MT-Serie Portas verborgene Schätze: der alte Veltheimer Friedhof Thomas Lieske Porta Westfalica-Veltheim (mt). Die vielen Dutzend Grabsteine sind beeindruckend. Mal als Steinkreuz, mal als üppiger Grabstein, mal groß, mal klein, erinnern sie an Veltheimer Berühmtheiten. Darunter Pfarrer Niemann, der den Grundstein für die heutige geschriebene Dorfchronik legte. Oder Lehrer Detert, der den Handball nach Veltheim brachte, und Ingenieur Franke, dem Begründer der damaligen Kiesgrube. Es sind Grabsteine, die mal am Ende einer wunderschönen Parkanlage direkt am Weserradweg standen. Heute sind sie Teil eines verkommenen Geländes. Beim Anblick des alten Friedhofs in Veltheim wird Reinhold Kölling nachdenklich. Dem Ortsheimatpfleger fällt es schwer zu vermitteln, wie schön die ausgediente Ruhestätte eigentlich ist. Oder war. Denn seit einem schweren Sturm im vergangenen Jahr liegt das Gelände brach. Treckerspuren, hohes Gras, Äste, ein großer Haufen mit Häckselgut: Nein, so haben die Veltheimer den Ruheort nicht hinterlassen. „Ende der 1990er-Jahre hatte sich der neu gegründete Heimatverein zusammen mit Vereinen der Dorfgemeinschaft dieses Geländes angenommen, den Wildwuchs beseitigt und eine schöne Parkanlage daraus gemacht“, erzählt Kölling beim Gang durchs hohe Gras. Als beim letzten großen Sturm zahlreiche Bäume umfielen, beseitigte die Stadt Porta Westfalica die Stämme mit schwerem Gerät. Das Ergebnis: tiefe Fahrspuren, Erdhügel, überall große Äste und große Haufen. „Wir würden den alten Veltheimer Friedhof gern wieder herrichten“, sagt Kölling. „Aber dieser Aufwand ist von Hand nicht zu leisten.“ Die Stadt habe ihre Hilfe bereits zu gesagt. Passiert ist aber bisher nichts. Dabei ist den Veltheimern ihr alter Friedhof eine Herzensangelegenheit, liegt er doch so öffentlich, dass viele Radfahrer ihn sehen. Und früher auch gern angesteuert haben. „Wir haben eine Sitzgruppe und eine Hinweistafel, die auf die Vergangenheit des Friedhofs hinweist, aufgestellt. Man konnte dort gut eine Pause machen“, erinnert sich der Ortsheimatpfleger. Die alten Grabsteine seien immer ein Hingucker gewesen und hätten Neugierige angelockt. Warum wurde aus dem Friedhof eigentlich eine Parkanlage? Die Antwort ist recht simpel: Weil der Friedhof ausgedient hatte. Bis 1950 gab es dort regelmäßig Bestattungen. Doch dann stand die Gemeinde vor der Wahl, den alten Friedhof zu erweitern oder einen neuen anzulegen. Die Wahl fiel auf einen neuen, damit war der alte nicht mehr nötig. Einige Gräber blieben aber, weil die Ruhezeit noch nicht ausgelaufen war. Die Stadt stellte die Unterhaltung ein. Deshalb kam Ende der 90er-Jahre der Heimatverein ins Spiel. Die Mitglieder wollten das schöne Gelände nicht verfallen lassen und sahen Potenzial darin, weiß Kölling. Mit viel Aufwand hätten die Veltheimer ein Kleinod hergerichtet, das zudem beeindruckende wie traurige Geschichten zu bieten habe. Etwa jene aus Kriegszeiten, als etliche Wehrmachtssoldaten bei einer Übung an der Weser ertranken. Weil die kleine Lagerhalle auf dem Friedhof, die übrigens heute noch steht, nicht reichte, mussten viele Leichen zunächst zu Höfen in Veltheim gebracht werden. Die Veltheimer verbinden viel mit ihrer alten Friedhofsanlage. Sie hofften, sagt Kölling, dass sie schon bald wieder mit Harke und Heckenschere anrücken könnten, um ihrer Parklandschaft den letzten Feinschliff zu verpassen. Kölling hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben.

