Namibia durch Kinderaugen: Erlebnisreiseführer wird zum Familienprojekt Dirk Haunhorst Porta Westfalica/Minden. Es gibt viele Reiseführer über Namibia, das „Aktive Erlebnis-Wandbuch“, an dem die Autoren zurzeit noch arbeiten, dürfte einzigartig sein. Sowohl der Herstellungsprozess als auch das Ergebnis sind außergewöhnlich. Es ist gleichermaßen Familien- und Benefizprojekt. Birgit Meier-Mundhenke und ihre Enkel Liv Janna Mundhenke (14) und Paul Caspar Laage (9) beschäftigen sich seit mehr als anderthalb Jahren mit den Inhalten. Begonnen hat alles mit einem Urlaub im „Blaumobil“ in der Lüneburger Heide. In einem umgebauten Zirkuswagen verbrachten Großmutter und Enkel gemeinsam Zeit und oft kam Meier-Mundhenke dieser Aufforderung von Liv und Paul nach: „Ommo, erzähl uns von Namibia.“ Die Oma erzählte, regte die Phantasie der Enkel an und das Schreiben und Malen an einem gemeinsamen Buch begann. Um Grafik und Design kümmerte sich Jan Herrmannsen, Livs Vater. Das Quartett ist gespannt auf die Resonanz der Zielgruppe. Das sind zunächst Kinder von fünf bis zwölf Jahren, Eltern und Pädagogen, aber dann auch alle Namibia-Fans und Naturfreunde. Birgit Meier-Mundhenke hofft, dass das 116 Seiten dicke Wandbuch spätestens im Sommer gedruckt wird, gleichsam als Jubiläumspräsent. Dann es ist 20 Jahre her, dass die Eisbergerin ihre Heimat in Richtung Namibia verließ und dort Hilfsprojekte ins Leben rief, um die sich seit 2005 der Verein „Pinocchio für Afrikas Kinder“ kümmert. Der Erlebnisreiseführer soll in einer Auflage von 500 Exemplaren erscheinen und 22,50 Euro kosten. Über den Preis habe es bereits Diskussionen mit den Enkeln geben, berichtet Meier-Mundhenke mit einem Schmunzeln. Die Kinder meinten, dass es günstiger sein sollte. Doch in dem Gemeinschaftswerk steckt viel Arbeit und Expertenwissen von ausgewiesenen Namibia-Kennern. Und so setzten sich jene Ratgeber durch, die meinten, dass Wertvolles etwas kosten müsse. Zumal der Erlös direkt Pinocchio-Projekten in Namibia zufließt. „Es ist ein Buch zum An-die-Wand-hängen und In-die-Hand-nehmen und zum Mitnehmen im Rucksack als interessanter Reisebegleiter während langer Strecken durch das Land.“ So lautet Meier-Mundhenkes Kurzbeschreibung. Namibia wird durch die Augen von Kindern betrachtet, die in tierischer Begleitung auf drei Routen durchs Land reisen und dabei Naturwunder und magische Orte erleben. Das Wandbuch bietet nicht nur Geschichten über Namibia, seine Menschen, unterschiedliche Kulturen und den Natur-, Arten- und Umweltschutz, sondern auch Spiele, Rätsel und – ganz zeitgemäß – einen QR-Code zum Weiterspielen auf der Website von Afrika Junior.Die Arbeit an einem solch vielseitigen Reiseführer erfordert Geduld. Nicht jede Idee lässt sich zu Papier bringen, die Recherche wichtiger Details nimmt oft mehr Zeit in Anspruch als gedacht und die Auswahl der passenden Fotos aus einer Fülle an fantastischen Namibia-Motiven fällt auch nicht leicht. Den langen Atem, den es für aufwendige Projekte braucht, hat Meier-Mundhenke sich in Namibia gewissermaßen antrainiert. „Manches läuft sehr schleppend“, sagt sie. Beispielsweise aktuell der von Pinocchio unterstützte Bau eines Lehrerwohnhauses im Norden Namibias. Das Gebäude ist wichtige Voraussetzung, um ausreichend Lehrkräfte für die dortige Vorschule mit 60 Kindern zu bekommen. Die Pädagogen reisen aus größerer Entfernung an und bleiben dann unter der Woche in dem Wohnhaus. Der Bau begann vor Corona, doch dann kam die Pandemie, es gab Probleme mit dem Bauunternehmen und zwischendurch fehlte plötzlich Zement.„63 Quadratmeter brauchen drei Jahre“,sagt Meier-Mundhenke mit einem Seufzer. Sie ist längst wieder in den Mühlenkreis zurückkehrt und lebt heute in Minden. Die Vereinsvorsitzende ist froh, dass Pinocchio ein Team Namibia hat, das am Ort versucht, die Dinge wieder in Gang zu bringen, wenn etwas ins Stocken geraten ist. So etwa beim Lehrerwohnhaus, an dem die Arbeiten inzwischen weitergehen und das möglichst diesen April fertig werden soll. Der Verein zahlt für das Gebäude umgerechnet 7.000 bis 8.000 Euro. Das ist mehr als ursprünglich kalkuliert. Corona hat vieles teurer gemacht. Mithilfe von Fundraising leisten auch die Einheimischen einen Beitrag. Pinocchio hat sich nie als bloßer Geldsammel- und Geldgeberverein verstanden. Hilfe zur Selbsthilfe lautete von Beginn an das Motto. So leiten beispielsweise zwei einheimische Frauen mit Vereinsunterstützung zwei wichtige pädagogische Einrichtungen in Windhoek: Cecilia kümmert sich um einen Kindergarten samt Suppenküche. Dort werden auch Hausaufgaben betreut und es gibt ein Kreativprojekt für Kindergarten-Mütter, die so etwas Geld verdienen können. Und Johanna betreut eine Vorschule („Rose Pre Primary School“), die nun mit zeitgemäßen sanitären Anlagen ausgestattet wurde, auf die die Leiterin besonders stolz ist. Der Kindergarten von Cecilia heißt übrigens „A little seed becomes a tree“ (Aus einem kleinen Samenkorn wird ein Baum). Die Saat für nachhaltige Hilfsprojekte in Namibia hat Birgit Meier-Mundhenke vor 20 Jahren gelegt. afrikaskinder.com Pinocchios Vorstandsteam

