Nach Kündigung: Abrissarbeiten auf ehemaligem Kraftwerksgelände unterbrochen Dirk Haunhorst Porta Westfalica-Veltheim. Die Abrissarbeiten auf dem ehemaliqen Kraftwerksgelände in Veltheim verzögern sich. Die Eigentümer-Gesellschaft des Areals habe den Vertrag mit der Fachfirma Ende September mit sofortiger Wirkung gekündigt. Das teilt Philipp Hausdörffer mit. Der Projektentwickler aus Minden ist für das Unternehmen tätig, das das Kraftwerksareal 2018 erworben hat. Das Abbruchunternehmen hat nach Darstellung von Hausdörffer zwei größere Schäden an Gebäuden verursacht, die erhalten bleiben sollen. Außerdem wichen die Arbeiten von den behördlich festgelegten Abrissplänen ab und es habe Probleme bei der Entsorgung gegeben. Ein Kontakt zur Firma zwecks Stellungnahme kam gestern nicht zustande. Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit Umweltschäden sowie im Umgang mit gesundheitsgefährdenden Stoffen habe es allerdings zu keinem Zeitpunkt gegeben, so Hausdörffer weiter. Der Kreis teilt dazu auf Anfrage mit, dass es in der Anfangszeit der Abbrucharbeiten zu Verzögerungen bei der Abfallentsorgung gekommen sei, da die seinerzeit beauftragte Firma die Abbruchabfälle nicht korrekt getrennt habe. Nach Intervention des Kreises und einer weiteren Aufbereitung seien die Abfälle in Abstimmung mit dem Umweltamt geordnet entsorgt worden. Die Abstimmung zwischen Projektentwickler und den beteiligten Behörden (Stadt, Kreis und Bezirksregierung) erfolge bei regelmäßigen Baubesprechungen. Und hinsichtlich des Umgangs mit gesundheitsgefährdenden Stoffen sei der Arbeitsschutz der Bezirksregierung eingebunden, schreibt der Kreis. Die Abbrucharbeiten ruhen aufgrund der Kündigung seit mehr als zwei Wochen. Die Eigentümer sind nun auf der Suche nach Abrissunternehmen Nummer 4. Es laufen Gespräche mit mehreren Firmen, berichtet Hausdörffer, wobei ein Unternehmen aufgrund der Referenzen und des Maschinenparks Favorit sei. Der Großteil des Rückbaus sei inzwischen erfolgt. Hausdörffer beziffert den Anteil auf überraschend hohe 85 Prozent bezogen auf die Anzahl der abgerissenen Gebäude, Maschinen und Förderanlagen. „Die Schornsteine mögen ja das Bild des Kraftwerks prägen, nehmen aber bei der Aufgabenstellung einen finalen und sehr kleinen Aufwand ein“, sagt Hausdörffer auf Nachfrage. Zu den Bauten, die weiter genutzt werden sollen, zählen Verwaltungstrakt, Werkstätten und Maschinenhalle. Die Planungen für die Umnutzung des Kraftwerksgeländes seien unter Beteiligung der zuständigen Behörden im Gange, so der Projektentwickler. Dies geschehe auch unter Berücksichtigung der Renaturierung des Buhnbaches, der wieder direkt an die Weser angeschlossen werden soll. Einig seien sich Eigentümer und Stadt, dass sich in Veltheim kein Logistikunternehmen niederlassen wird. Bei der Firmenansiedlung hätten die Schaffung von Arbeitsplätzen, der Naturschutz und der Nachhaltigkeitsgedanke Vorrang, so Hausdörffer. Bedingt durch Kommunalwahl und die damit verbundenen Änderungen im Stadtrat würden die Planungen wohl erst Anfang 2021 präsentiert. Der Projektentwickler bestätigte auf Nachfrage, dass die Entwicklungsgesellschaft, die das Areal vor zweieinhalb Jahren erworben hat, dieses weiterhin verkaufen will. Es gebe dazu konkrete Gespräche. Eigentümer und beteiligte Unternehmen hätten sich zu Stillschweigen verpflichtet. Das ehemalige Steinkohlekraftwerk machte nach seiner Stilllegung (2015) und dem Verkauf beinahe mehr Schlagzeilen als zuvor. Negativer Höhepunkt: der Großbrand im Juli 2019. Während der Rückbauarbeiten war das Innenleben einer Rauchgasentschwefelung in Brand geraten. In den folgenden Monaten gab es Differenzen zwischen Eigentümer-Gesellschaft sowie Politik und Verwaltung über die künftige Nutzung des Areals; zur Aufstellung eines Bebauungsplanes kam es bislang nicht. Christoph Sattler, Geschäftsführer der Entwicklungs-Gesellschaft GKW Veltheim mbH, äußerte den Wunsch, Wohnbebauung auf dem Kraftwerksgelände zuzulassen. Auch von Ferienhäusern war die Rede. Die Stadtverwaltung erteilte diesem Ansinnen bereits im vorigen Jahr eine klare Absage: „Aufgrund der dortigen Bebauung und des jahrzehntelangen Betriebes und der daraus folgenden typischen Altlasten ist die Fläche des ehemaligen Kraftwerks zwischen Umspannwerk, Kläranlage und Bahnlinie aus stadtplanerischer Sicht für eine solche Ansiedlung nicht geeignet“, lautete die Mitteilung aus dem Rathaus. Und eine Freizeitnutzung im Bereich des Hafenbeckens wäre aufgrund des Überschwemmungsgebiets nur eingeschränkt möglich. Die unterschiedlichen Verwertungsabsichten sind für den derzeitigen Eigentümer der wesentliche Grund für den beabsichtigten Verkauf des Areals. Das 40 Hektar große Areal hatte im alten Regionalplan die Zweckbindung „Kraftwerke und einschlägige Nebenbetriebe“. Da der Flächenumfang dafür nicht mehr benötigt wird, hat sich im Zuge der 35. Änderung des Regionalplans die Fläche auf ungefähr 12,5 Hektar im nördlichen Bereich reduziert. Darin enthalten ist südlich der Herrenwiesen neben dem vorhandenen Umspannwerk eine 3,5 Hektar große Fläche für Energieerzeugung, eventuell für Photovoltaik. Ein 15,5 Hektar großer Abschnitt zwischen Umspannwerk und Bahnlinie ist für Gewerbe-und Industrieflächen vorgesehen. Ungefähr zwölf Hektar zwischen Bahnlinie und Weser sind im Regionalplan als „allgemeiner Freiraum und Agrarbereich“ ausgewiesen. Landschaftsschutz, landschaftsorientierte Erholung und die Funktion als Überschwemmungsgebiet bilden die Schwerpunkte.

