MT-Serie "Zu zweit": Schweißhund Falk und Münsterländer Linus sind das perfekte Team Stefan Lyrath Porta Westfalica-Nammen (Ly). Bei der Suche nach verletztem Wild ergänzen sich Falk und Linus perfekt. Falk, als geprüfter Hannoverscher Schweißhund auf Fährtenarbeit spezialisiert, bringt eine feine Nase und einen besonders ausgeprägten Spürsinn mit, ist aber nicht mehr der Jüngste. „Falk ist zehn und kommt ins Alter", sagt Achim Büscher, Revierförster in Nammen, der den Rüden führt. An dieser Stelle kommt Münsterländer Linus (6) ins Spiel, deutlich jünger und dank seiner Ausdauer die Idealbesetzung, falls sich eine Hetzjagd nicht vermeiden lässt. Schweißhunde sind Spezialisten, Münsterländer Allrounder. Zu zweit sind Falk und Linus unschlagbar, wenn es um die so genannte Nachsuche von Wild geht, das sonst qualvoll verenden würde – Tiere, die entweder bei der Jagd angeschossen oder durch einen Autounfall verletzt worden sind. Bevor es losgeht, werden an dem Ort, wo das Stück getroffen wurde, Pirschzeichen gesichert, zum Beispiel Haare, Blut oder Gewebe. Der Hund kann dadurch die Fährte aufnehmen, dem Menschen liefern sie Erkenntnisse über den Sitz der Kugel. Zur Nachsuche kommt der Schweißhund zunächst an die lange Leine, um dem Hundeführer den Weg zeigen zu können. Wenn die Suche Erfolg hatte, das Tier aber noch lebt, wird der Hund losgelassen, hetzt und stellt das Wild. Ein eingespieltes Team sind auch die beiden Hundeführer. Mit Münsterländer Linus ist der Nammer Jäger Sebastian Thielking unterwegs, der den Förster seit einigen Jahren begleitet. „Wir werden gerufen, wenn der normale Jäger das Stück mit seinem Hund nicht findet", erklärt Achim Büscher. „In erster Linie geht es um Tierschutz", fügt Thielking hinzu. „Wir erlösen das Wild durch einen Fangschuss." Schon den alten Germanen waren Leithunde, die Urahnen der heutigen Schweißhunde, mehr wert als ein Pferd. Seit 1657 werden Hannoversche Schweißhunde systematisch gezüchtet und ausgebildet, die Dachorganisation ist der Verein Hirschmann (www.verein-hirschmann.de). Wer einen solchen Spezialisten führen will, muss nachweisen, dass für den Hund genug zu tun ist – sonst gibt es keinen. Diese Nachsuche kann Stunden dauern und wird auch „Schweißarbeit" genannt. In der Jägersprache ist Schweiß ein anderes Wort für Blut. Falk und Linus wissen nicht, dass es an diesem Abend nur für ein Foto in den Wald geht. Sie können es kaum erwarten, wirken fokussiert, jeder Muskel angespannt. Falks Nachfolgerin scharrt schon mit den Pfoten: Schweißhündin Aria, keine neun Monate alt und noch am Anfang ihrer separaten Ausbildung, wird seine Aufgaben in etwa zwei Jahren übernehmen. „Für die Hetze ist sie noch zu jung, ihr fehlt Erfahrung", erklärt Achim Büscher. „Erfahrung muss ein Schweißhund sich erarbeiten, Fährtenwillen und ausgeprägten Geruchssinn bringt er mit." Als beste Methode, Hunde für die Nachsuche auszubilden, gilt die Arbeit mit dem Fährtenschuh, in den Schalen (Klauen) von Wild eingespannt werden. Einen Tag vorher zieht sich der Hundeführer den Schuh an und tritt die Fährte. Der Job ist gefährlich, denn die Eckzähne der Keiler sind gefährliche Waffen. Verletzungen an Beinschlagadern können für Menschen tödlich enden. Deshalb tragen alle Schutzkleidung, die Männer eine Sauschutzhose, die Tiere stichfeste Westen. „Ich bin immer froh, wenn sie heil wieder nach Hause kommen", sagt Doris Deerberg, die Lebensgefährtin von Achim Büscher, der stets ein Erste-Hilfe-Set dabei hat. Die Hunde tragen Telemetrie-Halsbänder, mit denen sie geortet werden können. Zwischen Mensch und Tier entsteht Vertrautheit. „Ich weiß, dass ich mich auf Falk verlassen kann. Er weiß, dass ich komme und das Wild schieße", sagt Büscher. Aufeinander verlassen können sich auch die Menschen. Wenn Achim Büscher einmal keine Zeit hätte, würde sich Nachwuchsführer Sebastian Thielking mit Falk auf den Weg machen. Falls beide nicht können, gibt es einen Pool von Ersatzleuten. Zu etwa 80 Prozent dreht sich die Nachsuche um Wildschweine, den Rest machen Rot-, Damm- und Rehwild aus. Allein 2018 hatten die beiden Hundeführer und ihre Vierbeiner rund 80 Einsätze, die sie im Wiehengebirge bis nach Osnabrück führen können, zum Uchter Moor oder hinunter ins Lippische. Jagd wird immer Gegner haben. „Es gibt überall schwarze Schafe", räumt Achim Büscher ein. „Aber der Großteil der Jäger geht waidgerecht mit dem Wild um. Bei großen Jagden werden wir für die Nachsuche von vornherein mit eingeplant." Nachsuchen im Umkreis von einigen hundert Metern kann übrigens jeder gute Jagdhund erledigen. Für alles andere braucht man Spezialisten wie Falk. Serie "Zu zweit" Bei der MT-Serie „Zu zweit" geht es um ein Team, das aus vielerlei Gründen gemeinsam unterwegs ist: im Leben, im Beruf, beim Hobby. Manchmal sind sie so aufeinander angewiesen, dass sie ihre Aufgabe ohne den anderen nicht erfüllen könnten. Manchmal ist die Zweisamkeit selbst gewählt. Die MT-Redaktion freut sich über Vorschläge – am besten per E-Mail mit einer kurzen Beschreibung, warum gerade diese beiden Vorgeschlagenen etwas Besonderes sind. Stichwort: „Zu zweit", E-Mail: lokales@MT.de

