So flüchten Drachenflieger vor der Pandemie Wiebke Wellnitz Porta Westfalica. Sonne, ein paar Wolken, wärmere Temperaturen. Für Drachenpilot Sven Stieghorst ist das das Startsignal: Urlaub beantragen, Drachen auf das Autodach zurren und zur Wittekindsburg fahren. Dort startet er gemeinsam mit seinen Vereinskollegen bei solch schönem Wetter in den blauen Himmel. Seit fast 40 Jahren gibt es den Drachenflugverein Delta Club Wiehengebirge schon. Seit 1983 starten an der Wittekindsburg Drachenflieger über eine Rampe in die Höhe. Doch trotz der Abenteuersportart hat auch dieser Verein Nachwuchssorgen - und hat sich deshalb etwas einfallen lassen. Die Rampe, von der aus die Drachenflieger eigentlich starten, befindet sich wenige Meter unterhalb der Wittekindsburg. "Wir haben hier das letzte Hangfluggebiet zur Verfügung", betont Jugendwart Sven Stieghorst. Weiter im Norden werde das Land immer flacher und biete keine derartige Startmöglichkeit mehr. Doch der Start am Wiehengebirge neben der Wittekindsburg sei auch nur für erfahrene Piloten zu meistern. "Wer auf der Rampe startet, kann nicht mehr stoppen. Direkt darunter sind nur noch Bäume und eine Felswand", so der Drachenpilot. Wenn der Wind zu stark sei oder aus der falschen Richtung komme, könnten auch erfahrene Piloten hier nicht starten. So wie heute. Alternativer Start bei viel Wind Doch damit ist für Sven Stieghorst der Flugtag keineswegs gestrichen. Denn genau für diese Wetterlagen hat der Verein eine Alternative: "Wir haben ein Ultraleicht-Flugzeug zur Verfügung und können damit auf unserem Landeplatz unterhalb der Wittekindsburg starten." Als er dort eintrifft, sind schon einige weitere Drachenpiloten dort. Alle sind sich einig: Die Windverhältnisse oben an der Burg trauen sie sich nicht zu, zu groß ist die Gefahr fürs eigene Leben. Deshalb haben sie den Schlepppilot bereits angerufen, der sie in den Himmel ziehen soll. Bevor es losgehen kann, muss Sven Stieghorst seinen Drachen aufbauen. Bis die Flügel gespannt, das Lenk- und Haltegerüst aufgebaut und alles gesichert ist, vergehen rund 30 Minuten.Währenddessen rufen weitere Vereinskollegen an, wollen wissen, wie die Windbedingungen sind. Der Landeplatz füllt sich immer mehr. Aber das ist auch in der Pandemie kein Problem: "Die Drachen sind so groß, da ist der Mindestabstand garantiert", so Stieghorst. Warum sterben Drachenflieger aus? Doch trotz dieser vielfältigen Möglichkeiten, den Sport auszuüben, schrumpft der Verein immer mehr. Deshalb haben sich die Piloten etwas überlegt: Seit kurzem dürfen Gleitschirmflieger das Vereinsgelände nutzen, eine begrenzte Anzahl der Piloten durfte auch in den Verein eintreten. Die Nachfrage sei groß gewesen, so Stieghorst. Deshalb habe der Vorstand auch gleich beschlossen, die Neumitglieder zu begrenzen. Denn der Verein solle immer noch ein Drachenflugverein bleiben. Doch warum mangelt es an Drachenfliegern, Gleitschirmpiloten gibt es aber viele? "Beim Drachenfliegen ist der Transport das Problem. Man braucht ein Gestell auf dem Autodach und man hat viel mehr Material", erklärt Stieghorst. Der Gleitschirm passe hingegen in einen größeren Wanderrucksack. Zudem sei die Ausrüstung auch bezogen auf das Gewicht sehr unterschiedlich. "Der Gleitschirm samt Zubehör wiegt etwa 20 Kilogramm. Wenn man irgendwo landet, ist es kein Problem, bis zum nächsten Bahnhof zu laufen oder ein Taxi zu rufen, um wieder zurückzukommen", erläutert Stieghorst. Für den Drachenflieger brauche es hingegen ein Auto mit entsprechendem Dachgepäckträger, zudem wiege die Ausrüstung etwa das Doppelte. Das macht das Drachenfliegen so besonders Doch trotz der augenscheinlichen Vorteile ist für Sven Stieghorst das Drachenfliegen reizvoller. "Ich hänge unter meinem Drachen und fliege dadurch wie ein Vogel durch die Luft", beschreibt er. Zudem könne er viel schneller fliegen, auch höhere Windgeschwindigkeiten seien mit dem Drachen noch händelbar. "Da kann der Gleitschirm teilweise nicht mehr in die Luft." Zudem könnten die Schirme auch nicht mit dem Ultra-Leichtflugzeug in die Höhe geschleppt werden, wenn der Start an der Wittekindsburg zu gefährlich sei. Genau so ein Tag ist heute. Während die Gleitschirmpiloten vor ihrem Wohnmobil sitzen und etwas neidisch auf die Startbahn schauen, streift Sven Stieghorst sein Geschirr um. Dann schultert er seinen 40 Kilogramm schweren Drachen und macht sich auf den Weg zum Start. Dort steht ein Metallgestell auf Rädern bereit. Sven Stieghorst legt sich bäuchlings darauf, damit er sich in der korrekten Startposition befindet. Die Zugleine hat er auf Bauchhöhe eingehakt. Langsam bringt das Ultra-Leichtflugzeug die Leine auf Spannung, dann kommt das Startsignal. Die Motoren dröhnen, das Metallgestell mit Drache und Sven Stieghorst nimmt Fahrt auf. Schon nach wenigen Metern schwebt er über dem Boden und nimmt schnell an Höhe zu. Als er die perfekte Höhe erreicht, klinkt er die Leine aus, das Schleppflugzeug dreht wieder ab in Richtung Platz. Währenddessen schwebt Sven Stieghorst am Wiehengebirge entlang. Und hat den Alltag und die Pandemie weit hinter sich gelassen.

