Notruf auf Umwegen: Warum ein Notfall aus Veltheim drei Rettungsleitstellen beschäftigt hat Thomas Lieske Porta Westfalica-Veltheim. Sonntag, kurz nach 18 Uhr, eine halbe Stunde nach Anpfiff: Ein Handballer verletzt sich beim Spiel zwischen der HSG Porta und der HSG Werther-Borgholzhausen am Knie: Fraktur und Bänderriss – ein sehr schmerzhafter Sportunfall. Klar ist: Der Spieler braucht schnell ärztliche Hilfe. Ein Mitglied des Portaner Vereins wählt um 18.03 Uhr den Notruf 112. Es sind die ersten Minuten eines Notrufprotokolls, das gleich drei Rettungsleitstellen beschäftigt. Der erste Anruf landet in Lippe Am anderen Ende der Leitung meldet sich ein Mitarbeiter der Rettungsleitstelle. Aber nicht in Minden, sondern woanders. „Der Notruf ist – bedingt durch das Mobilfunknetz – in der Leitstelle Lippe eingegangen", erklärt Kreissprecherin Sabine Ohnesorge auf MT-Anfrage. Weil diese allerdings nicht primär für Notrufe aus dem Mühlenkreis zuständig ist, habe der Mitarbeiter kurz die Daten erfasst und dann den Anruf an die zuständige Leitstelle in Minden übergeben. In dieser Zeit ist der Anrufer in eine kurze Warteschleife gekommen. Nicht aber, weil die Mindener Disponenten ein erhöhtes Notrufaufkommen abarbeiten mussten. „Der Disponent aus Lippe hat unserem Disponenten beim Übergabe-Gespräch die Daten, die er in der Leitstelle Lippe erhoben hatte, kurz mitgeteilt, damit keine Informationen verloren gehen. Anschließend hat er das Gespräch überstellt", erklärt Sabine Ohnesorge. Wichtig sei, dass Anrufer in solchen Fällen „auf gar keinen Fall auflegen" dürften, betont die Kreissprecherin. Zweite Station: Minden – und es geht weiter Der Anrufer aus der Sporthalle in Veltheim spricht mittlerweile mit der Rettungsleitstelle in Minden. „Der Disponent in unserer Leitstelle fragte den Notrufenden sicherheitshalber noch einmal kurz ab", erklärt Ohnesorge. Das Verletzungsmuster des Handballspielers ist jetzt klar. Auch der Notfallort ist geklärt. Und sicher ist auch: Der Verletzte braucht dringend einen Rettungswagen, der ihn schnell in ein nahe gelegenes Krankenhaus bringt. Gut, dass die Stadt Porta Westfalica eine eigene Rettungswache in Hausberge hat – eigentlich. „Dort befanden sich bereits beide Rettungswagen in anderen Einsätzen", sagt die Kreissprecherin nach Auswertung der Einsatzprotokolle. Der Disponent aus Minden holt die dritte Rettungsleitstelle mit ins Boot. Rettung kommt aus dem Kreis Schaumburg Anruf bei den Kollegen des Kreises Schaumburg. „In Fällen wie diesem unterstützen sich die Leitstellen beziehungsweise die Rettungswachen grundsätzlich immer untereinander", betont Sabine Ohnesorge. Auch der Kreis Minden-Lübbecke hilft bei Bedarf in anderen Wachkreisen aus. „Hier war es so, dass unser Disponent bei der Leitstelle Schaumburg anrief und fragte, ob der Rettungswagen im nahe gelegenen Rinteln verfügbar sei." Er ist verfügbar. Was für den Anrufenden mitunter gefühlt eine längere Zeit dauert, geht dank der guten Vernetzung der Leitstellen aber innerhalb kürzester Zeit. Zwischen dem Notruf auf Umwegen und dem Eintreffen des Rettungswagens an der Sporthalle in Veltheim liegen rund 25 Minuten. Damit überschreitet der Einsatz zwar deutlich die im Kreis Minden-Lübbecke vorgegebene Hilfsfrist von zwölf Minuten. Allerdings gilt diese nicht, wenn die Rettung wie in diesem Fall aus einem anderen Kreisgebiet kommt. Entscheidend ist das Funkzellennetz Dass der Anruf von Sonntag im Kreis Lippe gelandet ist, ist kein Zufall. „Die Netzbetreiber routen die Notrufe für jede Funkzelle einer bestimmten Leitstelle zu", erklärt Sabine Ohnesorge. Das heißt, dass Anrufer aus dem Portaner Süden wahlweise eben in Lippe oder auch im kreis Schaumburg landen können, wenn Sie den Notruf 112 oder 110 wählen. Denn: „In angrenzenden Bereichen sind Teilnehmer aus beiden Bundesländern in einer Funkzelle." Zusammenarbeit nicht ungewöhnlich Anruf in Lippe, Bearbeitung in Minden, Rettungswagen aus Rinteln: Was für den Außenstehenden nach einem komplizierten Fall klingt, sei für die Disponenten der jeweiligen Leitstellen nichts ungewöhnliches, erklärt die Kreissprecherin: „Für alle Leitstellen gehört es zum Alltag, eng mit angrenzenden Leitstellen zusammenzuarbeiten, um auf dem schnellsten Weg den erforderlichen Einsatz zu disponieren." Das gelte vor allem für die Randbereiche. Auf welchem Weg der RTW nach Veltheim kam, dürfte dem verletzten Spieler wahrscheinlich ziemlich gleich gewesen sein. Dem geht es übrigens den Umständen entsprechend gut.

