Kaiser-Wilhelm-Denkmal wird 125 Jahre - MT-Interview mit dem LWL über Besucherzahlen und Pläne Ursula Koch Minden. Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem Wittekindsberg wurde vor 125 Jahren feierlich eingeweiht. Erst drei Jahre ist es her, dass das rundum sanierte Denkmal wieder eröffnet wurde. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) als Eigentümer hatte 16 Millionen Euro investiert, um die Ringterrasse wiederherzustellen und in ihrem Innern ein neues Besucherzentrum und Gastronomie mit Panoramablick in die Porta unterzubringen. 2018 erlebte das Denkmal einen Besucheransturm, dann kam Corona. Im Interview mit dem Mindener Tageblatt erläutern LWL-Direktor Matthias Löb und LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, ob die Erwartungen des LWL bislang erfüllt wurden und was rund um das Denkmal, das vom Personal des LWL-Preußenmuseums in Minden betreut wird, noch passieren soll. Wie haben sich die Besucherzahlen seit der Wiedereröffnung entwickelt und sind Sie nach Ende der Corona-Zwangspause mit den Besucherzahlen zufrieden? Löb: Wir hatten vor Wiedereröffnung mit 150.000 Besuchern und Besucherinnen im Jahr gerechnet, gekommen sind 2018 und 2019 etwa 230.000 und 210.000. Trotz Pandemie sind vergangenes Jahr etwa 200.000 Menschen am Denkmal gewesen. Wie werden die Führungen am Denkmal angenommen? Rüschoff-Parzinger: Die Angebote für Führungen am Denkmal können über das Touristikzentrum Westliches Weserbergland und Minden Marketing gebucht werden und sind trotz der Coronapandemie, die den Führungsbetrieb zeitweise unterbrochen hat, gut angenommen worden. Derzeit arbeiten beide Tourismus-Verbände zusammen mit dem LWL-Preußenmuseum Minden an neuen Führungs- und Workshopformaten für alle Zielgruppen. Läuft die Technik im Besucherzentrum ohne Personaleinsatz vor Ort stabil? Rüschoff-Parzinger: Im Großen und Ganzen ja. Im Moment sind im Besucherzentrum mehrere Medientische im Einsatz. Insgesamt sammelt die LWL-Kultur in ihren LWL-Museen sehr viel technisches Know-how – auch für Anwendungen ohne Personaleinsatz vor Ort –, von dem auch das LWL-Besucherzentrum im Kaiser-Wilhelm-Denkmal profitiert. Was schätzen Sie, wie lange derStatus quo am Denkmal für die Besucher attraktiv bleibt? Löb: Im Besucherzentrum werden wir immer mal wieder unser Angebot überarbeiten, aber das Konzept ist bisher aufgegangen. Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal wird weiter sein Publikum anziehen. Hat sich die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen, die sich für die KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte in Porta oder den Erhalt von Margarethenkapelle und Kreuzkirche einsetzen, weiterentwickelt? Rüschoff-Parzinger: Ja, wir planen wissenschaftliche Kooperationen mit der KZ-Gedenkstätte sowie mit dem Bismarck-Bund Porta Westfalica, um Wittekindsberg und Jakobsberg als historischen Raum noch stärker zu verbinden und auch hier neue Angebote der historisch-politischen Bildung zu schaffen. Wie wird sich die Eröffnung des LWL-Preußenmuseums Minden im November auf das Zusammenspiel zwischen Besucherzentrum und Preußenmuseum auswirken? Rüschoff-Parzinger: Wir werden nach der Museumseröffnung das Besucherzentrum am Denkmal noch einmal inhaltlich nachschärfen und um Aspekte der Geschichte der Denkmalkultur ergänzen. Außerdem wird ja die Kulturvermittlung am Denkmal vom LWL-Preußenmuseum konzipiert. Wir werden nach der Museumseröffnung zum Beispiel noch mehr Angebote zur Demokratiebildung für Jugendliche machen. Warum ist der LWL überhaupt Eigentümer des Kaiser-Wilhelm-Denkmals? Löb: Das Denkmal gehörte dem Provinzialverband Westfalen, unserem Vorgänger, unter anderem weil es mit Geld aus der Region bezahlt wurde – das hat seinerzeit nicht der Kaiser übernommen. Deswegen ist der LWL heute Eigentümer des Denkmals. Was würden Sie sich für die Entwicklung des Areals rund um das Denkmal in der nahen Zukunft wünschen? Löb: Da habe ich tatsächlich zwei ganz konkrete Wünsche: Erstens hoffe ich, dass wir bald mit allen Akteuren die Potenziale des Wittekindberges zeigen können, nach dem Motto „2000 Jahre Geschichte auf 2000 Metern“. Zweitens wollen wir unseren Teil zu einem touristischen Gesamtkonzept an der Porta Westfalica beitragen: Diese bedeutende Landmarke hätte es verdient, dass sie Pflichtprogramm für alle touristischen Angebote wird und im Paket mit anderen Höhepunkten der Region auch überregional beworben wird. Wie geht es mit der Entwicklung des Netzwerks Preußen in Westfalen voran? Rüschoff-Parzinger: Das Netzwerk erweitert sich stetig und entwickelt – unter der Leitung des LWL-Preußenmuseums Minden – neue kulturtouristische Angebote. Gerade konnten wir im Netzwerk als neues Mitglied das Haus Opherdicke bei Unna begrüßen. So umspannt das Netzwerk das ganze Gebiet von Westfalen.

