Kopulierschnitt nur mit scharfer Klinge Mehr als 40 Kursteilnehmer lassen sich die Kunst der Obstbaumveredelung erklären / Lob für Lahder Lokalsorte Von Gisela Schwarze Porta Westfalica-Lohfeld (GS). Das Beherrschen der Veredelungstechnik ist wichtig, um alte Obstsorten vor dem Aussterben zu retten. Das unterstrich Holger Hansing vom Verein Naturschutz und Heimatpflege Porta (NHP) anlässlich eines gut besuchten Veredelungskurses. Mehr als 40 Obstbaumfreunde fanden sich am Wochenende auf der NHP-Obstwiese in Lohfeld am Schneiderbrink/ Ecke Südhang ein. Mit Hilfe des Gartenbau-Experten und Pomologen Norbert Krause, der in Barkhausen eine Baumschule betreibt, lernten die wissbegierigen Kursteilnehmer Techniken wie Triangulation und Geißfußveredelung.Alle hatten mindestens ein scharfes Messer zum Üben dabei und übten unter Holger Hansings Aufsicht an trockenen Ästen Schnitttechniken.Von Anfang bis Ende begleitet und mit Mikrofon und Kamera eingefangen wurden Theorie und Praxis von Sonja Engelke, die für die WDR-Sendung "Lokalzeit" berichtete.Man wolle alte, selten gewordene regionale Obstsorten erhalten, stärken und wieder weiter verbreiten, sagte Norbert Krause vor laufender Kamera. Das gelte in diesem speziellen Kurs für Kirschen, Pflaumen und Äpfel.Bei der Veredelung von Obstgehölzen geht es darum, eine Edelsorte mit einer geeigneten Unterlage zu verbinden. Die Kombination möglichst verwandter Veredelungspartner soll für die gewünschten Früchte und den Erhalt der Sorte sorgen.Ausreichend viele Reiser von Edelsorten waren zum Verarbeiten (Pfropfen) vom Veranstalter beschafft worden, allein elf unterschiedliche für Süßkirschen. Unter den Reisern für sechs Apfelsorten waren auch Veredelungszweige für die seltene Lokalsorte Westfälische Tiefblüte und für die Lahder Pionette. "Bei der alten reich tragenden Lokalsorte aus Lahde ist Genuss bis ins Frühjahr garantiert", schwärmte Holger Hansing. Im Alten Land an der Niederelbe seien 1950 noch 50 unterschiedliche Apfelsorten angebaut worden, heute seien es noch sieben.Die wichtigsten Schritte zur Obstbaumveredelung durften die Gartenfreunde als Gedächtnisstütze in schriftlicher Form mit nach Hause nehmen. "Schritt eins ist das Schneiden der Edelreiser, das von Mitte Dezember bis März an einem frostfreien Tag möglich ist. Schritt zwei ist die Kopulation, die am häufigsten angewandte Veredlungsmethode", gab Norbert Krause sein Fachwissen weiter.Die Kopulation wendet man an, wenn Unterlage und Edelreis etwa gleich stark sind. Beide Teile erhalten den schräg verlaufenden Kopulierschnitt und werden dann zusammengefügt."Wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Veredelung ist das scharfe Kopuliermesser mit einer Stahlklinge. Die Schnittflächen von Unterlage und Edelreis dürfen nicht mit den Fingern berührt werden", hörten die Hobbygärtner.Die mit Daumen und Zeigefinger einer Hand fixierte Veredlungsstelle soll sich auf keinen Fall verschieben. Anschießend umwickelt die andere Hand die Stelle mit Naturbast. Die Versiegelung erfolgt mit Kaltwachs.Die Edelreiser sollten im Winter geschnitten sein und bis zur Veredelung kühl gelagert werden, damit sie nicht austrocknen, schärfte Norbert Krause den Kursteilnehmern ein. "Wenn jemand erst im April veredeln will, muss er die Reiser im Kühlschrank lagern."

