Letzter gemeinsamer Sommer im Kraftwerk Bis März wird in Veltheim noch Strom produziert, Ende Juni der Schlüssel umgedreht / GKV nicht systemrelevant Dirk Haunhorst Porta Westfalica-Veltheim (mt). Der Monatsanfang rief das nahende Ende schmerzhaft in Erinnerung. Es war nämlich der letzte 1. Juli, den die Kraftwerks-Mitarbeiter gemeinsam verbringen. Am 30. Juni 2015 wird der Schlüssel umgedreht. Wie berichtet, endet die Stromproduktion bereits im März. Anschließend wird das Gemeinschaftskraftwerk Veltheim (GKV) mit der verbliebenen Mannschaft verkehrssicher gemacht. Sie muss unter anderem gefährdende Stoffe, wie Öle, Laugen und Säuren entsorgen, bevor die Nachbetriebsphase auf ein Dienstleitungsunternehmen übertragen wird.Was danach mit Gebäuden und Gelände geschieht, steht noch in den Sternen. „Darüber tauschen sich zurzeit die Gesellschafter aus“, sagt Geschäftsführer Jörg Röthemeier.Als Ende 2013 die Nachricht von der vorzeitigen Schließung die Kollegen ereilte, waren viele geschockt. Zwar wusste jedermann um die prekäre Lage am hart umkämpften Strommarkt, doch bis 2018 sollte nach Aussage der Eon-Zentrale der Betrieb eigentlich weiterlaufen. Die Hiobsbotschaft kurz vor Weihnachten machte jedwede Hoffnung auf eine Zukunft des GKV zunichte.„Leidenszeit wäre nur verlängert worden“Inzwischen ist klar, dass das GKV „nicht systemrelevant“ ist. Der Übertragungsnetzbetreiber Tennet hat dies bestätigt. Einige alte Kraftwerke bleiben aufgrund dieser „Systemrelevanz“ vorerst am Netz, der Nachschlag von zwei Jahren muss von der Bundesnetzagentur genehmigt werden. Das GKV gilt jedoch als verzichtbar, das Bedauern darüber hält sich in Grenzen. „Wären wir als systemrelevant eingestuft worden, hätte das die Leidenszeit nur verlängert“, meint Röthemeier.Einige Kollegen hätten sich überraschend schnell nach neuen Arbeitgebern umgesehen, berichtet Betriebsratsvorsitzender Rolf Winkler. Kraftwerker sind der Scholle eng verbunden, ihr Aktionsradius gilt gemeinhin als bierdeckelgroß. Doch die Sorge um die berufliche Perspektive erzwingt Mobilität.Vorruheständler schließen LückenVorruheständler wie Rolf Winkler springen ein, um erste Lücken zu schließen, Mitarbeiter von Eon-Partnerfirmen sollen bei Engpässen helfen. Winkler vermutet, dass es im letzten Quartal 2014, wenn das Ende spürbar nahe rückt, personell richtig eng wird.Im Zuge der Sozialplanverhandlungen haben die meisten der knapp 80 Mitarbeiter Auflösungsverträge unterschrieben. Von April 2015 an darf jeder kurzfristig gehen, ohne die Abfindung zu gefährden.Zurzeit jedoch könne man nicht allen Wünschen nach vorzeitigem Ausscheiden nachkommen, sagt Röthemeier. Schließlich müsse der Betrieb ordentlich weiterlaufen und dazu benötige man Fachpersonal. „Hier wird nicht der Schlendrian einziehen.“ Wer trotzdem gehen möchte, muss selbst kündigen und somit auf seine Abfindung verzichten.Das Ende des Kraftwerks hat für jemanden wie Rolf Winkler etwas Unwirkliches. Im GKV, seit 1959 Stromlieferant, gab es nicht nur Arbeit und Lohn für 465 Männer und Frauen in der besten Zeit, sondern eine gleichsam familiäre Gemeinschaft, die bei großen Betriebsfesten und Ausflügen gepflegt wurde.Veltheim ohne Kraftwerk? Rolf Winkler schüttelt den Kopf. „Ich kann mir das absolut nicht vorstellen.“

Letzter gemeinsamer Sommer im Kraftwerk

„Hier wird nicht der Schlendrian einziehen.“ Das versichern Betriebsratsvorsitzender Rolf Winkler (l.) und Geschäftsführer Jörg Röthemeier angesichts der Schließung im nächsten Jahr. Gleichwohl dürfte es mit jedem Tag schwieriger werden, wichtige Mitarbeiter zu halten. © MT-Foto: Dirk Haunhorst

Porta Westfalica-Veltheim (mt). Der Monatsanfang rief das nahende Ende schmerzhaft in Erinnerung. Es war nämlich der letzte 1. Juli, den die Kraftwerks-Mitarbeiter gemeinsam verbringen. Am 30. Juni 2015 wird der Schlüssel umgedreht.