Namibia durch Kinderaugen: Erlebnisreiseführer wird zum Familienprojekt

Spektakuläre Fotomotive gibt es in Namibia in Hülle und Fülle, dieses Bild ist im Wandbuch enthalten. Der Pinguin ist treuer Begleiter der Kinder auf ihrer phantasievollen Abenteuerreise. Copyright: Claudia & Wynand du Plessis © privat

Porta Westfalica/Minden. Es gibt viele Reiseführer über Namibia, das „Aktive Erlebnis-Wandbuch“, an dem die Autoren zurzeit noch arbeiten, dürfte einzigartig sein. Sowohl der Herstellungsprozess als auch das Ergebnis sind außergewöhnlich. Es ist gleichermaßen Familien- und Benefizprojekt.

Birgit Meier-Mundhenke und ihre Enkel Liv Janna Mundhenke (14) und Paul Caspar Laage (9) beschäftigen sich seit mehr als anderthalb Jahren mit den Inhalten. Begonnen hat alles mit einem Urlaub im „Blaumobil“ in der Lüneburger Heide. In einem umgebauten Zirkuswagen verbrachten Großmutter und Enkel gemeinsam Zeit und oft kam Meier-Mundhenke dieser Aufforderung von Liv und Paul nach: „Ommo, erzähl uns von Namibia.“ Die Oma erzählte, regte die Phantasie der Enkel an und das Schreiben und Malen an einem gemeinsamen Buch begann. Um Grafik und Design kümmerte sich Jan Herrmannsen, Livs Vater. Das Quartett ist gespannt auf die Resonanz der Zielgruppe. Das sind zunächst Kinder von fünf bis zwölf Jahren, Eltern und Pädagogen, aber dann auch alle Namibia-Fans und Naturfreunde.

Birgit Meier-Mundhenke hofft, dass das 116 Seiten dicke Wandbuch spätestens im Sommer gedruckt wird, gleichsam als Jubiläumspräsent. Dann es ist 20 Jahre her, dass die Eisbergerin ihre Heimat in Richtung Namibia verließ und dort Hilfsprojekte ins Leben rief, um die sich seit 2005 der Verein „Pinocchio für Afrikas Kinder“ kümmert. Der Erlebnisreiseführer soll in einer Auflage von 500 Exemplaren erscheinen und 22,50 Euro kosten. Über den Preis habe es bereits Diskussionen mit den Enkeln geben, berichtet Meier-Mundhenke mit einem Schmunzeln. Die Kinder meinten, dass es günstiger sein sollte. Doch in dem Gemeinschaftswerk steckt viel Arbeit und Expertenwissen von ausgewiesenen Namibia-Kennern. Und so setzten sich jene Ratgeber durch, die meinten, dass Wertvolles etwas kosten müsse. Zumal der Erlös direkt Pinocchio-Projekten in Namibia zufließt.