Kopulierschnitt nur mit scharfer Klinge

Porta Westfalica-Lohfeld (GS). Das Beherrschen der Veredelungstechnik ist wichtig, um alte Obstsorten vor dem Aussterben zu retten. Das unterstrich Holger Hansing vom Verein Naturschutz und Heimatpflege Porta (NHP) anlässlich eines gut besuchten Veredelungskurses.

Kamera läuft, Ton ab und Action: Gartenbau-Experte Norbert Krause erklärt den richtigen Schnitt bei der Obstbaumveredelung.

Auch der WDR zeigt daran Interesse. - © Foto: Gisela Schwarze
Kamera läuft, Ton ab und Action: Gartenbau-Experte Norbert Krause erklärt den richtigen Schnitt bei der Obstbaumveredelung.
Auch der WDR zeigt daran Interesse. - © Foto: Gisela Schwarze

Mehr als 40 Obstbaumfreunde fanden sich am Wochenende auf der NHP-Obstwiese in Lohfeld am Schneiderbrink/ Ecke Südhang ein. Mit Hilfe des Gartenbau-Experten und Pomologen Norbert Krause, der in Barkhausen eine Baumschule betreibt, lernten die wissbegierigen Kursteilnehmer Techniken wie Triangulation und Geißfußveredelung.

Alle hatten mindestens ein scharfes Messer zum Üben dabei und übten unter Holger Hansings Aufsicht an trockenen Ästen Schnitttechniken.

Von Anfang bis Ende begleitet und mit Mikrofon und Kamera eingefangen wurden Theorie und Praxis von Sonja Engelke, die für die WDR-Sendung "Lokalzeit" berichtete.

Man wolle alte, selten gewordene regionale Obstsorten erhalten, stärken und wieder weiter verbreiten, sagte Norbert Krause vor laufender Kamera. Das gelte in diesem speziellen Kurs für Kirschen, Pflaumen und Äpfel.

Bei der Veredelung von Obstgehölzen geht es darum, eine Edelsorte mit einer geeigneten Unterlage zu verbinden. Die Kombination möglichst verwandter Veredelungspartner soll für die gewünschten Früchte und den Erhalt der Sorte sorgen.

Ausreichend viele Reiser von Edelsorten waren zum Verarbeiten (Pfropfen) vom Veranstalter beschafft worden, allein elf unterschiedliche für Süßkirschen. Unter den Reisern für sechs Apfelsorten waren auch Veredelungszweige für die seltene Lokalsorte Westfälische Tiefblüte und für die Lahder Pionette. "Bei der alten reich tragenden Lokalsorte aus Lahde ist Genuss bis ins Frühjahr garantiert", schwärmte Holger Hansing. Im Alten Land an der Niederelbe seien 1950 noch 50 unterschiedliche Apfelsorten angebaut worden, heute seien es noch sieben.

Die wichtigsten Schritte zur Obstbaumveredelung durften die Gartenfreunde als Gedächtnisstütze in schriftlicher Form mit nach Hause nehmen. "Schritt eins ist das Schneiden der Edelreiser, das von Mitte Dezember bis März an einem frostfreien Tag möglich ist. Schritt zwei ist die Kopulation, die am häufigsten angewandte Veredlungsmethode", gab Norbert Krause sein Fachwissen weiter.

Die Kopulation wendet man an, wenn Unterlage und Edelreis etwa gleich stark sind. Beide Teile erhalten den schräg verlaufenden Kopulierschnitt und werden dann zusammengefügt.

"Wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Veredelung ist das scharfe Kopuliermesser mit einer Stahlklinge. Die Schnittflächen von Unterlage und Edelreis dürfen nicht mit den Fingern berührt werden", hörten die Hobbygärtner.

Die mit Daumen und Zeigefinger einer Hand fixierte Veredlungsstelle soll sich auf keinen Fall verschieben. Anschießend umwickelt die andere Hand die Stelle mit Naturbast. Die Versiegelung erfolgt mit Kaltwachs.

Die Edelreiser sollten im Winter geschnitten sein und bis zur Veredelung kühl gelagert werden, damit sie nicht austrocknen, schärfte Norbert Krause den Kursteilnehmern ein. "Wenn jemand erst im April veredeln will, muss er die Reiser im Kühlschrank lagern."

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