Notruf auf Umwegen: Warum ein Notfall aus Veltheim drei Rettungsleitstellen beschäftigt hat

Notruf in Veltheim: Ein verletzter Handballspieler braucht dringend Hilfe. Doch die zu organisieren, bedarf einiger Abstimmung von gleich drei Rettungsleitstellen in Lippe, Minden und des Kreises Schaumburg. Symbolfoto: MT-Archiv

Porta Westfalica-Veltheim. Sonntag, kurz nach 18 Uhr, eine halbe Stunde nach Anpfiff: Ein Handballer verletzt sich beim Spiel zwischen der HSG Porta und der HSG Werther-Borgholzhausen am Knie: Fraktur und Bänderriss – ein sehr schmerzhafter Sportunfall. Klar ist: Der Spieler braucht schnell ärztliche Hilfe. Ein Mitglied des Portaner Vereins wählt um 18.03 Uhr den Notruf 112. Es sind die ersten Minuten eines Notrufprotokolls, das gleich drei Rettungsleitstellen beschäftigt.

Der erste Anruf landet in Lippe

Am anderen Ende der Leitung meldet sich ein Mitarbeiter der Rettungsleitstelle. Aber nicht in Minden, sondern woanders. „Der Notruf ist – bedingt durch das Mobilfunknetz – in der Leitstelle Lippe eingegangen", erklärt Kreissprecherin Sabine Ohnesorge auf MT-Anfrage. Weil diese allerdings nicht primär für Notrufe aus dem Mühlenkreis zuständig ist, habe der Mitarbeiter kurz die Daten erfasst und dann den Anruf an die zuständige Leitstelle in Minden übergeben.


In dieser Zeit ist der Anrufer in eine kurze Warteschleife gekommen. Nicht aber, weil die Mindener Disponenten ein erhöhtes Notrufaufkommen abarbeiten mussten. „Der Disponent aus Lippe hat unserem Disponenten beim Übergabe-Gespräch die Daten, die er in der Leitstelle Lippe erhoben hatte, kurz mitgeteilt, damit keine Informationen verloren gehen. Anschließend hat er das Gespräch überstellt", erklärt Sabine Ohnesorge. Wichtig sei, dass Anrufer in solchen Fällen „auf gar keinen Fall auflegen" dürften, betont die Kreissprecherin.

Zweite Station: Minden – und es geht weiter

Der Anrufer aus der Sporthalle in Veltheim spricht mittlerweile mit der Rettungsleitstelle in Minden. „Der Disponent in unserer Leitstelle fragte den Notrufenden sicherheitshalber noch einmal kurz ab", erklärt Ohnesorge. Das Verletzungsmuster des Handballspielers ist jetzt klar. Auch der Notfallort ist geklärt. Und sicher ist auch: Der Verletzte braucht dringend einen Rettungswagen, der ihn schnell in ein nahe gelegenes Krankenhaus bringt. Gut, dass die Stadt Porta Westfalica eine eigene Rettungswache in Hausberge hat – eigentlich. „Dort befanden sich bereits beide Rettungswagen in anderen Einsätzen", sagt die Kreissprecherin nach Auswertung der Einsatzprotokolle. Der Disponent aus Minden holt die dritte Rettungsleitstelle mit ins Boot.

Rettung kommt aus dem Kreis Schaumburg

Anruf bei den Kollegen des Kreises Schaumburg. „In Fällen wie diesem unterstützen sich die Leitstellen beziehungsweise die Rettungswachen grundsätzlich immer untereinander", betont Sabine Ohnesorge. Auch der Kreis Minden-Lübbecke hilft bei Bedarf in anderen Wachkreisen aus. „Hier war es so, dass unser Disponent bei der Leitstelle Schaumburg anrief und fragte, ob der Rettungswagen im nahe gelegenen Rinteln verfügbar sei." Er ist verfügbar. Was für den Anrufenden mitunter gefühlt eine längere Zeit dauert, geht dank der guten Vernetzung der Leitstellen aber innerhalb kürzester Zeit. Zwischen dem Notruf auf Umwegen und dem Eintreffen des Rettungswagens an der Sporthalle in Veltheim liegen rund 25 Minuten. Damit überschreitet der Einsatz zwar deutlich die im Kreis Minden-Lübbecke vorgegebene Hilfsfrist von zwölf Minuten. Allerdings gilt diese nicht, wenn die Rettung wie in diesem Fall aus einem anderen Kreisgebiet kommt.

Entscheidend ist das Funkzellennetz

Dass der Anruf von Sonntag im Kreis Lippe gelandet ist, ist kein Zufall. „Die Netzbetreiber routen die Notrufe für jede Funkzelle einer bestimmten Leitstelle zu", erklärt Sabine Ohnesorge. Das heißt, dass Anrufer aus dem Portaner Süden wahlweise eben in Lippe oder auch im kreis Schaumburg landen können, wenn Sie den Notruf 112 oder 110 wählen. Denn: „In angrenzenden Bereichen sind Teilnehmer aus beiden Bundesländern in einer Funkzelle."

Zusammenarbeit nicht ungewöhnlich

Anruf in Lippe, Bearbeitung in Minden, Rettungswagen aus Rinteln: Was für den Außenstehenden nach einem komplizierten Fall klingt, sei für die Disponenten der jeweiligen Leitstellen nichts ungewöhnliches, erklärt die Kreissprecherin: „Für alle Leitstellen gehört es zum Alltag, eng mit angrenzenden Leitstellen zusammenzuarbeiten, um auf dem schnellsten Weg den erforderlichen Einsatz zu disponieren." Das gelte vor allem für die Randbereiche. Auf welchem Weg der RTW nach Veltheim kam, dürfte dem verletzten Spieler wahrscheinlich ziemlich gleich gewesen sein. Dem geht es übrigens den Umständen entsprechend gut.

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