Portaner Kandidaten-Trio: Bewerber für Bürgermeisteramt stehen wohl fest Dirk Haunhorst Porta Westfalica (mt). Die Portaner haben am 13. September voraussichtlich die Wahl zwischen drei Bürgermeisterkandidaten: Jörg Achilles (SPD), Anke Grotjohann (parteilos) und Uwe Siemonsmeier (parteilos). Zwar läuft die Frist für weitere Wahlvorschläge erst am 16. Juli ab. Da jedoch sowohl die AfD als auch die Wählergemeinschaft Porta gegenüber dem MT erklären, keine eigenen Bürgermeisterkandidaten nominieren zu wollen, sind weitere Bewerber derzeit nicht in Sicht. In der AfD habe es zuletzt Gespräche mit zwei möglichen Interessenten geben, teilte gestern Sprecher Matthias Wrede mit. Doch diese fürchteten als Geschäftsmann und Beamter berufliche Konsequenzen, wenn sie sich in der Kandidatenrolle offen für AfD-Positionen einsetzten. Wie berichtet, hatte die rechtspopulistische AfD in Porta bereits 2018 mit Gabriele Bocker eine Bürgermeisterkandidatin nominiert. Die erklärte aber nach internen Querelen ebenso ihren Rücktritt wie Wochen zuvor Parteisprecher Dietrich Edler. Der AfD-Stadtverband formierte sich neu. Sprecher Matthias Wrede sagt, es sei erklärte Absicht der AfD, nach der Kommunalwahl im Rat „mit allen zusammenarbeiten zu wollen. Wir sind ja nicht die Weltverbesserer". Dabei liege das Augenmerk auf lokalen Themen wie beispielsweise der Schulsanierung oder der Verbesserung des Zustandes von Kaiserhof und ehemaligem Kurpark. Gleichwohl stehe die AfD Porta bei den großen Themen wie der Flüchtlings- und Klimapolitik eindeutig hinter dem Bundesparteiprogramm, so Wrede. Im Hinblick auf die Bürgermeisterwahl meint er, dass die politische Ausrichtung der Kandidaten nicht das Entscheidende sei. „Es sollte der oder die Kompetenteste gewählt werden." Auch die Wählergemeinschaft Porta (WP) wird wahrscheinlich ohne eigenen Bürgermeisterkandidaten in die Kommunalwahl ziehen. Dabei hätte sie mit Michael Müller einen erfahrenen Kandidaten in ihren Reihen: Müller erzielte bei der Wahl 2014 als Einzelbewerber ein respektables Ergebnis von rund 22 Prozent. Doch ein erneuter Versuch ist anscheinend kein Thema. „Die Wählergemeinschaft tritt in allen Wahlbezirken der Stadt Porta Westfalica zur Kommunalwahl 2020 an, verzichtet aber bewusst zurzeit auf die Nominierung eines Bürgermeisterkandidaten", schreibt WP-Sprecher Dietmar Lehmann in einer Pressemitteilung. Die WP wolle im Wahlkampf auch keine anderen Bewerber unterstützen. Zumindest sei dies das Ergebnis einer Klausurtagung. Endgültig darüber entschieden werde aber auf der Mitgliederversammlung im März. „Die Wählergemeinschaft möchte sich in den nächsten fünf Jahren zunächst auf die Arbeit im Stadtrat und in den Ausschüssen konzentrieren, um mit wechselnden Mehrheiten ihre politischen Inhalte umzusetzen", teilt Lehmann weiter mit. Gerade weil in einer Kommune die Grundsatz- und Leitentscheidungen im Rat gefällt werden, gehe es für die Wählergemeinschaft zuallererst um die Umsetzung eines neuen Politikstils, der für eine offene und sachorientierte Diskussion stehe sowie um die Verwirklichung eines neuen Politikverständnisses, das den Menschen stärker bei politischen Entscheidungsprozessen mit einbeziehe. Die WP plane eine öffentliche Veranstaltung, auf der die drei Kandidaten befragt werden könnten. Zugleich sichere die Wählergemeinschaft bereits jetzt dem neuen Bürgermeister oder der neuen Bürgermeisterin die konstruktive Unterstützung im Rat zu – solange dort die Belange der Bürger und der Stadt im Mittelpunkt stünden. Wie berichtet, hat die SPD den Ratsherrn Jörg Achilles, von Beruf Revisor der Stadt Löhne, im vorigen Jahr zum Bürgermeisterkandidaten nominiert. Die Grünen entschieden sich für die Rechtsanwältin Anke Grotjohann, ehemals SPD, heute parteilos. CDU und FDP einigten sich auf den gemeinsamen Kandidaten Uwe Siemonsmeier, derzeit Beigeordneter und Kämmerer der Stadt Menden. Amtsinhaber Bernd Hedtmann (parteilos) hatte Anfang 2019 erklärt, nicht wieder antreten zu wollen. Kopf an Kopf Kommentar von Dirk Haunhorst Mögliche Bürgermeisterkandidaten haben zwar noch etwas Zeit, um sich für das höchste städtische Amt zu bewerben. Viel spricht aber dafür, dass die derzeit bekannten drei Kandidaten ins Rennen gehen. Nichts deutet darauf hin, dass plötzlich noch ein Bewerber auftaucht, den niemand auf der Rechnung hatte. Ein Trio bewarb sich auch vor sechs Jahren um den Bürgermeisterposten. Damit aber enden bereits die Parallelen zwischen damals und heute. Der parteilose Favorit Bernd Hedtmann, gemeinsamer Kandidat von SPD, CDU und Grünen, setzte sich 2014 deutlich gegen Martin Bierwirth (FDP) und Michael Müller (parteilos) durch. Hedtmann erzielte auf Anhieb 64 Prozent, eine Stichwahl war nicht nötig. Am 13. September dürfte das Ergebnis wesentlich knapper ausfallen. Es gibt keinen klaren Favoriten oder krassen Außenseiter. Die wahrscheinliche Folge ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen und damit eine Stichwahl, weil wohl keiner der drei im ersten Durchgang 50 Prozent plus x erreicht. Und noch etwas ist anders: Die Zusammensetzung des Portaner Rates wird sich nach dem mutmaßlichen Einzug von AfD und Wählergemeinschaft sowie eventuell weiteren Bewerbern deutlich verändern. Die in Porta gewohnte rot-grün-schwarz-gelbe Farbkombination dürfte bald Geschichte sein – und damit die zumeist beschauliche Debattenkultur. Um so dringender wird ein durchsetzungsstarkes Stadtoberhaupt benötigt, das emotionale Auseinandersetzungen moderieren kann und am Ende auch Entscheidungen herbeiführt. Die Fähigkeit, eine Verwaltung zu leiten und bei repräsentativen Terminen die richtigen Worte zu finden, wird ohnehin vorausgesetzt. Die Aufgabe für das neue Stadtoberhaupt wird schwieriger als für seinen Vorgänger – und spannender.

