Kastrationspflicht verringert das Leiden Hauptausschuss hört Expertenmeinungen / Tierheim platzt aus allen Nähten / Rechtliche Seite prüfen Von Claudia Hyna Porta Westfalica-Hausberge (mt). Mit dem brisanten Thema Katzenschutzverordnung haben sich die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses der Stadt Porta auseinandergesetzt. Tenor: Es muss sich dringend etwas tun. Ausgangspunkt war ein Antrag der Fraktionen "Bündnis 90/Die Grünen" und SPD auf Erlass einer "Katzenschutzverordnung für freilaufende Katzen". Die Angelegenheit wird zurzeit von der Stadtverwaltung rechtlich geprüft. Der Städte- und Gemeindebund NRW hält die Regelung für rechtlich bedenklich. Bürgermeister Böhme geht es darum, Tierschutz und Ordnungsrecht auf einen Nenner zu bringen.Dennoch führen zurzeit immer mehr Kommunen diese Verordnung ein, um das Problem der Krankheiten und unkontrollierten Vermehrung freilaufender Katzen einzudämmen. Nun waren zur Beratung drei Expertinnen eingeladen worden.Eine flammende Rede für die Kastrations- und Kennzeichnungspflicht freilaufender Katzen hielt Tierärztin Dr. Katrin Vogel-Thielscher, die mit ihrer Praxis in Veltheim ansässig ist. "Wilde Katzen vermehren sich unkontrolliert. Es besteht ein hohes Infektionsrisiko sowohl bei den Kämpfen als auch beim Deckakt. Dabei werden Krankheiten übertragen, die meist zum Tod führen", sagte sie. Dabei handelt es sich um Krankheiten wie Katzen-Aids, Katzenschnupfen und -seuche.Nach Schätzungen sei mittlerweile jedes dritte Freigängertier an Katzenaids erkrankt. Zwar seien diese Krankheiten nicht für Menschen gefährlich, doch gebe es auch die Gefahr der Übertragung auf den Menschen, wie Toxoplasmose (vor allem für Schwangere gefährlich). Mit der Kastration werde die Population eingedämmt und das Leiden der Katzen reduziert. Vogel-Thielscher: "Wir Tierärzte sind berufen zum Schutz der Tiere."Monika Hachmeister vom Tierheim Bückeburg erlebt es täglich: Zwischen November 2010 und Februar dieses Jahres hat das Tierheim 144 unkastrierte Katzen eingefangen und kastriert.Die halb verhungerten und kranken Tiere vermehren sich nach ihren Angaben bis zum vier Mal im Jahr. Dabei werden bei jedem Wurf etwa vier Jungtiere geboren. Zum einen platze das Tierheim aus allen Nähten - die Zahl der Fundkatzen hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt -, auf der anderen Seite überfordern die hohen Arztkosten die Tierschützer. "Bereits 18 Tierheime in Deutschland mussten aus diesen Gründen schließen", berichtete sie.Daher benötige das Tierheim die Hilfe der Politik. 35 Kommunen in Deutschland seien dem Paderborner Modell gefolgt, wo die Kastrationspflicht seit zwei Jahren gelte. Gerichtliche Auseinandersetzungen habe es keine gegeben. "Damit kann den Tierschützern viel Arbeit abgenommen und die Kosten gesenkt werden." Auch Tanja Berger von Menschen für Tierrechte setzt auf die offizielle Seite: "Sonst ändert sich nichts."Bereits im Alter von fünf bis sechs Monaten sei eine Kastration sinnvoll, erklärte die Tierärztin auf Nachfrage aus dem Ausschuss. "Dennoch entwickeln sich die Tiere prächtig." Kämmerer Karl-Heinz Kuhlmann sagte, dass die Verordnung für die Stadt kostenneutral gestaltet werden soll.Eigentlich hatte laut Friedrich Vogt (Grüne) schon in der jetzigen Sitzung über die Verordnung abgestimmt werden sollen. "Es gibt keine sachlichen Argumente mehr dagegen", sagte er. Bis zur nächsten Sitzung müsse endlich eine Verordnung vorgelegt werden.

