Pelzige Räuber auf dem Vormarsch: Was Waschbären in Porta Westfalica zum Problem macht Thomas Lieske Porta Westfalica. Es rumpelt auf dem Dach. Ein klirrendes Geräusch kommt dazu – sind da Einbrecher in der Dunkelheit am Werk? Dieser Schrecken dürfte in der letzten zeit den einen oder anderen Portaner Hausbesitzer des Nachts ereilt haben. Doch meist werden sie nicht den klassischen Einbrecher mit der Brechstange zu fürchten haben, sondern jene auf vier Pfoten. Der Waschbär breitet sich immer mehr im Stadtgebiet aus. Das bekommt auch Dr. Walter Jäcker, der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Minden-Lübbecke zu spüren. „Aus Porta habe ich mehr Meldungen bekommen“, erzählt er im MT-Interview. Das könne verschiedene Ursachen haben. „Möglicherweise verbreitet sich diese Wildart von Süden aus und deshalb erreicht die Population den Kreis zuerst dort“, mutmaßt Jäcker. Niedlich sehen die Tiere aus. Die besondere Farbgebung des ihres Fells lässt die Waschbären harmlos wirken. Doch das sei ein Trugschluss, weiß Dr. Walter Jäcker. „Zum Ärgernis wird das, wenn sie in Dächer eindringen. Sie haben genug Kraft, um Ziegel zu heben.“ Und dann machen die Waschbären meist auch keinen Halt mehr vor Dämmwolle und anderen Materialien unter den Dachpfannen. Mitunter entstehen beträchtliche Schäden. Doch nicht nur treiben die Tiere gern ihr Unwesen. Sie können auch gefährlich für Haustiere werden. „Sie übertragen Würmer und Staupe auf Haustiere. Gerade Staupe ist für nicht geimpfte Hunde tödlich“, erklärt Jäcker. Die Übertragung funktioniere über die Tröpfcheninfektion. Haben sich die Waschbären erst einmal angesiedelt, sind vor allem Bodenbrüter in der Umgebung in Gefahr: „Sie fressen diese und deren Gelege, erreichen wegen ihrer Klettergewandtheit auch Nester in Bäumen und Büschen.“ Doch was treibt die Vierbeiner überhaupt in die Siedlungen der Stadt? Der Vorsitzende der Kreisjägerschaft hat dafür eine einfache Erklärung: „In Siedlungen werden Komposthaufen angelegt und bieten mit Nahrungsresten für Allesfresser einen gedeckten Tisch.“ Auffällig sei auch, dass Waschbären an Katzenfutternäpfe gehen, die oft auf Terrassen nah am Haus stehen. So sei es keine Seltenheit, dass die Tiere immer wieder nah am Wohnhaus beobachtet würden, meint Jäcker. Unter Holzstapeln, Schuppen und in ungenutzten Gebäuden fühlen sie sich wohl. Gerade in den ländlichen Regionen Portas bieten alte Schuppen und Scheunen viel Lebensraum. Deshalb sei es wichtig, den Tieren keinen weiteren Anreiz zu schaffen. Walter Jäcker hat einige Tipps für Haus- und Gartenbesitzer: „Keine Essensreste im Kompost entsorgen, das Katzenfutter abends wegstellen.“ Weil die Waschbären gerne Obst fressen, sei es zudem wichtig, dieses rechtzeitig im garten abzuernten. Wer einen Schuppen, einen Stall oder andere weniger genutzte Gebäude auf dem Hof hat, sollte darauf achten, dass keine Hohlräume darunter erreichbar sind. „Eventuell könnte man den Sockel mit Draht versperren und diesen rechtwinklig am Boden abbiegen, damit die Bären nicht darunter durchgraben können“, rät Jäcker. Selbst die Rankhilfe im Beet reicht für Waschbären oft aus, um auf Dächer von Schuppen und Häuser zu gelangen. Wer sie entfernt, minimiert die Gefahr. Sowieso sollte jede Form von Aufstiegshilfe im garten vermieden werden. Dazu zählen sogar Äste, die über das Dach ragen. Auch der Holzstapel an der Hauswand reicht den Räubern oft schon aus. Waschbären können sich rasant ausbreiten, weil sie keine natürlichen Feinde haben, erklärt Walter Jäcker. Deshalb greift die Kreisjägerschaft im Mühlenkreis selbst ein. „Die Strecke der erlegten Waschbären ist im stetigen Aufwärtstrend.“ In diesem Jahr waren es bereits rund 1360 – vor zehn Jahren gerade einmal 100. Doch die Jagd sei aufwendig: „Hier kann nur flächendeckend durch Fangjagd gegengehalten werden. Das erfordert viel Ausrüstung, eine spezielle Ausbildung und Zeit.“

Pelzige Räuber auf dem Vormarsch: Was Waschbären in Porta Westfalica zum Problem macht

Die Waschbären sind in Porta Westfalica auf dem Vormarsch. Die Kreisjägerschaft greift bereits stark ein. © pixabay

Porta Westfalica. Es rumpelt auf dem Dach. Ein klirrendes Geräusch kommt dazu – sind da Einbrecher in der Dunkelheit am Werk? Dieser Schrecken dürfte in der letzten zeit den einen oder anderen Portaner Hausbesitzer des Nachts ereilt haben. Doch meist werden sie nicht den klassischen Einbrecher mit der Brechstange zu fürchten haben, sondern jene auf vier Pfoten.

