Kahlschlag in den Weserauen: Streuobstlandschaft soll künftig regelmäßig gepflegt werden Carsten Korfesmeyer Porta Westfalica-Barkhausen. Der erste Eindruck täuscht. Am Weserradweg in Barkhausen haben keine Baumfrevler zugeschlagen, sondern es ist gründlich aufgeräumt worden. „Der Wildwuchs ist beseitigt", sagt Lutz Carta am Samstag gegenüber dem MT. Endlich, denn die zuletzt stark wuchernden Büsche und Bäume hätten das Bild auf dem Rücken des Weserauentunnels gründlich verfälscht. Anstatt der heimischen Obstbäume setze sich nach Worten des zertifizierten Natur- und Landschaftsführers zuletzt immer mehr der Wildwuchs durch. Das sah zwar einigermaßen nett aus, war aber so nicht gedacht und obendrein auch noch riskant. Mittelfristig hätte es auf der belebten Strecke wohl Probleme mit der Verkehrssicherungspflicht gegeben. Die Absicht, in den Barkhauser Weserauen auf den Streuobstcharakter zu setzen, ist älter als der Tunnel. „Wir wollten schon damals eine weserauentypische Anpflanzung", sagt Bezirksausschussvorsitzender Dirk Rahnenführer (SPD). Dahinter steckt die für Barkhausen einst prägende bäuerliche Landwirtschaft. Die kannte unter anderem zig Obstsorten und die sollen hauptsächlich das Landschaftsbild prägen. Nahezu zeitgleich mit der Beseitigung des Wildwuchses wurden deshalb auch Bäume angepflanzt – unter anderem am Burkamp und am Aulhauser Weg. Was die alten Baumsorten betrifft, geht es in den Barkhauser Auen jetzt kunterbunt zu. „Birnen, Äpfel, Kirschen oder auch Nüsse", sagt Lutz Carta. Er weist zugleich darauf hin, dass die Bürger herzlich dazu eingeladen sind, das reife Obst vom Baum zu pflücken. Jeder der mag, darf sich bedienen. Allerdings sind die meisten Bäume noch so jung, dass es mit der ersten Ernte wohl noch etwas dauern dürfte. Aber wie konnte es überhaupt erst dazu kommen, dass sich der Wildwuchs zuletzt so verbreiten konnte? „Man hat einfach das Pflegen versäumt", sagt Carta. Und das über einen Zeitraum von fünf Jahren, so dass es zuletzt gar nicht mehr möglich war, vernünftig um die Bäume herum zu mähen. Womöglich wäre der Zustand noch länger so geblieben, wenn nicht der Zufall ein wenig nachgeholfen hätte. Denn FDP-Fraktionschefin Cornelia Müller-Dieker hatte bei einem Spaziergang im Herbst ein Foto der Barkhauser Weserauen bei Facebook gepostet. „Und dazu ausgerechnet geschrieben, wie schön sich doch die Natur dort zeigt", sagt die Barkhauserin mit einem Augenzwinkern. Das wiederum las Lutz Carta, der die Politikerin daraufhin auf die eigentlich gewollte Streuobstlandschaft hinwies. Die schaltete Politik und Verwaltung ein, bekam grünes Licht und nach zwei Ortsterminen mit Vertretern der Stadt, der Bundesforstbehörde und dem Landesbetrieb Straßen NRW stand fest: In den Auen wird aufgeräumt und künftig zwei Mal im Jahr gemäht. „Eine Streuobstwiese ist eine Kulturlandschaft, die regelmäßig gepflegt werden muss", sagt Carta. Schon bald werde dort eine Blütenpracht zu sehen sein. Ähnliche Worte findet die FDP-Fraktionschefin, die sich auch darüber freut, wie schnell und unbürokratisch die Sache in den Weserwiesen. gelaufen ist. Gewinn für Natur und Kultur Kommentar von Carsten Korfesmeyer Mehr Obstbäume, mehr Insekten, mehr Attraktivität: Was am Weserradweg auf manche Radler, Spaziergänger oder Jogger zunächst wie ein Kahlschlag wirkt, entpuppt sich als eine Win-Win-Win-Situation. Der Wildwuchs ist weg, die Landschaft blüht auf und auch der Tourismus profitiert davon. Gut so.Streuobstwiesen fallen unter den Begriff der Kultur, die im Gegensatz zur Natur gerade nicht sich selbst überlassen werden dürfen. Genau das ist allerdings mit der Streuobstlandschaft in den Weserauen zuletzt geschehen. Und das hätte Folgen haben können, denn: Über die vor einem Vierteljahrhundert gefasste Absicht, vorrangig auf Äpfel, Birnen oder Kirschen zu setzen, wäre buchstäblich beinahe Gras gewachsen. Schön, dass manche hartnäckig an das alte Vorhaben erinnert haben. Schön, dass sich die verantwortlichen Stellen aus Politik und Verwaltung offen zeigten. Schön ist auch, dass alles ohne größeren bürokratischen Aufwand abgelaufen ist. Mit der Blüte im Frühjahr wird dann der erste Erfolg sichtbar. Und in ein paar Jahren sieht die Landschaft so aus, wie sie schon lange hätte sein sollen.

