Kaiser-Wilhelm-Denkmal wird 125 Jahre alt: Ein ganz besonderes „Geschenk" ist bereits in Arbeit Dirk Haunhorst Porta Westfalica. Der 18. Oktober fällt dieses Jahr auf einen Montag. Der Wochenbeginn ist sicher kein guter Termin für eine Jubiläumsfeier. Deshalb wird der Landschaftsverband Westfalen- Lippe (LWL) als Denkmaleigentümer entweder am Wochenende zuvor oder danach feiern. „Dazu laufen Gespräche“ teilt LWL-Pressesprecher Frank Tafertshofer mit. Art und des Umfang des Programms stehen ebenfalls noch nicht fest. Konkretes dürfte sich erst ergeben, wenn das Ende der Pandemie absehbar ist. Ein „Geburtstagsgeschenk“ ist aber fest eingeplant. Der bereits vor mehr als zwei Jahren angekündigte Spielplatz im Rücken des Kaiser-Statue soll bis zum Herbst fertig sein. Der Baugebinn sei für Juni anvisiert, sagt Tafertshofer. Die Aktionsfläche, die den Kindern auf spielerische Art und Weise die Historie näherbringen soll, hatte im vorigen Jahr für viel Diskussionsstoff gesorgt. Der Naturschutzbeirat des Kreises äußerte Bedenken und stimmte erst nach einem Ortstermin dem Projekt zu – unter der Auflage, dass zwischen Spielplatz und der nahen Felswand eine Barriere geschaffen wird. Diese soll verhindern, dass Kinder die Felswand als „Klettergerüst“ nutzen und damit Flora und Fauna beeinträchtigen. Wie berichtet, hatte die NRW-Stiftung bereits im Herbst 2018 dem heimischen Denkmal-Förderverein 380.000 Euro zur Verfügung gestellt., damit Kinder auf dem Spielplatz zum Beispiel auf einer „kaiserlichen Baustelle“ in der Geschichte buddeln können. Auch ein Tastmodell der Kaiserstatue für Sehbehinderte sowie zusätzliche Sprach- und Textinformation rund um das Monument sieht das Stiftungsprojekt vor. Anfangs glaubten die Verantwortlichen noch an eine Inbetriebnahme des Spielplatzes im Jahr 2019. Es dauert jedoch zwei Jahre länger, mindestens. Ungleich komplizierter und langwieriger erwies sich Ende des vorletzten Jahrhunderts der Bau des Monuments zu Ehren Kaiser Wilhelm I. Die Standortentscheidung für die Porta Westfalia fiel bereits 1889, der Architekt Bruno Schmitz setzte sich ein Jahr später mit seinem Entwurf unter 56 Bewerbern durch. Nervenaufreibende Diskussionen folgten, manch großzügige Idee und Verzierung fiel dem Rotstift zum Opfer. Schließlich wurde eine Sparversion verwirklicht – ein wesentlicher Grund für die frühzeitig auftretenden Schäden an der Denkmalterrasse, die vor wenigen Jahren behoben wurden. Als der 18. Oktober 1896 als Einweihungstermin einmal festgesetzt war, durfte es keine Verzögerungen mehr geben, zu bedeutsam schien das Datum: Der 18. Oktober war Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 und Jahrestag der Krönung Wilhelms I. zum preußischen König 1861 in Königsberg. Überdies wurde am 18. Oktober 1831 Prinz Friedrich Wilhelm geboren, der als 99-Tage-Kaiser in die Geschichte einging. Dessen Sohn Wilhelm II. und seine Gattin Kaiserin Auguste Victoria statteten Minden und dem Monument an jenem Herbsttag 1896 einen Kurzbesuch ab. Flatternde Fahnen und herausgeputzte Uniformen bestimmten das Bild am Monument. In der Mitte der Denkmalterrasse stand der „Kaiserpavillon“, gefüllt mit Ehrengästen aus Militär, Kirche, Politik und Verwaltung. Auch westfälische Adelsfamilien hatten dort Platz genommen. Die Tochter des Landtagspräsidenten von Oheimb, dem das gleichnamige Gut in Holzhausen/Porta gehörte, überreichte der Kaiserin ein Blumenbouquet, während Wilhelm II. zahlreiche Hände schüttelte, bevor er das Denkmal mit der Statue seines Großvaters inspizierte und eine Militärparade abnahm. Nach einer Gesamtbesuchszeit von zweieinhalb Stunden verließen Wilhelm II. und Gattin am Nachmittag die Porta und Minden mit dem Zug. Das Festmahl im Hotel Kaiserhof ging ohne das prominente Paar über die Bühne. Als Ersatz hatte man im Saal einen kleinen Baldachin samt Gipsbüste des Kaisers zwischen Lorbeerbäumen aufgestellt. Die letzte große Feier anlässlich eines Denkmaljubiläums fand 1996 zum „Hundertjährigen“ statt. Festrednerin war Ilse Brusis, NRW-Ministerin für Stadtentwicklung, Kultur und Sport. „Eine sozialdemokratische Ministerin als Rednerin anlässlich der 100-Jahrfeier des Kaiser-Wilhelm-Denkmals – diese Vorstellung hätte manch einem Festgast vor 100 Jahren die Freude an der Veranstaltung getrübt“, sagte Brusis damals mit einem Augenzwinkern. Wenige Wochen vor dem Jubiläumstag war der Putz von der Denkmalkuppel geplatzt. Das Monument wurde zunächst „besuchersicher“ gemacht, dann begannen jahrelange Sanierungsarbeiten. Neben der Kuppel wurden auch Denkmalsockel, Treppen und Stützmauern repariert. Die Kosten, getragen von Land, Landschaftsverband sowie der Region in Gestalt des Denkmalfördervereins, nahmen sich mit rund zweieinhalb Millionen Mark vergleichsweise bescheiden aus. Das jüngste Bauprojekt war mit mehr als 16 Millionen Euro ein Vielfaches teurer. Landschaftsverband und Bund gaben dieses Geld aus, um die Ringmauer zu sanieren und ein Besucherzentrum samt Restaurant in die Terrasse zu integrieren. Gut drei Jahre nach der Juryentscheidung für den Entwurf des Architekturbüros Bastian erfolgte am 8. Juni 2018 die Wiedereröffnung des runderneuerten Denkmals. Der Besucherandrang war gleich in den ersten Monaten so groß, dass es auf den Zufahrtsstraßen mehrmals zu einem Verkehrschaos kam. 2018 zählte der Landschaftsverband 230.000 Besucher, 2019 waren es nach dem Abklingen der ersten großen Welle immer noch 210.000 Besucher. Und selbst im „Coronajahr“ 2020 zählte der LWL 177.000 Menschen, die Kaiser-Monument und Informationszentrum besuchten. Im Jubiläumsjahr dürfte dieser Wert wohl übertroffen werden.

