Nach tödlichem A2-Unfall: Gericht verurteilt Lkw-Fahrer zu Bewährungsstrafe Stefan Lyrath Porta Westfalica/Stadthagen (Ly). Zweieinhalb Jahre nach einem tödlichen Unfall auf der Autobahn 2 bei Lauenau hat das Amtsgericht Stadthagen gegen den Verursacher, einen Kraftfahrer (54) aus Polen, eine Freiheitsstrafe von acht Monaten verhängt, deren Vollstreckung aber zur Bewährung ausgesetzt. Der Schuldspruch lautet auf fahrlässige Tötung und Körperverletzung. „Es war ein Augenblicksversagen, ein Moment der Unachtsamkeit“, stellte Richter Kai Oliver Stumpe fest und sprach von einem „tragischen Fall, der sich so ähnlich wahrscheinlich im Wochenrhythmus auf deutschen Autobahnen abspielt“. Die Verkehrsdichte werde immer größer. 57-jähriges Todesopfer im Führerhaus zerquetscht Ein Lkw-Fahrer (57) eines Portaner Unternehmens war an jenem 29. Mai 2019 gegen 8 Uhr im Führerhaus zerquetscht worden. Der Mann aus Löhne und sein Beifahrer hatten in Höhe der Anschlussstelle Lauenau am Ende eines Staus gestanden, als der polnische 15-Tonner fast ungebremst ins Heck des Portaner Lastwagens krachte und diesen gegen einen Sattelzug drückte, der direkt davor hielt. Noch am Unfallort erlag der 57-jährige seinen Verletzungen. „Das Führerhaus war stark eingedrückt, da war nicht mehr viel übrig“, so eine Polizistin vor Gericht,Der Beifahrer des Todesopfers, ein 43-Jähriger aus Porta Westfalica, hat schwer verletzt überlebt. Er ist seit dem Unfall arbeitsunfähig. Hinter ihm liegen fünf Operationen. Durch den Aufprall hatte der Portaner unter anderem multiple Beinbrüche und eine Wirbelverletzung erlitten. Beim Prozess humpelte er in den Gerichtsaal. Unter Tränen entschuldigte sich der Angeklagte bei ihm, brachte aber keinen ganzen Satz hervor. „Das Wort Entschuldigung ist gefallen“, übersetzte ein Dolmetscher.15-Tonner wird zum tödlichen Geschoss Ein Gutachter kommt zu dem Schluss, dass der Schuldige zwischen 86 und 89 Stundenkilometer schnell gefahren ist. Erlaubt war an der Stelle Tempo 80. Um den Aufprall zu verhindern, hätte der Verursacher dem Gutachten zufolge 60 Meter früher bremsen müssen. Er hatte noch ein Ausweichmanöver eingeleitet und dabei seitlich einen weiteren Lkw gerammt, in dem ein Mann leicht verletzt wurde.„Wer einen 15-Tonner bewegt, dem kommt eine besondere Verantwortung zu“, betonte Richter Kai Oliver Stumpe. „Ein kleiner Fehler kann ein solches Gefährt zu einem tödlichen Geschoss machen.“ Ein Mann sei tot, der Beifahrer werde zeit seines Lebens erwerbsunfähig bleiben, so Stumpe weiter. „Deshalb ist es mit einer Geldstrafe nicht getan.“ Damit das Urteil nicht bloß auf dem Papier steht, muss der nicht vorbestrafte Angeklagte als Bewährungsauflage 500 Euro an das Rote Kreuz zahlen - viel Geld für einen polnischen Kraftfahrer. Nach der Straßenverkehrsordnung dürfen Verkehrsteilnehmer nur so schnell fahren, dass sie innerhalb ihres Sichtfeldes jederzeit anhalten können. Von grober Fahrlässigkeit geht Stumpe im Fall des Polen jedoch nicht aus. Verteidiger Ralf Jordan wies darauf hin, dass die Stelle ein Unfallschwerpunkt sei. „Der Unfall wird den Angeklagten sein ganzes Leben lang beschäftigen - genau wie die Hinterbliebenen des Verstorbenen“, glaubt Stumpe. Von einem Fahrverbot sah das Gericht ab, weil dies zweieinhalb Jahre nach dem Unfall keinen erzieherischen Wert mehr hätte. Eine Entziehung der Fahrerlaubnis kam nicht infrage, weil sich die dafür nötige Ungeeignetheit zum Führen von Kraftfahrzeugen heute nicht mehr feststellen lässt.

