Nammen: Viele gute Projekte und ein großes Problem Kurt Römming,Dirk Haunhorst Porta Westfalica-Nammen. Die Nammer sind auf ihre Dorfprojekte stolz. Nur beim größten Problem, das den Bürgerinnen und Bürgern unter den Nägeln brennt, geht es nicht voran: der Verbannung des Schwerlastverkehrs aus dem Ortskern. Stadt und Landesbetrieb Straßen NRW machen wenig Hoffnung, dass sich daran etwas ändert. Dabei hatte alles verheißungsvoll begonnen. 2016/17 baute die Stadt Gerds Diek aus, ständig wiederholt und vorrangig als Umgehungsstraße für die Brummis angekündigt, Länge 1,2 Kilometer, Kosten 1,1 Millionen Euro, mit 60 Prozent vom Land bezuschusst. Doch dann kam die Ernüchterung: Straßen NRW lehnte die Übernahme der stadteigenen Umgehung als Landesstraße im Tausch gegen die enge Ortsdurchfahrt mit vier rechtwinkligen Kurven auf weniger als 300 Metern ab. Begründung: Die neue Trasse erfülle wegen zu geringer Fahrbahnbreite und zu enger Einmündungen an der Straße Zur Porta (südlich) und der Rintelner Straße (nördlich) nicht die Kriterien einer Landesstraße. In Nammen ist man empört, dass die Stadt nicht einmal eine entsprechende Hinweisbeschilderung auf die vorhandene Umfahrung des Ortskernes geregelt bekommen hat. Dazu Karl-Heinz Daum, seit Jahren einer der Motoren der Dorfgemeinschaft: „Es fehlt der Wille, hier wird Behördenverdrossenheit geschürt." Es seien nur wenige Lkw, die täglich die Umleitung nehmen, berichten Anliegern. Im Portaner Rathaus widerspricht man dem Eindruck, bei Gerds Diek handele es sich um eine Umgehungsstraße des Landes NRW. „Vielmehr wurde von der Stadt Porta Westfalica eine Stadtstraße mit Fördermitteln des Landes unter Einhaltung der vorgeschriebenen Förderkriterien gebaut." Absicht war, den Ortskern von Nammen zu entlasten. Der Landesbetrieb Straßen NRW habe bereits bei Fertigstellung von Gerds Diek darauf hingewiesen, dass eine Beschilderung vom Landesbetrieb aus nicht erfolgen könne, da Gerds Diek nicht den Kriterien einer Landstraße entspreche. Und die eigenmächtige Beschilderung einer Landesstraße durch die Stadt sei nicht zulässig. Für Straßen NRW kommt eine Beschilderung, die Gerds Diek ausdrücklich als Lkw-Strecke ausweist, nicht infrage. Der Grund ist nicht einmal der rund ein Kilometer lange Streckenverlauf, der mit sechs Metern Breite so gerade an der unteren Grenze liegt, die für den Begegnungsverkehr von Lastwagen vertretbar erscheint. Knackpunkt sind nach Aussage von Pressesprecher Sven Johanning die zu engen Einmündungen auf die Straße Zur Porta (L 764) und die Rintelner Straße (L534). Erforderlich wären im Fall einer Aufwertung von Gerds Diek unter anderem Linksabbiegespuren auf beiden Landesstraßen, um dort Stau zu vermeiden. Die Kosten für den nötigen Umbau der Einmündungen müsste die Stadt übernehmen, weil sie der „Veranlasser" wäre, so Johanning. Doch abgesehen vom Geld fehle für einen Ausbau aufgrund der angrenzenden Bebauung sowie der Bahnlinie schlicht der Platz. Im Portaner Rathaus geht man davon aus, dass auch ohne Umwidmung und Beschilderung die Straße Gerds Diek „im Laufe der Zeit gut angenommen wird", zumal die örtlichen Unternehmen entsprechend informiert worden seien. Um sichere Aussagen treffen zu können, solle demnächst eine Verkehrszählung erfolgen. Lässt man diese „Dauerbaustelle" einmal beiseite, ist in Nammen in den vergangenen Jahren viel Gutes geschehen. 