Neue Lohfelder Kita-Chefin Alexandra Deppe: „Wir brauchen mehr Geduld“ Dirk Haunhorst Porta Westfalica-Lohfeld. Das Vogelgezwitscher scheint an diesem Dienstagvormittag besonders energisch zu sein. Vielleicht kommt das dem Besucher aber auch nur so vor, weil er kurz vor dem Kindergarten das Straßenschild „Vogelsang“ registriert hat. Wahrnehmungspsychologen könnten vermutlich mehr dazu sagen. Was jedoch ohne wissenschaftliche Expertise sicher ist: Der Lohfelder Kindergarten liegt ländlich, geradezu idyllisch. Das ist auch Alexandra Deppe sofort ausgefallen. „Ist das schön hier“, hat sich die Kita-Leiterin schon mehrmals gesagt, seit sie Anfang Mai ihre neue Stelle angetreten hat. Vier Wochen später endete die Ära Regina Rahlfs, die nach fast 42 Jahren Einsatz für den Kindergarten in den Ruhestand ging und ohne viel Tamtam verabschiedet werden wollte. Sie ist zurzeit noch ein paar Stunden pro Woche für den Kita-Träger – die Elternselbsthilfegemeinschaft – tätig. Das erleichtere ihr die Einarbeitung, sagt Alexandra Deppe. „Es ist ja alles komplett neu für mich.“ Noch hat sie nicht alle 96 Namen der Kinder parat. „Hallo Alex“, rufen die Mädchen und Jungen und manchmal steht die Angesprochene dann da und muss erstmal überlegen. „Einigen Eltern habe ich mich vermutlich schon zwei- oder dreimal vorgestellt“, sagt sie und lacht. Die „Neue“ hat dafür eine plausible Erklärung, denn wer kann schon hinter Mund-NasenSchutz immer zweifelsfrei die Person identifizieren. Nach schwierigen Monaten in der Pandemie entspannt sich die Situation für die Eltern allmählich. Das Betretungsverbot ist aufgehoben und der Betrieb seit dem 7. Juni nicht mehr eingeschränkt. „Wir sind komplett auf“, sagt Alexandra Deppe. Manche Eltern, deren Schützlinge vergangenen August in den Kindergarten kamen, haben vor einigen Tagen die Kita erstmals von innen gesehen. Es gibt wieder Anfragen nach Turnstunden und Angeboten des angeschlossenen Familienzentrums. Elternabende werden geplant, die Zeichen stehen auf Normalisierung. Vermutlich kein schlechter Zeitpunkt, um neu zu starten. Alexandra Deppe hat zuvor 27 Jahre lang im Integrativen Montessori-Kinderhaus in Bad Salzuflen gearbeitet, zuletzt als stellvertretende Kita-Leiterin. Auch dort hätte sie Chefin werden können. Aber es sei vermutlich im Sinne eines unverstellten Blicks ganz gut, wenn jemand, der eine Leitungsfunktion übernehmen wolle, von außen komme, meint Deppe, die in Bad Oeynhausen wohnt. Als die Gespräche mit den Verantwortlichen der Elternselbsthilfegemeinschaft in Lohfeld gut liefen, sei die Entscheidung rasch gefallen. Wenn nicht jetzt, wann dann? Auch diese sprichwörtliche Frage, die die Antwort gleichsam provoziert, habe eine Rolle gespielt, sagt die 48-Jährige. Wenn Alexandra Deppe ihre Ziele skizziert, spricht sie häufiger von einer Erziehungspartnerschaft aller Beteiligten. Besonders wichtig ist ihr, die Selbstständigkeit der Kinder zu fördern. Sie beobachtet, dass Erwachsene oftmals zu früh unterstützen wollen. „Wir helfen Kindern zu viel. Wir brauchen mehr Geduld, mehr Zeit, mehr Vertrauen.“ Kinder sollten mehr Gelegenheit haben, selbst etwas zu erforschen, selbst etwas zu erarbeiten. „Kinder wollen autonom werden. Sie sagen ja auch oft: Ich kann das alleine.“ Im Vordergrund der Kita-Arbeit stehe, Stärken zu fördern, anstatt ständig darauf zu gucken, was Kinder nicht können. An den Schwächen könne man nebenbei arbeiten. Auch die Förderung der Inklusionskinder liegt der neuen Leiterin am Herzen. In Bad Salzuflen habe sie stets in Gruppen mit vier bis fünf Inklusionskindern gearbeitet. Bei der Umsetzung ihrer pädagogischen Ziele dürfte Alexandra Deppe zugute kommen, dass sie einige Zusatzqualifikationen mitbringt. Sie ist Dozentin für Erwachsenenbildung, hat eine Zusatzausbildung in Psychomotorik und kennt sich auch mit Yoga für Kinder aus. Ihren Führungsstil beschreibt sie als „klar strukturiert, aber partnerschaftlich“. Besonders gut an ihrer neuen Wirkungsstätte gefällt der Kita-Leiterin das große Außengelände. Störend ist zurzeit die Baustelle an der Lohfelder Straße direkt vorm Kindergarten. Alexandra Deppe hofft, dass die Arbeiten Ende August erledigt sind. Dann dürften die Vögel noch besser zu hören sein.

