Kurz vor der Eskalation: Basiert neuerliche Debatte über ICE-Strecke durch Porta Westfalica auf falschen Informationen? Thomas Lieske Porta Westfalica. Sind die Weichen für den Neubau einer ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecke über Portaner Stadtgebiet bereits gestellt? Dieser Eindruck ergibt sich zumindest aus den immer lauter werdenden Stimmen von Kritikern des Milliardenprojekts von Deutscher Bahn und Bundesverkehrsministerium. Neuen Fahrtwind bekommt die Diskussion durch einen nun erschienenen Artikel in der Fachzeitschrift „Der Eisenbahningenieur“. Darin klingt an, dass die Bahn Variante 5 der sogenannten Schüssler-Entwürfe favorisiere. Die Trasse würde durch den Harrl nach Porta führen und über Eisbergen, Lohfeld, Veltheim und Möllbergen Richtung Vlotho verlaufen. Steht damit der Fahrplan der Bahn? Unternehmenssprecher Peter Mantik bremst am Mittwochmorgen im Gespräch mit dem MT die Dynamik der neuen Diskussion und sorgt für eine neue Überraschung: „Aus dem Projekt hat sich niemand derart geäußert. Wie der Artikel zustande kam, erschließt sich uns nicht.“ Nachfrage an den Bahnsprecher: Das heißt, niemand der Projektbeteiligten der Deutschen Bahn hat mit einem Redakteur des Magazins gesprochen oder ist von einem Redakteur dazu befragt worden? Mantik: „Exakt.“ Die dort getroffenen Aussagen würden auch nicht zur Strategie der Bahn für die Planungsphase einer Hochgeschwindigkeitstrasse passen. Denn: „Wir haben die fünf Modellvarianten komplett ausgeblendet, erheben unsere eigenen Daten.“ Für die Bahn stehe damit fest: „Wir sind weiter komplett ergebnisoffen“, betont Mantik. Wie kommt es dann zu dieser Veröffentlichung? Nachfrage in der Redaktion der Fachzeitschrift. Gegenüber dem MT hält sich die Redaktion eher bedeckt. Nur so viel: Die Bahn habe bereits gegenüber der Zeitung „Der Eisenbahningenieur“, die übrigens im deutschsprachigen Raum als Marktführer für Eisenbahn-Fachbeiträge gilt, eine Gegendarstellung verlangt. Die Meldung, heißt es auf MT-Anfrage, stamme bereits aus dem Monat Februar. In die öffentliche Diskussion ist sie offenbar erst jetzt eingeflossen. Die genauen Umstände der Veröffentlichung bleiben allerdings nebulös. Zuletzt wurde der Ton in der Diskussion auch fernab des Fachbeitrages rund um das Milliardenprojekt deutlich rauer. Hiesige Bundestagsabgeordnete wie zum Beispiel Frank Schäffler (FDP) fordern derzeit sogar, den Planungsdialog ruhen zu lassen, weil sie derzeit keine „ehrliche Basis“ für einen solchen Dialog sehen würden. Sie werfen der Bahn auch im Namen der Bürgerinitiativen wie der Bigtab oder Widuland vor, krampfhaft an der Maßgabe 31 Minuten Fahrtzeit zwischen Hannover und Bielefeld festzuhalten. Damit sei die Trasse, die wegen der Fahrtzeit bestimmte technische Voraussetzungen erfüllen müsste, bereits nahezu festgelegt. Tatsächlich: Im jüngsten Vertiefungsworkshop, der unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, betonte das Bundesverkehrsministerium, das der Bahn den Planungsauftrag erteilt hat: „31 Minuten Fahrtzeit zwischen Hannover und Bielefeld sind Grundlage der Planungen des Projekts. Innerhalb dieser Rahmenbedingungen ist weiterhin alles offen.“ Ob innerhalb dieser Planungsvorgabe, an der Bahn und Ministerium trotz teils gegenteiliger Expertenmeinung offenbar festhalten wollen, auch eine Nutzung der Bestandsstrecke möglich ist, ist offen. Letzteres fordern zum Beispiel die Bürgerinitiativen in der Region mit Nachdruck. Zumindest ein Blick in die fünf Schüssler-Modellvarianten lässt wenig Hoffnung. Die beiden Varianten, die eine Fahrtzeit von 31 Minuten vorsehen, orientieren sich nicht an der Bestandsstrecke von Bückeburg über Porta Westfalica nach Bad Oeynhausen. Sie würden in dieser Region vielmehr entweder mitten durch die Landschaft führen oder sich in großen Teilen an der A2 orientieren. Viel Zündstoff also für die weiteren Planungsdialoge. Kritiker fordern weiterhin, die Fahrtzeit von 31 Minuten zwischen den Knotenpunkten Hannover und Bielefeld flexibler zu betrachten, um im jetzigen Suchverfahren mehr Möglichkeiten für einen Trassenverlauf zu finden. Die nächste Möglichkeit für Bürgerinnen und Bürger, sich über den Stand der Planungen zu informieren, besteht ab dem 21. Juni. Dann will die Bahn auf der Homepage www.hannover-bielefeld.de interaktiv verschiedene Themen präsentieren: Wie ist der aktuelle Planungsstand? Wie will die Bahn den Ausbau der Bestandsstrecke untersuchen? Wie will die Bahn Alternativstrecken finden? Und was sind eigentlich sogenannte Raumwiderstände? Der digitale Infomarkt ist bis zum 4. Juli freigeschaltet. Am 30. Juni informiert die Bahn von 16 bis 20 Uhr per Livestream und Chat auf dieser Homepage über die offenen Fragen.

