Mit diesen fünf Varianten startet die Planung für den Bau einer ICE-Trasse - alle würden Porta durchkreuzen Thomas Lieske Porta Westfalica. Nachdem die Deutsche Bahn am Mittwochnachmittag den Planungsauftrag für eine neue ICE-Trasse zwischen Hannover und Bielefeld bestätigt hat, sind nun fünf mögliche Varianten für die Strecke durchgesickert. Sie stammen aus einem Papier des Bundesverkehrsministeriums, das dem MT vorliegt. Die Varianten reichen von Teil- bis Komplett-Neubau, von 1,9 bis 5,9 Milliarden Euro Baukosten. Und schon jetzt ist klar: Einige der Varianten können die Vorgaben des Bundes von 31 Minuten Fahrzeit zwischen den Knotenpunkten Hannover und Bielefeld nicht einhalten. Die fünf skizzierten Verläufe stammen von einem Gutachter. Weil sie grundsätzlich offenbar als machbar gelten, hat der Bund nun den Planungsauftrag an die Bahn vergeben, wie das MT aus internen Kreisen erfuhr. Ein Überblick: Zwei Gleise entlang der Autobahn 2 Als eine recht wahrscheinliche Variante gilt die Idee, eine ICE-Trasse mit zwei Gleisen zwischen Seelze und Brake bei Bielefeld an der A2 entlang zu bauen. Denn dort wären Geschwindigkeiten möglich, die die Fahrzeit von derzeit 49 auf 31 Minuten verkürzen könnten. Damit wäre die Vorgabe des Bundes im Planungsauftrag einzuhalten. Der Parlamentarische Staatssekretär Enak Ferlemann bezeichnete diese Variante schon 2016 als Vorzugstrasse. Denn so könnten vor allem die dicht besiedelten Gebiete rund um Minden und Porta zum großen Teil umgangen werden. Allerdings: Auch entlang der A2 gibt es in Porta immer wieder Wohnhäuser – Tunnel wären nötig, um nicht nur diese Bebauung zu umgehen, sondern auch, um das starke Gefälle der Autobahn im Bereich Porta abzufangen. Ob im Zweifel Häuser weichen müssten? Bahnsprecher Peter Mantik will dazu noch keine Aussage treffen. Nur so viel „Wir werden in der kommenden Woche ein Auftaktgespräch zur Information führen. Derzeit sind wir bei Stunde null." Auch das Naturschutzgebiet Schwatten Paul und ein großes Kiesabbaugebiet liegen an der A2. Die Autobahntrasse wäre zugleich mit 5,9 Millionen Euro die teuerste. Neubau Seelze-Brake mit Tunnelstrecken Als zweite Variante mit Potenzial, die Vorgaben einzuhalten, gilt ein zweigleisiger Neubau zwischen Seelze und Brake, der allerdings von der A2 losgekoppelt wäre. Stattdessen geht aus den Unterlagen hervor, dass die Trasse über Bückeburg nach Porta führen könnte – irgendwo durch den Jakobsberg. Insgesamt wären knapp 25 Kilometer Tunnel nötig wären. Fahrzeit: 31 Minuten, der ICE könnte auf 300 km/h beschleunigen. Wegen der vielen Tunnelstrecken gelten die 4,9 Milliarden Euro mögliche Baukosten als verhältnismäßig günstig. Ab Bad Oeynhausen auf Neubaustrecke Eine weitere Trassenvariante würde die Züge von Bielefeld bis Bad Oeynhausen auf der Bestandsstrecke entlangführen. Die Altstrecke soll ausgebaut werden. Erst dann soll ein Neubau ansetzen und über Porta Westfalica weiter ins Schaumburger Land führen. Auch hier wird eine Ertüchtigung der Bestandsstrecke zwischen Hannover und Minden ausgeschlossen. Kostenpunkt: 5,5 Milliarden Euro. Zeitfaktor: 34 Minuten. Damit wäre der Deutschlandtakt, der als Planungsgrundlage dienen soll, nicht einzuhalten. Zudem gelten die Kosten als verhältnismäßig hoch. Strecke Brake-Oeynhausen