Kahlschlag in den Weserauen: Streuobstlandschaft soll künftig regelmäßig gepflegt werden

Auf dem Tunnelrücken in Barkhausen hat ein Fachbetrieb den Wildwuchs beseitigt. In den kommenden Jahren soll die ursprünglich gewollte Streuobstlandschaft weiter wachsen. MT-Foto: Carsten Korfesmeyer © Korfesmeyer

Porta Westfalica-Barkhausen. Der erste Eindruck täuscht. Am Weserradweg in Barkhausen haben keine Baumfrevler zugeschlagen, sondern es ist gründlich aufgeräumt worden. „Der Wildwuchs ist beseitigt", sagt Lutz Carta am Samstag gegenüber dem MT. Endlich, denn die zuletzt stark wuchernden Büsche und Bäume hätten das Bild auf dem Rücken des Weserauentunnels gründlich verfälscht. Anstatt der heimischen Obstbäume setze sich nach Worten des zertifizierten Natur- und Landschaftsführers zuletzt immer mehr der Wildwuchs durch. Das sah zwar einigermaßen nett aus, war aber so nicht gedacht und obendrein auch noch riskant. Mittelfristig hätte es auf der belebten Strecke wohl Probleme mit der Verkehrssicherungspflicht gegeben.

Die Absicht, in den Barkhauser Weserauen auf den Streuobstcharakter zu setzen, ist älter als der Tunnel. „Wir wollten schon damals eine weserauentypische Anpflanzung", sagt Bezirksausschussvorsitzender Dirk Rahnenführer (SPD). Dahinter steckt die für Barkhausen einst prägende bäuerliche Landwirtschaft. Die kannte unter anderem zig Obstsorten und die sollen hauptsächlich das Landschaftsbild prägen. Nahezu zeitgleich mit der Beseitigung des Wildwuchses wurden deshalb auch Bäume angepflanzt – unter anderem am Burkamp und am Aulhauser Weg.

Was die alten Baumsorten betrifft, geht es in den Barkhauser Auen jetzt kunterbunt zu. „Birnen, Äpfel, Kirschen oder auch Nüsse", sagt Lutz Carta. Er weist zugleich darauf hin, dass die Bürger herzlich dazu eingeladen sind, das reife Obst vom Baum zu pflücken. Jeder der mag, darf sich bedienen. Allerdings sind die meisten Bäume noch so jung, dass es mit der ersten Ernte wohl noch etwas dauern dürfte.

Aber wie konnte es überhaupt erst dazu kommen, dass sich der Wildwuchs zuletzt so verbreiten konnte? „Man hat einfach das Pflegen versäumt", sagt Carta. Und das über einen Zeitraum von fünf Jahren, so dass es zuletzt gar nicht mehr möglich war, vernünftig um die Bäume herum zu mähen. Womöglich wäre der Zustand noch länger so geblieben, wenn nicht der Zufall ein wenig nachgeholfen hätte. Denn FDP-Fraktionschefin Cornelia Müller-Dieker hatte bei einem Spaziergang im Herbst ein Foto der Barkhauser Weserauen bei Facebook gepostet. „Und dazu ausgerechnet geschrieben, wie schön sich doch die Natur dort zeigt", sagt die Barkhauserin mit einem Augenzwinkern. Das wiederum las Lutz Carta, der die Politikerin daraufhin auf die eigentlich gewollte Streuobstlandschaft hinwies. Die schaltete Politik und Verwaltung ein, bekam grünes Licht und nach zwei Ortsterminen mit Vertretern der Stadt, der Bundesforstbehörde und dem Landesbetrieb Straßen NRW stand fest: In den Auen wird aufgeräumt und künftig zwei Mal im Jahr gemäht.

„Eine Streuobstwiese ist eine Kulturlandschaft, die regelmäßig gepflegt werden muss", sagt Carta. Schon bald werde dort eine Blütenpracht zu sehen sein. Ähnliche Worte findet die FDP-Fraktionschefin, die sich auch darüber freut, wie schnell und unbürokratisch die Sache in den Weserwiesen. gelaufen ist.

Gewinn für Natur und Kultur

Kommentar von Carsten Korfesmeyer

Mehr Obstbäume, mehr Insekten, mehr Attraktivität: Was am Weserradweg auf manche Radler, Spaziergänger oder Jogger zunächst wie ein Kahlschlag wirkt, entpuppt sich als eine Win-Win-Win-Situation. Der Wildwuchs ist weg, die Landschaft blüht auf und auch der Tourismus profitiert davon. Gut so.Streuobstwiesen fallen unter den Begriff der Kultur, die im Gegensatz zur Natur gerade nicht sich selbst überlassen werden dürfen. Genau das ist allerdings mit der Streuobstlandschaft in den Weserauen zuletzt geschehen. Und das hätte Folgen haben können, denn: Über die vor einem Vierteljahrhundert gefasste Absicht, vorrangig auf Äpfel, Birnen oder Kirschen zu setzen, wäre buchstäblich beinahe Gras gewachsen. Schön, dass manche hartnäckig an das alte Vorhaben erinnert haben. Schön, dass sich die verantwortlichen Stellen aus Politik und Verwaltung offen zeigten. Schön ist auch, dass alles ohne größeren bürokratischen Aufwand abgelaufen ist. Mit der Blüte im Frühjahr wird dann der erste Erfolg sichtbar. Und in ein paar Jahren sieht die Landschaft so aus, wie sie schon lange hätte sein sollen.

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