Poller am Weserradweg: Gefahr zwischen den Kurven Dirk Haunhorst Porta Westfalica-Barkhausen (mt). Herbert Kaufhold wird den 4. Juni in schlechter Erinnerung behalten. Gegen Abend radelt er auf dem Weserradweg von Bad Oeynhausen in Richtung Minden. Es ist etwas diesig, die Sicht nicht sonderlich gut. In Höhe des Drachenfliegerplatzes in Barkhausen fährt Kaufhold einige Meter hinter zwei Liegendradlern her, die er in absehbarer Zeit überholen möchte. Nach einer Rechtskurve blickt Kaufhold hoch und sieht die Liegendfahrer hinter der nächsten Linkskurve verschwinden. Er bemerkt nicht den Poller mitten auf dem Weserradweg, gegen den er mit knapp 20 Stundenkilometern kracht.„Ich hätte mir das Genick brechen können. Gut, dass ich einen Helm trug, der hat sich ausgezahlt.“ Gleichwohl ist der Pollerunfall schmerzhaft und teuer. Kaufhold erleidet Rippenbrüche und Schürfwunden. Das 1500 Euro teure Tourenrad ist ein Totalschaden, der Rahmen gebrochen.Der 80-Jährige möchte die Öffentlichkeit auf die Gefahrenstelle aufmerksam machen - und den Kreis Minden-Lübbecke dazu bewegen, den Poller zwischen den kurz aufeinanderfolgenden Kurven abzubauen oder wenigstens besser zu markieren. Das Hindernis sei ohnehin überflüssig, weil wenige hundert Meter entfernt Autofahrer „pollerfrei“ in den für sie gesperrten Bereich gelangen könnten.Kaufhold kann womöglich in Kürze einen Teilerfolg verbuchen. Der Kreis teilt auf MT-Anfrage mit, den umstrittenen Poller „etwas aufwendiger zu gestalten“. Dazu zählt, dass die durchgezogene Linie bis hinter die Kurve verlängert werden soll. Außerdem sollen zwei lang gestreckte Dreiecke den Mittelpoller stärker hervorheben. „Diese Arbeiten sind bereits in Auftrag gegeben“, meldet der Kreis. Mitte Juli hatte die Behörde in einem Schreiben an Kaufhold noch mitgeteilt, keine Veranlassung für eine Änderung von Beschilderung und Markierung zu sehen.Der Poller selbst soll aber an Ort und Stelle bleiben und nicht umgesetzt werden. „Weil der landwirtschaftliche Anliegerverkehr seine Ackerflächen sonst nicht erreichen kann“, so der Kreis gegenüber dem MT. Die Poller stünden dort, um Gefährdungen durch illegalen Autoverkehr zu vermeiden. Der Standort sei mit weiteren Behörden abgestimmt worden, auch mit dem Ordnungsamt der Stadt.Dort kümmert sich Matthias Rinne um Straßenverkehrsangelegenheiten. Wegen des kurvenreichen Streckenabschnitts samt Mittelpoller ordnete Rinne im Frühjahr an, Gefahrenzeichen mit dem schriftlichen Zusatz „Poller“ aufzustellen, die deutlich zur Vorsicht mahnen. Außerdem weist Rinne darauf hin, dass Verkehrsteilnehmer grundsätzlich ihr Tempo den Streckenverhältnissen anpassen und „auf Sicht“ fahren müssten.Herbert Kaufhold sieht indes die Behörden in der Mitverantwortung für seinen Unfall. Er hat auf dem Weserradweg und andernorts Poller fotografiert, die seiner Ansicht nach wesentlich ungefährlicher sind als jene am Drachenfliegerplatz. Besser geeignet seien zum Beispiel Exemplare an der Fährstraße in Barkhausen. Die sind bereits mit Dreiecken markiert - und zusätzlich von Kunststoff umfasst. Matthias Rinne teilt mit, dass er die Poller nach Rücksprache mit dem hiesigen Fahrradklub (ADFC) aufgestellt hat. Die Kunststoffaufsätze sollen vor allem Fahrradtaschen im Fall einer Berührung besser ableiten, damit es nicht zu Stürzen kommt.Herbert Kaufhold glaubt, dass solche Poller wie an der Fährstraße seinen folgenschweren Unfall schon wegen der besseren Sichtbarkeit hätten verhindern können. Er vermutet, dass der „Unfallpoller“ auf dem Weserradweg gar nicht den Vorschriften entspricht. Kaufhold will sich deshalb rechtliche Schritte vorbehalten. Im Kreishaus glaubt man sich auf der sicheren Seite: „Die Poller sind geprüft und für den öffentlichen Bereich zugelassen.“

Poller am Weserradweg: Gefahr zwischen den Kurven

„ich hätte mir das Genick brechen können.“ Dr. Herbert Kaufhold übersah diesen Poller, der mitten auf dem Weserradeweg steht, und erlitt Rippenbrüche und Schürfwunden. „Zum Glück trug ich einen Helm.“ MT-Fotos: Haunhorst

Porta Westfalica-Barkhausen (mt). Herbert Kaufhold wird den 4. Juni in schlechter Erinnerung behalten. Gegen Abend radelt er auf dem Weserradweg von Bad Oeynhausen in Richtung Minden. Es ist etwas diesig, die Sicht nicht sonderlich gut. In Höhe des Drachenfliegerplatzes in Barkhausen fährt Kaufhold einige Meter hinter zwei Liegendradlern her, die er in absehbarer Zeit überholen möchte. Nach einer Rechtskurve blickt Kaufhold hoch und sieht die Liegendfahrer hinter der nächsten Linkskurve verschwinden. Er bemerkt nicht den Poller mitten auf dem Weserradweg, gegen den er mit knapp 20 Stundenkilometern kracht.

