Jugendherberge seit einem Jahr geschlossen Christine Riechmann Porta Westfalica. Es ist nicht die Arbeit, die Gerhard Hulsman vermisst – davon hat der Leiter der Jugendherberge in Porta Westfalica auch im Moment noch genug. Es sind die Menschen, die ihm fehlen, das Leben im Haus. Seit nunmehr einem Jahr ist die Jugendherberge coronabedingt geschlossen – und wird definitiv vor dem 2. Juli auch nicht wieder öffnen. „Da es bis zu den Sommerferien ein Verbot für Klassenfahrten gibt, macht alles andere keinen Sinn“, beschreibt Hulsman die prekäre Lage des Hauses, das als reines Schulklassen- und Gruppenhaus besonders stark von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen ist. Fanden im Jahr 2019 noch 9.180 Übernachtungen in der Portaner Jugendherberge statt, waren es 2020 nur 1.118 und damit rund 88 Prozent weniger als im Vorjahr. Aber nicht nur im Weserbergland hat die Corona-Krise ihre Spuren hinterlassen, auch die 28 anderen Jugendherbergen der Region sind schwer getroffen. Für 2020 zählt der Landesverband Westfalen-Lippe lediglich 182.560 Übernachtungen und damit rund 72 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Blick auf das erste Halbjahr 2021 bereitet dem gemeinnützigen Verband ebenfalls große Sorge. Acht weitere Häuser neben der Herberge in Porta mussten aufgrund der Entwicklungen seit dem März-Lockdown im vergangenen Jahr durchgängig geschlossen bleiben. „Die Lage ist ernst“, fasst Guido Kaltenbach als Geschäftsführer des DJH-Landesverbandes Westfalen-Lippe zusammen. „Wir befinden uns nach wie vor in einer historischen und existenzbedrohenden Situation.“ Trotzdem hoffe man noch, der Krise am Ende zu trotzen. „Bisher mussten wir keine corona-bedingten Kündigungen aussprechen. Alle unsere rund 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind zwar in Kurzarbeit, aber noch an Bord.“ Auch endgültige Standort-Schließungen seien aktuell nicht erfolgt. „Das ist bis hierhin ein sehr großer Etappensieg“, so Kaltenbach. In Kurzarbeit sind auch Gerhard Hulsman und die anderen sechs Mitarbeiter der Jugendherberge in Porta. „Man kann gar nicht beschreiben, wie weh das tut“, sagt der Leiter. „Wir haben hier sonst immer mit Menschen zu tun, die Kontakte fehlen uns sehr.“ Besonders er spüre die Einsamkeit rund um die Herberge: Hulsman, der seit 1985 wie er sagt „Herbergsvater“ ist und damit dienstältester Leiter in der Region, ist auch der einzige Mitarbeiter im Landesverband, der noch in einer Dienstwohnung auf dem Herbergsgelände lebt. Ein Umstand, der ihm auch in der aktuellen Situation das Leben einfacher macht. Schließlich müssen – auch wenn im Haus kein Betrieb herrscht– die regelmäßigen Kontrollrundgänge gemacht werden. Die viele freie Zeit nutzen Hulsman und sein Team um Instandhaltungsmaßnahmen und kleinere Renovierungen durchzuführen. „All das schaffen wir im laufenden Betrieb sonst nicht“, sagt der Leiter. Das Erdgeschoss sei bereits gestrichen, nun kommen noch der Keller und das Obergeschoss an die Reihe. Auch müssten die Etagenbetten teilweise neu in den Wänden verankert und Leitern repariert werden. „Die Aufgaben sind vielfältig.“ Und auch jetzt kämen täglich E-Mails mit Buchungsanfragen, die abgearbeitet werden müssen. Ein Lichtblick für den Herbergsvater, der sich so sehr freut, wenn es endlich wieder los gehen kann. Für die immer starken Monate August, September und Oktober gebe es bereits viele Buchungen. „Da setze ich meine ganze Hoffnung drauf“. Für den Neustart hat der Landesverband flexible Konzepte entwickelt, um der Krise zu trotzen. So ist es zum Beispiel in Porta möglich, während der Klassenfahrt verpassten Schulstoff nachzuholen. Auf Wunsch der Schulen könne die Fahrt so gestaltet und organisiert werden, dass Lerneinheiten eingebaut und die entsprechenden Räume und Technik zur Verfügung gestellt werden. „Wir sind da gut aufgestellt“, versichert Hulsman, der trotz der Hoffnung skeptisch bleibt. „Wann es wirklich wieder los geht, kann niemand sagen. Wir können nur auf Sicht fahren.“

Jugendherberge seit einem Jahr geschlossen

Anstelle von tobenden Schülern zieht im Moment ein einsamer Renovierungstrupp durch die Räumlichkeiten der Portaner Jugendherberge. Foto: privat © privat

Porta Westfalica. Es ist nicht die Arbeit, die Gerhard Hulsman vermisst – davon hat der Leiter der Jugendherberge in Porta Westfalica auch im Moment noch genug. Es sind die Menschen, die ihm fehlen, das Leben im Haus.