Kurz vor der Eskalation: Basiert neuerliche Debatte über ICE-Strecke durch Porta Westfalica auf falschen Informationen?

Die Diskussion rund um die mögliche ICE-Neubautrasse hat zuletzt deutlich an Fahrt aufgenommen. Für neuen Wirbel sorgt ein Artikel in einem Fachmagazin. Die Bahn distanziert sich von den dort getroffenen Aussagen allerdings. Symbolfoto: imago images © Verwendung weltweit ! Keine Weitergabe an Wiederverkäufer.

Porta Westfalica. Sind die Weichen für den Neubau einer ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecke über Portaner Stadtgebiet bereits gestellt? Dieser Eindruck ergibt sich zumindest aus den immer lauter werdenden Stimmen von Kritikern des Milliardenprojekts von Deutscher Bahn und Bundesverkehrsministerium. Neuen Fahrtwind bekommt die Diskussion durch einen nun erschienenen Artikel in der Fachzeitschrift „Der Eisenbahningenieur“. Darin klingt an, dass die Bahn Variante 5 der sogenannten Schüssler-Entwürfe favorisiere. Die Trasse würde durch den Harrl nach Porta führen und über Eisbergen, Lohfeld, Veltheim und Möllbergen Richtung Vlotho verlaufen. Steht damit der Fahrplan der Bahn?

Unternehmenssprecher Peter Mantik bremst am Mittwochmorgen im Gespräch mit dem MT die Dynamik der neuen Diskussion und sorgt für eine neue Überraschung: „Aus dem Projekt hat sich niemand derart geäußert. Wie der Artikel zustande kam, erschließt sich uns nicht.“ Nachfrage an den Bahnsprecher: Das heißt, niemand der Projektbeteiligten der Deutschen Bahn hat mit einem Redakteur des Magazins gesprochen oder ist von einem Redakteur dazu befragt worden? Mantik: „Exakt.“ Die dort getroffenen Aussagen würden auch nicht zur Strategie der Bahn für die Planungsphase einer Hochgeschwindigkeitstrasse passen. Denn: „Wir haben die fünf Modellvarianten komplett ausgeblendet, erheben unsere eigenen Daten.“ Für die Bahn stehe damit fest: „Wir sind weiter komplett ergebnisoffen“, betont Mantik.