Kaiser-Wilhelm-Denkmal wird 125 Jahre alt: Ein ganz besonderes „Geschenk" ist bereits in Arbeit

Porta, Palmen, Puderzucker – diese Aufnahme wirkt auf den ersten Blick wie eine Fotomontage, ist aber keine. Sie entstand vor wenigen Tagen und zeigt in der Bildmitte einige Palmen, die im Sommer an der „Blue Bar" in Barkhausen Strandatmosphäre erzeugen. Foto: Ingo Prieß

Porta Westfalica. Der 18. Oktober fällt dieses Jahr auf einen Montag. Der Wochenbeginn ist sicher kein guter Termin für eine Jubiläumsfeier. Deshalb wird der Landschaftsverband Westfalen- Lippe (LWL) als Denkmaleigentümer entweder am Wochenende zuvor oder danach feiern. „Dazu laufen Gespräche“ teilt LWL-Pressesprecher Frank Tafertshofer mit.

Art und des Umfang des Programms stehen ebenfalls noch nicht fest. Konkretes dürfte sich erst ergeben, wenn das Ende der Pandemie absehbar ist. Ein „Geburtstagsgeschenk“ ist aber fest eingeplant. Der bereits vor mehr als zwei Jahren angekündigte Spielplatz im Rücken des Kaiser-Statue soll bis zum Herbst fertig sein. Der Baugebinn sei für Juni anvisiert, sagt Tafertshofer.

Die Aktionsfläche, die den Kindern auf spielerische Art und Weise die Historie näherbringen soll, hatte im vorigen Jahr für viel Diskussionsstoff gesorgt. Der Naturschutzbeirat des Kreises äußerte Bedenken und stimmte erst nach einem Ortstermin dem Projekt zu – unter der Auflage, dass zwischen Spielplatz und der nahen Felswand eine Barriere geschaffen wird. Diese soll verhindern, dass Kinder die Felswand als „Klettergerüst“ nutzen und damit Flora und Fauna beeinträchtigen.

Wie berichtet, hatte die NRW-Stiftung bereits im Herbst 2018 dem heimischen Denkmal-Förderverein 380.000 Euro zur Verfügung gestellt., damit Kinder auf dem Spielplatz zum Beispiel auf einer „kaiserlichen Baustelle“ in der Geschichte buddeln können. Auch ein Tastmodell der Kaiserstatue für Sehbehinderte sowie zusätzliche Sprach- und Textinformation rund um das Monument sieht das Stiftungsprojekt vor. Anfangs glaubten die Verantwortlichen noch an eine Inbetriebnahme des Spielplatzes im Jahr 2019. Es dauert jedoch zwei Jahre länger, mindestens.