Kaiser-Wilhelm-Denkmal wird 125 Jahre - MT-Interview mit dem LWL über Besucherzahlen und Pläne

Seit Juli 2018 informiert das Besucherzentrum über die Entstehung, die Geschichte und das Umfeld des Kaiser-Wilhelm-Denkmals. Fotos: MT-Archiv/Alex Lehn

Minden. Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem Wittekindsberg wurde vor 125 Jahren feierlich eingeweiht. Erst drei Jahre ist es her, dass das rundum sanierte Denkmal wieder eröffnet wurde. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) als Eigentümer hatte 16 Millionen Euro investiert, um die Ringterrasse wiederherzustellen und in ihrem Innern ein neues Besucherzentrum und Gastronomie mit Panoramablick in die Porta unterzubringen. 2018 erlebte das Denkmal einen Besucheransturm, dann kam Corona. Im Interview mit dem Mindener Tageblatt erläutern LWL-Direktor Matthias Löb und LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, ob die Erwartungen des LWL bislang erfüllt wurden und was rund um das Denkmal, das vom Personal des LWL-Preußenmuseums in Minden betreut wird, noch passieren soll.

Wie haben sich die Besucherzahlen seit der Wiedereröffnung entwickelt und sind Sie nach Ende der Corona-Zwangspause mit den Besucherzahlen zufrieden?

Löb: Wir hatten vor Wiedereröffnung mit 150.000 Besuchern und Besucherinnen im Jahr gerechnet, gekommen sind 2018 und 2019 etwa 230.000 und 210.000. Trotz Pandemie sind vergangenes Jahr etwa 200.000 Menschen am Denkmal gewesen.

Malina Reckordt

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Wie werden die Führungen am Denkmal angenommen?

Rüschoff-Parzinger: Die Angebote für Führungen am Denkmal können über das Touristikzentrum Westliches Weserbergland und Minden Marketing gebucht werden und sind trotz der Coronapandemie, die den Führungsbetrieb zeitweise unterbrochen hat, gut angenommen worden. Derzeit arbeiten beide Tourismus-Verbände zusammen mit dem LWL-Preußenmuseum Minden an neuen Führungs- und Workshopformaten für alle Zielgruppen.

