NRW-Landtagswahl: Kandidat Michael Müller (72) hält nichts vom Renterleben Thomas Lieske Porta Westfalica-Holzhausen. Vom Rentnerleben hält Michael Müller gar nichts. Der 72-Jährige könnte längst die Füße hochlegen. Nach vieljährigen Manager-Jobs bei Konzernen wie Johnson&Johnson oder Melitta, teilweise im Ausland, hat er ausgesorgt. Doch da ist diese Unruhe in ihm. Die Unruhe, sich nicht mit dem zufrieden geben zu können, was aktuell politisch läuft. Gern hätte er sich bereits im Bundestag eingebracht. Doch bei der Wahl im vorigen Jahr scheiterte er. Nun also die Landtagswahl. Für die Freien Wähler NRW versucht er einen neuen Anlauf, über den kommunalen Tellerrand hinaus etwas zu reißen. In Porta Westfalica ist er seit Jahren in der Wählergemeinschaft (WP) aktiv. Zuvor war er 2014 als unabhängiger Bürgermeisterkandidat angetreten. „Mir fehlt vor allem das nachhaltige Denken, wenn es um Infrastruktur geht", erklärt Müller, der verheiratet ist und drei Kinder hat. „Gebäude werden systematisch heruntergewirtschaftet, um sie anschließend durch Investoren neu bauen zu lassen", glaubt der Holzhauser. Und bei Straßenbauprojekten werde „nur noch geflickt". Als Diplom-Kaufmann ist ihm das alles zu kurz gedacht. „Wir brauchen nicht immer die große Lösung. Vieles liegt in den kleinen Dingen." Als Beispiel nennt Michael Müller den Job eines Grundschulhausmeisters. Der dürfe heutzutage nicht mal mehr einen Fliesenspiegel im Sanitärbereich reparieren. Stattdessen würden Firmen beauftragt, die dann mehr machen als eigentlich nötig. „Und trotzdem sieht es hinterher nicht gut aus, weil nicht mal die Farbe ausgebessert wird, kostet aber eine Menge Geld und ist nicht nachhaltig." So etwas lasse sich zwar auf Landesebene politisch nicht verändern und sei auch gar kein Thema für einen Landtag. Es stehe aber sinnbildlich für viele Prozesse in der kommunalen Wirtschaft. „An die Verwaltungen müssen wir ran", ist er überzeugt. Die Strukturen seien veraltet und dadurch würden Prozesse verlangsamt. „Die Bürger merken das und fühlen sich verschaukelt. Die Bürger sind unzufrieden", findet er. „Wenn ich mich einbringen will, dann mache ich das nicht für mich, sondern für andere." Wichtig sei es, sich überhaupt einzubringen. Michael Müller geht es um mehr Effizienz in Verwaltungsabläufen. „Der Bürger muss merken, dass das Land für ihn da ist." Das gilt aus seiner Sicht zum Beispiel für Straßenausbaubeiträge. Die jetzige Lösung sei Schummelei, „es besteht immer noch die Gefahr, dass Hausbesitzer durch einen Straßenausbau oder eine Sanierung in den finanziellen Ruin getrieben werden." Deshalb müssten die Ausbaubeiträge gänzlich und „ehrlich abgeschafft" werden. Unmöglich findet der Portaner auch, dass in NRW noch immer Kitagebühren gezahlt werden müssen, im Nachbarbundesland Niedersachsen hingegen gehe es auch ohne. Das sei ungerecht. „Und das ist nicht transparent". Sowieso sei Transparenz das große Thema. „Oft dringen Informationen überhaupt nicht nach außen. Aber wir brauchen bei allem maximale Öffentlichkeit", ist Müller überzeugt. Nur so könne Landespolitik ehrlich gestaltet werden – nämlich so, dass Bürger sie nachvollziehen können. Deshalb hat er sich vorgenommen, viele Prozesse zu hinterfragen. „Damit macht man sich nicht unbedingt Freunde. Aber darum geht es in der Politik auch gar nicht." Er scheue keine unbequemen Fragen – und habe das in der Vergangenheit auch während seiner politischen Arbeit in Porta Westfalica gezeigt. „Es geht darum, dass wir alle kritikfähiger werden." Deshalb ist Michael Müller immer auf der Suche nach Alternativen. Man müsse Ideen präsentieren, auf die kein anderer komme. Nicht immer das große Ding, man könne im Kleinen anfangen. Warum er sich das in seinem Alter noch antun will, werde er dabei oft gefragt. „Ich sage immer, es gibt Schlimmeres." Seine Position sei bequem, er habe nichts zu verlieren. „Ich will mich einbringen und nicht nur über die Dinge meckern. Ich will etwas bewegen." Seine Chancen? Die schätzt Michael Müller dennoch gering ein. Das hält ihn aber nicht davon ab, nach Bürgermeister-, Rats- und Bundestagskandidatur nun auch für den Landtag anzutreten.

