Motten führen Schattendasein Erst Vortrag über Nachtfalter, dann Exkursion zur (leeren) Lichtfalle im Steinbruch Von Stefan Lyrath Porta Westfalica-Kleinenbremen (Ly). Auf Nachtfalter ist kein Verlass. Da steht im Steinbruch des Besucherbergwerks eine extra aufgebaute Lichtfalle mit zwei äußerst anziehenden Leuchtröhren. Und wer kommt nicht? Die Nachtfalter. Nur Fliegen und Mücken lassen sich sehen. Selber schuld. Die Nachtfalter, auch bekannt als Motten, wären von 20 neugierigen Menschen begeistert empfangen worden. Vor der spätabendlichen Exkursion zum Kleinenbremer Steinbruch hat der Schmetterlingsfachmann Martin Beeke auf Einladung des Vereins Naturschutz und Heimatpflege Porta (NHP) in der Hartingschen Mühle nämlich einen Vortrag gehalten und Lust auf mehr gemacht.Warum sich ausgerechnet an diesem Abend kein Falter blicken lässt, weiß trotz 30 Jahren Erfahrung nicht einmal der Experte. Es sei weder zu nass noch zu kalt, erklärt Martin Beeke (Stemwede). Fest steht: Dies ist nicht die Nacht der Nachtfalter, kaum Flattermänner unterwegs.Holger Hansing vom NHP könnte sich vorstellen, dass Fledermäuse die paar Motten geholt haben, wenn denn welche an der Lichtfalle waren. "Säugetiere sind lernfähig", erklärt er. "Und Fledermäuse patrouillieren sogar an Straßenlaternen." Am Rande: Verbrennen können Motten in der Lichtfalle nicht, weil die Röhren von engmaschigem Draht umgeben sind.Im Vergleich zu ihren Verwandten, den Tagfaltern, führen viele Nachtschmetterlinge eine Art Schattendasein. In Mitteleuropa leben rund 1140 Arten, im Kreis Minden-Lübbecke nach einer Schätzung Beekes etwa 400. Optisch wirken die meisten eher schmucklos, auch wenn heimische Nachtpfauenaugen oder knallbunte Ahorneulenraupen echte Hingucker sind. Mit spannenden Geschichten können jedoch auch die unscheinbaren Vertreter dienen.Der heimische Pappelschwärmer zum Beispiel lebt nur ein Jahr, überwiegend als Ei, Raupe und Puppe. Falter ist er bloß eine Woche lang. Doch die knappe Zeit wird konsequent genutzt: Zwölf Stunden dauert die Begattung. Männchen haben große Antennen, die Lockstoffe der Weibchen über Kilometer registrieren. Mit Fressen vergeuden die Tierchen keine Sekunde. Wie auch? Diese Falter haben keinen Saugrüssel, mit dem sie Nektar oder Baumsäfte schlabbern könnten.Andere Motten haben´s besser. Das Taubenschwänzchen etwa sieht aus wie ein Kolibri, steht im Flug vor der Blüte und schlürft mit seinem langen Rüssel Nektar. Und Schadspinner fressen ganze Bäume kahl, wenn sie massenhaft auftreten - zum Glück nicht hier, sondern weiter südlich. Vorsicht ist bei den dicken Raupen des weitverbreiteten Weidenbohrers geboten, die mit ihren kräftigen Beißwerken sogar Menschen verletzen können. Also: Finger weg!Übrigens: Einige Arten wie die Widderchen fliegen nur bei Sonnenschein, Nachtfalter hin oder her. Und andere fliegen, wann sie wollen.

Motten führen Schattendasein

Porta Westfalica-Kleinenbremen (Ly). Auf Nachtfalter ist kein Verlass. Da steht im Steinbruch des Besucherbergwerks eine extra aufgebaute Lichtfalle mit zwei äußerst anziehenden Leuchtröhren. Und wer kommt nicht? Die Nachtfalter. Nur Fliegen und Mücken lassen sich sehen.

Der Punker unter den Raupen: Die Ahorneulenraupe hat am ganzen Körper lange bunte Haare. - © Foto: privat
Der Punker unter den Raupen: Die Ahorneulenraupe hat am ganzen Körper lange bunte Haare. - © Foto: privat

Selber schuld. Die Nachtfalter, auch bekannt als Motten, wären von 20 neugierigen Menschen begeistert empfangen worden. Vor der spätabendlichen Exkursion zum Kleinenbremer Steinbruch hat der Schmetterlingsfachmann Martin Beeke auf Einladung des Vereins Naturschutz und Heimatpflege Porta (NHP) in der Hartingschen Mühle nämlich einen Vortrag gehalten und Lust auf mehr gemacht.

Vorsicht Falle: Holger Hansing vom Verein Naturschutz und Heimatpflege Porta mit der Lichtfalle, die im Steinbruch Nachtfalter anlocken sollte. - © Foto: Stefan Lyrath
Vorsicht Falle: Holger Hansing vom Verein Naturschutz und Heimatpflege Porta mit der Lichtfalle, die im Steinbruch Nachtfalter anlocken sollte. - © Foto: Stefan Lyrath

Warum sich ausgerechnet an diesem Abend kein Falter blicken lässt, weiß trotz 30 Jahren Erfahrung nicht einmal der Experte. Es sei weder zu nass noch zu kalt, erklärt Martin Beeke (Stemwede). Fest steht: Dies ist nicht die Nacht der Nachtfalter, kaum Flattermänner unterwegs.

Holger Hansing vom NHP könnte sich vorstellen, dass Fledermäuse die paar Motten geholt haben, wenn denn welche an der Lichtfalle waren. "Säugetiere sind lernfähig", erklärt er. "Und Fledermäuse patrouillieren sogar an Straßenlaternen." Am Rande: Verbrennen können Motten in der Lichtfalle nicht, weil die Röhren von engmaschigem Draht umgeben sind.

Im Vergleich zu ihren Verwandten, den Tagfaltern, führen viele Nachtschmetterlinge eine Art Schattendasein. In Mitteleuropa leben rund 1140 Arten, im Kreis Minden-Lübbecke nach einer Schätzung Beekes etwa 400. Optisch wirken die meisten eher schmucklos, auch wenn heimische Nachtpfauenaugen oder knallbunte Ahorneulenraupen echte Hingucker sind. Mit spannenden Geschichten können jedoch auch die unscheinbaren Vertreter dienen.

Der heimische Pappelschwärmer zum Beispiel lebt nur ein Jahr, überwiegend als Ei, Raupe und Puppe. Falter ist er bloß eine Woche lang. Doch die knappe Zeit wird konsequent genutzt: Zwölf Stunden dauert die Begattung. Männchen haben große Antennen, die Lockstoffe der Weibchen über Kilometer registrieren. Mit Fressen vergeuden die Tierchen keine Sekunde. Wie auch? Diese Falter haben keinen Saugrüssel, mit dem sie Nektar oder Baumsäfte schlabbern könnten.

Andere Motten haben´s besser. Das Taubenschwänzchen etwa sieht aus wie ein Kolibri, steht im Flug vor der Blüte und schlürft mit seinem langen Rüssel Nektar. Und Schadspinner fressen ganze Bäume kahl, wenn sie massenhaft auftreten - zum Glück nicht hier, sondern weiter südlich. Vorsicht ist bei den dicken Raupen des weitverbreiteten Weidenbohrers geboten, die mit ihren kräftigen Beißwerken sogar Menschen verletzen können. Also: Finger weg!

Übrigens: Einige Arten wie die Widderchen fliegen nur bei Sonnenschein, Nachtfalter hin oder her. Und andere fliegen, wann sie wollen.

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