Nach schweren Vorwürfen: Portas Ex-Bürgermeister Bernd Hedtmann ist seit fast einem Jahr Vermittler am Wittekindshof Sebastian Radermacher Porta Westfalica. Bernd Hedtmann genießt seinen Ruhestand, das wird im Gespräch mehr als deutlich. Morgens nach dem Aufstehen in Ruhe die Zeitung zu lesen anstatt – wie in seinem Job als Bürgermeister – bei strittigen Themen rund ums Stadtgeschehen am Frühstückstisch gedanklich bereits die ersten Gespräche und Stellungnahmen vorzubereiten. Jetzt hat er mehr Abstand, ist nicht mehr Chef im Portaner Rathaus, sondern einer von rund 36.000 Bürgern. Ganz ohne Trubel geht es bei Bernd Hedtmann aber auch im Ruhestand nicht. Das wurde bereits Anfang des Jahres deutlich, als er als neuer Ombudsmann des Kreises Minden-Lübbecke für die Diakonische Stiftung Wittekindshof vorgestellt wurde. Auf Anfrage vermittelt er in den rund 40 Einrichtungen im Kreisgebiet bei Meinungsverschiedenheiten, Problemen oder Konflikten zwischen Vertretern der Häuser und den Bewohnern beziehungsweise deren Angehörigen. Etwa 900 Menschen mit Eingliederungshilfebedarf leben in den Einrichtungen. In den vergangenen zehn Monaten habe er zahlreiche Gespräche geführt, berichtet Hedtmann rückblickend im jüngsten Sozialausschuss auf Kreisebene. Er tauschte sich zunächst mit dem Vorstand der Diakonischen Stiftung aus, sprach mit den sieben Geschäftsbereichsleitungen, mit Vertretern des Beschwerdemanagements, den Bewohnerbeiräten und dem Angehörigenbeirat. Dieser Dialog sei für ihn zum Start besonders wichtig gewesen, da die Gespräche die Grundlage für seine Arbeit seien. Was Hedtmann besonders freut: „Seit dem ersten Tag habe ich den Eindruck, dass ich in den Einrichtungen willkommen bin und nicht störe. Alle Seiten sind mir gegenüber sehr offen." Einer der Gründe für seine Bestellung als Ombudsmann waren die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Mitarbeiter des Wittekindshofes, da in der Vergangenheit mehrere Bewohner illegal fixiert worden sein sollen und dabei angeblich auch Reizgas eingesetzt wurde. Außerdem hatte die WTG-Behörde des Kreises (Heimaufsicht) in den Wittekindshof-Häusern mehrere Mängel festgestellt, welchen aber nur sehr wenig Beschwerden gegenüberstanden. Es sei ein „Missverhältnis" im Vergleich zu anderen Trägern deutlich geworden, hatte die Kreisverwaltung mitgeteilt. Wie das NRW-Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales sieht es auch der Kreis als wichtig an, einen Ansprechpartner vor Ort zu haben, der bei Problemen vermittelt. Eine Ombudsperson zu finden ist die eine Sache, die Arbeit und das niederschwellige Gesprächsangebot bekannt zu machen die andere. Und Letzteres ist gar nicht so leicht, wie Bernd Hedtmann rückblickend berichtet. Er besuchte Einrichtungen, gestaltete neue Beschwerdekarten in einfacher Sprache und dazugehörige Briefkästen zur Kontaktaufnahme, es gab Aushänge in den Häusern, Artikel in der Presse und in den Jahresheften des Wittekindshofes, außerdem Informationen und Kontaktmöglichkeiten auf den Internetseiten der Diakonischen Stiftung und des Kreises. Das Ziel ist klar definiert: „Die Menschen sollen mich kontaktieren, und zwar schnell. Vier bis sechs Wochen später bringt nichts", betont Hedtmann. Seit Mai hat sich der neue Ombudsmann mit 15 Fällen befasst. Es seien nicht nur Probleme geschildert, sondern in mehreren Fällen auch Anregungen