Portaner Kandidaten-Trio: Bewerber für Bürgermeisteramt stehen wohl fest

Wer zieht ins Portaner Rathaus ein? Foto: MT-Archiv/Manfred Otto © MANFRED-OTTO

Porta Westfalica (mt). Die Portaner haben am 13. September voraussichtlich die Wahl zwischen drei Bürgermeisterkandidaten: Jörg Achilles (SPD), Anke Grotjohann (parteilos) und Uwe Siemonsmeier (parteilos). Zwar läuft die Frist für weitere Wahlvorschläge erst am 16. Juli ab. Da jedoch sowohl die AfD als auch die Wählergemeinschaft Porta gegenüber dem MT erklären, keine eigenen Bürgermeisterkandidaten nominieren zu wollen, sind weitere Bewerber derzeit nicht in Sicht.

In der AfD habe es zuletzt Gespräche mit zwei möglichen Interessenten geben, teilte gestern Sprecher Matthias Wrede mit. Doch diese fürchteten als Geschäftsmann und Beamter berufliche Konsequenzen, wenn sie sich in der Kandidatenrolle offen für AfD-Positionen einsetzten.

Wie berichtet, hatte die rechtspopulistische AfD in Porta bereits 2018 mit Gabriele Bocker eine Bürgermeisterkandidatin nominiert. Die erklärte aber nach internen Querelen ebenso ihren Rücktritt wie Wochen zuvor Parteisprecher Dietrich Edler. Der AfD-Stadtverband formierte sich neu.

Gemeinsamer Kandidat von CDU und FDP: Uwe Siemonsmeier (parteilos). MT-Fotos: Dirk Haunhorst
Gemeinsamer Kandidat von CDU und FDP: Uwe Siemonsmeier (parteilos). MT-Fotos: Dirk Haunhorst

Sprecher Matthias Wrede sagt, es sei erklärte Absicht der AfD, nach der Kommunalwahl im Rat „mit allen zusammenarbeiten zu wollen. Wir sind ja nicht die Weltverbesserer". Dabei liege das Augenmerk auf lokalen Themen wie beispielsweise der Schulsanierung oder der Verbesserung des Zustandes von Kaiserhof und ehemaligem Kurpark. Gleichwohl stehe die AfD Porta bei den großen Themen wie der Flüchtlings- und Klimapolitik eindeutig hinter dem Bundesparteiprogramm, so Wrede. Im Hinblick auf die Bürgermeisterwahl meint er, dass die politische Ausrichtung der Kandidaten nicht das Entscheidende sei. „Es sollte der oder die Kompetenteste gewählt werden."