MT-Serie "Zu zweit": Schweißhund Falk und Münsterländer Linus sind das perfekte Team

Teamwork: Revierförster Achim Büscher (rechts) führt den Hannoverschen Schweißhund Falk, Jäger Sebastian Thielking ist mit Münsterländer Linus unterwegs. Fotos: Stefan Lyrath

Porta Westfalica-Nammen (Ly). Bei der Suche nach verletztem Wild ergänzen sich Falk und Linus perfekt. Falk, als geprüfter Hannoverscher Schweißhund auf Fährtenarbeit spezialisiert, bringt eine feine Nase und einen besonders ausgeprägten Spürsinn mit, ist aber nicht mehr der Jüngste. „Falk ist zehn und kommt ins Alter", sagt Achim Büscher, Revierförster in Nammen, der den Rüden führt.

An dieser Stelle kommt Münsterländer Linus (6) ins Spiel, deutlich jünger und dank seiner Ausdauer die Idealbesetzung, falls sich eine Hetzjagd nicht vermeiden lässt. Schweißhunde sind Spezialisten, Münsterländer Allrounder. Zu zweit sind Falk und Linus unschlagbar, wenn es um die so genannte Nachsuche von Wild geht, das sonst qualvoll verenden würde – Tiere, die entweder bei der Jagd angeschossen oder durch einen Autounfall verletzt worden sind.

Im Fährtenschuh, mit dem Schweißhunde eingearbeitet werden, steckt eine Klaue.
Im Fährtenschuh, mit dem Schweißhunde eingearbeitet werden, steckt eine Klaue.

Bevor es losgeht, werden an dem Ort, wo das Stück getroffen wurde, Pirschzeichen gesichert, zum Beispiel Haare, Blut oder Gewebe. Der Hund kann dadurch die Fährte aufnehmen, dem Menschen liefern sie Erkenntnisse über den Sitz der Kugel. Zur Nachsuche kommt der Schweißhund zunächst an die lange Leine, um dem Hundeführer den Weg zeigen zu können. Wenn die Suche Erfolg hatte, das Tier aber noch lebt, wird der Hund losgelassen, hetzt und stellt das Wild.

Ein eingespieltes Team sind auch die beiden Hundeführer. Mit Münsterländer Linus ist der Nammer Jäger Sebastian Thielking unterwegs, der den Förster seit einigen Jahren begleitet. „Wir werden gerufen, wenn der normale Jäger das Stück mit seinem Hund nicht findet", erklärt Achim Büscher. „In erster Linie geht es um Tierschutz", fügt Thielking hinzu. „Wir erlösen das Wild durch einen Fangschuss."