wird nicht ertüchtigt Variante vier ähnelt der dritten. Allerdings würden sich hier die Kosten auf 4,3 Milliarden Euro reduzieren, weil die Bahn in dieser Variante auf eine Ertüchtigung der Bestandsstrecke zwischen Brake und Bad Oeynhausen verzichten würde. Die Fahrzeit würde sich auf 37 Minuten erhöhen und liegt damit über der Zielvorgabe von 31 Minuten. Der Deutschlandtakt würde verfehlt. Umfahrung für Minden und Wunstorf Die fünfte Trassenidee wäre mit 1,9 Milliarden Euro die günstigste. Sie würde viele Teile der Bestandsstrecken nutzen. Allerdings: Ausgerechnet im Bereich Minden und Porta Westfalica wäre auch hier ein Teil-Neubau nötig. Denn die Planer errechnen eine Variante mit Umfahrungen unter anderem für Minden und Wunstorf, um zumindest ein wenig Beschleunigung herauszuholen. Die würde allerdings nur gering ausfallen: 40 Minuten Fahrzeit liegen eindeutig weit über der Zielvorgabe des Deutschlandtakts. Der Zug könnte auf 230 km/h beschleunigen. Grundsätzlich erklärt Bahnsprecher Mantik, bräuchten solche Bauprojekte „mindestens 20 Jahre". Und: Bei den geschätzten Baukosten für die Varianten handele es sich um Realkosten. Heißt: Sie sind so kalkuliert, dass das Bauprojekt morgen fertig wäre – ohne Berücksichtigung der derzeit enormen Baukostensteigerung. Experten gehen davon aus, dass das Neubauprojekt am Ende vermutlich sogar in den zweistelligen Milliardenbereich hineinreichen wird. Der Bürgerdialog der bereits im Januar starten soll, soll übrigens durch eine externe Person moderiert werden, heißt es von der Bahn. So wolle man Neutralität schaffen. Unsauberer Start Kommentar von Thomas Lieske Der Auftakt für das Bahnprojekt Fahrzeitverkürzung zwischen Hannover und Bielefeld scheint bereits jetzt vergiftet. Plötzlich sind fünf Trassenvarianten im Spiel – und keine davon berücksichtigt einen Ausbau der Bestandsstrecke bei Porta Westfalica. Zwar handelt es sich nur um Varianten, auf deren Grundlage das Verkehrsministerium die Planungen überhaupt für realistisch hält. Dennoch zeigt sich eine Tendenz, wenn in keiner der Verläufe ein trassennaher Ausbau angedacht wird. Wenn die Bahn diesen Zustand als Stunde null bezeichnet, klingt das zumindest unglücklich. Denn aus Sicht der Neubaugegner wirkt ein Planungsstart mit fünf Varianten nicht gerade ergebnisoffen, was die Stunde null aber suggeriert. Einen externen Moderator für den Bürgerdialog zu engagieren, ist ein richtiger Schritt. Allerdings gehört auch zu einem ehrlichen Bild, dass Absprachen in einem solchen Forum nicht gesetzlich bindend sind. Das hat der Dialog zur Alpha-E-Variante in Norddeutschland gezeigt. Bürger sind zurecht misstrauisch. Nun hilft es aber auch nicht, wenn sich Gegner der Neubautrasse nur auf diese fünf Varianten versteifen und schon jetzt davon ausgehen, dass der Bürgerdialog kein echter sein wird. Das wäre erstens genauso unsauber wie von einer Stunde null zu sprechen. Und zweitens besteht die Gefahr, dass sie den Anschluss an das Dialogforum verpassen. Das wird aber vermutlich die einzige reale Chance sein, am Prozess mitzuwirken. Denn für den Ausbau soll ein Gesetz die Grundlage bilden Und ist das erst einmal verabschiedet, wären Einsprüche nur noch vor dem zuständigen Bundesgericht möglich. Die Chancen kann sich jeder selbst ausmalen.