MT-Serie Portas verborgene Schätze: der alte Veltheimer Friedhof

Grabsteine sind auf dem alten Veltheimer Friedhof in vielen Variationen zu betrachten. Einige davon verweisen auf echte Berühmtheiten. MT- © Foto: Thomas Lieske

Porta Westfalica-Veltheim (mt). Die vielen Dutzend Grabsteine sind beeindruckend. Mal als Steinkreuz, mal als üppiger Grabstein, mal groß, mal klein, erinnern sie an Veltheimer Berühmtheiten. Darunter Pfarrer Niemann, der den Grundstein für die heutige geschriebene Dorfchronik legte. Oder Lehrer Detert, der den Handball nach Veltheim brachte, und Ingenieur Franke, dem Begründer der damaligen Kiesgrube. Es sind Grabsteine, die mal am Ende einer wunderschönen Parkanlage direkt am Weserradweg standen. Heute sind sie Teil eines verkommenen Geländes.

Beim Anblick des alten Friedhofs in Veltheim wird Reinhold Kölling nachdenklich. Dem Ortsheimatpfleger fällt es schwer zu vermitteln, wie schön die ausgediente Ruhestätte eigentlich ist. Oder war. Denn seit einem schweren Sturm im vergangenen Jahr liegt das Gelände brach. Treckerspuren, hohes Gras, Äste, ein großer Haufen mit Häckselgut: Nein, so haben die Veltheimer den Ruheort nicht hinterlassen.

„Ende der 1990er-Jahre hatte sich der neu gegründete Heimatverein zusammen mit Vereinen der Dorfgemeinschaft dieses Geländes angenommen, den Wildwuchs beseitigt und eine schöne Parkanlage daraus gemacht“, erzählt Kölling beim Gang durchs hohe Gras. Als beim letzten großen Sturm zahlreiche Bäume umfielen, beseitigte die Stadt Porta Westfalica die Stämme mit schwerem Gerät. Das Ergebnis: tiefe Fahrspuren, Erdhügel, überall große Äste und große Haufen. „Wir würden den alten Veltheimer Friedhof gern wieder herrichten“, sagt Kölling. „Aber dieser Aufwand ist von Hand nicht zu leisten.“

Die Stadt habe ihre Hilfe bereits zu gesagt. Passiert ist aber bisher nichts. Dabei ist den Veltheimern ihr alter Friedhof eine Herzensangelegenheit, liegt er doch so öffentlich, dass viele Radfahrer ihn sehen. Und früher auch gern angesteuert haben. „Wir haben eine Sitzgruppe und eine Hinweistafel, die auf die Vergangenheit des Friedhofs hinweist, aufgestellt. Man konnte dort gut eine Pause machen“, erinnert sich der Ortsheimatpfleger. Die alten Grabsteine seien immer ein Hingucker gewesen und hätten Neugierige angelockt.

Warum wurde aus dem Friedhof eigentlich eine Parkanlage? Die Antwort ist recht simpel: Weil der Friedhof ausgedient hatte. Bis 1950 gab es dort regelmäßig Bestattungen. Doch dann stand die Gemeinde vor der Wahl, den alten Friedhof zu erweitern oder einen neuen anzulegen. Die Wahl fiel auf einen neuen, damit war der alte nicht mehr nötig.

Einige Gräber blieben aber, weil die Ruhezeit noch nicht ausgelaufen war. Die Stadt stellte die Unterhaltung ein. Deshalb kam Ende der 90er-Jahre der Heimatverein ins Spiel. Die Mitglieder wollten das schöne Gelände nicht verfallen lassen und sahen Potenzial darin, weiß Kölling. Mit viel Aufwand hätten die Veltheimer ein Kleinod hergerichtet, das zudem beeindruckende wie traurige Geschichten zu bieten habe. Etwa jene aus Kriegszeiten, als etliche Wehrmachtssoldaten bei einer Übung an der Weser ertranken.

Weil die kleine Lagerhalle auf dem Friedhof, die übrigens heute noch steht, nicht reichte, mussten viele Leichen zunächst zu Höfen in Veltheim gebracht werden.

Die Veltheimer verbinden viel mit ihrer alten Friedhofsanlage. Sie hofften, sagt Kölling, dass sie schon bald wieder mit Harke und Heckenschere anrücken könnten, um ihrer Parklandschaft den letzten Feinschliff zu verpassen. Kölling hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben.

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