formuliert worden. Neun Themen wurden über die neuen Beschwerdekarten an ihn herangetragen, vier Fälle über Angehörige, zwei Schreiben waren anonym. Was Hedtmann hebt in diesem Zusammenhang explizit hervor: „Es waren keine besonderen Vorfälle." Bei einigen Konfliktthemen habe er sensibel vorgehen müssen, doch die Mehrzahl der Fälle hätten mit den Hausleitungen abschließend geklärt werden können. „In einem Fall wurde als Ergebnis des Gespräches die individuelle Betreuung intensiviert." Zusammenfassend bilanziert der Schiedsmann: „Die Zusammenarbeit mit der Diakonischen Stiftung Wittekindshof ist auf allen Ebenen sehr gut." Das hebt im Ausschuss auch Andreas Hilgendorf (Kreis-Sozialamt) in seinem Bericht über die Arbeit WTG-Behörde hervor. Und er spricht von einer positiven Entwicklung in den Wittekindshof-Einrichtungen. Demnach habe sich ein großer Wandel vollzogen, zuletzt sei „nichts Gravierendes" festgestellt worden. Eines der Hauptziele für die nächsten Monate sieht Hedtmann in der Bekanntmachung des neuen Angebotes. Die Möglichkeit, ihn als Ombudsmann anzusprechen, müsse ständig beworben werden, um die Menschen dazu zu bewegen, sich bei Problemen zu melden und jemandem anzuvertrauen. Außerdem möchte er die Kontakte zu den Bewohnerbeiräten intensivieren und alle Einrichtungen besuchen. Eine regelmäßige Sprechstunde vor Ort sei wünschenswert, aber schwierig umsetzbar, da es schlichtweg zu viele Einrichtungen seien. Künftig will Hedtmann deshalb zum Beispiel in den Kontakt- und Informationszentren (KIZ) des Wittekindshofes präsent sein. Anke Marholdt vom zentralen Beschwerdemanagement des Wittekindshofes lobt Hedtmann für dessen ehrenamtliche Tätigkeit. Denn dadurch sei in den vergangenen Monaten das gesamte Beschwerdemanagement spürbar aufgeblüht, deutlich mehr Menschen würden nun den Kontakt suchen. „Das Klima hat sich geändert. Es gibt nun ein deutliches Signal, sich mit seinen Problemen zu melden. Bernd Hedtmann hat dazu enorm beigetragen", sagt Marholdt. „Auch wenn es in den Gesprächen dann nur um Kleinigkeiten geht, so ist dieser Austausch trotzdem wichtig, um Vertrauen aufzubauen." Wie viele Stunden er pro Woche für sein neues Ehrenamt aufbringt, kann Hedtmann nicht sagen. Mal muss er mehr Gespräche führen, mal weniger. Mal benötigt er zusätzliche Hintergrundinformationen, mal nicht. „Ich kann den Aufwand nicht pro Fall festmachen." Er achte immer darauf, in den Fällen von oben auf die Situation zu schauen, sich so einen guten Überblick zu verschaffen und eine Lösung herbeizuführen. Die Arbeit als Bürgermeister sei mittlerweile weit weg, erzählt Hedtmann. Und er vermisse sie auch nicht. Wobei die ersten Wochen nach dem Abschied aus dem Rathaus schon gewöhnungsbedürftig gewesen seien, wie er zugibt. Den neuen Alltag mit nun deutlich mehr Freizeit zu gestalten, habe er nämlich erst einmal „erlernen" müssen. „Ich habe mich zu Beginn dabei ertappt, wie ich bei der Gartenarbeit auf die Uhr schaute und unruhig wurde, ob ich das alles an dem Tag schaffen würde." Es dauerte einige Zeit, bis er sich an die Ruhe im Ruhestand gewöhnt hatte – zwischendurch einfach mal einen Kaffee trinken, statt ohne Unterbrechung den Rasen zu mähen. Auch den Spagat zwischen Freizeit und ehrenamtlichem Einsatz als Ombudsmann bekommt er gut hin, berichtet Hedtmann. „Ich kann viel von zu Hause aus machen und bin Herr meines Kalenders."