Mit diesen fünf Varianten startet die Planung für den Bau einer ICE-Trasse - alle würden Porta durchkreuzen

Mit 300 km/h durch Porta Westfalica? Szenarien wie solche sind spätestens seit Bekanntwerden erster Trassenideen für die Neubaustrecke nicht unwahrscheinlich. Im Januar beginnt der Bürgerdialog. Symbolfoto: imago images © imago images/Martin Bäuml Fotodesign

Porta Westfalica. Nachdem die Deutsche Bahn am Mittwochnachmittag den Planungsauftrag für eine neue ICE-Trasse zwischen Hannover und Bielefeld bestätigt hat, sind nun fünf mögliche Varianten für die Strecke durchgesickert. Sie stammen aus einem Papier des Bundesverkehrsministeriums, das dem MT vorliegt. Die Varianten reichen von Teil- bis Komplett-Neubau, von 1,9 bis 5,9 Milliarden Euro Baukosten. Und schon jetzt ist klar: Einige der Varianten können die Vorgaben des Bundes von 31 Minuten Fahrzeit zwischen den Knotenpunkten Hannover und Bielefeld nicht einhalten. Die fünf skizzierten Verläufe stammen von einem Gutachter. Weil sie grundsätzlich offenbar als machbar gelten, hat der Bund nun den Planungsauftrag an die Bahn vergeben, wie das MT aus internen Kreisen erfuhr. Ein Überblick:

Zwei Gleise entlang der Autobahn 2

Als eine recht wahrscheinliche Variante gilt die Idee, eine ICE-Trasse mit zwei Gleisen zwischen Seelze und Brake bei Bielefeld an der A2 entlang zu bauen. Denn dort wären Geschwindigkeiten möglich, die die Fahrzeit von derzeit 49 auf 31 Minuten verkürzen könnten. Damit wäre die Vorgabe des Bundes im Planungsauftrag einzuhalten. Der Parlamentarische Staatssekretär Enak Ferlemann bezeichnete diese Variante schon 2016 als Vorzugstrasse. Denn so könnten vor allem die dicht besiedelten Gebiete rund um Minden und Porta zum großen Teil umgangen werden. Allerdings: Auch entlang der A2 gibt es in Porta immer wieder Wohnhäuser – Tunnel wären nötig, um nicht nur diese Bebauung zu umgehen, sondern auch, um das starke Gefälle der Autobahn im Bereich Porta abzufangen. Ob im Zweifel Häuser weichen müssten? Bahnsprecher Peter Mantik will dazu noch keine Aussage treffen. Nur so viel „Wir werden in der kommenden Woche ein Auftaktgespräch zur Information führen. Derzeit sind wir bei Stunde null." Auch das Naturschutzgebiet Schwatten Paul und ein großes Kiesabbaugebiet liegen an der A2. Die Autobahntrasse wäre zugleich mit 5,9 Millionen Euro die teuerste.

Neubau Seelze-Brake mit Tunnelstrecken

Als zweite Variante mit Potenzial, die Vorgaben einzuhalten, gilt ein zweigleisiger Neubau zwischen Seelze und Brake, der allerdings von der A2 losgekoppelt wäre. Stattdessen geht aus den Unterlagen hervor, dass die Trasse über Bückeburg nach Porta führen könnte – irgendwo durch den Jakobsberg. Insgesamt wären knapp 25 Kilometer Tunnel nötig wären. Fahrzeit: 31 Minuten, der ICE könnte auf 300 km/h beschleunigen. Wegen der vielen Tunnelstrecken gelten die 4,9 Milliarden Euro mögliche Baukosten als verhältnismäßig günstig.

Ab Bad Oeynhausen auf Neubaustrecke

Eine weitere Trassenvariante würde die Züge von Bielefeld bis Bad Oeynhausen auf der Bestandsstrecke entlangführen. Die Altstrecke soll ausgebaut werden. Erst dann soll ein Neubau ansetzen und über Porta Westfalica weiter ins Schaumburger Land führen. Auch hier wird eine Ertüchtigung der Bestandsstrecke zwischen Hannover und Minden ausgeschlossen. Kostenpunkt: 5,5 Milliarden Euro. Zeitfaktor: 34 Minuten. Damit wäre der Deutschlandtakt, der als Planungsgrundlage dienen soll, nicht einzuhalten. Zudem gelten die Kosten als verhältnismäßig hoch.