Anke Grotjohann (parteilos) wird von den Grünen ins Rennen geschickt. MT-Foto: Thomas Lieske - © Lieske Thomas
Anke Grotjohann (parteilos) wird von den Grünen ins Rennen geschickt. MT-Foto: Thomas Lieske - © Lieske Thomas

Auch die Wählergemeinschaft Porta (WP) wird wahrscheinlich ohne eigenen Bürgermeisterkandidaten in die Kommunalwahl ziehen. Dabei hätte sie mit Michael Müller einen erfahrenen Kandidaten in ihren Reihen: Müller erzielte bei der Wahl 2014 als Einzelbewerber ein respektables Ergebnis von rund 22 Prozent. Doch ein erneuter Versuch ist anscheinend kein Thema. „Die Wählergemeinschaft tritt in allen Wahlbezirken der Stadt Porta Westfalica zur Kommunalwahl 2020 an, verzichtet aber bewusst zurzeit auf die Nominierung eines Bürgermeisterkandidaten", schreibt WP-Sprecher Dietmar Lehmann in einer Pressemitteilung. Die WP wolle im Wahlkampf auch keine anderen Bewerber unterstützen. Zumindest sei dies das Ergebnis einer Klausurtagung. Endgültig darüber entschieden werde aber auf der Mitgliederversammlung im März.

Jörg Achilles (SPD) setzte sich in einer parteiinternen Abstimmung gegen Friedrich Schmeding durch. Foto: Dirk Haunhorst - © Haunhorst Dirk
Jörg Achilles (SPD) setzte sich in einer parteiinternen Abstimmung gegen Friedrich Schmeding durch. Foto: Dirk Haunhorst - © Haunhorst Dirk

„Die Wählergemeinschaft möchte sich in den nächsten fünf Jahren zunächst auf die Arbeit im Stadtrat und in den Ausschüssen konzentrieren, um mit wechselnden Mehrheiten ihre politischen Inhalte umzusetzen", teilt Lehmann weiter mit. Gerade weil in einer Kommune die Grundsatz- und Leitentscheidungen im Rat gefällt werden, gehe es für die Wählergemeinschaft zuallererst um die Umsetzung eines neuen Politikstils, der für eine offene und sachorientierte Diskussion stehe sowie um die Verwirklichung eines neuen Politikverständnisses, das den Menschen stärker bei politischen Entscheidungsprozessen mit einbeziehe.

Die WP plane eine öffentliche Veranstaltung, auf der die drei Kandidaten befragt werden könnten. Zugleich sichere die Wählergemeinschaft bereits jetzt dem neuen Bürgermeister oder der neuen Bürgermeisterin die konstruktive Unterstützung im Rat zu – solange dort die Belange der Bürger und der Stadt im Mittelpunkt stünden.

Wie berichtet, hat die SPD den Ratsherrn Jörg Achilles, von Beruf Revisor der Stadt Löhne, im vorigen Jahr zum Bürgermeisterkandidaten nominiert. Die Grünen entschieden sich für die Rechtsanwältin Anke Grotjohann, ehemals SPD, heute parteilos. CDU und FDP einigten sich auf den gemeinsamen Kandidaten Uwe Siemonsmeier, derzeit Beigeordneter und Kämmerer der Stadt Menden. Amtsinhaber Bernd Hedtmann (parteilos) hatte Anfang 2019 erklärt, nicht wieder antreten zu wollen.

Kopf an Kopf

Kommentar von Dirk Haunhorst

Mögliche Bürgermeisterkandidaten haben zwar noch etwas Zeit, um sich für das höchste städtische Amt zu bewerben. Viel spricht aber dafür, dass die derzeit bekannten drei Kandidaten ins Rennen gehen. Nichts deutet darauf hin, dass plötzlich noch ein Bewerber auftaucht, den niemand auf der Rechnung hatte.

Ein Trio bewarb sich auch vor sechs Jahren um den Bürgermeisterposten. Damit aber enden bereits die Parallelen zwischen damals und heute. Der parteilose Favorit Bernd Hedtmann, gemeinsamer Kandidat von SPD, CDU und Grünen, setzte sich 2014 deutlich gegen Martin Bierwirth (FDP) und Michael Müller (parteilos) durch. Hedtmann erzielte auf Anhieb 64 Prozent, eine Stichwahl war nicht nötig.

Am 13. September dürfte das Ergebnis wesentlich knapper ausfallen. Es gibt keinen klaren Favoriten oder krassen Außenseiter. Die wahrscheinliche Folge ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen und damit eine Stichwahl, weil wohl keiner der drei im ersten Durchgang 50 Prozent plus x erreicht.

Und noch etwas ist anders: Die Zusammensetzung des Portaner Rates wird sich nach dem mutmaßlichen Einzug von AfD und Wählergemeinschaft sowie eventuell weiteren Bewerbern deutlich verändern. Die in Porta gewohnte rot-grün-schwarz-gelbe Farbkombination dürfte bald Geschichte sein – und damit die zumeist beschauliche Debattenkultur. Um so dringender wird ein durchsetzungsstarkes Stadtoberhaupt benötigt, das emotionale Auseinandersetzungen moderieren kann und am Ende auch Entscheidungen herbeiführt. Die Fähigkeit, eine Verwaltung zu leiten und bei repräsentativen Terminen die richtigen Worte zu finden, wird ohnehin vorausgesetzt. Die Aufgabe für das neue Stadtoberhaupt wird schwieriger als für seinen Vorgänger – und spannender.

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