LWL-Direktor Matthias Löb eröffnete vor drei Jahren die rekonstruierte Ringterrasse. - © Lehn
LWL-Direktor Matthias Löb eröffnete vor drei Jahren die rekonstruierte Ringterrasse. - © Lehn

Läuft die Technik im Besucherzentrum ohne Personaleinsatz vor Ort stabil?

Rüschoff-Parzinger: Im Großen und Ganzen ja. Im Moment sind im Besucherzentrum mehrere Medientische im Einsatz. Insgesamt sammelt die LWL-Kultur in ihren LWL-Museen sehr viel technisches Know-how – auch für Anwendungen ohne Personaleinsatz vor Ort –, von dem auch das LWL-Besucherzentrum im Kaiser-Wilhelm-Denkmal profitiert.

LWL-Kulturdzernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger kam mit ihrem Mann Hermann Parzinger zur Eröffnung. - © Lehn
LWL-Kulturdzernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger kam mit ihrem Mann Hermann Parzinger zur Eröffnung. - © Lehn

Was schätzen Sie, wie lange derStatus quo am Denkmal für die Besucher attraktiv bleibt?

Löb: Im Besucherzentrum werden wir immer mal wieder unser Angebot überarbeiten, aber das Konzept ist bisher aufgegangen. Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal wird weiter sein Publikum anziehen.

Hat sich die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen, die sich für die KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte in Porta oder den Erhalt von Margarethenkapelle und Kreuzkirche einsetzen, weiterentwickelt?

Rüschoff-Parzinger: Ja, wir planen wissenschaftliche Kooperationen mit der KZ-Gedenkstätte sowie mit dem Bismarck-Bund Porta Westfalica, um Wittekindsberg und Jakobsberg als historischen Raum noch stärker zu verbinden und auch hier neue Angebote der historisch-politischen Bildung zu schaffen.

Wie wird sich die Eröffnung des LWL-Preußenmuseums Minden im November auf das Zusammenspiel zwischen Besucherzentrum und Preußenmuseum auswirken?

Rüschoff-Parzinger: Wir werden nach der Museumseröffnung das Besucherzentrum am Denkmal noch einmal inhaltlich nachschärfen und um Aspekte der Geschichte der Denkmalkultur ergänzen.

Außerdem wird ja die Kulturvermittlung am Denkmal vom LWL-Preußenmuseum konzipiert. Wir werden nach der Museumseröffnung zum Beispiel noch mehr Angebote zur Demokratiebildung für Jugendliche machen.

Warum ist der LWL überhaupt Eigentümer des Kaiser-Wilhelm-Denkmals?

Löb: Das Denkmal gehörte dem Provinzialverband Westfalen, unserem Vorgänger, unter anderem weil es mit Geld aus der Region bezahlt wurde – das hat seinerzeit nicht der Kaiser übernommen. Deswegen ist der LWL heute Eigentümer des Denkmals.

Was würden Sie sich für die Entwicklung des Areals rund um das Denkmal in der nahen Zukunft wünschen?

Löb: Da habe ich tatsächlich zwei ganz konkrete Wünsche: Erstens hoffe ich, dass wir bald mit allen Akteuren die Potenziale des Wittekindberges zeigen können, nach dem Motto „2000 Jahre Geschichte auf 2000 Metern“.

Zweitens wollen wir unseren Teil zu einem touristischen Gesamtkonzept an der Porta Westfalica beitragen: Diese bedeutende Landmarke hätte es verdient, dass sie Pflichtprogramm für alle touristischen Angebote wird und im Paket mit anderen Höhepunkten der Region auch überregional beworben wird.

Wie geht es mit der Entwicklung des Netzwerks Preußen in Westfalen voran?

Rüschoff-Parzinger: Das Netzwerk erweitert sich stetig und entwickelt – unter der Leitung des LWL-Preußenmuseums Minden – neue kulturtouristische Angebote. Gerade konnten wir im Netzwerk als neues Mitglied das Haus Opherdicke bei Unna begrüßen. So umspannt das Netzwerk das ganze Gebiet von Westfalen.

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