Nach schweren Vorwürfen: Portas Ex-Bürgermeister Bernd Hedtmann ist seit fast einem Jahr Vermittler am Wittekindshof

Bernd Hedtmann Foto: Dirk Haunhorst

Porta Westfalica. Bernd Hedtmann genießt seinen Ruhestand, das wird im Gespräch mehr als deutlich. Morgens nach dem Aufstehen in Ruhe die Zeitung zu lesen anstatt – wie in seinem Job als Bürgermeister – bei strittigen Themen rund ums Stadtgeschehen am Frühstückstisch gedanklich bereits die ersten Gespräche und Stellungnahmen vorzubereiten. Jetzt hat er mehr Abstand, ist nicht mehr Chef im Portaner Rathaus, sondern einer von rund 36.000 Bürgern.

Ganz ohne Trubel geht es bei Bernd Hedtmann aber auch im Ruhestand nicht. Das wurde bereits Anfang des Jahres deutlich, als er als neuer Ombudsmann des Kreises Minden-Lübbecke für die Diakonische Stiftung Wittekindshof vorgestellt wurde. Auf Anfrage vermittelt er in den rund 40 Einrichtungen im Kreisgebiet bei Meinungsverschiedenheiten, Problemen oder Konflikten zwischen Vertretern der Häuser und den Bewohnern beziehungsweise deren Angehörigen. Etwa 900 Menschen mit Eingliederungshilfebedarf leben in den Einrichtungen.

In den vergangenen zehn Monaten habe er zahlreiche Gespräche geführt, berichtet Hedtmann rückblickend im jüngsten Sozialausschuss auf Kreisebene. Er tauschte sich zunächst mit dem Vorstand der Diakonischen Stiftung aus, sprach mit den sieben Geschäftsbereichsleitungen, mit Vertretern des Beschwerdemanagements, den Bewohnerbeiräten und dem Angehörigenbeirat. Dieser Dialog sei für ihn zum Start besonders wichtig gewesen, da die Gespräche die Grundlage für seine Arbeit seien. Was Hedtmann besonders freut: „Seit dem ersten Tag habe ich den Eindruck, dass ich in den Einrichtungen willkommen bin und nicht störe. Alle Seiten sind mir gegenüber sehr offen."

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Patrick Schwemmling

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Einer der Gründe für seine Bestellung als Ombudsmann waren die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Mitarbeiter des Wittekindshofes, da in der Vergangenheit mehrere Bewohner illegal fixiert worden sein sollen und dabei angeblich auch Reizgas eingesetzt wurde. Außerdem hatte die WTG-Behörde des Kreises (Heimaufsicht) in den Wittekindshof-Häusern mehrere Mängel festgestellt, welchen aber nur sehr wenig Beschwerden gegenüberstanden. Es sei ein „Missverhältnis" im Vergleich zu anderen Trägern deutlich geworden, hatte die Kreisverwaltung mitgeteilt. Wie das NRW-Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales sieht es auch der Kreis als wichtig an, einen Ansprechpartner vor Ort zu haben, der bei Problemen vermittelt.

Eine Ombudsperson zu finden ist die eine Sache, die Arbeit und das niederschwellige Gesprächsangebot bekannt zu machen die andere. Und Letzteres ist gar nicht so leicht, wie Bernd Hedtmann rückblickend berichtet. Er besuchte Einrichtungen, gestaltete neue Beschwerdekarten in einfacher Sprache und dazugehörige Briefkästen zur Kontaktaufnahme, es gab Aushänge in den Häusern, Artikel in der Presse und in den Jahresheften des Wittekindshofes, außerdem Informationen und Kontaktmöglichkeiten auf den Internetseiten der Diakonischen Stiftung und des Kreises. Das Ziel ist klar definiert: „Die Menschen sollen mich kontaktieren, und zwar schnell. Vier bis sechs Wochen später bringt nichts", betont Hedtmann.