Kastrationspflicht verringert das Leiden

Porta Westfalica-Hausberge (mt). Mit dem brisanten Thema Katzenschutzverordnung haben sich die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses der Stadt Porta auseinandergesetzt. Tenor: Es muss sich dringend etwas tun.

Freilaufende Katzen sollen nach dem Willen von SPD und Grünen kastriert werden. - © Foto: dpa
Freilaufende Katzen sollen nach dem Willen von SPD und Grünen kastriert werden. - © Foto: dpa

Ausgangspunkt war ein Antrag der Fraktionen "Bündnis 90/Die Grünen" und SPD auf Erlass einer "Katzenschutzverordnung für freilaufende Katzen". Die Angelegenheit wird zurzeit von der Stadtverwaltung rechtlich geprüft. Der Städte- und Gemeindebund NRW hält die Regelung für rechtlich bedenklich. Bürgermeister Böhme geht es darum, Tierschutz und Ordnungsrecht auf einen Nenner zu bringen.

Dennoch führen zurzeit immer mehr Kommunen diese Verordnung ein, um das Problem der Krankheiten und unkontrollierten Vermehrung freilaufender Katzen einzudämmen. Nun waren zur Beratung drei Expertinnen eingeladen worden.

Eine flammende Rede für die Kastrations- und Kennzeichnungspflicht freilaufender Katzen hielt Tierärztin Dr. Katrin Vogel-Thielscher, die mit ihrer Praxis in Veltheim ansässig ist. "Wilde Katzen vermehren sich unkontrolliert. Es besteht ein hohes Infektionsrisiko sowohl bei den Kämpfen als auch beim Deckakt. Dabei werden Krankheiten übertragen, die meist zum Tod führen", sagte sie. Dabei handelt es sich um Krankheiten wie Katzen-Aids, Katzenschnupfen und -seuche.

Nach Schätzungen sei mittlerweile jedes dritte Freigängertier an Katzenaids erkrankt. Zwar seien diese Krankheiten nicht für Menschen gefährlich, doch gebe es auch die Gefahr der Übertragung auf den Menschen, wie Toxoplasmose (vor allem für Schwangere gefährlich). Mit der Kastration werde die Population eingedämmt und das Leiden der Katzen reduziert. Vogel-Thielscher: "Wir Tierärzte sind berufen zum Schutz der Tiere."

Monika Hachmeister vom Tierheim Bückeburg erlebt es täglich: Zwischen November 2010 und Februar dieses Jahres hat das Tierheim 144 unkastrierte Katzen eingefangen und kastriert.

Die halb verhungerten und kranken Tiere vermehren sich nach ihren Angaben bis zum vier Mal im Jahr. Dabei werden bei jedem Wurf etwa vier Jungtiere geboren. Zum einen platze das Tierheim aus allen Nähten - die Zahl der Fundkatzen hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt -, auf der anderen Seite überfordern die hohen Arztkosten die Tierschützer. "Bereits 18 Tierheime in Deutschland mussten aus diesen Gründen schließen", berichtete sie.

Daher benötige das Tierheim die Hilfe der Politik. 35 Kommunen in Deutschland seien dem Paderborner Modell gefolgt, wo die Kastrationspflicht seit zwei Jahren gelte. Gerichtliche Auseinandersetzungen habe es keine gegeben. "Damit kann den Tierschützern viel Arbeit abgenommen und die Kosten gesenkt werden." Auch Tanja Berger von Menschen für Tierrechte setzt auf die offizielle Seite: "Sonst ändert sich nichts."

Bereits im Alter von fünf bis sechs Monaten sei eine Kastration sinnvoll, erklärte die Tierärztin auf Nachfrage aus dem Ausschuss. "Dennoch entwickeln sich die Tiere prächtig." Kämmerer Karl-Heinz Kuhlmann sagte, dass die Verordnung für die Stadt kostenneutral gestaltet werden soll.

Eigentlich hatte laut Friedrich Vogt (Grüne) schon in der jetzigen Sitzung über die Verordnung abgestimmt werden sollen. "Es gibt keine sachlichen Argumente mehr dagegen", sagte er. Bis zur nächsten Sitzung müsse endlich eine Verordnung vorgelegt werden.

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