Strecke Brake-Oeynhausen wird nicht ertüchtigt

Variante vier ähnelt der dritten. Allerdings würden sich hier die Kosten auf 4,3 Milliarden Euro reduzieren, weil die Bahn in dieser Variante auf eine Ertüchtigung der Bestandsstrecke zwischen Brake und Bad Oeynhausen verzichten würde. Die Fahrzeit würde sich auf 37 Minuten erhöhen und liegt damit über der Zielvorgabe von 31 Minuten. Der Deutschlandtakt würde verfehlt.

Umfahrung für Minden und Wunstorf

Die fünfte Trassenidee wäre mit 1,9 Milliarden Euro die günstigste. Sie würde viele Teile der Bestandsstrecken nutzen. Allerdings: Ausgerechnet im Bereich Minden und Porta Westfalica wäre auch hier ein Teil-Neubau nötig. Denn die Planer errechnen eine Variante mit Umfahrungen unter anderem für Minden und Wunstorf, um zumindest ein wenig Beschleunigung herauszuholen. Die würde allerdings nur gering ausfallen: 40 Minuten Fahrzeit liegen eindeutig weit über der Zielvorgabe des Deutschlandtakts. Der Zug könnte auf 230 km/h beschleunigen.

Grundsätzlich erklärt Bahnsprecher Mantik, bräuchten solche Bauprojekte „mindestens 20 Jahre". Und: Bei den geschätzten Baukosten für die Varianten handele es sich um Realkosten. Heißt: Sie sind so kalkuliert, dass das Bauprojekt morgen fertig wäre – ohne Berücksichtigung der derzeit enormen Baukostensteigerung. Experten gehen davon aus, dass das Neubauprojekt am Ende vermutlich sogar in den zweistelligen Milliardenbereich hineinreichen wird. Der Bürgerdialog der bereits im Januar starten soll, soll übrigens durch eine externe Person moderiert werden, heißt es von der Bahn. So wolle man Neutralität schaffen.

Unsauberer Start

Kommentar von Thomas Lieske

Der Auftakt für das Bahnprojekt Fahrzeitverkürzung zwischen Hannover und Bielefeld scheint bereits jetzt vergiftet. Plötzlich sind fünf Trassenvarianten im Spiel – und keine davon berücksichtigt einen Ausbau der Bestandsstrecke bei Porta Westfalica. Zwar handelt es sich nur um Varianten, auf deren Grundlage das Verkehrsministerium die Planungen überhaupt für realistisch hält. Dennoch zeigt sich eine Tendenz, wenn in keiner der Verläufe ein trassennaher Ausbau angedacht wird.

Wenn die Bahn diesen Zustand als Stunde null bezeichnet, klingt das zumindest unglücklich. Denn aus Sicht der Neubaugegner wirkt ein Planungsstart mit fünf Varianten nicht gerade ergebnisoffen, was die Stunde null aber suggeriert.

Einen externen Moderator für den Bürgerdialog zu engagieren, ist ein richtiger Schritt. Allerdings gehört auch zu einem ehrlichen Bild, dass Absprachen in einem solchen Forum nicht gesetzlich bindend sind. Das hat der Dialog zur Alpha-E-Variante in Norddeutschland gezeigt. Bürger sind zurecht misstrauisch.

Nun hilft es aber auch nicht, wenn sich Gegner der Neubautrasse nur auf diese fünf Varianten versteifen und schon jetzt davon ausgehen, dass der Bürgerdialog kein echter sein wird. Das wäre erstens genauso unsauber wie von einer Stunde null zu sprechen. Und zweitens besteht die Gefahr, dass sie den Anschluss an das Dialogforum verpassen. Das wird aber vermutlich die einzige reale Chance sein, am Prozess mitzuwirken. Denn für den Ausbau soll ein Gesetz die Grundlage bilden Und ist das erst einmal verabschiedet, wären Einsprüche nur noch vor dem zuständigen Bundesgericht möglich. Die Chancen kann sich jeder selbst ausmalen.

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