So flüchten Drachenflieger vor der Pandemie

Der Drache fliegt immer höher in den Himmel. Hat er seine Wunschhöhe erreicht, kann er sich ausklinken und alleine weiterfliegen. © Wiebke Wellnitz

Porta Westfalica. Sonne, ein paar Wolken, wärmere Temperaturen. Für Drachenpilot Sven Stieghorst ist das das Startsignal: Urlaub beantragen, Drachen auf das Autodach zurren und zur Wittekindsburg fahren. Dort startet er gemeinsam mit seinen Vereinskollegen bei solch schönem Wetter in den blauen Himmel. Seit fast 40 Jahren gibt es den Drachenflugverein Delta Club Wiehengebirge schon. Seit 1983 starten an der Wittekindsburg Drachenflieger über eine Rampe in die Höhe. Doch trotz der Abenteuersportart hat auch dieser Verein Nachwuchssorgen - und hat sich deshalb etwas einfallen lassen.

Die Rampe, von der aus die Drachenflieger eigentlich starten, befindet sich wenige Meter unterhalb der Wittekindsburg. "Wir haben hier das letzte Hangfluggebiet zur Verfügung", betont Jugendwart Sven Stieghorst. Weiter im Norden werde das Land immer flacher und biete keine derartige Startmöglichkeit mehr. Doch der Start am Wiehengebirge neben der Wittekindsburg sei auch nur für erfahrene Piloten zu meistern. "Wer auf der Rampe startet, kann nicht mehr stoppen. Direkt darunter sind nur noch Bäume und eine Felswand", so der Drachenpilot. Wenn der Wind zu stark sei oder aus der falschen Richtung komme, könnten auch erfahrene Piloten hier nicht starten. So wie heute.

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Alternativer Start bei viel Wind

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Doch damit ist für Sven Stieghorst der Flugtag keineswegs gestrichen. Denn genau für diese Wetterlagen hat der Verein eine Alternative: "Wir haben ein Ultraleicht-Flugzeug zur Verfügung und können damit auf unserem Landeplatz unterhalb der Wittekindsburg starten." Als er dort eintrifft, sind schon einige weitere Drachenpiloten dort. Alle sind sich einig: Die Windverhältnisse oben an der Burg trauen sie sich nicht zu, zu groß ist die Gefahr fürs eigene Leben.

