Mit dem Velomobil quer durch Amerika Andreas Prasuhn aus Eisbergen war Teilnehmer bei der ersten Roll-Over-America-Tour / "Enormes Wohlgefühl" Von Claudia Hyna Porta Westfalica-Eisbergen (mt). Wo andere erschöpft aus dem Sattel fallen, beginnt für Firmenchef Andreas Prasuhn die Erholung. Er hat Amerika mit dem Velomobil von Küste zu Küste durchquert. "Jetzt bin ich wieder voller Energie", sagt der Eisberger. Noch nie von einem Velomobil gehört? Velomobile sind verkleidete Liegeräder, es gibt sie schon seit etwa 20 Jahren, vor allem in den Niederlanden sind sie beliebt. In Deutschland hingegen sind die Fahrzeuge nicht zuletzt wegen des hohen Preises ein exotisches Vergnügen.Prasuhn liebt Zweiräder und sammelt sie auch. Vor einigen Jahren fuhr er mit dem Motorrad noch Rennen, heute besitzt er Rennräder, Mountainbikes und seit Neuestem auch zwei Velomobile. Auf dem Zweirad findet er seinen Ausgleich zu seiner Arbeit als Inhaber der Firma APE in Holtrup.Als ihm ein Kollege seiner Mountainbikegruppe "Die Süntelbiker" von der Radtour quer durch Amerika erzählte, sagte der Ingenieur spontan zu. Bis vor fünf Jahren wäre ihm das noch nicht passiert. "Eigentlich bin ich nicht reiselustig, fuhr früher maximal bis zur Ostsee." Das änderte sich, als seine Tochter nach dem Abitur nach Neuseeland ging. Aus einer geplanten vierwöchigen Reise machte der Vater dann fast drei Monate.Und jetzt Amerika. Die Rollover America Tour fand zum ersten Mal statt und war von langer Hand geplant. Start war Ende Juli an der Pazifikküste in Portland, von da ging es über 5500 Kilometer bis zur Atlantikküste nach Washington, Ankunft 26. August. 60 Teilnehmer gingen an den Start, davon 30 Europäer, der Rest waren Amerikaner. Der älteste Teilnehmer war 75, der jüngste 29 Jahre alt, Andreas Prasuhn lag mit seinen 54 Jahren gut im Mittelfeld. Die einzige Frau unter den Teilnehmern war eine Lehrerin aus Bielefeld, die täglich mit ihrem Velomobil zur Schule in Hiddenhausen fährt.Über Rocky Mountains und ApalachenDas Velomobil hat 27 Gänge, wiegt 35 Kilogramm und hat drei Räder. "Vorteil: Damit kann man auf dem Berg stehen bleiben", sagt Prasuhn. Und Berge gab es auf dieser Tour in Hülle und Fülle. Schließlich wurden die Rocky Mountains und die Apalachen überquert, wobei dem Portaner besonders letzte in nicht so guter Erinnerung blieben. "Zwar sind sie nicht so hoch, aber es gibt unglaublich viele Hügel." Insgesamt verlief die Fahrt aber unproblematischer als er sich vorgestellt hatte.Beim Kennenlernen der Teilnehmer musste Andreas Prasuhn doch erstmal schlucken. Da war Nummer 20 der Weltrangliste im Liegeradfahren neben einem dänischen Radmeister und einem österreichischen Frisbeemeister. Doch der Firmenchef konnte gut mithalten, lediglich eine Magen-Darm-Erkrankung und eine Fußquetschung zwangen ihn zu Pausen.Das tägliche Pensum betrug um die 250 Kilometer, dabei wurden Spitzen von 120 Stundenkilometern erreicht. Es galt, Steigungen von bis zu zehn Prozent zu überwinden, am McDonald-Pass ging es hinauf auf bis zu 1800 Metern.Belohnt wurden die Radler mit fantastischen Ausblicken und Landschaften - und einer tollen Gemeinschaft. Der Organisator Josef Janning wollte den Amerikanern vor allem zeigen, dass man nicht jeden Weg mit dem Auto fahren muss. Als Nebeneffekt wuchs die Gruppe zu einer kleinen Familie zusammen, die sich jetzt weiter austauscht.Andreas Prasuhn war vor allem fasziniert davon, was man mit Muskelkraft alles erreichen kann. "Dazu sitzt man bequem und hat die ganze Zeit über ein enormes Wohlgefühl", schwärmt er. Ein paar Kilo sind runter, doch nicht so viele wie seine Frau Ulrike erwartet hatte. "Das kommt von der Ernährungsumstellung", sagt Prasuhn. Zum einen musste der erhöhte Zuckerbedarf gedeckt werden ("Ich hatte ständig Coladurst"), zum anderen wurden Kalorien in Form von Nudeln und Hähnchengerichten gegessen.Die Roll-Over-America- Tour war für Prasuhn nicht nur Urlaub. Er hat sich umgesehen und spielt nun mit dem Gedanken, seine Produkte auch in den USA zu verkaufen.

Mit dem Velomobil quer durch Amerika

Porta Westfalica-Eisbergen (mt). Wo andere erschöpft aus dem Sattel fallen, beginnt für Firmenchef Andreas Prasuhn die Erholung. Er hat Amerika mit dem Velomobil von Küste zu Küste durchquert. "Jetzt bin ich wieder voller Energie", sagt der Eisberger.

