klaus Becker (Bündnis 90/Die Grünen) Bahn-Chefplaner Carsten-Alexander Müller ein Papier mit auf den Weg gegeben. Verfasser ist Stephan Schröder vom Ingenieurbüro Bahnzentrum (Bielefeld), der sich ausführlich mit den Eisenbahnstrecken zwischen Hamm und Hannover sowie trassennahen Lösungen beschäftigt hat. Wie Pressesprecher Peter Mantik gestern auf MT-Anfrage mitteilte, werde sich die Bahn Anfang 2022 intensiver mit Schröders Konzept auseinandersetzen. Zuvor müsse die Bahn selber Daten erheben, das geschehe zunächst am Computer, von Herbst an seien die Gutachter im Gelände unterwegs. Die Ergebnisse würden auch mit dem Schröder-Dokument, das sich in Teilen mit Professor Hesses Ideen deckten, abgeglichen, so Mantik. Stephan Schröder betrachte in seiner Untersuchung allerdings auch Streckenabschnitte, die nicht zum Planungsauftrag der Bahn zählten. Nach Auskunft des Pressesprechers vergehen noch mindestens zwei Jahre, bevor die Planer einige Trassenvarianten zur Diskussion stellen könnten. Erst dann erfolge der Einstieg in das eigentliche Planverfahren, an dessen Ende die Politik eine Entscheidung treffe. Zur Illustration wählte Mantik einen Vergleich aus dem Sport: Es sei gerade erst der Anstoß erfolgt und man befinde sich noch in der ersten Spielminute. Fest stehen aber die nächsten Termine für weitere Videokonferenzen. Eine zweite (nicht-öffentliche) Plenumssitzung ist für den 19. Mai vorgesehen, der zweite Vertiefungsworkshop folgt am 16. Juni, bevor dann vom 21. Juni bis 4. Juli öffentliche „Info-Märkte“ vorgesehen sind. www.hannover-bielefeld.de

Reichen 41 Minuten? Bezirksausschuss redet über ICE-Trasse

Mit roten Kreuzen an ihren Grundstücken – hier in Möllbergen – signalisieren Bürgerinnen und Bürger, dass sie gegen den möglichen Trassenneubau durch Porta sind.
Foto: Gisela Schwarze
© SChwarze

Porta Westfalica-Eisbergen (GS/dh). Die geplante ICE-Bahntrasse Bielefeld-Hannover beschäftigte den Bezirksausschuss Veltheim-Lohfeld. Als Delegierter des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Kreisverband Minden-Lübbecke, informierte Holger Hansing über den jüngsten, nicht-öffentlichen Onlineworkshop. Hansing berichtete, dass das Augenmerk der verantwortlichen Planer offenkundig auf das Tempo zwischen Bielefeld und Hannover ausgerichtet sei: „Die wollen einfach 31 Minuten Fahrtzeit erreichen.“ Dass die Präsentation des Mathematik-Professors und Bahnexperten Prof. Wolfgang Hesse vom Bundesverkehrsministerium nicht ernsthaft als gute Alternativlösung in Betracht gezogen worden sei, wundere ihn, so Hansing. Dieser Trassenvorschlag erreiche zwar nicht die anvisierten 31 Minuten, sondern lediglich 41 Minuten, verursache aber viel weniger ökologische Probleme und koste nur die Hälfte, berichtete der BUND-Delegierte. Die jetzige Fahrzeit beträgt 48 Minuten.

Gerade weil zukünftig mit einer Steigerung des Güterverkehrs zu rechnen sei, müsse die Bahn fit gemacht werden, um einen Ausbau der Autobahn als Transportweg zu vermeiden, so Hansing weiter. „Professor . Hesses Trasse ist so weit wie möglich landschaftschonend und zerschneidet sie nur an ganz wenigen Stellen für einige Kilometer, etwa bei der Wunstorf-Umfahrung.“ Es gehe Hesse um ein robustes Netz für den Fern- und Nahverkehr, aber auch für den Güterverkehr, und das vor allem mithilfe der vorhandenen Bahnstrecken.

Die vielen Neubaukilometer mit mehreren Brücken und Tunneln fielen laut Hesse weg, wenn man auf vorhandene Trassen verteile, so Hansing. Der Professor begrüße grundsätzlich die geplante Deutschlandtakt-Initiative des Bundes und halte die Beschleunigung Hannover-Bielefeld für sinnvoll, warne aber zugleich vor Hochgeschwindigkeitsprojekten mit 300 km/h mit extrem hohen Kosten sowie Umwelt- und Klimaschäden.

Der Bezirksausschuss ist der Auffassung, dass zwar ein Ausbau der vorhandenen Bahntrasse notwendig ist, aber auf gar keinen Fall ein Neubau durchs Weserbergland. Der ehemalige Lokführer Heinz Prasuhn (Wählergemeinschaft Porta), schüttelte in der Sitzung den Kopf: „Die Neubaupläne der Bahn sind Unsinn. Dieses Projekt umzusetzen, wäre ein Milliardengrab.“

Skepsis schlug den Bahnplanern bereits in der Februar-Sitzung des Portaner Bauausschusses entgegen (MT vom 26. Februar). Damals hatte Klaus Becker (Bündnis 90/Die Grünen) Bahn-Chefplaner Carsten-Alexander Müller ein Papier mit auf den Weg gegeben. Verfasser ist Stephan Schröder vom Ingenieurbüro Bahnzentrum (Bielefeld), der sich ausführlich mit den Eisenbahnstrecken zwischen Hamm und Hannover sowie trassennahen Lösungen beschäftigt hat.

Wie Pressesprecher Peter Mantik gestern auf MT-Anfrage mitteilte, werde sich die Bahn Anfang 2022 intensiver mit Schröders Konzept auseinandersetzen. Zuvor müsse die Bahn selber Daten erheben, das geschehe zunächst am Computer, von Herbst an seien die Gutachter im Gelände unterwegs. Die Ergebnisse würden auch mit dem Schröder-Dokument, das sich in Teilen mit Professor Hesses Ideen deckten, abgeglichen, so Mantik. Stephan Schröder betrachte in seiner Untersuchung allerdings auch Streckenabschnitte, die nicht zum Planungsauftrag der Bahn zählten.

Nach Auskunft des Pressesprechers vergehen noch mindestens zwei Jahre, bevor die Planer einige Trassenvarianten zur Diskussion stellen könnten. Erst dann erfolge der Einstieg in das eigentliche Planverfahren, an dessen Ende die Politik eine Entscheidung treffe. Zur Illustration wählte Mantik einen Vergleich aus dem Sport: Es sei gerade erst der Anstoß erfolgt und man befinde sich noch in der ersten Spielminute.

Fest stehen aber die nächsten Termine für weitere Videokonferenzen. Eine zweite (nicht-öffentliche) Plenumssitzung ist für den 19. Mai vorgesehen, der zweite Vertiefungsworkshop folgt am 16. Juni, bevor dann vom 21. Juni bis 4. Juli öffentliche „Info-Märkte“ vorgesehen sind.

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