Porta wehrt sich gegen Hochregallager in Bückeburg Stefan Lyrath Porta Westfalica/Bückeburg. Auch in Porta regt sich zunehmend Widerstand gegen Pläne von Bauerngut, auf einer Ackerfläche im bisherigen Landschaftsschutzgebiet „Sandfurth“ ein Logistikzentrum mit einem bis zu 30 Meter hohen Hochregallager zu errichten. Entstehen soll das Gebäude südlich der Bundesstraße 83, schräg gegenüber vom Bückeburger Tierheim. Negative Auswirkungen könnte dies aus Portaner Sicht vor allem auf die angrenzenden Orte Kleinenbremen und Wülpke haben. Die Stadt hat deshalb für diese Woche eine offizielle Stellungnahme angekündigt und will „ein ganzes Paket an Kritikpunkten“ auf den Weg bringen, so der Technische Beigeordnete Stefan Mohme. „Es wird ganz klar eine negative Stellungnahme geben“, erklärt Mohme. „Für uns wäre der Bau eine Schädigung des Landschaftsbildes.“ Zuvor hatte bereits die Wählergemeinschaft Porta (WP) Befürchtungen geäußert, dass nicht nur das „Schutzgut Landschaftsbild“ verletzt werde, sondern auch mit einer Zunahme des Verkehrs zu rechnen sei. Viele Portaner nutzen das Gebiet zur Naherholung. Der Bezirksausschuss für Kleinenbremen, Nammen und Wülpke wird sich ebenfalls mit dem Thema befassen, voraussichtlich im Januar. „Ich gehe davon aus, dass wir unseren Unmut aussprechen werden“, sagt Jörg Achilles, der bisherige Vorsitzende des Ortsgremiums. Achilles kann zurzeit nur für sich selbst sprechen. Seine Wiederwahl gilt aber als wahrscheinlich. Auch der Kleinenbremer Heimatverein steht der geplanten Bauerngut-Erweiterung in dieser Form ablehnend gegenüber. Unterdessen hat Bückeburgs Bürgermeister Reiner Brombach zur Versachlichung der Diskussion aufgerufen. Brombach befürchtet den Wegfall von rund 800 Arbeitsplätzen. Falls sich das Bauvorhaben nicht verwirklichen lasse, habe die Bauerngut Fleisch- und Wurstwaren GmbH klar erklärt, komplett woanders zu bauen und den Standort Bückeburg aufzugeben, so der Verwaltungschef. Brombach befürchtet außerdem „einen enormen Ausfall“ an Gewerbesteuer. Überdies betont der Verwaltungschef die enge Verbindung Bauernguts zum heimischen Gewerbe und Handwerk sowie die Zusammenarbeit mit der regionalen Landwirtschaft. Bauerngut sei ein in der Region gewachsenes Unternehmen. Wie berichtet (MT vom 19. November) waren Mitte vergangener Woche im Bückeburger Rathaus bereits rund 250 Stellungnahmen gegen das Vorhaben eingegangen. „Jede Stellungnahme muss abgewogen werden“, erklärt Heino Heine, ein Architekt und Stadtplaner, der sich ehrenamtlich im Heimatverein Kleinenbremen engagiert. Die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit und von Behörden läuft in diesem Planungsverfahren noch bis kommenden Freitag, 27. November. So lange liegen die Pläne in der Bückeburger Stadtverwaltung aus. Das Gebäude soll etwa 171 Meter lang und 91 Meter breit werden. „Arbeitsplätze und Gewerbesteuereinnahmen rechtfertigen nicht eine Landschaftszerstörung dieses Ausmaßes“, heißt es in einer Stellungnahme des Kleinenbremer Heimatvereins, die am Wochenende abgeschickt werden sollte. Unterzeichnet ist das Schreiben vom Vorsitzenden Walter Caselitz sowie von Eckhard Bruß, Naturschutzwart des Kreises Minden-Lübbecke. Mit der Stellungnahme schließen sich die Heimatfreunde der Argumentation einer Aktionsgemeinschaft von Bückeburger Bürgern an. Weiter heißt es darin, dass das Landschaftsbild einmalig und unersetzbar sei, die Ackerfläche eine wichtige Pufferzone für das unmittelbar angrenzende Naturschutzgebiet „Hofwiesenteiche“. Das Naturschutzgesetz stelle Tiere, Pflanzen und das Landschaftsbild gleichwertig nebeneinander. Hinzu kommt: Das Logistikzentrum sei „aufgrund seiner gewaltigen Dimensionen weithin sichtbar und würde in erheblichem Maße Naherholung und Tourismus für Bückeburg und Umgebung beeinträchtigen“. Das Bild der Residenzstadt als Wohnstadt mit Gewerbeanteil wandele sich zu einer Gewerbeansiedlung mit Wohnanteil. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz müssen Eingriffe in Natur und Landschaft kompensiert werden. Aber wo? „Ausgleichsflächen fallen nicht vom Himmel. Man muss sie mit der Lupe suchen“, gibt Naturschutzwart Bruß zu bedenken. „Es gibt auch nicht genug Platz zur Begrünung, um einen Übergang zur freien Landschaft zu schaffen“, fügt Architekt Heino Heine hinzu. Der Mann vom Heimatverein befürchtet, dass dieser „Solitärbau mitten in der Landschaft“ womöglich nur der Anfang wäre, denn: „Wenn man einen Präzedenzfall schafft, könnte weiteren Gewerbeansiedlungen in diesem Bereich Tür und Tor geöffnet werden. Die Zerstückelung der Landschaft könnte dann sukzessive ihren Lauf nehmen.“ Heine verweist auf das städtische Leitbild Bückeburgs und plädiert dafür, das Logistikzentrum im Gewerbegebiet Kreuzbreite zu bauen.