NRW-Landtagswahl: Kandidat Michael Müller (72) hält nichts vom Renterleben

Der Holzhauser Michael Müller – hier beim MT-Podium zur Bundestagswahl – tritt für die Freien Wähler NRW an.
MT-Foto: Alex Lehn

Porta Westfalica-Holzhausen. Vom Rentnerleben hält Michael Müller gar nichts. Der 72-Jährige könnte längst die Füße hochlegen. Nach vieljährigen Manager-Jobs bei Konzernen wie Johnson&Johnson oder Melitta, teilweise im Ausland, hat er ausgesorgt. Doch da ist diese Unruhe in ihm. Die Unruhe, sich nicht mit dem zufrieden geben zu können, was aktuell politisch läuft. Gern hätte er sich bereits im Bundestag eingebracht. Doch bei der Wahl im vorigen Jahr scheiterte er. Nun also die Landtagswahl. Für die Freien Wähler NRW versucht er einen neuen Anlauf, über den kommunalen Tellerrand hinaus etwas zu reißen. In Porta Westfalica ist er seit Jahren in der Wählergemeinschaft (WP) aktiv. Zuvor war er 2014 als unabhängiger Bürgermeisterkandidat angetreten.

„Mir fehlt vor allem das nachhaltige Denken, wenn es um Infrastruktur geht", erklärt Müller, der verheiratet ist und drei Kinder hat. „Gebäude werden systematisch heruntergewirtschaftet, um sie anschließend durch Investoren neu bauen zu lassen", glaubt der Holzhauser. Und bei Straßenbauprojekten werde „nur noch geflickt". Als Diplom-Kaufmann ist ihm das alles zu kurz gedacht. „Wir brauchen nicht immer die große Lösung. Vieles liegt in den kleinen Dingen."

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Als Beispiel nennt Michael Müller den Job eines Grundschulhausmeisters. Der dürfe heutzutage nicht mal mehr einen Fliesenspiegel im Sanitärbereich reparieren. Stattdessen würden Firmen beauftragt, die dann mehr machen als eigentlich nötig. „Und trotzdem sieht es hinterher nicht gut aus, weil nicht mal die Farbe ausgebessert wird, kostet aber eine Menge Geld und ist nicht nachhaltig." So etwas lasse sich zwar auf Landesebene politisch nicht verändern und sei auch gar kein Thema für einen Landtag. Es stehe aber sinnbildlich für viele Prozesse in der kommunalen Wirtschaft.


„An die Verwaltungen müssen wir ran", ist er überzeugt. Die Strukturen seien veraltet und dadurch würden Prozesse verlangsamt. „Die Bürger merken das und fühlen sich verschaukelt. Die Bürger sind unzufrieden", findet er. „Wenn ich mich einbringen will, dann mache ich das nicht für mich, sondern für andere." Wichtig sei es, sich überhaupt einzubringen. Michael Müller geht es um mehr Effizienz in Verwaltungsabläufen. „Der Bürger muss merken, dass das Land für ihn da ist." Das gilt aus seiner Sicht zum Beispiel für Straßenausbaubeiträge. Die jetzige Lösung sei Schummelei, „es besteht immer noch die Gefahr, dass Hausbesitzer durch einen Straßenausbau oder eine Sanierung in den finanziellen Ruin getrieben werden." Deshalb müssten die Ausbaubeiträge gänzlich und „ehrlich abgeschafft" werden.

Unmöglich findet der Portaner auch, dass in NRW noch immer Kitagebühren gezahlt werden müssen, im Nachbarbundesland Niedersachsen hingegen gehe es auch ohne. Das sei ungerecht. „Und das ist nicht transparent". Sowieso sei Transparenz das große Thema. „Oft dringen Informationen überhaupt nicht nach außen. Aber wir brauchen bei allem maximale Öffentlichkeit", ist Müller überzeugt. Nur so könne Landespolitik ehrlich gestaltet werden – nämlich so, dass Bürger sie nachvollziehen können.

Deshalb hat er sich vorgenommen, viele Prozesse zu hinterfragen. „Damit macht man sich nicht unbedingt Freunde. Aber darum geht es in der Politik auch gar nicht." Er scheue keine unbequemen Fragen – und habe das in der Vergangenheit auch während seiner politischen Arbeit in Porta Westfalica gezeigt. „Es geht darum, dass wir alle kritikfähiger werden."

Deshalb ist Michael Müller immer auf der Suche nach Alternativen. Man müsse Ideen präsentieren, auf die kein anderer komme. Nicht immer das große Ding, man könne im Kleinen anfangen. Warum er sich das in seinem Alter noch antun will, werde er dabei oft gefragt. „Ich sage immer, es gibt Schlimmeres." Seine Position sei bequem, er habe nichts zu verlieren. „Ich will mich einbringen und nicht nur über die Dinge meckern. Ich will etwas bewegen." Seine Chancen? Die schätzt Michael Müller dennoch gering ein. Das hält ihn aber nicht davon ab, nach Bürgermeister-, Rats- und Bundestagskandidatur nun auch für den Landtag anzutreten.

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