Wie kommt es dann zu dieser Veröffentlichung? Nachfrage in der Redaktion der Fachzeitschrift. Gegenüber dem MT hält sich die Redaktion eher bedeckt. Nur so viel: Die Bahn habe bereits gegenüber der Zeitung „Der Eisenbahningenieur“, die übrigens im deutschsprachigen Raum als Marktführer für Eisenbahn-Fachbeiträge gilt, eine Gegendarstellung verlangt. Die Meldung, heißt es auf MT-Anfrage, stamme bereits aus dem Monat Februar. In die öffentliche Diskussion ist sie offenbar erst jetzt eingeflossen. Die genauen Umstände der Veröffentlichung bleiben allerdings nebulös.

Zuletzt wurde der Ton in der Diskussion auch fernab des Fachbeitrages rund um das Milliardenprojekt deutlich rauer. Hiesige Bundestagsabgeordnete wie zum Beispiel Frank Schäffler (FDP) fordern derzeit sogar, den Planungsdialog ruhen zu lassen, weil sie derzeit keine „ehrliche Basis“ für einen solchen Dialog sehen würden. Sie werfen der Bahn auch im Namen der Bürgerinitiativen wie der Bigtab oder Widuland vor, krampfhaft an der Maßgabe 31 Minuten Fahrtzeit zwischen Hannover und Bielefeld festzuhalten. Damit sei die Trasse, die wegen der Fahrtzeit bestimmte technische Voraussetzungen erfüllen müsste, bereits nahezu festgelegt.

Tatsächlich: Im jüngsten Vertiefungsworkshop, der unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, betonte das Bundesverkehrsministerium, das der Bahn den Planungsauftrag erteilt hat: „31 Minuten Fahrtzeit zwischen Hannover und Bielefeld sind Grundlage der Planungen des Projekts. Innerhalb dieser Rahmenbedingungen ist weiterhin alles offen.“ Ob innerhalb dieser Planungsvorgabe, an der Bahn und Ministerium trotz teils gegenteiliger Expertenmeinung offenbar festhalten wollen, auch eine Nutzung der Bestandsstrecke möglich ist, ist offen. Letzteres fordern zum Beispiel die Bürgerinitiativen in der Region mit Nachdruck. Zumindest ein Blick in die fünf Schüssler-Modellvarianten lässt wenig Hoffnung. Die beiden Varianten, die eine Fahrtzeit von 31 Minuten vorsehen, orientieren sich nicht an der Bestandsstrecke von Bückeburg über Porta Westfalica nach Bad Oeynhausen. Sie würden in dieser Region vielmehr entweder mitten durch die Landschaft führen oder sich in großen Teilen an der A2 orientieren.

Viel Zündstoff also für die weiteren Planungsdialoge. Kritiker fordern weiterhin, die Fahrtzeit von 31 Minuten zwischen den Knotenpunkten Hannover und Bielefeld flexibler zu betrachten, um im jetzigen Suchverfahren mehr Möglichkeiten für einen Trassenverlauf zu finden. Die nächste Möglichkeit für Bürgerinnen und Bürger, sich über den Stand der Planungen zu informieren, besteht ab dem 21. Juni. Dann will die Bahn auf der Homepage www.hannover-bielefeld.de interaktiv verschiedene Themen präsentieren: Wie ist der aktuelle Planungsstand? Wie will die Bahn den Ausbau der Bestandsstrecke untersuchen? Wie will die Bahn Alternativstrecken finden? Und was sind eigentlich sogenannte Raumwiderstände? Der digitale Infomarkt ist bis zum 4. Juli freigeschaltet. Am 30. Juni informiert die Bahn von 16 bis 20 Uhr per Livestream und Chat auf dieser Homepage über die offenen Fragen.

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