2013 herrschte noch große Niedergeschlagenheit, als die Grundschule geschlossen wurde und fast zeitgleich beide Bankinstitute ihre Filialen dichtmachten. Doch dann ging ein Ruck durch die Einwohnerschaft. Unternehmer Helmuth Kahl kaufte den Schulkomplex und stellte der Dorfgemeinschaft die ebenerdigen Klassenräume, den Schulhof und die Turnhalle kostenlos zur Verfügung. Unter der Trägerschaft des Heimatvereins wurde freitags die Doppelveranstaltung Dorftreff und Wochenmarkt auf die Beine gestellt – in der sechsten Saison jäh ausgebremst durch Corona. Für die Verwaltung der früheren Schulsporthalle gründete sich der Turnhallenverein. Für die Dorfgemeinschaft hatte der damalige Aufbruch Initialzündung und fand eine Fortsetzung in der Dorfwerkstatt. Zehn Projekte enthielt der Katalog, den die Nammer in einer Bürgerversammlung ausarbeiteten und in einer Prioritätenliste gewichteten. Themengruppen trafen sich, die mit der Unterstützung eines Planungsbüros die Probleme für das Dorfinnenentwicklungsprojekt (Diek) aufarbeiteten. Von der Stadt und der Bezirksregierung Detmold genehmigt, konnten die Initiatoren das Diek im Frühjahr 2017 übernehmen, die Fördersumme betrug 16.000 Euro. Parallel begannen verschiedene Teams mit der praktischen Arbeit und der Umsetzung der Ziele. Die in eigener Hand liegenden dorfeigenen Projekte sind inzwischen abgeschlossen. Aus dem Punkt 1 der Prioritätenliste, der Gestaltung des Ortskerns, im Diek als „Neue Mitte" bezeichnet, hat die Stadt kürzlich die Neupflasterung des Kapellenvorplatzes und Böhnen Gang mit Nebenarbeiten abgeschlossen (MT berichtete). Im Vorjahr konnte gegenüber der Kapelle der Dorfladen eröffnet werden, getragen vom Verein „Laurentiuslädchen" unter der Federführung von Heike Bünte. Um die 40 Ehrenamtliche sorgen für den Geschäftsbetrieb, unter Beachtung aller Auflagen auch in schwierigen Corona-Zeiten. Dem Dorfladen angegliedert ist das gut angenommene Dorfcafé, wegen der Pandemie zurzeit geschlossen. Auch das Dorfbüro mit der Aufgabe, die Nachbarschaftshilfe zu koordinieren, ist hier in einem separaten Raum zuhause. Die eingerichtete kleine Bücherei mit den zwei Standorten in der Schule und dem Dorfladen bietet die Möglichkeit zum Tauschen oder Ausleihen verschiedenster Literatur. Lars Theine hat mit Unterstützung des Fraunhofer-Instituts Bonn die Dorf-App „Aktuelles aus Nammen" eingerichtet. Das Team Kerstin Zahn und Ute Bulmahn stellte in einem neuen Rundwanderweg, ausgearbeitet für den Wandertourismus im heimischen Raum, die St. Laurentius-Kapelle, mit bald 500 Jahren Deutschlands älteste Kapelle in Reinfachwerk, als Anlaufpunkt besonders heraus. Der dem Tourismusverband zur Aufnahme in das Kartenwerk gemeldete Weg ist ausgeschildert und bereits ins Netz gestellt worden. Eine Elterninitiative übernahm den ehemals städtischen Kinderspielplatz im Kalksteinbruch an der Laurentiusstraße und möbelte ihn auf. Der neue Abenteuerspielplatz „Wolfsschlucht", unter anderem mit einer Seilbahn ausgestattet, bietet den Kindern viele Beschäftigungsmöglichkeiten. Als eines der Diek-Projekte initiierten die Feuerwehr-Oldies 2017/18 die Restaurierung des Ehrenmales am Friedhof für die Gefallenen und die Opfer des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Sie nahmen den Kapellenverein mit ins Boot und brachten für die Arbeiten 5.300 Euro an Spendengeldern zusammen.