Wie berichtet, endet die Stromproduktion bereits im März. Anschließend wird das Gemeinschaftskraftwerk Veltheim (GKV) mit der verbliebenen Mannschaft verkehrssicher gemacht. Sie muss unter anderem gefährdende Stoffe, wie Öle, Laugen und Säuren entsorgen, bevor die Nachbetriebsphase auf ein Dienstleitungsunternehmen übertragen wird.

Was danach mit Gebäuden und Gelände geschieht, steht noch in den Sternen. „Darüber tauschen sich zurzeit die Gesellschafter aus“, sagt Geschäftsführer Jörg Röthemeier.

Als Ende 2013 die Nachricht von der vorzeitigen Schließung die Kollegen ereilte, waren viele geschockt. Zwar wusste jedermann um die prekäre Lage am hart umkämpften Strommarkt, doch bis 2018 sollte nach Aussage der Eon-Zentrale der Betrieb eigentlich weiterlaufen. Die Hiobsbotschaft kurz vor Weihnachten machte jedwede Hoffnung auf eine Zukunft des GKV zunichte.

„Leidenszeit wäre nur verlängert worden“

Inzwischen ist klar, dass das GKV „nicht systemrelevant“ ist. Der Übertragungsnetzbetreiber Tennet hat dies bestätigt. Einige alte Kraftwerke bleiben aufgrund dieser „Systemrelevanz“ vorerst am Netz, der Nachschlag von zwei Jahren muss von der Bundesnetzagentur genehmigt werden. Das GKV gilt jedoch als verzichtbar, das Bedauern darüber hält sich in Grenzen. „Wären wir als systemrelevant eingestuft worden, hätte das die Leidenszeit nur verlängert“, meint Röthemeier.

Einige Kollegen hätten sich überraschend schnell nach neuen Arbeitgebern umgesehen, berichtet Betriebsratsvorsitzender Rolf Winkler. Kraftwerker sind der Scholle eng verbunden, ihr Aktionsradius gilt gemeinhin als bierdeckelgroß. Doch die Sorge um die berufliche Perspektive erzwingt Mobilität.

Vorruheständler schließen Lücken

Vorruheständler wie Rolf Winkler springen ein, um erste Lücken zu schließen, Mitarbeiter von Eon-Partnerfirmen sollen bei Engpässen helfen. Winkler vermutet, dass es im letzten Quartal 2014, wenn das Ende spürbar nahe rückt, personell richtig eng wird.

Im Zuge der Sozialplanverhandlungen haben die meisten der knapp 80 Mitarbeiter Auflösungsverträge unterschrieben. Von April 2015 an darf jeder kurzfristig gehen, ohne die Abfindung zu gefährden.

Zurzeit jedoch könne man nicht allen Wünschen nach vorzeitigem Ausscheiden nachkommen, sagt Röthemeier. Schließlich müsse der Betrieb ordentlich weiterlaufen und dazu benötige man Fachpersonal. „Hier wird nicht der Schlendrian einziehen.“ Wer trotzdem gehen möchte, muss selbst kündigen und somit auf seine Abfindung verzichten.

Das Ende des Kraftwerks hat für jemanden wie Rolf Winkler etwas Unwirkliches. Im GKV, seit 1959 Stromlieferant, gab es nicht nur Arbeit und Lohn für 465 Männer und Frauen in der besten Zeit, sondern eine gleichsam familiäre Gemeinschaft, die bei großen Betriebsfesten und Ausflügen gepflegt wurde.

Veltheim ohne Kraftwerk? Rolf Winkler schüttelt den Kopf. „Ich kann mir das absolut nicht vorstellen.“

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