Helena, die Hauptstadt von Montana, wurde am 3. August erreicht. In Amerika dürfen die Velomobile im Gegensatz zu Deutschland auf der Interstate (Autobahn) fahren.
Helena, die Hauptstadt von Montana, wurde am 3. August erreicht. In Amerika dürfen die Velomobile im Gegensatz zu Deutschland auf der Interstate (Autobahn) fahren.

Noch nie von einem Velomobil gehört? Velomobile sind verkleidete Liegeräder, es gibt sie schon seit etwa 20 Jahren, vor allem in den Niederlanden sind sie beliebt. In Deutschland hingegen sind die Fahrzeuge nicht zuletzt wegen des hohen Preises ein exotisches Vergnügen.

Fahrt durch South Dakota: "Die Strecke beeindruckt durch die Weite der Landschaft", sagt Andreas Prasuhn. - © Fotos: pr
Fahrt durch South Dakota: "Die Strecke beeindruckt durch die Weite der Landschaft", sagt Andreas Prasuhn. - © Fotos: pr

Prasuhn liebt Zweiräder und sammelt sie auch. Vor einigen Jahren fuhr er mit dem Motorrad noch Rennen, heute besitzt er Rennräder, Mountainbikes und seit Neuestem auch zwei Velomobile. Auf dem Zweirad findet er seinen Ausgleich zu seiner Arbeit als Inhaber der Firma APE in Holtrup.

Als ihm ein Kollege seiner Mountainbikegruppe "Die Süntelbiker" von der Radtour quer durch Amerika erzählte, sagte der Ingenieur spontan zu. Bis vor fünf Jahren wäre ihm das noch nicht passiert. "Eigentlich bin ich nicht reiselustig, fuhr früher maximal bis zur Ostsee." Das änderte sich, als seine Tochter nach dem Abitur nach Neuseeland ging. Aus einer geplanten vierwöchigen Reise machte der Vater dann fast drei Monate.

Und jetzt Amerika. Die Rollover America Tour fand zum ersten Mal statt und war von langer Hand geplant. Start war Ende Juli an der Pazifikküste in Portland, von da ging es über 5500 Kilometer bis zur Atlantikküste nach Washington, Ankunft 26. August. 60 Teilnehmer gingen an den Start, davon 30 Europäer, der Rest waren Amerikaner. Der älteste Teilnehmer war 75, der jüngste 29 Jahre alt, Andreas Prasuhn lag mit seinen 54 Jahren gut im Mittelfeld. Die einzige Frau unter den Teilnehmern war eine Lehrerin aus Bielefeld, die täglich mit ihrem Velomobil zur Schule in Hiddenhausen fährt.

Über Rocky Mountains und Apalachen

Das Velomobil hat 27 Gänge, wiegt 35 Kilogramm und hat drei Räder. "Vorteil: Damit kann man auf dem Berg stehen bleiben", sagt Prasuhn. Und Berge gab es auf dieser Tour in Hülle und Fülle. Schließlich wurden die Rocky Mountains und die Apalachen überquert, wobei dem Portaner besonders letzte in nicht so guter Erinnerung blieben. "Zwar sind sie nicht so hoch, aber es gibt unglaublich viele Hügel." Insgesamt verlief die Fahrt aber unproblematischer als er sich vorgestellt hatte.

Beim Kennenlernen der Teilnehmer musste Andreas Prasuhn doch erstmal schlucken. Da war Nummer 20 der Weltrangliste im Liegeradfahren neben einem dänischen Radmeister und einem österreichischen Frisbeemeister. Doch der Firmenchef konnte gut mithalten, lediglich eine Magen-Darm-Erkrankung und eine Fußquetschung zwangen ihn zu Pausen.

Das tägliche Pensum betrug um die 250 Kilometer, dabei wurden Spitzen von 120 Stundenkilometern erreicht. Es galt, Steigungen von bis zu zehn Prozent zu überwinden, am McDonald-Pass ging es hinauf auf bis zu 1800 Metern.

Belohnt wurden die Radler mit fantastischen Ausblicken und Landschaften - und einer tollen Gemeinschaft. Der Organisator Josef Janning wollte den Amerikanern vor allem zeigen, dass man nicht jeden Weg mit dem Auto fahren muss. Als Nebeneffekt wuchs die Gruppe zu einer kleinen Familie zusammen, die sich jetzt weiter austauscht.

Andreas Prasuhn war vor allem fasziniert davon, was man mit Muskelkraft alles erreichen kann. "Dazu sitzt man bequem und hat die ganze Zeit über ein enormes Wohlgefühl", schwärmt er. Ein paar Kilo sind runter, doch nicht so viele wie seine Frau Ulrike erwartet hatte. "Das kommt von der Ernährungsumstellung", sagt Prasuhn. Zum einen musste der erhöhte Zuckerbedarf gedeckt werden ("Ich hatte ständig Coladurst"), zum anderen wurden Kalorien in Form von Nudeln und Hähnchengerichten gegessen.

Die Roll-Over-America- Tour war für Prasuhn nicht nur Urlaub. Er hat sich umgesehen und spielt nun mit dem Gedanken, seine Produkte auch in den USA zu verkaufen.

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