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Patrick Schwemmling

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„Es ist ein Buch zum An-die-Wand-hängen und In-die-Hand-nehmen und zum Mitnehmen im Rucksack als interessanter Reisebegleiter während langer Strecken durch das Land.“ So lautet Meier-Mundhenkes Kurzbeschreibung. Namibia wird durch die Augen von Kindern betrachtet, die in tierischer Begleitung auf drei Routen durchs Land reisen und dabei Naturwunder und magische Orte erleben. Das Wandbuch bietet nicht nur Geschichten über Namibia, seine Menschen, unterschiedliche Kulturen und den Natur-, Arten- und Umweltschutz, sondern auch Spiele, Rätsel und – ganz zeitgemäß – einen QR-Code zum Weiterspielen auf der Website von Afrika Junior.

Die Arbeit an einem solch vielseitigen Reiseführer erfordert Geduld. Nicht jede Idee lässt sich zu Papier bringen, die Recherche wichtiger Details nimmt oft mehr Zeit in Anspruch als gedacht und die Auswahl der passenden Fotos aus einer Fülle an fantastischen Namibia-Motiven fällt auch nicht leicht. Den langen Atem, den es für aufwendige Projekte braucht, hat Meier-Mundhenke sich in Namibia gewissermaßen antrainiert. „Manches läuft sehr schleppend“, sagt sie. Beispielsweise aktuell der von Pinocchio unterstützte Bau eines Lehrerwohnhauses im Norden Namibias. Das Gebäude ist wichtige Voraussetzung, um ausreichend Lehrkräfte für die dortige Vorschule mit 60 Kindern zu bekommen. Die Pädagogen reisen aus größerer Entfernung an und bleiben dann unter der Woche in dem Wohnhaus. Der Bau begann vor Corona, doch dann kam die Pandemie, es gab Probleme mit dem Bauunternehmen und zwischendurch fehlte plötzlich Zement.

„63 Quadratmeter brauchen drei Jahre“,sagt Meier-Mundhenke mit einem Seufzer. Sie ist längst wieder in den Mühlenkreis zurückkehrt und lebt heute in Minden. Die Vereinsvorsitzende ist froh, dass Pinocchio ein Team Namibia hat, das am Ort versucht, die Dinge wieder in Gang zu bringen, wenn etwas ins Stocken geraten ist. So etwa beim Lehrerwohnhaus, an dem die Arbeiten inzwischen weitergehen und das möglichst diesen April fertig werden soll. Der Verein zahlt für das Gebäude umgerechnet 7.000 bis 8.000 Euro. Das ist mehr als ursprünglich kalkuliert. Corona hat vieles teurer gemacht. Mithilfe von Fundraising leisten auch die Einheimischen einen Beitrag.

Wichtiges Pinocchio-Projekt im Norden Nmibias: Die Arbeiten an einem Wohnhaus für Lehrer werden nach einiger Verzögerung nun fortgesetzt. Foto: privat - © dhaunhorst
Wichtiges Pinocchio-Projekt im Norden Nmibias: Die Arbeiten an einem Wohnhaus für Lehrer werden nach einiger Verzögerung nun fortgesetzt. Foto: privat - © dhaunhorst

Pinocchio hat sich nie als bloßer Geldsammel- und Geldgeberverein verstanden. Hilfe zur Selbsthilfe lautete von Beginn an das Motto. So leiten beispielsweise zwei einheimische Frauen mit Vereinsunterstützung zwei wichtige pädagogische Einrichtungen in Windhoek: Cecilia kümmert sich um einen Kindergarten samt Suppenküche. Dort werden auch Hausaufgaben betreut und es gibt ein Kreativprojekt für Kindergarten-Mütter, die so etwas Geld verdienen können. Und Johanna betreut eine Vorschule („Rose Pre Primary School“), die nun mit zeitgemäßen sanitären Anlagen ausgestattet wurde, auf die die Leiterin besonders stolz ist. Der Kindergarten von Cecilia heißt übrigens „A little seed becomes a tree“ (Aus einem kleinen Samenkorn wird ein Baum). Die Saat für nachhaltige Hilfsprojekte in Namibia hat Birgit Meier-Mundhenke vor 20 Jahren gelegt.

Liv verwandelt ihren Cousin Paul in einen Leoparden. Beide Kinder arbeiten intensiv an dem Buch mit. Foto: privat - © privat
Liv verwandelt ihren Cousin Paul in einen Leoparden. Beide Kinder arbeiten intensiv an dem Buch mit. Foto: privat - © privat

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