Der Waschbär breitet sich immer mehr im Stadtgebiet aus. Das bekommt auch Dr. Walter Jäcker, der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Minden-Lübbecke zu spüren. „Aus Porta habe ich mehr Meldungen bekommen“, erzählt er im MT-Interview. Das könne verschiedene Ursachen haben. „Möglicherweise verbreitet sich diese Wildart von Süden aus und deshalb erreicht die Population den Kreis zuerst dort“, mutmaßt Jäcker.

Niedlich sehen die Tiere aus. Die besondere Farbgebung des ihres Fells lässt die Waschbären harmlos wirken. Doch das sei ein Trugschluss, weiß Dr. Walter Jäcker. „Zum Ärgernis wird das, wenn sie in Dächer eindringen. Sie haben genug Kraft, um Ziegel zu heben.“ Und dann machen die Waschbären meist auch keinen Halt mehr vor Dämmwolle und anderen Materialien unter den Dachpfannen. Mitunter entstehen beträchtliche Schäden.

Malina Reckordt

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Doch nicht nur treiben die Tiere gern ihr Unwesen. Sie können auch gefährlich für Haustiere werden. „Sie übertragen Würmer und Staupe auf Haustiere. Gerade Staupe ist für nicht geimpfte Hunde tödlich“, erklärt Jäcker. Die Übertragung funktioniere über die Tröpfcheninfektion. Haben sich die Waschbären erst einmal angesiedelt, sind vor allem Bodenbrüter in der Umgebung in Gefahr: „Sie fressen diese und deren Gelege, erreichen wegen ihrer Klettergewandtheit auch Nester in Bäumen und Büschen.“

Dr. Walter Jäcker ist Vorsitzender der Kreisjägerschaft. - © privat
Dr. Walter Jäcker ist Vorsitzender der Kreisjägerschaft. - © privat

Doch was treibt die Vierbeiner überhaupt in die Siedlungen der Stadt? Der Vorsitzende der Kreisjägerschaft hat dafür eine einfache Erklärung: „In Siedlungen werden Komposthaufen angelegt und bieten mit Nahrungsresten für Allesfresser einen gedeckten Tisch.“ Auffällig sei auch, dass Waschbären an Katzenfutternäpfe gehen, die oft auf Terrassen nah am Haus stehen. So sei es keine Seltenheit, dass die Tiere immer wieder nah am Wohnhaus beobachtet würden, meint Jäcker. Unter Holzstapeln, Schuppen und in ungenutzten Gebäuden fühlen sie sich wohl. Gerade in den ländlichen Regionen Portas bieten alte Schuppen und Scheunen viel Lebensraum.

Deshalb sei es wichtig, den Tieren keinen weiteren Anreiz zu schaffen. Walter Jäcker hat einige Tipps für Haus- und Gartenbesitzer: „Keine Essensreste im Kompost entsorgen, das Katzenfutter abends wegstellen.“ Weil die Waschbären gerne Obst fressen, sei es zudem wichtig, dieses rechtzeitig im garten abzuernten. Wer einen Schuppen, einen Stall oder andere weniger genutzte Gebäude auf dem Hof hat, sollte darauf achten, dass keine Hohlräume darunter erreichbar sind. „Eventuell könnte man den Sockel mit Draht versperren und diesen rechtwinklig am Boden abbiegen, damit die Bären nicht darunter durchgraben können“, rät Jäcker. Selbst die Rankhilfe im Beet reicht für Waschbären oft aus, um auf Dächer von Schuppen und Häuser zu gelangen. Wer sie entfernt, minimiert die Gefahr. Sowieso sollte jede Form von Aufstiegshilfe im garten vermieden werden. Dazu zählen sogar Äste, die über das Dach ragen. Auch der Holzstapel an der Hauswand reicht den Räubern oft schon aus.

Waschbären können sich rasant ausbreiten, weil sie keine natürlichen Feinde haben, erklärt Walter Jäcker. Deshalb greift die Kreisjägerschaft im Mühlenkreis selbst ein. „Die Strecke der erlegten Waschbären ist im stetigen Aufwärtstrend.“ In diesem Jahr waren es bereits rund 1360 – vor zehn Jahren gerade einmal 100. Doch die Jagd sei aufwendig: „Hier kann nur flächendeckend durch Fangjagd gegengehalten werden. Das erfordert viel Ausrüstung, eine spezielle Ausbildung und Zeit.“

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