Porta wehrt sich gegen Hochregallager in Bückeburg

Geplanter Standort: Das Logistikzentrum soll auf den Acker rechts. Hinten links ist das Bückeburger Tierheim zu erkennen. Foto: Stefan Lyrath © Stefan Lyrath

Porta Westfalica/Bückeburg. Auch in Porta regt sich zunehmend Widerstand gegen Pläne von Bauerngut, auf einer Ackerfläche im bisherigen Landschaftsschutzgebiet „Sandfurth“ ein Logistikzentrum mit einem bis zu 30 Meter hohen Hochregallager zu errichten. Entstehen soll das Gebäude südlich der Bundesstraße 83, schräg gegenüber vom Bückeburger Tierheim.

Negative Auswirkungen könnte dies aus Portaner Sicht vor allem auf die angrenzenden Orte Kleinenbremen und Wülpke haben. Die Stadt hat deshalb für diese Woche eine offizielle Stellungnahme angekündigt und will „ein ganzes Paket an Kritikpunkten“ auf den Weg bringen, so der Technische Beigeordnete Stefan Mohme. „Es wird ganz klar eine negative Stellungnahme geben“, erklärt Mohme. „Für uns wäre der Bau eine Schädigung des Landschaftsbildes.“ Zuvor hatte bereits die Wählergemeinschaft Porta (WP) Befürchtungen geäußert, dass nicht nur das „Schutzgut Landschaftsbild“ verletzt werde, sondern auch mit einer Zunahme des Verkehrs zu rechnen sei. Viele Portaner nutzen das Gebiet zur Naherholung.

- © Alex Hoffmann
© Alex Hoffmann

Der Bezirksausschuss für Kleinenbremen, Nammen und Wülpke wird sich ebenfalls mit dem Thema befassen, voraussichtlich im Januar. „Ich gehe davon aus, dass wir unseren Unmut aussprechen werden“, sagt Jörg Achilles, der bisherige Vorsitzende des Ortsgremiums. Achilles kann zurzeit nur für sich selbst sprechen. Seine Wiederwahl gilt aber als wahrscheinlich. Auch der Kleinenbremer Heimatverein steht der geplanten Bauerngut-Erweiterung in dieser Form ablehnend gegenüber.

