MT-Serie: 40 Jahre Porta - Gesichter einer Stadt Kai Gerulat bereitet Umgang mit Motorsäge tierisches Vergnügen Ein Bär als Blickfang und Bremsverstärker Von Dirk Haunhorst Porta Westfalica-Nammen (mt). Kai Gerulat hat am Nammer Ortseingang den Verkehr beruhigt. "Die Autos bremsen hier ab", sagt er. Kein Wunder: In Nammen ist der Bär los. Der riesige braune Holzfigur im Grizzlyformat steht dort seit Pfingsten und hat anfangs ein paar Außenspiegel gekostet. Manche Fahrer gerieten im wahrsten Sinne des Wortes aus der Spur und ihre Autos aneinander. Schlimmeres sei aber nicht passiert, versichert der 27-Jährige; der Bär stehe dort in friedlicher Absicht und wolle niemanden gefährden.Kai Gerulat ist ein Nammer Junge, lebte bis zum 20. Lebensjahr bei seinen Eltern am Nammer Berg und wohnt heute mit Frau und anderthalbjährigem Sohn an der Landstraße Zur Porta. Die Verbindung zum Wald war prägend, eigentlich wollte Gerulat Zimmermann werden wie sein Vater. Doch der riet ihm ab, meinte, auf dem Bau könnte sein Sohn nichts werden. "Von der frischen Luft haben mich meine Eltern aber nicht wegbekommen." Gerulat wurde Forstwirt und arbeitet heute im Landkreis Schaumburg.In der Lehre hat er angefangen, aus Bäumen Tierfiguren herauszusägen, anfangs Eichhörnchen und Hasen. Er verfeinerte den Umgang mit der Carvingsäge; lernte, was mit auslaufender und was mit einlaufender Säge zu bearbeiten ist, wie stark man dem Holz zusetzen darf, damit nicht bloß Brennholz herauskommt. Selbstverständlich benötigt der Mann an der Säge räumliches Vorstellungsvermögen. Wer aber glaubt, Gerulats künstlerische Begabung wäre bereits in der Schule erkannt worden, der irrt. "In Kunst hatte ich ne Vier."Der Braunbär ist aus Pappelholz. Der Baum war drei Meter groß, hatte einen Durchmesser von 1,10 Meter. Zwei Jahre ruhte das Holz, bis die Bärenidee geboren wurde.Pappeln haben keinen guten Ruf, gelten als Wackelkandidaten. Ihr weiches Holz aber ist leicht zu bearbeiten. "Eiche ist äußerst hart und deshalb materialmordend", sagt Gerulat. Die Sägen litten enorm. Er bevorzugt Lärchen, sie sind reich an Harz und langlebig. Mehrere Sägen hat Gerulat in seinem Repertoire, mit sechs bis 1,8 PS, von 63 bis 30 Zentimeter Schienenlänge. Das meiste Fingerspitzengefühl benötigt er für die Augen der Tiere.In Nammen ist er nicht bloß der Künstler mit der scharfen Säge. Gerulat packt kräftig mit an. Im Schützenverein ist er stellvertretender Jugendwart und - das liegt nahe - fürs Grünholen zuständig. Als freiwilliger Feuerwehrmann hat er am Standort fürs neue Gerätehaus Bäume gefällt, Büsche weggebaggert und beim Innenausbau geholfen. "Die Kameradschaft ist spitze", sagt er.Wegziehen ist kein Thema. Seine Frau habe mal kurz über den Umzug in eine Großstadt nachgedacht. Da sind die beiden mit dem Zug nach Dortmund gefahren. "Das Thema hatte sich dort schon am Bahnhof erledigt."Ein delikater KundenwunschKai Gerulat ist oft auf Brennholztagen zu sehen. Zuweilen wird er dort mit ungewöhnlichen Wünschen konfrontiert. In Rinteln nahm ihn ein Mann beiseite. Der wollte einen Barhocker in Dildo-Optik. "Er hatte sehr präzise Vorstellungen", erinnert sich Gerulat mit einem Schmunzeln. Er selbst habe es gar nicht so genau wissen wollen. Gerulat wimmelte den Mann ab. Wenn er mal sehr viel Zeit hätte, wolle er über den Spezialauftrag nachdenken, sagte er dem Kunden.Nachdenklich wird der 27-Jährige, wenn er über Porta Westfalica spricht. "Die Stadt sollte nicht noch mehr absacken." Auch Nammen spüre die Finanzprobleme, nicht nur in der Schuldebatte. Das neue Gerätehaus habe lange auf sich warten lassen. "Die Stimmung in der Truppe war zwischenzeitlich ganz unten."Mal angenommen, Kai Gerulat müsste der Stadt zum 40. Geburtstag etwas sägen. "Dann würde ich wohl Weser- und Wiehengebirge als Motiv wählen, selbstverständlich samt Denkmal." Dafür nähme er sogar Eiche. Porta soll schließlich von Dauer sein.
MT-Serie: 40 Jahre Porta - Gesichter einer Stadt

Kai Gerulat bereitet Umgang mit Motorsäge tierisches Vergnügen

Porta Westfalica-Nammen (mt). Kai Gerulat hat am Nammer Ortseingang den Verkehr beruhigt. "Die Autos bremsen hier ab", sagt er. Kein Wunder: In Nammen ist der Bär los.