Nach tödlichem A2-Unfall: Gericht verurteilt Lkw-Fahrer zu Bewährungsstrafe

© Andrea Göttling

Porta Westfalica/Stadthagen (Ly). Zweieinhalb Jahre nach einem tödlichen Unfall auf der Autobahn 2 bei Lauenau hat das Amtsgericht Stadthagen gegen den Verursacher, einen Kraftfahrer (54) aus Polen, eine Freiheitsstrafe von acht Monaten verhängt, deren Vollstreckung aber zur Bewährung ausgesetzt.

Der Schuldspruch lautet auf fahrlässige Tötung und Körperverletzung. „Es war ein Augenblicksversagen, ein Moment der Unachtsamkeit“, stellte Richter Kai Oliver Stumpe fest und sprach von einem „tragischen Fall, der sich so ähnlich wahrscheinlich im Wochenrhythmus auf deutschen Autobahnen abspielt“. Die Verkehrsdichte werde immer größer.

57-jähriges Todesopfer im Führerhaus zerquetscht

Malina Reckordt

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Ein Lkw-Fahrer (57) eines Portaner Unternehmens war an jenem 29. Mai 2019 gegen 8 Uhr im Führerhaus zerquetscht worden. Der Mann aus Löhne und sein Beifahrer hatten in Höhe der Anschlussstelle Lauenau am Ende eines Staus gestanden, als der polnische 15-Tonner fast ungebremst ins Heck des Portaner Lastwagens krachte und diesen gegen einen Sattelzug drückte, der direkt davor hielt. Noch am Unfallort erlag der 57-jährige seinen Verletzungen. „Das Führerhaus war stark eingedrückt, da war nicht mehr viel übrig“, so eine Polizistin vor Gericht,

Der Beifahrer des Todesopfers, ein 43-Jähriger aus Porta Westfalica, hat schwer verletzt überlebt. Er ist seit dem Unfall arbeitsunfähig. Hinter ihm liegen fünf Operationen. Durch den Aufprall hatte der Portaner unter anderem multiple Beinbrüche und eine Wirbelverletzung erlitten. Beim Prozess humpelte er in den Gerichtsaal. Unter Tränen entschuldigte sich der Angeklagte bei ihm, brachte aber keinen ganzen Satz hervor. „Das Wort Entschuldigung ist gefallen“, übersetzte ein Dolmetscher.

15-Tonner wird zum tödlichen Geschoss

Ein Gutachter kommt zu dem Schluss, dass der Schuldige zwischen 86 und 89 Stundenkilometer schnell gefahren ist. Erlaubt war an der Stelle Tempo 80. Um den Aufprall zu verhindern, hätte der Verursacher dem Gutachten zufolge 60 Meter früher bremsen müssen. Er hatte noch ein Ausweichmanöver eingeleitet und dabei seitlich einen weiteren Lkw gerammt, in dem ein Mann leicht verletzt wurde.

„Wer einen 15-Tonner bewegt, dem kommt eine besondere Verantwortung zu“, betonte Richter Kai Oliver Stumpe. „Ein kleiner Fehler kann ein solches Gefährt zu einem tödlichen Geschoss machen.“ Ein Mann sei tot, der Beifahrer werde zeit seines Lebens erwerbsunfähig bleiben, so Stumpe weiter. „Deshalb ist es mit einer Geldstrafe nicht getan.“ Damit das Urteil nicht bloß auf dem Papier steht, muss der nicht vorbestrafte Angeklagte als Bewährungsauflage 500 Euro an das Rote Kreuz zahlen - viel Geld für einen polnischen Kraftfahrer.

Nach der Straßenverkehrsordnung dürfen Verkehrsteilnehmer nur so schnell fahren, dass sie innerhalb ihres Sichtfeldes jederzeit anhalten können. Von grober Fahrlässigkeit geht Stumpe im Fall des Polen jedoch nicht aus. Verteidiger Ralf Jordan wies darauf hin, dass die Stelle ein Unfallschwerpunkt sei. „Der Unfall wird den Angeklagten sein ganzes Leben lang beschäftigen - genau wie die Hinterbliebenen des Verstorbenen“, glaubt Stumpe. Von einem Fahrverbot sah das Gericht ab, weil dies zweieinhalb Jahre nach dem Unfall keinen erzieherischen Wert mehr hätte. Eine Entziehung der Fahrerlaubnis kam nicht infrage, weil sich die dafür nötige Ungeeignetheit zum Führen von Kraftfahrzeugen heute nicht mehr feststellen lässt.

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