Reden statt klagen: Wie die Politik nun gegen die Sperrung des Wolfsschluchtwegs vorgehen will Thomas Lieske Porta Westfalica-Barkhausen. Bunte Wollfäden flattern am Bauzaun – ein stiller Protest gegen die Sperrung des Wolfsschluchtweges auf dem Wittekindsberg in Barkhausen. Blau, violett, gelb, grün, zusammen ergeben die farblichen Fäden ein harmonisches Bild – der auffrischende Wind lässt die Fäden tanzen. Wie passend diese Szene oben hinter dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal ist, zeigt sich am Mittwochabend während der Ratssitzung einige Kilometer weiter in Eisbergen. Selten herrscht in Porta so geschlossen parteiübergreifend – sozusagen über alle Parteifarben hinweg – Einigkeit wie beim Wolfsschluchtweg. Die Stadt Porta Westfalica und ihre Bürger kämpfen weiter um eine Öffnung des seit Wochen gesperrten beliebten Wanderweges in Barkhausen. Und gemeinsam beschreitet die Stadtpolitik nun den letzten möglichen Weg vor einem möglichen Klageverfahren. Der Rat der Stadt hat bei nur einer Gegenstimme eine fraktionsübergreifende Resolution gegen die Schließung des Wanderweges beschlossen. Den Text hat überwiegend Stadtheimatpfleger Herbert Wiese verfasst, der sich im Vorfeld bereits kritisch zu der Schließung geäußert hatte. Mit der Resolution bittet der Rat den Petitionsausschuss des Landtages um Unterstützung. Für Cornelia Müller-Dieker (FDP) war die Aktion des Umweltministeriums zusammen mit dem Forst-Landesbetrieb ein „Weg durch die Hintertür. Diese Leistung sucht ihresgleichen.“ Sie geht aber noch weiter und fasst den Gedanken zusammen, der vielen Portanern aus der Seele sprechen dürfte: „Für das Ministerium in Düsseldorf ist das nur irgendein Wanderweg. Aber für Barkhausen ist das eine Herzensangelegenheit.“ Dirk Rahnenführer (SPD) verweist auf ein Urteil des Bundesgerichtshofes aus dem Jahr 2012, in dem im Grundsatz geregelt sei, dass das Betreten eines Waldes auf eigene Gefahr erlaubt sei. „Wir verwehren uns hier gegen das eigenmächtige Handeln des Landes. Die Petition ist der letzte Weg vor einer Klage.“ Für eine solche sieht Bernd Hedtmann derzeit übrigens weniger Chancen auf Erfolg als durch eine Petition. „Wenn wir den Petitionsausschuss dazu bewegen können, einen Ortstermin am Wolfsschluchtweg zu machen, dann ist die Hälfte schon gewonnen.“ Als „verlängerter Arm des Landes“ würde er im Namen der Stadt ungern den Klageweg bestreiten, macht er deutlich. Den wird dafür wohl der Verein Witthüs gehen, der eine solche Klage derzeit vorberieten lässt. Große Zustimmung auch aus den Reihen der Grünen: „Die Wolfsschlucht muss als Wanderweg erhalten bleiben“, fordert Fraktionsvorsitzender Marc Weber. Allerdings dürfe das nicht zu Lasten des Naturschutzes gehen. „Wir setzen auf konstruktive Gespräche mit allen Beteiligten und würden es begrüßen, wenn keine Bäume gefällt werden.“ So weit der Zuspruch für die Resolution. Ein Ratsmitglied würde diese allerdings so nicht unterschreiben: Klaus Becker (Grüne). Für ihn hat die Entwicklung des Wildnisgebietes Vorrang. „Tierarten, die sich in einem solchen Urwaldgebiet wieder ansiedeln sollen, brauchen deutlich mehr Totholz als Tierarten normaler Waldgebiete. Und ganz wichtig ist, dass dieses Totholz steht.“ Es sei gerade Sinn eines Wildnisentwicklungsgebietes, das zu erhalten. Ein Spaziergang unter diesen Umständen hält Becker für zu gefährlich. Damit stimmt das Grünen-Mitglied in die Argumentation des Landes ein. Ministerium und Landesforsten sprechen von 33 sogenannten Megagefahren durch große Bäume, die zwar umzustürzen drohen. Die aber auch wichtiger Bestandteil des Wildnisentwicklungsgebietes seien. Bisher hält das Land an dem strikten Kurs fest: Der Wanderweg soll gesperrt bleiben.