Seit Mai hat sich der neue Ombudsmann mit 15 Fällen befasst. Es seien nicht nur Probleme geschildert, sondern in mehreren Fällen auch Anregungen formuliert worden. Neun Themen wurden über die neuen Beschwerdekarten an ihn herangetragen, vier Fälle über Angehörige, zwei Schreiben waren anonym. Was Hedtmann hebt in diesem Zusammenhang explizit hervor: „Es waren keine besonderen Vorfälle." Bei einigen Konfliktthemen habe er sensibel vorgehen müssen, doch die Mehrzahl der Fälle hätten mit den Hausleitungen abschließend geklärt werden können. „In einem Fall wurde als Ergebnis des Gespräches die individuelle Betreuung intensiviert." Zusammenfassend bilanziert der Schiedsmann: „Die Zusammenarbeit mit der Diakonischen Stiftung Wittekindshof ist auf allen Ebenen sehr gut." Das hebt im Ausschuss auch Andreas Hilgendorf (Kreis-Sozialamt) in seinem Bericht über die Arbeit WTG-Behörde hervor. Und er spricht von einer positiven Entwicklung in den Wittekindshof-Einrichtungen. Demnach habe sich ein großer Wandel vollzogen, zuletzt sei „nichts Gravierendes" festgestellt worden.

Eines der Hauptziele für die nächsten Monate sieht Hedtmann in der Bekanntmachung des neuen Angebotes. Die Möglichkeit, ihn als Ombudsmann anzusprechen, müsse ständig beworben werden, um die Menschen dazu zu bewegen, sich bei Problemen zu melden und jemandem anzuvertrauen. Außerdem möchte er die Kontakte zu den Bewohnerbeiräten intensivieren und alle Einrichtungen besuchen. Eine regelmäßige Sprechstunde vor Ort sei wünschenswert, aber schwierig umsetzbar, da es schlichtweg zu viele Einrichtungen seien. Künftig will Hedtmann deshalb zum Beispiel in den Kontakt- und Informationszentren (KIZ) des Wittekindshofes präsent sein.

Anke Marholdt vom zentralen Beschwerdemanagement des Wittekindshofes lobt Hedtmann für dessen ehrenamtliche Tätigkeit. Denn dadurch sei in den vergangenen Monaten das gesamte Beschwerdemanagement spürbar aufgeblüht, deutlich mehr Menschen würden nun den Kontakt suchen. „Das Klima hat sich geändert. Es gibt nun ein deutliches Signal, sich mit seinen Problemen zu melden. Bernd Hedtmann hat dazu enorm beigetragen", sagt Marholdt. „Auch wenn es in den Gesprächen dann nur um Kleinigkeiten geht, so ist dieser Austausch trotzdem wichtig, um Vertrauen aufzubauen."

Wie viele Stunden er pro Woche für sein neues Ehrenamt aufbringt, kann Hedtmann nicht sagen. Mal muss er mehr Gespräche führen, mal weniger. Mal benötigt er zusätzliche Hintergrundinformationen, mal nicht. „Ich kann den Aufwand nicht pro Fall festmachen." Er achte immer darauf, in den Fällen von oben auf die Situation zu schauen, sich so einen guten Überblick zu verschaffen und eine Lösung herbeizuführen.

Die Arbeit als Bürgermeister sei mittlerweile weit weg, erzählt Hedtmann. Und er vermisse sie auch nicht. Wobei die ersten Wochen nach dem Abschied aus dem Rathaus schon gewöhnungsbedürftig gewesen seien, wie er zugibt. Den neuen Alltag mit nun deutlich mehr Freizeit zu gestalten, habe er nämlich erst einmal „erlernen" müssen. „Ich habe mich zu Beginn dabei ertappt, wie ich bei der Gartenarbeit auf die Uhr schaute und unruhig wurde, ob ich das alles an dem Tag schaffen würde." Es dauerte einige Zeit, bis er sich an die Ruhe im Ruhestand gewöhnt hatte – zwischendurch einfach mal einen Kaffee trinken, statt ohne Unterbrechung den Rasen zu mähen. Auch den Spagat zwischen Freizeit und ehrenamtlichem Einsatz als Ombudsmann bekommt er gut hin, berichtet Hedtmann. „Ich kann viel von zu Hause aus machen und bin Herr meines Kalenders."

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