Seit nunmehr einem Jahr ist die Jugendherberge coronabedingt geschlossen – und wird definitiv vor dem 2. Juli auch nicht wieder öffnen. „Da es bis zu den Sommerferien ein Verbot für Klassenfahrten gibt, macht alles andere keinen Sinn“, beschreibt Hulsman die prekäre Lage des Hauses, das als reines Schulklassen- und Gruppenhaus besonders stark von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen ist. Fanden im Jahr 2019 noch 9.180 Übernachtungen in der Portaner Jugendherberge statt, waren es 2020 nur 1.118 und damit rund 88 Prozent weniger als im Vorjahr.

Aber nicht nur im Weserbergland hat die Corona-Krise ihre Spuren hinterlassen, auch die 28 anderen Jugendherbergen der Region sind schwer getroffen. Für 2020 zählt der Landesverband Westfalen-Lippe lediglich 182.560 Übernachtungen und damit rund 72 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Blick auf das erste Halbjahr 2021 bereitet dem gemeinnützigen Verband ebenfalls große Sorge.

Acht weitere Häuser neben der Herberge in Porta mussten aufgrund der Entwicklungen seit dem März-Lockdown im vergangenen Jahr durchgängig geschlossen bleiben. „Die Lage ist ernst“, fasst Guido Kaltenbach als Geschäftsführer des DJH-Landesverbandes Westfalen-Lippe zusammen. „Wir befinden uns nach wie vor in einer historischen und existenzbedrohenden Situation.“ Trotzdem hoffe man noch, der Krise am Ende zu trotzen. „Bisher mussten wir keine corona-bedingten Kündigungen aussprechen. Alle unsere rund 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind zwar in Kurzarbeit, aber noch an Bord.“ Auch endgültige Standort-Schließungen seien aktuell nicht erfolgt. „Das ist bis hierhin ein sehr großer Etappensieg“, so Kaltenbach.

In Kurzarbeit sind auch Gerhard Hulsman und die anderen sechs Mitarbeiter der Jugendherberge in Porta. „Man kann gar nicht beschreiben, wie weh das tut“, sagt der Leiter. „Wir haben hier sonst immer mit Menschen zu tun, die Kontakte fehlen uns sehr.“ Besonders er spüre die Einsamkeit rund um die Herberge: Hulsman, der seit 1985 wie er sagt „Herbergsvater“ ist und damit dienstältester Leiter in der Region, ist auch der einzige Mitarbeiter im Landesverband, der noch in einer Dienstwohnung auf dem Herbergsgelände lebt. Ein Umstand, der ihm auch in der aktuellen Situation das Leben einfacher macht. Schließlich müssen – auch wenn im Haus kein Betrieb herrscht– die regelmäßigen Kontrollrundgänge gemacht werden.

Die viele freie Zeit nutzen Hulsman und sein Team um Instandhaltungsmaßnahmen und kleinere Renovierungen durchzuführen. „All das schaffen wir im laufenden Betrieb sonst nicht“, sagt der Leiter. Das Erdgeschoss sei bereits gestrichen, nun kommen noch der Keller und das Obergeschoss an die Reihe. Auch müssten die Etagenbetten teilweise neu in den Wänden verankert und Leitern repariert werden. „Die Aufgaben sind vielfältig.“

Und auch jetzt kämen täglich E-Mails mit Buchungsanfragen, die abgearbeitet werden müssen. Ein Lichtblick für den Herbergsvater, der sich so sehr freut, wenn es endlich wieder los gehen kann. Für die immer starken Monate August, September und Oktober gebe es bereits viele Buchungen. „Da setze ich meine ganze Hoffnung drauf“.

Für den Neustart hat der Landesverband flexible Konzepte entwickelt, um der Krise zu trotzen. So ist es zum Beispiel in Porta möglich, während der Klassenfahrt verpassten Schulstoff nachzuholen. Auf Wunsch der Schulen könne die Fahrt so gestaltet und organisiert werden, dass Lerneinheiten eingebaut und die entsprechenden Räume und Technik zur Verfügung gestellt werden. „Wir sind da gut aufgestellt“, versichert Hulsman, der trotz der Hoffnung skeptisch bleibt. „Wann es wirklich wieder los geht, kann niemand sagen. Wir können nur auf Sicht fahren.“

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