Unterdessen hat Bückeburgs Bürgermeister Reiner Brombach zur Versachlichung der Diskussion aufgerufen. Brombach befürchtet den Wegfall von rund 800 Arbeitsplätzen. Falls sich das Bauvorhaben nicht verwirklichen lasse, habe die Bauerngut Fleisch- und Wurstwaren GmbH klar erklärt, komplett woanders zu bauen und den Standort Bückeburg aufzugeben, so der Verwaltungschef.

Brombach befürchtet außerdem „einen enormen Ausfall“ an Gewerbesteuer. Überdies betont der Verwaltungschef die enge Verbindung Bauernguts zum heimischen Gewerbe und Handwerk sowie die Zusammenarbeit mit der regionalen Landwirtschaft. Bauerngut sei ein in der Region gewachsenes Unternehmen.

Wie berichtet (MT vom 19. November) waren Mitte vergangener Woche im Bückeburger Rathaus bereits rund 250 Stellungnahmen gegen das Vorhaben eingegangen. „Jede Stellungnahme muss abgewogen werden“, erklärt Heino Heine, ein Architekt und Stadtplaner, der sich ehrenamtlich im Heimatverein Kleinenbremen engagiert.

Die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit und von Behörden läuft in diesem Planungsverfahren noch bis kommenden Freitag, 27. November. So lange liegen die Pläne in der Bückeburger Stadtverwaltung aus. Das Gebäude soll etwa 171 Meter lang und 91 Meter breit werden.

„Arbeitsplätze und Gewerbesteuereinnahmen rechtfertigen nicht eine Landschaftszerstörung dieses Ausmaßes“, heißt es in einer Stellungnahme des Kleinenbremer Heimatvereins, die am Wochenende abgeschickt werden sollte. Unterzeichnet ist das Schreiben vom Vorsitzenden Walter Caselitz sowie von Eckhard Bruß, Naturschutzwart des Kreises Minden-Lübbecke.

Mit der Stellungnahme schließen sich die Heimatfreunde der Argumentation einer Aktionsgemeinschaft von Bückeburger Bürgern an. Weiter heißt es darin, dass das Landschaftsbild einmalig und unersetzbar sei, die Ackerfläche eine wichtige Pufferzone für das unmittelbar angrenzende Naturschutzgebiet „Hofwiesenteiche“. Das Naturschutzgesetz stelle Tiere, Pflanzen und das Landschaftsbild gleichwertig nebeneinander.

Hinzu kommt: Das Logistikzentrum sei „aufgrund seiner gewaltigen Dimensionen weithin sichtbar und würde in erheblichem Maße Naherholung und Tourismus für Bückeburg und Umgebung beeinträchtigen“. Das Bild der Residenzstadt als Wohnstadt mit Gewerbeanteil wandele sich zu einer Gewerbeansiedlung mit Wohnanteil.

Nach dem Bundesnaturschutzgesetz müssen Eingriffe in Natur und Landschaft kompensiert werden. Aber wo? „Ausgleichsflächen fallen nicht vom Himmel. Man muss sie mit der Lupe suchen“, gibt Naturschutzwart Bruß zu bedenken. „Es gibt auch nicht genug Platz zur Begrünung, um einen Übergang zur freien Landschaft zu schaffen“, fügt Architekt Heino Heine hinzu. Der Mann vom Heimatverein befürchtet, dass dieser „Solitärbau mitten in der Landschaft“ womöglich nur der Anfang wäre, denn: „Wenn man einen Präzedenzfall schafft, könnte weiteren Gewerbeansiedlungen in diesem Bereich Tür und Tor geöffnet werden. Die Zerstückelung der Landschaft könnte dann sukzessive ihren Lauf nehmen.“ Heine verweist auf das städtische Leitbild Bückeburgs und plädiert dafür, das Logistikzentrum im Gewerbegebiet Kreuzbreite zu bauen.

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