Schon den alten Germanen waren Leithunde, die Urahnen der heutigen Schweißhunde, mehr wert als ein Pferd. Seit 1657 werden Hannoversche Schweißhunde systematisch gezüchtet und ausgebildet, die Dachorganisation ist der Verein Hirschmann (www.verein-hirschmann.de). Wer einen solchen Spezialisten führen will, muss nachweisen, dass für den Hund genug zu tun ist – sonst gibt es keinen. Diese Nachsuche kann Stunden dauern und wird auch „Schweißarbeit" genannt. In der Jägersprache ist Schweiß ein anderes Wort für Blut.

Falk und Linus wissen nicht, dass es an diesem Abend nur für ein Foto in den Wald geht. Sie können es kaum erwarten, wirken fokussiert, jeder Muskel angespannt. Falks Nachfolgerin scharrt schon mit den Pfoten: Schweißhündin Aria, keine neun Monate alt und noch am Anfang ihrer separaten Ausbildung, wird seine Aufgaben in etwa zwei Jahren übernehmen. „Für die Hetze ist sie noch zu jung, ihr fehlt Erfahrung", erklärt Achim Büscher. „Erfahrung muss ein Schweißhund sich erarbeiten, Fährtenwillen und ausgeprägten Geruchssinn bringt er mit."

Als beste Methode, Hunde für die Nachsuche auszubilden, gilt die Arbeit mit dem Fährtenschuh, in den Schalen (Klauen) von Wild eingespannt werden. Einen Tag vorher zieht sich der Hundeführer den Schuh an und tritt die Fährte.

Der Job ist gefährlich, denn die Eckzähne der Keiler sind gefährliche Waffen. Verletzungen an Beinschlagadern können für Menschen tödlich enden. Deshalb tragen alle Schutzkleidung, die Männer eine Sauschutzhose, die Tiere stichfeste Westen. „Ich bin immer froh, wenn sie heil wieder nach Hause kommen", sagt Doris Deerberg, die Lebensgefährtin von Achim Büscher, der stets ein Erste-Hilfe-Set dabei hat. Die Hunde tragen Telemetrie-Halsbänder, mit denen sie geortet werden können.

Zwischen Mensch und Tier entsteht Vertrautheit. „Ich weiß, dass ich mich auf Falk verlassen kann. Er weiß, dass ich komme und das Wild schieße", sagt Büscher. Aufeinander verlassen können sich auch die Menschen. Wenn Achim Büscher einmal keine Zeit hätte, würde sich Nachwuchsführer Sebastian Thielking mit Falk auf den Weg machen. Falls beide nicht können, gibt es einen Pool von Ersatzleuten.

Zu etwa 80 Prozent dreht sich die Nachsuche um Wildschweine, den Rest machen Rot-, Damm- und Rehwild aus. Allein 2018 hatten die beiden Hundeführer und ihre Vierbeiner rund 80 Einsätze, die sie im Wiehengebirge bis nach Osnabrück führen können, zum Uchter Moor oder hinunter ins Lippische.

Jagd wird immer Gegner haben. „Es gibt überall schwarze Schafe", räumt Achim Büscher ein. „Aber der Großteil der Jäger geht waidgerecht mit dem Wild um. Bei großen Jagden werden wir für die Nachsuche von vornherein mit eingeplant." Nachsuchen im Umkreis von einigen hundert Metern kann übrigens jeder gute Jagdhund erledigen. Für alles andere braucht man Spezialisten wie Falk.

Serie "Zu zweit"

Bei der MT-Serie „Zu zweit" geht es um ein Team, das aus vielerlei Gründen gemeinsam unterwegs ist: im Leben, im Beruf, beim Hobby. Manchmal sind sie so aufeinander angewiesen, dass sie ihre Aufgabe ohne den anderen nicht erfüllen könnten. Manchmal ist die Zweisamkeit selbst gewählt.

Die MT-Redaktion freut sich über Vorschläge – am besten per E-Mail mit einer kurzen Beschreibung, warum gerade diese beiden Vorgeschlagenen etwas Besonderes sind.

Stichwort: „Zu zweit", E-Mail: lokales@MT.de

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