Deshalb haben sie den Schlepppilot bereits angerufen, der sie in den Himmel ziehen soll. Bevor es losgehen kann, muss Sven Stieghorst seinen Drachen aufbauen. Bis die Flügel gespannt, das Lenk- und Haltegerüst aufgebaut und alles gesichert ist, vergehen rund 30 Minuten.Währenddessen rufen weitere Vereinskollegen an, wollen wissen, wie die Windbedingungen sind. Der Landeplatz füllt sich immer mehr. Aber das ist auch in der Pandemie kein Problem: "Die Drachen sind so groß, da ist der Mindestabstand garantiert", so Stieghorst.

Warum sterben Drachenflieger aus?

Doch trotz dieser vielfältigen Möglichkeiten, den Sport auszuüben, schrumpft der Verein immer mehr. Deshalb haben sich die Piloten etwas überlegt: Seit kurzem dürfen Gleitschirmflieger das Vereinsgelände nutzen, eine begrenzte Anzahl der Piloten durfte auch in den Verein eintreten. Die Nachfrage sei groß gewesen, so Stieghorst. Deshalb habe der Vorstand auch gleich beschlossen, die Neumitglieder zu begrenzen. Denn der Verein solle immer noch ein Drachenflugverein bleiben.

Doch warum mangelt es an Drachenfliegern, Gleitschirmpiloten gibt es aber viele? "Beim Drachenfliegen ist der Transport das Problem. Man braucht ein Gestell auf dem Autodach und man hat viel mehr Material", erklärt Stieghorst. Der Gleitschirm passe hingegen in einen größeren Wanderrucksack. Zudem sei die Ausrüstung auch bezogen auf das Gewicht sehr unterschiedlich. "Der Gleitschirm samt Zubehör wiegt etwa 20 Kilogramm. Wenn man irgendwo landet, ist es kein Problem, bis zum nächsten Bahnhof zu laufen oder ein Taxi zu rufen, um wieder zurückzukommen", erläutert Stieghorst. Für den Drachenflieger brauche es hingegen ein Auto mit entsprechendem Dachgepäckträger, zudem wiege die Ausrüstung etwa das Doppelte.

Das macht das Drachenfliegen so besonders

Doch trotz der augenscheinlichen Vorteile ist für Sven Stieghorst das Drachenfliegen reizvoller. "Ich hänge unter meinem Drachen und fliege dadurch wie ein Vogel durch die Luft", beschreibt er. Zudem könne er viel schneller fliegen, auch höhere Windgeschwindigkeiten seien mit dem Drachen noch händelbar. "Da kann der Gleitschirm teilweise nicht mehr in die Luft." Zudem könnten die Schirme auch nicht mit dem Ultra-Leichtflugzeug in die Höhe geschleppt werden, wenn der Start an der Wittekindsburg zu gefährlich sei.

Genau so ein Tag ist heute. Während die Gleitschirmpiloten vor ihrem Wohnmobil sitzen und etwas neidisch auf die Startbahn schauen, streift Sven Stieghorst sein Geschirr um. Dann schultert er seinen 40 Kilogramm schweren Drachen und macht sich auf den Weg zum Start. Dort steht ein Metallgestell auf Rädern bereit. Sven Stieghorst legt sich bäuchlings darauf, damit er sich in der korrekten Startposition befindet. Die Zugleine hat er auf Bauchhöhe eingehakt. Langsam bringt das Ultra-Leichtflugzeug die Leine auf Spannung, dann kommt das Startsignal. Die Motoren dröhnen, das Metallgestell mit Drache und Sven Stieghorst nimmt Fahrt auf.

Schon nach wenigen Metern schwebt er über dem Boden und nimmt schnell an Höhe zu. Als er die perfekte Höhe erreicht, klinkt er die Leine aus, das Schleppflugzeug dreht wieder ab in Richtung Platz. Währenddessen schwebt Sven Stieghorst am Wiehengebirge entlang. Und hat den Alltag und die Pandemie weit hinter sich gelassen.

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