Neeser Schnitzelhaus ist verkauft: Darum geben die Betreiber das Restaurant auf Sebastian Radermacher Porta Westfalica-Neesen. An den Schaukästen neben der Eingangstür steht es schwarz auf weiß: „Wir haben geschlossen“ und „Liebe Gäste, wir sind in Rente. Danke für die schöne Zeit.“ ist dort zu lesen. Das Neeser Schnitzelhaus, direkt an der Hausberger Straße in Porta gelegen, ist Geschichte. Am 14. Juni haben Horst und Monika Schwier zum letzten Mal Gäste in ihrem Restaurant begrüßt. „Zum 1. Juli haben wir das Haus verkauft“, berichtet Horst Schwier. Er hatte es 1997 bauen lassen und zunächst als „Pfeffermühle“ eröffnet. Zwischenzeitlich war es einige Jahre lang als Pizzeria verpachtet, ehe 2013 Schwier wieder selbst das Ruder übernahm und daraus das Schnitzelhaus machte. Frische Zutaten, alles selbst gekocht, ein gutes Preis/Leistungs-Verhältnis – das Konzept sei aufgegangen. „Darauf bin ich sehr stolz“, sagt der 66-Jährige. Bereits seit zwei Jahren hatten die Schwiers nach einem Nachfolger gesucht, erzählen sie. Sie führten Gespräche mit verschiedenen Interessenten, doch so richtig gepasst habe es nicht. Und als sie eigentlich das Thema Verkauf gedanklich wieder etwas zur Seite schieben wollten, sei dann alles ganz schnell gegangen: Kurz vor dem Corona-Shutdown im März habe man sich mit einem Interessenten über den Verkauf geeinigt – dann mussten Schwiers das Schnitzelhaus auf Anordnung der Landesregierung vorübergehend schließen. „Corona war definitiv nicht der Grund, das Schnitzelhaus zu verkaufen, hat den Zeitpunkt aber begünstigt“, sagt Horst Schwier. Seit der Eröffnung habe er den Umsatz im Schnitzelhaus jedes Jahr steigern können. Als Corona an Fahrt aufnahm, brachen die Einnahmen um 90 Prozent ein. Schwier ist sicher, dass das Schnitzelhaus die Krise überlebt hätte, doch letztendlich reifte in dieser Zeit der Entschluss, endgültig Nägel mit Köpfen zu machen. Die Mitarbeiter seien frühzeitig über die Überlegungen informiert worden, man habe immer mit offenen Karten gespielt. „Ich bin glücklich, dass ich diesen Schnitt jetzt machen konnte“, sagt er. Und seine Frau ergänzt mit Blick auf die coronabedingte, ungewisse Zukunft: „Natürlich sind wir froh, dass wir diese schwierige Zeit in der Gastronomie nicht mehr mitmachen müssen.“ In diesem Zusammenhang wehrt sich das Paar energisch gegen Gerüchte, wonach sie wegen Missachtung der Corona-Vorgaben das Schnitzelhaus hätten schließen müssen. „Das ist einfach falsch.“ Im Gespräch mit dem Ehepaar Schwier wird schnell deutlich, dass sie bei weitem nicht nur erleichtert sind, sondern dass auch eine ganze Menge Wehmut im Spiel ist. „Es waren sehr schöne Jahre. Natürlich gibt man das alles nicht so einfach auf. Wir gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt Monika Schwier. Ein Wunsch des Paares sei immer gewesen, einen Betreiber zu finden, der das Konzept übernehme und das Schnitzelhaus weiterführe. Ob der neue Besitzer auch in Zukunft an dem Standort auf Gastronomie setzt, wissen sie nicht. „Wir können nur sagen, dass der Käufer einen sehr guten Eindruck macht.“ Neuer Besitzer ist das Bauunternehmen Reimer aus Porta Westfalica. Welche Pläne es mit dem Haus hat, werde zu einem späteren Zeitpunkt mitgeteilt, teilt Geschäftsführer Jakob Reimer auf MT-Anfrage mit. Familie Schwier nutzte die vergangenen Tage für die letzte gründliche Reinigung in „ihrem“ Schnitzelhaus, Anfang nächster Woche ist Schlüsselübergabe. Was beide schade finden: „Wir konnten uns wegen Corona nicht von allen Gästen so verabschieden, wie wir das gerne gemacht hätten.“ Der 66-jährige und seine gleichaltrige Frau, mit der er seit 46 Jahren verheiratet ist, freuen sich auf die Rente. „Wir können endlich das machen, worauf wir Lust haben – und vor allem wann wir es möchten“, sagt Monika Schwier. In den vergangenen Jahren war das nicht möglich. Sieben Tage pro Woche hatte das Schnitzelhaus geöffnet, das Paar war stets mittendrin – sie in der Köche, er im Service. Freizeit gab es kaum. Wenn überhaupt, musste alles – vom Ausflug bis zur Geburtstagseinladung – bis ins Detail geplant werden. Das hat nun ein Ende. Es beginnt ein neuer, ganz anderer Lebensabschnitt.

Neeser Schnitzelhaus ist verkauft: Darum geben die Betreiber das Restaurant auf

Horst und Monika Schwier geben das Schnitzelhaus mit gemischten Gefühlen ab. MT- © Foto: Radermacher

Porta Westfalica-Neesen. An den Schaukästen neben der Eingangstür steht es schwarz auf weiß: „Wir haben geschlossen“ und „Liebe Gäste, wir sind in Rente. Danke für die schöne Zeit.“ ist dort zu lesen. Das Neeser Schnitzelhaus, direkt an der Hausberger Straße in Porta gelegen, ist Geschichte.