Reden statt klagen: Wie die Politik nun gegen die Sperrung des Wolfsschluchtwegs vorgehen will

Bunte Wollfäden am Bauzaun als stiller Protest gegen die Sperrung des Wolfsschluchtweges: Der Widerstand in Barkhausen nimmt immer vielfältigere Züge an. Der Stadtrat hat nun eine Resolution auf den Weg gebracht. MT- © Foto: Thomas Lieske

Porta Westfalica-Barkhausen. Bunte Wollfäden flattern am Bauzaun – ein stiller Protest gegen die Sperrung des Wolfsschluchtweges auf dem Wittekindsberg in Barkhausen. Blau, violett, gelb, grün, zusammen ergeben die farblichen Fäden ein harmonisches Bild – der auffrischende Wind lässt die Fäden tanzen. Wie passend diese Szene oben hinter dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal ist, zeigt sich am Mittwochabend während der Ratssitzung einige Kilometer weiter in Eisbergen. Selten herrscht in Porta so geschlossen parteiübergreifend – sozusagen über alle Parteifarben hinweg – Einigkeit wie beim Wolfsschluchtweg. Die Stadt Porta Westfalica und ihre Bürger kämpfen weiter um eine Öffnung des seit Wochen gesperrten beliebten Wanderweges in Barkhausen. Und gemeinsam beschreitet die Stadtpolitik nun den letzten möglichen Weg vor einem möglichen Klageverfahren.

Der Rat der Stadt hat bei nur einer Gegenstimme eine fraktionsübergreifende Resolution gegen die Schließung des Wanderweges beschlossen. Den Text hat überwiegend Stadtheimatpfleger Herbert Wiese verfasst, der sich im Vorfeld bereits kritisch zu der Schließung geäußert hatte. Mit der Resolution bittet der Rat den Petitionsausschuss des Landtages um Unterstützung.

Für Cornelia Müller-Dieker (FDP) war die Aktion des Umweltministeriums zusammen mit dem Forst-Landesbetrieb ein „Weg durch die Hintertür. Diese Leistung sucht ihresgleichen.“ Sie geht aber noch weiter und fasst den Gedanken zusammen, der vielen Portanern aus der Seele sprechen dürfte: „Für das Ministerium in Düsseldorf ist das nur irgendein Wanderweg. Aber für Barkhausen ist das eine Herzensangelegenheit.“

Dirk Rahnenführer (SPD) verweist auf ein Urteil des Bundesgerichtshofes aus dem Jahr 2012, in dem im Grundsatz geregelt sei, dass das Betreten eines Waldes auf eigene Gefahr erlaubt sei. „Wir verwehren uns hier gegen das eigenmächtige Handeln des Landes. Die Petition ist der letzte Weg vor einer Klage.“ Für eine solche sieht Bernd Hedtmann derzeit übrigens weniger Chancen auf Erfolg als durch eine Petition. „Wenn wir den Petitionsausschuss dazu bewegen können, einen Ortstermin am Wolfsschluchtweg zu machen, dann ist die Hälfte schon gewonnen.“ Als „verlängerter Arm des Landes“ würde er im Namen der Stadt ungern den Klageweg bestreiten, macht er deutlich. Den wird dafür wohl der Verein Witthüs gehen, der eine solche Klage derzeit vorberieten lässt.

Große Zustimmung auch aus den Reihen der Grünen: „Die Wolfsschlucht muss als Wanderweg erhalten bleiben“, fordert Fraktionsvorsitzender Marc Weber. Allerdings dürfe das nicht zu Lasten des Naturschutzes gehen. „Wir setzen auf konstruktive Gespräche mit allen Beteiligten und würden es begrüßen, wenn keine Bäume gefällt werden.“

So weit der Zuspruch für die Resolution. Ein Ratsmitglied würde diese allerdings so nicht unterschreiben: Klaus Becker (Grüne). Für ihn hat die Entwicklung des Wildnisgebietes Vorrang. „Tierarten, die sich in einem solchen Urwaldgebiet wieder ansiedeln sollen, brauchen deutlich mehr Totholz als Tierarten normaler Waldgebiete. Und ganz wichtig ist, dass dieses Totholz steht.“ Es sei gerade Sinn eines Wildnisentwicklungsgebietes, das zu erhalten. Ein Spaziergang unter diesen Umständen hält Becker für zu gefährlich.

Damit stimmt das Grünen-Mitglied in die Argumentation des Landes ein. Ministerium und Landesforsten sprechen von 33 sogenannten Megagefahren durch große Bäume, die zwar umzustürzen drohen. Die aber auch wichtiger Bestandteil des Wildnisentwicklungsgebietes seien. Bisher hält das Land an dem strikten Kurs fest: Der Wanderweg soll gesperrt bleiben.

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