- © Foto: MT
© Foto: MT
Nammer Holzbär wird zum Autoschreck - © PORTA
Nammer Holzbär wird zum Autoschreck - © PORTA

Der riesige braune Holzfigur im Grizzlyformat steht dort seit Pfingsten und hat anfangs ein paar Außenspiegel gekostet. Manche Fahrer gerieten im wahrsten Sinne des Wortes aus der Spur und ihre Autos aneinander. Schlimmeres sei aber nicht passiert, versichert der 27-Jährige; der Bär stehe dort in friedlicher Absicht und wolle niemanden gefährden.

Kai Gerulat ist ein Nammer Junge, lebte bis zum 20. Lebensjahr bei seinen Eltern am Nammer Berg und wohnt heute mit Frau und anderthalbjährigem Sohn an der Landstraße Zur Porta. Die Verbindung zum Wald war prägend, eigentlich wollte Gerulat Zimmermann werden wie sein Vater. Doch der riet ihm ab, meinte, auf dem Bau könnte sein Sohn nichts werden. "Von der frischen Luft haben mich meine Eltern aber nicht wegbekommen." Gerulat wurde Forstwirt und arbeitet heute im Landkreis Schaumburg.

In der Lehre hat er angefangen, aus Bäumen Tierfiguren herauszusägen, anfangs Eichhörnchen und Hasen. Er verfeinerte den Umgang mit der Carvingsäge; lernte, was mit auslaufender und was mit einlaufender Säge zu bearbeiten ist, wie stark man dem Holz zusetzen darf, damit nicht bloß Brennholz herauskommt. Selbstverständlich benötigt der Mann an der Säge räumliches Vorstellungsvermögen. Wer aber glaubt, Gerulats künstlerische Begabung wäre bereits in der Schule erkannt worden, der irrt. "In Kunst hatte ich ne Vier."

Der Braunbär ist aus Pappelholz. Der Baum war drei Meter groß, hatte einen Durchmesser von 1,10 Meter. Zwei Jahre ruhte das Holz, bis die Bärenidee geboren wurde.

Pappeln haben keinen guten Ruf, gelten als Wackelkandidaten. Ihr weiches Holz aber ist leicht zu bearbeiten. "Eiche ist äußerst hart und deshalb materialmordend", sagt Gerulat. Die Sägen litten enorm. Er bevorzugt Lärchen, sie sind reich an Harz und langlebig. Mehrere Sägen hat Gerulat in seinem Repertoire, mit sechs bis 1,8 PS, von 63 bis 30 Zentimeter Schienenlänge. Das meiste Fingerspitzengefühl benötigt er für die Augen der Tiere.

In Nammen ist er nicht bloß der Künstler mit der scharfen Säge. Gerulat packt kräftig mit an. Im Schützenverein ist er stellvertretender Jugendwart und - das liegt nahe - fürs Grünholen zuständig. Als freiwilliger Feuerwehrmann hat er am Standort fürs neue Gerätehaus Bäume gefällt, Büsche weggebaggert und beim Innenausbau geholfen. "Die Kameradschaft ist spitze", sagt er.

Wegziehen ist kein Thema. Seine Frau habe mal kurz über den Umzug in eine Großstadt nachgedacht. Da sind die beiden mit dem Zug nach Dortmund gefahren. "Das Thema hatte sich dort schon am Bahnhof erledigt."

Ein delikater Kundenwunsch

Kai Gerulat ist oft auf Brennholztagen zu sehen. Zuweilen wird er dort mit ungewöhnlichen Wünschen konfrontiert. In Rinteln nahm ihn ein Mann beiseite. Der wollte einen Barhocker in Dildo-Optik. "Er hatte sehr präzise Vorstellungen", erinnert sich Gerulat mit einem Schmunzeln. Er selbst habe es gar nicht so genau wissen wollen. Gerulat wimmelte den Mann ab. Wenn er mal sehr viel Zeit hätte, wolle er über den Spezialauftrag nachdenken, sagte er dem Kunden.

Nachdenklich wird der 27-Jährige, wenn er über Porta Westfalica spricht. "Die Stadt sollte nicht noch mehr absacken." Auch Nammen spüre die Finanzprobleme, nicht nur in der Schuldebatte. Das neue Gerätehaus habe lange auf sich warten lassen. "Die Stimmung in der Truppe war zwischenzeitlich ganz unten."

Mal angenommen, Kai Gerulat müsste der Stadt zum 40. Geburtstag etwas sägen. "Dann würde ich wohl Weser- und Wiehengebirge als Motiv wählen, selbstverständlich samt Denkmal." Dafür nähme er sogar Eiche. Porta soll schließlich von Dauer sein.

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