Am 14. Juni haben Horst und Monika Schwier zum letzten Mal Gäste in ihrem Restaurant begrüßt. „Zum 1. Juli haben wir das Haus verkauft“, berichtet Horst Schwier. Er hatte es 1997 bauen lassen und zunächst als „Pfeffermühle“ eröffnet. Zwischenzeitlich war es einige Jahre lang als Pizzeria verpachtet, ehe 2013 Schwier wieder selbst das Ruder übernahm und daraus das Schnitzelhaus machte. Frische Zutaten, alles selbst gekocht, ein gutes Preis/Leistungs-Verhältnis – das Konzept sei aufgegangen. „Darauf bin ich sehr stolz“, sagt der 66-Jährige.

1997 hatte Hort Schwier das Haus bauen lassen und dort zunächst die "Pfeffermühle" eröffnet. Zwischendurch war es als Pizzeria verpachtet, ehe Schwier 2013 daraus das "Neeser Schnitzelhaus" machte. MT- - © Foto: Sebastian Radermacher
1997 hatte Hort Schwier das Haus bauen lassen und dort zunächst die "Pfeffermühle" eröffnet. Zwischendurch war es als Pizzeria verpachtet, ehe Schwier 2013 daraus das "Neeser Schnitzelhaus" machte. MT- - © Foto: Sebastian Radermacher

Bereits seit zwei Jahren hatten die Schwiers nach einem Nachfolger gesucht, erzählen sie. Sie führten Gespräche mit verschiedenen Interessenten, doch so richtig gepasst habe es nicht. Und als sie eigentlich das Thema Verkauf gedanklich wieder etwas zur Seite schieben wollten, sei dann alles ganz schnell gegangen: Kurz vor dem Corona-Shutdown im März habe man sich mit einem Interessenten über den Verkauf geeinigt – dann mussten Schwiers das Schnitzelhaus auf Anordnung der Landesregierung vorübergehend schließen.

„Corona war definitiv nicht der Grund, das Schnitzelhaus zu verkaufen, hat den Zeitpunkt aber begünstigt“, sagt Horst Schwier. Seit der Eröffnung habe er den Umsatz im Schnitzelhaus jedes Jahr steigern können. Als Corona an Fahrt aufnahm, brachen die Einnahmen um 90 Prozent ein. Schwier ist sicher, dass das Schnitzelhaus die Krise überlebt hätte, doch letztendlich reifte in dieser Zeit der Entschluss, endgültig Nägel mit Köpfen zu machen. Die Mitarbeiter seien frühzeitig über die Überlegungen informiert worden, man habe immer mit offenen Karten gespielt. „Ich bin glücklich, dass ich diesen Schnitt jetzt machen konnte“, sagt er. Und seine Frau ergänzt mit Blick auf die coronabedingte, ungewisse Zukunft: „Natürlich sind wir froh, dass wir diese schwierige Zeit in der Gastronomie nicht mehr mitmachen müssen.“ In diesem Zusammenhang wehrt sich das Paar energisch gegen Gerüchte, wonach sie wegen Missachtung der Corona-Vorgaben das Schnitzelhaus hätten schließen müssen. „Das ist einfach falsch.“

Im Gespräch mit dem Ehepaar Schwier wird schnell deutlich, dass sie bei weitem nicht nur erleichtert sind, sondern dass auch eine ganze Menge Wehmut im Spiel ist. „Es waren sehr schöne Jahre. Natürlich gibt man das alles nicht so einfach auf. Wir gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt Monika Schwier.

Ein Wunsch des Paares sei immer gewesen, einen Betreiber zu finden, der das Konzept übernehme und das Schnitzelhaus weiterführe. Ob der neue Besitzer auch in Zukunft an dem Standort auf Gastronomie setzt, wissen sie nicht. „Wir können nur sagen, dass der Käufer einen sehr guten Eindruck macht.“ Neuer Besitzer ist das Bauunternehmen Reimer aus Porta Westfalica. Welche Pläne es mit dem Haus hat, werde zu einem späteren Zeitpunkt mitgeteilt, teilt Geschäftsführer Jakob Reimer auf MT-Anfrage mit.

Familie Schwier nutzte die vergangenen Tage für die letzte gründliche Reinigung in „ihrem“ Schnitzelhaus, Anfang nächster Woche ist Schlüsselübergabe. Was beide schade finden: „Wir konnten uns wegen Corona nicht von allen Gästen so verabschieden, wie wir das gerne gemacht hätten.“

Der 66-jährige und seine gleichaltrige Frau, mit der er seit 46 Jahren verheiratet ist, freuen sich auf die Rente. „Wir können endlich das machen, worauf wir Lust haben – und vor allem wann wir es möchten“, sagt Monika Schwier. In den vergangenen Jahren war das nicht möglich. Sieben Tage pro Woche hatte das Schnitzelhaus geöffnet, das Paar war stets mittendrin – sie in der Köche, er im Service. Freizeit gab es kaum. Wenn überhaupt, musste alles – vom Ausflug bis zur Geburtstagseinladung – bis ins Detail geplant werden. Das hat nun ein Ende. Es beginnt ein neuer, ganz anderer Lebensabschnitt.

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