„Ich hätte mir das Genick brechen können. Gut, dass ich einen Helm trug, der hat sich ausgezahlt.“ Gleichwohl ist der Pollerunfall schmerzhaft und teuer. Kaufhold erleidet Rippenbrüche und Schürfwunden. Das 1500 Euro teure Tourenrad ist ein Totalschaden, der Rahmen gebrochen.

Der 80-Jährige möchte die Öffentlichkeit auf die Gefahrenstelle aufmerksam machen - und den Kreis Minden-Lübbecke dazu bewegen, den Poller zwischen den kurz aufeinanderfolgenden Kurven abzubauen oder wenigstens besser zu markieren. Das Hindernis sei ohnehin überflüssig, weil wenige hundert Meter entfernt Autofahrer „pollerfrei“ in den für sie gesperrten Bereich gelangen könnten.

Schilder weisen ungefähr 50 Meter vor dem Poller auf die Gefahrenstelle hin. Ist das deutlich genug?
Schilder weisen ungefähr 50 Meter vor dem Poller auf die Gefahrenstelle hin. Ist das deutlich genug?

Kaufhold kann womöglich in Kürze einen Teilerfolg verbuchen. Der Kreis teilt auf MT-Anfrage mit, den umstrittenen Poller „etwas aufwendiger zu gestalten“. Dazu zählt, dass die durchgezogene Linie bis hinter die Kurve verlängert werden soll. Außerdem sollen zwei lang gestreckte Dreiecke den Mittelpoller stärker hervorheben. „Diese Arbeiten sind bereits in Auftrag gegeben“, meldet der Kreis. Mitte Juli hatte die Behörde in einem Schreiben an Kaufhold noch mitgeteilt, keine Veranlassung für eine Änderung von Beschilderung und Markierung zu sehen.

Dieser Poller an der Fährstraße in Barkhausen hat eine zusätzliche Markierung und einen Kunststoffaufsatz.
Dieser Poller an der Fährstraße in Barkhausen hat eine zusätzliche Markierung und einen Kunststoffaufsatz.

Der Poller selbst soll aber an Ort und Stelle bleiben und nicht umgesetzt werden. „Weil der landwirtschaftliche Anliegerverkehr seine Ackerflächen sonst nicht erreichen kann“, so der Kreis gegenüber dem MT. Die Poller stünden dort, um Gefährdungen durch illegalen Autoverkehr zu vermeiden. Der Standort sei mit weiteren Behörden abgestimmt worden, auch mit dem Ordnungsamt der Stadt.

Dort kümmert sich Matthias Rinne um Straßenverkehrsangelegenheiten. Wegen des kurvenreichen Streckenabschnitts samt Mittelpoller ordnete Rinne im Frühjahr an, Gefahrenzeichen mit dem schriftlichen Zusatz „Poller“ aufzustellen, die deutlich zur Vorsicht mahnen. Außerdem weist Rinne darauf hin, dass Verkehrsteilnehmer grundsätzlich ihr Tempo den Streckenverhältnissen anpassen und „auf Sicht“ fahren müssten.

Herbert Kaufhold sieht indes die Behörden in der Mitverantwortung für seinen Unfall. Er hat auf dem Weserradweg und andernorts Poller fotografiert, die seiner Ansicht nach wesentlich ungefährlicher sind als jene am Drachenfliegerplatz. Besser geeignet seien zum Beispiel Exemplare an der Fährstraße in Barkhausen. Die sind bereits mit Dreiecken markiert - und zusätzlich von Kunststoff umfasst. Matthias Rinne teilt mit, dass er die Poller nach Rücksprache mit dem hiesigen Fahrradklub (ADFC) aufgestellt hat. Die Kunststoffaufsätze sollen vor allem Fahrradtaschen im Fall einer Berührung besser ableiten, damit es nicht zu Stürzen kommt.

Herbert Kaufhold glaubt, dass solche Poller wie an der Fährstraße seinen folgenschweren Unfall schon wegen der besseren Sichtbarkeit hätten verhindern können. Er vermutet, dass der „Unfallpoller“ auf dem Weserradweg gar nicht den Vorschriften entspricht. Kaufhold will sich deshalb rechtliche Schritte vorbehalten. Im Kreishaus glaubt man sich auf der sicheren Seite: „Die Poller sind geprüft und für den öffentlichen Bereich zugelassen.“

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