Nach Kündigung: Abrissarbeiten auf ehemaligem Kraftwerksgelände unterbrochen

Das ehemalige Kraftwerk Anfang Oktober 2020: Nach Mitteilung des Projektentwicklers ist ein Großteil der Abrissarbeiten erledigt. Die Riesenschornsteine stehen allerdings noch. MT-Foto: Dirk Haunhorst © Haunhorst

Porta Westfalica-Veltheim. Die Abrissarbeiten auf dem ehemaliqen Kraftwerksgelände in Veltheim verzögern sich. Die Eigentümer-Gesellschaft des Areals habe den Vertrag mit der Fachfirma Ende September mit sofortiger Wirkung gekündigt. Das teilt Philipp Hausdörffer mit. Der Projektentwickler aus Minden ist für das Unternehmen tätig, das das Kraftwerksareal 2018 erworben hat.

Das Abbruchunternehmen hat nach Darstellung von Hausdörffer zwei größere Schäden an Gebäuden verursacht, die erhalten bleiben sollen. Außerdem wichen die Arbeiten von den behördlich festgelegten Abrissplänen ab und es habe Probleme bei der Entsorgung gegeben. Ein Kontakt zur Firma zwecks Stellungnahme kam gestern nicht zustande.

Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit Umweltschäden sowie im Umgang mit gesundheitsgefährdenden Stoffen habe es allerdings zu keinem Zeitpunkt gegeben, so Hausdörffer weiter. Der Kreis teilt dazu auf Anfrage mit, dass es in der Anfangszeit der Abbrucharbeiten zu Verzögerungen bei der Abfallentsorgung gekommen sei, da die seinerzeit beauftragte Firma die Abbruchabfälle nicht korrekt getrennt habe. Nach Intervention des Kreises und einer weiteren Aufbereitung seien die Abfälle in Abstimmung mit dem Umweltamt geordnet entsorgt worden. Die Abstimmung zwischen Projektentwickler und den beteiligten Behörden (Stadt, Kreis und Bezirksregierung) erfolge bei regelmäßigen Baubesprechungen. Und hinsichtlich des Umgangs mit gesundheitsgefährdenden Stoffen sei der Arbeitsschutz der Bezirksregierung eingebunden, schreibt der Kreis.