Nammen: Viele gute Projekte und ein großes Problem

Lastwagen kurven durch die enge Ortsdurchfahrt, anstatt diese über die ausgebaute städtische Straße Gerds Diek zu umfahren. Anwohner werfen den Behörden Untätigkeit vor. Foto (Archiv): Kurt Römming © Römming

Porta Westfalica-Nammen. Die Nammer sind auf ihre Dorfprojekte stolz. Nur beim größten Problem, das den Bürgerinnen und Bürgern unter den Nägeln brennt, geht es nicht voran: der Verbannung des Schwerlastverkehrs aus dem Ortskern. Stadt und Landesbetrieb Straßen NRW machen wenig Hoffnung, dass sich daran etwas ändert.

Dabei hatte alles verheißungsvoll begonnen. 2016/17 baute die Stadt Gerds Diek aus, ständig wiederholt und vorrangig als Umgehungsstraße für die Brummis angekündigt, Länge 1,2 Kilometer, Kosten 1,1 Millionen Euro, mit 60 Prozent vom Land bezuschusst. Doch dann kam die Ernüchterung: Straßen NRW lehnte die Übernahme der stadteigenen Umgehung als Landesstraße im Tausch gegen die enge Ortsdurchfahrt mit vier rechtwinkligen Kurven auf weniger als 300 Metern ab. Begründung: Die neue Trasse erfülle wegen zu geringer Fahrbahnbreite und zu enger Einmündungen an der Straße Zur Porta (südlich) und der Rintelner Straße (nördlich) nicht die Kriterien einer Landesstraße.

Eines der Nammer Vorzeigeprojekte: der zentral gelegene Dorfladen, um den sich 40 Ehrenamtliche kümmern. Foto: Kurt Römming - © Römming
Eines der Nammer Vorzeigeprojekte: der zentral gelegene Dorfladen, um den sich 40 Ehrenamtliche kümmern. Foto: Kurt Römming - © Römming

In Nammen ist man empört, dass die Stadt nicht einmal eine entsprechende Hinweisbeschilderung auf die vorhandene Umfahrung des Ortskernes geregelt bekommen hat. Dazu Karl-Heinz Daum, seit Jahren einer der Motoren der Dorfgemeinschaft: „Es fehlt der Wille, hier wird Behördenverdrossenheit geschürt." Es seien nur wenige Lkw, die täglich die Umleitung nehmen, berichten Anliegern.

Im Portaner Rathaus widerspricht man dem Eindruck, bei Gerds Diek handele es sich um eine Umgehungsstraße des Landes NRW. „Vielmehr wurde von der Stadt Porta Westfalica eine Stadtstraße mit Fördermitteln des Landes unter Einhaltung der vorgeschriebenen Förderkriterien gebaut." Absicht war, den Ortskern von Nammen zu entlasten. Der Landesbetrieb Straßen NRW habe bereits bei Fertigstellung von Gerds Diek darauf hingewiesen, dass eine Beschilderung vom Landesbetrieb aus nicht erfolgen könne, da Gerds Diek nicht den Kriterien einer Landstraße entspreche. Und die eigenmächtige Beschilderung einer Landesstraße durch die Stadt sei nicht zulässig.

Für Straßen NRW kommt eine Beschilderung, die Gerds Diek ausdrücklich als Lkw-Strecke ausweist, nicht infrage. Der Grund ist nicht einmal der rund ein Kilometer lange Streckenverlauf, der mit sechs Metern Breite so gerade an der unteren Grenze liegt, die für den Begegnungsverkehr von Lastwagen vertretbar erscheint. Knackpunkt sind nach Aussage von Pressesprecher Sven Johanning die zu engen Einmündungen auf die Straße Zur Porta (L 764) und die Rintelner Straße (L534). Erforderlich wären im Fall einer Aufwertung von Gerds Diek unter anderem Linksabbiegespuren auf beiden Landesstraßen, um dort Stau zu vermeiden. Die Kosten für den nötigen Umbau der Einmündungen müsste die Stadt übernehmen, weil sie der „Veranlasser" wäre, so Johanning. Doch abgesehen vom Geld fehle für einen Ausbau aufgrund der angrenzenden Bebauung sowie der Bahnlinie schlicht der Platz.

Im Portaner Rathaus geht man davon aus, dass auch ohne Umwidmung und Beschilderung die Straße Gerds Diek „im Laufe der Zeit gut angenommen wird", zumal die örtlichen Unternehmen entsprechend informiert worden seien. Um sichere Aussagen treffen zu können, solle demnächst eine Verkehrszählung erfolgen.