Neue Lohfelder Kita-Chefin Alexandra Deppe: „Wir brauchen mehr Geduld“

Für die Kinder ist sie „Alex“: Alexandra Deppe leitet den Kindergarten der Elternselbsthilfegemeinschaft Lohfeld, nachdem ihre Vorgängerin Regina Rahlfs in den Ruhestand gegangen ist. Die „Neue“ schätzt an ihrer Wirkungsstätte vor allem das großzügige Außengelände.? MT-Foto: Dirk Haunhorst © dhaunhorst

Porta Westfalica-Lohfeld. Das Vogelgezwitscher scheint an diesem Dienstagvormittag besonders energisch zu sein. Vielleicht kommt das dem Besucher aber auch nur so vor, weil er kurz vor dem Kindergarten das Straßenschild „Vogelsang“ registriert hat. Wahrnehmungspsychologen könnten vermutlich mehr dazu sagen. Was jedoch ohne wissenschaftliche Expertise sicher ist: Der Lohfelder Kindergarten liegt ländlich, geradezu idyllisch. Das ist auch Alexandra Deppe sofort ausgefallen. „Ist das schön hier“, hat sich die Kita-Leiterin schon mehrmals gesagt, seit sie Anfang Mai ihre neue Stelle angetreten hat.

Vier Wochen später endete die Ära Regina Rahlfs, die nach fast 42 Jahren Einsatz für den Kindergarten in den Ruhestand ging und ohne viel Tamtam verabschiedet werden wollte. Sie ist zurzeit noch ein paar Stunden pro Woche für den Kita-Träger – die Elternselbsthilfegemeinschaft – tätig. Das erleichtere ihr die Einarbeitung, sagt Alexandra Deppe. „Es ist ja alles komplett neu für mich.“ Noch hat sie nicht alle 96 Namen der Kinder parat. „Hallo Alex“, rufen die Mädchen und Jungen und manchmal steht die Angesprochene dann da und muss erstmal überlegen. „Einigen Eltern habe ich mich vermutlich schon zwei- oder dreimal vorgestellt“, sagt sie und lacht. Die „Neue“ hat dafür eine plausible Erklärung, denn wer kann schon hinter Mund-NasenSchutz immer zweifelsfrei die Person identifizieren.

Nach schwierigen Monaten in der Pandemie entspannt sich die Situation für die Eltern allmählich. Das Betretungsverbot ist aufgehoben und der Betrieb seit dem 7. Juni nicht mehr eingeschränkt. „Wir sind komplett auf“, sagt Alexandra Deppe. Manche Eltern, deren Schützlinge vergangenen August in den Kindergarten kamen, haben vor einigen Tagen die Kita erstmals von innen gesehen. Es gibt wieder Anfragen nach Turnstunden und Angeboten des angeschlossenen Familienzentrums. Elternabende werden geplant, die Zeichen stehen auf Normalisierung. Vermutlich kein schlechter Zeitpunkt, um neu zu starten.


Alexandra Deppe hat zuvor 27 Jahre lang im Integrativen Montessori-Kinderhaus in Bad Salzuflen gearbeitet, zuletzt als stellvertretende Kita-Leiterin. Auch dort hätte sie Chefin werden können. Aber es sei vermutlich im Sinne eines unverstellten Blicks ganz gut, wenn jemand, der eine Leitungsfunktion übernehmen wolle, von außen komme, meint Deppe, die in Bad Oeynhausen wohnt. Als die Gespräche mit den Verantwortlichen der Elternselbsthilfegemeinschaft in Lohfeld gut liefen, sei die Entscheidung rasch gefallen. Wenn nicht jetzt, wann dann? Auch diese sprichwörtliche Frage, die die Antwort gleichsam provoziert, habe eine Rolle gespielt, sagt die 48-Jährige.

Wenn Alexandra Deppe ihre Ziele skizziert, spricht sie häufiger von einer Erziehungspartnerschaft aller Beteiligten. Besonders wichtig ist ihr, die Selbstständigkeit der Kinder zu fördern. Sie beobachtet, dass Erwachsene oftmals zu früh unterstützen wollen. „Wir helfen Kindern zu viel. Wir brauchen mehr Geduld, mehr Zeit, mehr Vertrauen.“ Kinder sollten mehr Gelegenheit haben, selbst etwas zu erforschen, selbst etwas zu erarbeiten. „Kinder wollen autonom werden. Sie sagen ja auch oft: Ich kann das alleine.“ Im Vordergrund der Kita-Arbeit stehe, Stärken zu fördern, anstatt ständig darauf zu gucken, was Kinder nicht können. An den Schwächen könne man nebenbei arbeiten. Auch die Förderung der Inklusionskinder liegt der neuen Leiterin am Herzen. In Bad Salzuflen habe sie stets in Gruppen mit vier bis fünf Inklusionskindern gearbeitet.

Bei der Umsetzung ihrer pädagogischen Ziele dürfte Alexandra Deppe zugute kommen, dass sie einige Zusatzqualifikationen mitbringt. Sie ist Dozentin für Erwachsenenbildung, hat eine Zusatzausbildung in Psychomotorik und kennt sich auch mit Yoga für Kinder aus. Ihren Führungsstil beschreibt sie als „klar strukturiert, aber partnerschaftlich“.

Besonders gut an ihrer neuen Wirkungsstätte gefällt der Kita-Leiterin das große Außengelände. Störend ist zurzeit die Baustelle an der Lohfelder Straße direkt vorm Kindergarten. Alexandra Deppe hofft, dass die Arbeiten Ende August erledigt sind. Dann dürften die Vögel noch besser zu hören sein.

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