Die Abbrucharbeiten ruhen aufgrund der Kündigung seit mehr als zwei Wochen. Die Eigentümer sind nun auf der Suche nach Abrissunternehmen Nummer 4. Es laufen Gespräche mit mehreren Firmen, berichtet Hausdörffer, wobei ein Unternehmen aufgrund der Referenzen und des Maschinenparks Favorit sei.

Der Großteil des Rückbaus sei inzwischen erfolgt. Hausdörffer beziffert den Anteil auf überraschend hohe 85 Prozent bezogen auf die Anzahl der abgerissenen Gebäude, Maschinen und Förderanlagen. „Die Schornsteine mögen ja das Bild des Kraftwerks prägen, nehmen aber bei der Aufgabenstellung einen finalen und sehr kleinen Aufwand ein“, sagt Hausdörffer auf Nachfrage. Zu den Bauten, die weiter genutzt werden sollen, zählen Verwaltungstrakt, Werkstätten und Maschinenhalle.

Die Planungen für die Umnutzung des Kraftwerksgeländes seien unter Beteiligung der zuständigen Behörden im Gange, so der Projektentwickler. Dies geschehe auch unter Berücksichtigung der Renaturierung des Buhnbaches, der wieder direkt an die Weser angeschlossen werden soll. Einig seien sich Eigentümer und Stadt, dass sich in Veltheim kein Logistikunternehmen niederlassen wird. Bei der Firmenansiedlung hätten die Schaffung von Arbeitsplätzen, der Naturschutz und der Nachhaltigkeitsgedanke Vorrang, so Hausdörffer. Bedingt durch Kommunalwahl und die damit verbundenen Änderungen im Stadtrat würden die Planungen wohl erst Anfang 2021 präsentiert.

Der Projektentwickler bestätigte auf Nachfrage, dass die Entwicklungsgesellschaft, die das Areal vor zweieinhalb Jahren erworben hat, dieses weiterhin verkaufen will. Es gebe dazu konkrete Gespräche. Eigentümer und beteiligte Unternehmen hätten sich zu Stillschweigen verpflichtet.

Das ehemalige Steinkohlekraftwerk machte nach seiner Stilllegung (2015) und dem Verkauf beinahe mehr Schlagzeilen als zuvor. Negativer Höhepunkt: der Großbrand im Juli 2019. Während der Rückbauarbeiten war das Innenleben einer Rauchgasentschwefelung in Brand geraten. In den folgenden Monaten gab es Differenzen zwischen Eigentümer-Gesellschaft sowie Politik und Verwaltung über die künftige Nutzung des Areals; zur Aufstellung eines Bebauungsplanes kam es bislang nicht. Christoph Sattler, Geschäftsführer der Entwicklungs-Gesellschaft GKW Veltheim mbH, äußerte den Wunsch, Wohnbebauung auf dem Kraftwerksgelände zuzulassen. Auch von Ferienhäusern war die Rede. Die Stadtverwaltung erteilte diesem Ansinnen bereits im vorigen Jahr eine klare Absage: „Aufgrund der dortigen Bebauung und des jahrzehntelangen Betriebes und der daraus folgenden typischen Altlasten ist die Fläche des ehemaligen Kraftwerks zwischen Umspannwerk, Kläranlage und Bahnlinie aus stadtplanerischer Sicht für eine solche Ansiedlung nicht geeignet“, lautete die Mitteilung aus dem Rathaus. Und eine Freizeitnutzung im Bereich des Hafenbeckens wäre aufgrund des Überschwemmungsgebiets nur eingeschränkt möglich. Die unterschiedlichen Verwertungsabsichten sind für den derzeitigen Eigentümer der wesentliche Grund für den beabsichtigten Verkauf des Areals.

Das 40 Hektar große Areal hatte im alten Regionalplan die Zweckbindung „Kraftwerke und einschlägige Nebenbetriebe“. Da der Flächenumfang dafür nicht mehr benötigt wird, hat sich im Zuge der 35. Änderung des Regionalplans die Fläche auf ungefähr 12,5 Hektar im nördlichen Bereich reduziert. Darin enthalten ist südlich der Herrenwiesen neben dem vorhandenen Umspannwerk eine 3,5 Hektar große Fläche für Energieerzeugung, eventuell für Photovoltaik.

Ein 15,5 Hektar großer Abschnitt zwischen Umspannwerk und Bahnlinie ist für Gewerbe-und Industrieflächen vorgesehen. Ungefähr zwölf Hektar zwischen Bahnlinie und Weser sind im Regionalplan als „allgemeiner Freiraum und Agrarbereich“ ausgewiesen. Landschaftsschutz, landschaftsorientierte Erholung und die Funktion als Überschwemmungsgebiet bilden die Schwerpunkte.

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