Lässt man diese „Dauerbaustelle" einmal beiseite, ist in Nammen in den vergangenen Jahren viel Gutes geschehen. 2013 herrschte noch große Niedergeschlagenheit, als die Grundschule geschlossen wurde und fast zeitgleich beide Bankinstitute ihre Filialen dichtmachten. Doch dann ging ein Ruck durch die Einwohnerschaft. Unternehmer Helmuth Kahl kaufte den Schulkomplex und stellte der Dorfgemeinschaft die ebenerdigen Klassenräume, den Schulhof und die Turnhalle kostenlos zur Verfügung. Unter der Trägerschaft des Heimatvereins wurde freitags die Doppelveranstaltung Dorftreff und Wochenmarkt auf die Beine gestellt – in der sechsten Saison jäh ausgebremst durch Corona. Für die Verwaltung der früheren Schulsporthalle gründete sich der Turnhallenverein.

Für die Dorfgemeinschaft hatte der damalige Aufbruch Initialzündung und fand eine Fortsetzung in der Dorfwerkstatt. Zehn Projekte enthielt der Katalog, den die Nammer in einer Bürgerversammlung ausarbeiteten und in einer Prioritätenliste gewichteten. Themengruppen trafen sich, die mit der Unterstützung eines Planungsbüros die Probleme für das Dorfinnenentwicklungsprojekt (Diek) aufarbeiteten. Von der Stadt und der Bezirksregierung Detmold genehmigt, konnten die Initiatoren das Diek im Frühjahr 2017 übernehmen, die Fördersumme betrug 16.000 Euro.

Parallel begannen verschiedene Teams mit der praktischen Arbeit und der Umsetzung der Ziele. Die in eigener Hand liegenden dorfeigenen Projekte sind inzwischen abgeschlossen. Aus dem Punkt 1 der Prioritätenliste, der Gestaltung des Ortskerns, im Diek als „Neue Mitte" bezeichnet, hat die Stadt kürzlich die Neupflasterung des Kapellenvorplatzes und Böhnen Gang mit Nebenarbeiten abgeschlossen (MT berichtete).

Im Vorjahr konnte gegenüber der Kapelle der Dorfladen eröffnet werden, getragen vom Verein „Laurentiuslädchen" unter der Federführung von Heike Bünte. Um die 40 Ehrenamtliche sorgen für den Geschäftsbetrieb, unter Beachtung aller Auflagen auch in schwierigen Corona-Zeiten. Dem Dorfladen angegliedert ist das gut angenommene Dorfcafé, wegen der Pandemie zurzeit geschlossen. Auch das Dorfbüro mit der Aufgabe, die Nachbarschaftshilfe zu koordinieren, ist hier in einem separaten Raum zuhause. Die eingerichtete kleine Bücherei mit den zwei Standorten in der Schule und dem Dorfladen bietet die Möglichkeit zum Tauschen oder Ausleihen verschiedenster Literatur.

Lars Theine hat mit Unterstützung des Fraunhofer-Instituts Bonn die Dorf-App „Aktuelles aus Nammen" eingerichtet. Das Team Kerstin Zahn und Ute Bulmahn stellte in einem neuen Rundwanderweg, ausgearbeitet für den Wandertourismus im heimischen Raum, die St. Laurentius-Kapelle, mit bald 500 Jahren Deutschlands älteste Kapelle in Reinfachwerk, als Anlaufpunkt besonders heraus. Der dem Tourismusverband zur Aufnahme in das Kartenwerk gemeldete Weg ist ausgeschildert und bereits ins Netz gestellt worden.

Eine Elterninitiative übernahm den ehemals städtischen Kinderspielplatz im Kalksteinbruch an der Laurentiusstraße und möbelte ihn auf. Der neue Abenteuerspielplatz „Wolfsschlucht", unter anderem mit einer Seilbahn ausgestattet, bietet den Kindern viele Beschäftigungsmöglichkeiten.

Als eines der Diek-Projekte initiierten die Feuerwehr-Oldies 2017/18 die Restaurierung des Ehrenmales am Friedhof für die Gefallenen und die Opfer des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Sie nahmen den Kapellenverein mit ins Boot und brachten für die Arbeiten 5.300 Euro an Spendengeldern zusammen.

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