Ungleich komplizierter und langwieriger erwies sich Ende des vorletzten Jahrhunderts der Bau des Monuments zu Ehren Kaiser Wilhelm I. Die Standortentscheidung für die Porta Westfalia fiel bereits 1889, der Architekt Bruno Schmitz setzte sich ein Jahr später mit seinem Entwurf unter 56 Bewerbern durch. Nervenaufreibende Diskussionen folgten, manch großzügige Idee und Verzierung fiel dem Rotstift zum Opfer. Schließlich wurde eine Sparversion verwirklicht – ein wesentlicher Grund für die frühzeitig auftretenden Schäden an der Denkmalterrasse, die vor wenigen Jahren behoben wurden.

Als der 18. Oktober 1896 als Einweihungstermin einmal festgesetzt war, durfte es keine Verzögerungen mehr geben, zu bedeutsam schien das Datum: Der 18. Oktober war Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 und Jahrestag der Krönung Wilhelms I. zum preußischen König 1861 in Königsberg. Überdies wurde am 18. Oktober 1831 Prinz Friedrich Wilhelm geboren, der als 99-Tage-Kaiser in die Geschichte einging.

Dessen Sohn Wilhelm II. und seine Gattin Kaiserin Auguste Victoria statteten Minden und dem Monument an jenem Herbsttag 1896 einen Kurzbesuch ab. Flatternde Fahnen und herausgeputzte Uniformen bestimmten das Bild am Monument. In der Mitte der Denkmalterrasse stand der „Kaiserpavillon“, gefüllt mit Ehrengästen aus Militär, Kirche, Politik und Verwaltung. Auch westfälische Adelsfamilien hatten dort Platz genommen. Die Tochter des Landtagspräsidenten von Oheimb, dem das gleichnamige Gut in Holzhausen/Porta gehörte, überreichte der Kaiserin ein Blumenbouquet, während Wilhelm II. zahlreiche Hände schüttelte, bevor er das Denkmal mit der Statue seines Großvaters inspizierte und eine Militärparade abnahm. Nach einer Gesamtbesuchszeit von zweieinhalb Stunden verließen Wilhelm II. und Gattin am Nachmittag die Porta und Minden mit dem Zug. Das Festmahl im Hotel Kaiserhof ging ohne das prominente Paar über die Bühne. Als Ersatz hatte man im Saal einen kleinen Baldachin samt Gipsbüste des Kaisers zwischen Lorbeerbäumen aufgestellt.

Die letzte große Feier anlässlich eines Denkmaljubiläums fand 1996 zum „Hundertjährigen“ statt. Festrednerin war Ilse Brusis, NRW-Ministerin für Stadtentwicklung, Kultur und Sport. „Eine sozialdemokratische Ministerin als Rednerin anlässlich der 100-Jahrfeier des Kaiser-Wilhelm-Denkmals – diese Vorstellung hätte manch einem Festgast vor 100 Jahren die Freude an der Veranstaltung getrübt“, sagte Brusis damals mit einem Augenzwinkern.

Wenige Wochen vor dem Jubiläumstag war der Putz von der Denkmalkuppel geplatzt. Das Monument wurde zunächst „besuchersicher“ gemacht, dann begannen jahrelange Sanierungsarbeiten. Neben der Kuppel wurden auch Denkmalsockel, Treppen und Stützmauern repariert. Die Kosten, getragen von Land, Landschaftsverband sowie der Region in Gestalt des Denkmalfördervereins, nahmen sich mit rund zweieinhalb Millionen Mark vergleichsweise bescheiden aus.

Das jüngste Bauprojekt war mit mehr als 16 Millionen Euro ein Vielfaches teurer. Landschaftsverband und Bund gaben dieses Geld aus, um die Ringmauer zu sanieren und ein Besucherzentrum samt Restaurant in die Terrasse zu integrieren. Gut drei Jahre nach der Juryentscheidung für den Entwurf des Architekturbüros Bastian erfolgte am 8. Juni 2018 die Wiedereröffnung des runderneuerten Denkmals.

Der Besucherandrang war gleich in den ersten Monaten so groß, dass es auf den Zufahrtsstraßen mehrmals zu einem Verkehrschaos kam. 2018 zählte der Landschaftsverband 230.000 Besucher, 2019 waren es nach dem Abklingen der ersten großen Welle immer noch 210.000 Besucher. Und selbst im „Coronajahr“ 2020 zählte der LWL 177.000 Menschen, die Kaiser-Monument und Informationszentrum besuchten. Im Jubiläumsjahr dürfte dieser Wert wohl übertroffen werden.

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